WLAN, UMTS

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Hoffnungen auf Erfolge und Geschäfte

WLAN, UMTS und die Monopolstrategie der Telekom

 

Von Ralf Sürtenich, TK- und IT-Experte der Unternehmensberatung insieme business

 

Düsseldorf, www.ne-na.de - Trotz der „Alles-wird-gut-Kommentare“ zu UMTS auf dem 3GSM Summit in Cannes sind die Zeichen nicht zu übersehen, dass die Hoffnungen auf Erfolge und Geschäfte mit UMTS im Grunde ad acta gelegt wurden. In den fast 4 Jahren, die seit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen vergangen sind, haben es die Netzbetreiber und die Endgeräte-Hersteller nicht einmal geschafft, attraktive und leistungsfähige Endgeräte bereitzustellen. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Betreiber und Hersteller täuschen aber über das eigentliche Grundproblem der Mobilfunk-Branche hinweg: Es existieren nach wie vor keine überzeugenden Dienste, die mobiler Datenverkehr mit höheren Bandbreiten auf einem Handy oder Smart Phone erfordern.

 

Als der große Run auf die UMTS-Lizenzen stattfand, träumte die Branche vom mobilen Surfen, Location Based Services und Navigationssystemen auf Smart Phones, mobilem Payment und vielfältigem M-Commerce. Außer den eher wenig erfolgreichen Versuchen, den japanischen i-Mode Service auch in Europa zu platzieren, ist jeder Versuch, werthaltigen Content bereit zu stellen, bereits schon in der Produktentwicklung steckengeblieben. Nach wie vor stellen Display-Logos und Klingeltöne den einzigen mobilen Content dar, für den bezahlt wird. Die Anwendung „Foto-Handy“ hingegen zielt genau wie SMS darauf, den Content durch die Anwender selbst bereitstellen zu lassen.

 

Mobiles Surfen auf einem Smart Handy oder einem anderen Gerät, welches einem Handy ähnlich ist, ist definitiv nicht der Bedarf der Anwender, das dürfte mittlerweile klar geworden seind. Das Smart-Phone ist als Schnittstelle zum HTML-basierenden Web einfach zu klein und zu eingeschränkt, und den Luxus von speziellen Webseiten für mobile Geräte mit kleinem Display und eingeschränktem Funktionsumfang leistet sich niemand. Auch diese Erkenntnis wurde schon vor Jahren mit dem Flop von WAP gezogen. Zwischen dem Smart-Phone und einem vollwertigen Notebook oder Sub-Notebook bleibt kein Spielraum für einen weiteren Gerätetyp. Der drahtlose Zugang eines Notebooks zum Internet wiederum ist keine mobile, sondern eine quasi-stationäre Anwendung. Soll er transparent und dabei nahtlos zum drahtgebundenen Internet-Zugang erfolgen, erfordert auch der drahtlose quasi-stationäre Zugang hohe Bandbreite. Aber das ist dann reiner Bandbreitenverkauf: der Betreiber erzielt den Erlös über den Verkauf von Übertragungsvolumen, vom Geschäft mit Content ist keine Rede.

 

Somit stellen sich die Probleme der 3G-Netze und ihrer Anwendung nicht als technische Probleme dar, sondern ganz klar als Marketingprobleme. Die gesamte Telekommunikation hat mit wenigen Ausnahmen nie Inhalte bereitgestellt, sondern immer als Transportmedium fungiert und damit ihre  Profite erzielt. Die stolzen Geschäftsmodelle für UMTS basieren aber substantiell auf Erlösen für Content. Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Subscriber im 3G-Netze wurde durchaus in Bereichen von 60 Euro und mehr angenommen. Davon sind die heutigen Mobilfunk-Umsätze weit entfernt, und dabei sind sie schon seit rund 3 Jahren auf recht stabilem Niveau bei circa 25 Euro. Es zeichnet sich ab, dass genau das eintreten wird, wovor Experten schon vor Jahren gewarnt haben: wenn die Mobilfunkbranche es nicht schafft, das Nutzerverhalten und damit auch die alltäglichen Gewohnheiten der Anwender in Richtung mobile Anwendungen zu modifizieren, wenn die Mobilität sich nicht in den täglichen Bedürfnissen der Anwender und in ihren Lebensprozessen wiederfindet, bleibt der Mobilfunk im bloßen mobilen Telefonieren stecken und somit weiterhin ein Transportmedium. Für den Durchbruch von werthaltigem Content und profitablem m-Commerce im Mobilfunkmarkt zählen nicht die technischen Features der Handys, sondern überzeugende Anwendungen, die schnell die kritische Masse im Markt erreichen und dann einen Anwendungs-Standard bilden. Hier hat das Marketing der Mobilfunkbranche bisher versagt, vielleicht auch mangels Erfahrung mit anderen Themen als Übertragungsdiensten oder dem Handy-Design.

 

Der Bedarf an quasi-stationärem, drahtlosem Internetzugang – also Public WLAN -  zu günstigen Preisen ist derzeit der Boom in der Telekommunikation schlechthin, aber er setzt niedrige Einstiegs- und Betriebskosten voraus. Die Rechung, dass man alleine mit den 50 Mrd. Euro Lizenzkosten für UMTS die gesamten urbanen Gebiete in Deutschland mit WLAN-Hot Spots hätte abdecken können, macht auf drastische Weise klar, dass die UMTS-Philosophie überteuert und überfrachtet war. Mit der Ankündigung von T-Com und T-Mobile bis zum Ende des Jahre rund 10.000 WLAN-Hot Spots in Deutschland aufzustellen, wird deutlich, dass die UMTS-Lizenznehmer nun die Situation realistisch sehen und Alternativen vorbereiten. Der T-Konzern hat sicherlich zwei Gründe dafür: die Besetzung aller attraktiven Hot Spots mit seinem Service als Grundlage für erweiterte Mobilfunkdienste und der drohende Wettbewerb, den WLAN zu DSL bilden kann. Da Telekom den DSL-Markt zu über 90 Prozent beherrscht, wäre ein flächendeckender Wettbewerber mit WLAN-Technik, der in den Innenstädten, in Gewerbegebieten und an Verkehrsknotenpunkten präsent ist, eine unmittelbare Gefahr für das eigene DSL-Geschäft. Somit werden T-Com und T-Mobile gemeinsam danach streben, das WLAN-Geschäft unter ihre Fittiche zu nehmen: Es lebe das Monopol!

 

Die Entwicklung marschiert weiter in Richtung der drahtlosen Breitbandnetze. Die Schwächen der heutigen WLAN-Technik, die ja eigentlich als drahtloses Inhouse-Netz und nicht als öffentliches Netz gedacht war, werden durch neue Standards wie 802.16a überwunden. WLAN wird zum Metropolitan Area Network, und in Verbindung mit VoIP (Internet Telefonie) zum Bestandteil der Mobilfunknetze der vierten Generation. Differenziert man realistisch zwischen mobilem Telefonieren mit einem Beiwerk von Multimedia auf der einen Seite, und schnellem, drahtlosen Internetzugang auf der anderen Seite, so heißen die Lösungen GSM/GPRS und WLAN. Der Traum von den mobilen, universellen Multimedia-Anwendungen verblasst hier genauso schnell wie die Vision vom „Fernsehempfang auf dem Smart Phone“, die noch vor zwei Jahren für das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T beschworen wurde. Mit einem großzügigen Ausbau und einer ausreichenden Masse im Markt wird Public WLAN Anwendungsstandard und damit integraler Bestandteil der Mobilfunkentwicklung.

 

Neben der eklatanten Marketing-Schwäche der Mobilfunknetzbetreiber bei der Weiterentwicklung der Dienste trägt auch die Regulierungspolitik selbst massiv Schuld an dem miserablen Zustand der Entwicklung: eine möglichst wenig restriktive und nicht auf die Haushaltskonsolidierung des Staates ausgerichtete Telekommunikationspolitik hätte auch in Deutschland bereits Erfolge hervorbringen können wie etwa im Japan, wo bereits über 12 Mio. Subscriber den Mobilfunkservice von KDDI nutzen, der UMTS-ähnliche Leistungen auf einer anderen Übertragungsplattform (CDMA2000-1X) bietet. Die Politik der Regulierungsbehörde RegTP war zu sehr darauf ausgerichtet, wenige und finanziell praktisch omnipotente Lizenznehmer für UMTS zu finden und weiter in der Tradition der Festnetztelefonie zu planen, in großen, hierarchisch strukturierten und monolithisch administrierten Netzen zu denken. Ein dynamischer Markt mit vielen kleinen WLAN-Anbietern überfordert anscheinend die Vorstellungskraft der Regulierungsbehörde. Ergebnis gehen vom teuer bezahlten UMTS-Hype keinerlei Impulse mehr aus, hingegen kann man noch auf den Public WLAN Markt hoffen, wenn er nicht von den staatlich gehätschelten Großkonzernen wie der Telekom präventiv gekauft und damit blockiert wird.

 

 

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