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Offene Standards machen „Wegwerf-Applikationen“ wiederverwertbar

Grüner Punkt für Portale

Portale sind aus dem heutigen Alltag eines „Knowledge Workers“ nicht mehr wegzudenken, das ist inzwischen unumstritten. Über Portale erhalten Mitarbeiter, Partner und Kunden personalisierten Zugang zu Informationen. Allem nachgewiesen Nutzen zum Trotz ist die Erstellung von Portalen und vor allem die Verknüpfung von Portalinhalten verhältnismäßig aufwändig. Zur Lösung der Problematik sind vor kurzem offene Standards ins Gespräch gekommen. Sie sollen für die Austauschbarkeit von Portalinhalten sorgen. Aber was bringen sie tatsächlich und warum gibt es zwei verschiedene? Stefan Schimansky, Director Consulting bei Novell Central Europe, untersucht anhand von Beispielen, wie offene Standards Portallösungen effizienter und geschäftsorientierter gestalten können:

Mit zunehmender Nutzung werden an Portale, seit Ende der 90er Jahre im Einsatz, immer höhere Anforderungen gestellt. Sie sollen nicht nur Inhalte aufbereiten, sondern auch als Frontend für verschiedenen Anwendungen dienen oder in der Darstellung sogar benutzerspezifisch variieren. Mit individuellen Integrationslösungen sind diese Anforderungen kostengünstig nicht mehr umzusetzen.

In vielen Unternehmen ist derzeit eine Art Informationsdrehscheibe Mittelpunkt eines Portals. Diese Informationsdrehscheibe deckt die Informationsbedürfnisse verschiedener Gruppen (Mitarbeiter, Zulieferer, Kunden, u.a.) aus einem gemeinsamen Informations- und Servicepool ab. Da die Portale plattform- und herstellerspezifisch realisiert werden, ist der Aufwand allerdings erheblich. Meist wird ein Portal ausgewählt. dass den größten Teil der gewünschten Funktionalitäten bereits enthält. Weitere Services werden zusätzlich integriert. Der Haken: Die Unternehmen legen sich auf ein bestimmtes Portal fest, erstellen sehr spezifische Lösungen und sind in der Ausgestaltung wenig flexibel. Jede Änderung und Anpassung an neue Anforderungen verursacht zusätzliche Kosten, es werden also Kompromisse gemacht. Mit dem Ergebnis, dass Informationen und Services nicht optimal geschäftsorientiert zur Verfügung gestellt werden können.

Abhilfe sollen neue Standards bilden. Diese Standards definieren klare Schnittstellen zwischen der applikationsspezifischen Implementierung der Portalkomponenten und deren Einbindung in das Portal. Die Portalkomponenten müssen dadurch nur noch einmal - kunden- und plattformunabhängig - für eine Applikation entwickelt werden und können dann je nach Kundenbedürfnissen flexibel in Portalen verwendet werden. Die Vision einer unternehmensübergreifenden Integration aller Informationen und Services zur optimalen Unterstützung der Geschäftsbedürfnisse rückt damit in greifbare Nähe.

Zwei Standards stehen dafür derzeit zur Verfügung: JSR-168-Standard sowie WSRP (Web Services for Remote Portlets), die je nach Beschaffenheit der einzubindenden Systeme zum Einsatz kommen. Handelt es sich bei den anzubindenden Applikationen um Systeme, die im Kontext des Portal-Applikationsservers betrieben werden können, bietet der JSR-168 die besten Voraussetzungen. Benötigen die Applikationen jedoch ihre eigene Infrastruktur, aus technischen oder gar geografischen Gründen, muss zum WSRP-Standard gegriffen werden.

Die neuen offenen Standards erlauben es, Geschäftsmodelle und –abläufe effizient umzusetzen, die früher immer wieder aufs Neue enorme Aufwände erforderten. Eine Krankenkasse die ein Portal zum Beispiel nutzt, um im Rahmen eines Kollektivvertrags Mitglieder zu gewinnen, kann mit offenen Standards erhebliche Entwicklungskosten und Akquisitionskosten sparen. Um es für die Mitarbeiter von Firmen mit Kollektivvertrag möglichst einfach zu machen, eine Offerte für einen Kassenwechsel zu erhalten, kann als Teil des Firmen-Intranets (oder Mitarbeiter-Portals) ein Portlet zur Verfügung gestellt werden, in dem eine Offerte erstellt werden kann. Alle bereits im System vorhandenen Stammdaten müssen dabei nicht erneut erfasst werden, für sichere Datenübertragung ist gesorgt. Die Krankenkasse baut ein Portlet, das via WSRP auf sicherem Wege über das Intranet oder ein Mitarbeiter-Portal verschiedenen Firmenkunden angeboten werden kann – beliebig vielen Kunden. Durch die gesicherte Verbindung und den Kontext können zudem sensitive Daten ausgetauscht werden.

Auch bei Großveranstaltungen, bei denen zahlreiche Dienstleister, Behörden und Koordinatoren zusammenarbeiten, kann ein Portal mit offenen Standards Prozesse wesentlich vereinfachen. Die einzelnen Dienstleister, Behörden und anderen Beitragenden stellen Portlets zur Verfügung, um ihre Services anzubieten. Orchestrierte Workflows (Abläufe) garantieren, dass ungeübte Aussteller/Verkaufsorganisationen sicher an die Veranstaltung herangeführt werden und ihre Teilnahme planen können. Das zentrale Portal autorisiert die Teilnehmer und gibt die entsprechenden Schlüsselinformationen an die Geschäftspartner weiter. Dem Getränkeanbieter für eine Großveranstaltung wird es zum Beispiel damit möglich, die notwendigen Bewilligungen, den Stromanschluss (für den Kühlschrank), die Reservierung der Standfläche etc. strukturiert abzuwickeln. Durch offene Portal-Standards wird für den Veranstalter der Aufbau des Veranstaltungsportals wesentlich einfacher, da die grundsätzliche Kommunikation und Interaktion standardisiert wird. Die Dienstleister und Behörden müssen jedes Portlet nur einmal bauen und können es dann konsequent in die eigenen Prozesse integrieren.

Von offenen Standards für Portale profitiert auch die öffentlichen Verwaltung: Bislang verzichten viele eGovernment-Anwendungen auf eine eindeutige Identifizierung des Benutzers und stellen primär Formulare zur Verfügung, die hinterher manuell abgewickelt werden. Ein transaktions-orientiertes Portal würde es dem Bürger erlauben, alle relevanten Geschäftsfälle mit der Gemeinde, der Region und auch mit der Bundesverwaltung abzuwickeln. Mehrere Gemeinden könnten die „Mantelanwendung“ gemeinsam entwickeln, dem Benutzer aber personalisiert ein individuelles Erscheinungsbild und spezifische Inhalte (z.B. Gemeinde-Wappen, Auskunftsinformationen, etc.) anbieten. Der Aufwand schreckt hier aber viele Entscheider ab. Eine Lösung wäre es, granulare Dienstleistungen von Kommune, Land und Bund als Open Standard („WSRP“) Portlets bereitzustellen. Gemeinden (oder Gruppen von Gemeinden) bauen dann auf der Basis dieser Portlets sowie spezifischer Informationsangebote ein Einwohner-Portal. Aufgabe des Portals ist die Authentifizierung der Bürger, die Navigation zwischen den Angeboten und die Bereitstellung von Informationen. Durch Einsatz der neuen Standards können sicherheitsrelevante Überprüfungen zentralisiert und genau der Instanz zugewiesen werden, die dies am besten umsetzen kann. Für die Anbieter der einzelnen Dienstleistungen verringert sich der Entwicklungsaufwand drastisch. Eine weitergehende Integration der Anwendung mit den Backend-Systemen und damit eine Automatisierung der Abwicklung wird dadurch möglich.

Den maximalen Nutzen erzeugen offene Standards im Portal-Bereich also durch Wiederverwenden einer einmal entwickelten Funktionalität oder Software. Neue Geschäftsmodelle können so ökonomisch implementiert werden, zum Beispiel Funktionalitäten von Geschäftspartnern, die ins Intranet eingebettet werden. Voraussetzung für eine Wiederverwendbarkeit a lá Dual System mit dem Grünen Punkt ist aber, dass die Implementierung der Standards stabil und auch wirklich standard-konform und die Definition der Standards detailliert und weitgreifend genug ist. Darüber hinaus schaffen die Standards aber auch definierte Schnittstellen und Systemgrenzen. Die Entwicklung von Anwendungen profitiert davon, da die Herstellerabhängigkeit verringert und die Integrationsfähigkeit gesteigert werden. Gerade im Portal Framework-Bereich ist es zu erwarten, dass Open Source-Plattformen eine wesentliche Rolle spielen werden und bereits heute durchaus eine verwendbare Alternative zu kommerziellen Angeboten sein können.

Offene Standards sind eine unabdingbare Voraussetzung für den Durchbruch der Portal-Technologie. Letztlich steckt hinter dem Portal schließlich der Gedanke, verschiedenste Informationsquellen in einer standardisierten Ansicht und über ein einheitliches Benutzer-Interface verwenden zu können – mit möglichst wenig Aufwand und möglichst hohem Nutzen.

 

 


 

 


 
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