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Business Integration

Flexibler Bauplan

EAI, also die Integration von Applikationen: das war gestern. Heute befassen sich Unternehmen mit der Integration von Geschäftsprozessen. Serviceorientierte Abläufe und Architekturen spielen dabei eine tragende Rolle.

 

P

aradox ist das schon: Wer sich im Zusammenhang mit der Integration von Geschäftsprozessen auf serviceorientierte Architekturen beruft, spricht von Services. Gemeint sind damit eigenständige Funktionen: auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von »Zusammenschluss«. Erst beim zweiten Blick löst sich der vermeintliche Widerspruch auf. In einer serviceorientierten Architektur sind Funktionen in Form wieder verwendbarer, voneinander unabhängiger und lose gekoppelter Services implementiert. Über definierte Schnittstellen können die Services aufgerufen und in umfangreichen Prozessen und geschäftlichen Aktivitäten genutzt werden.

Eine serviceorientierte Architektur ist weniger eine Technologie, sondern vielmehr ein konzeptionelles Modell, um damit möglichst effizient komplexe IT-Infrastrukturen zu realisieren. Die wichtigsten Charakteristika einer serviceorientierten Architektur auf einen Blick:

·         Ein Service ist nichts anderes als eine Softwareeinheit; davon existiert jeweils nur eine Instanz.

·         Services sind untereinander lose gekoppelt. Damit sie mit anderen Komponenten effizient zusammenarbeiten können, müssen sie »eigenständig« sein.

·         Die Kommunikation zwischen Services erfolgt so einfach wie möglich und nutzt XML-Dokumente; sie sind deutlich flexibler als herkömmliche Funktionsaufrufe wie Remote Procedure Calls.

·         Services sollten zusätzlich zum synchronen (Web-Services) auch asynchrones Messaging (beispielsweise Java Message Services) beherrschen, um so lang laufende Geschäftsprozesse zu unterstützen.

 

Integration auf Prozessebene.

Wo in einer serviceorientierten Architektur Module und Komponenten (Softwareeinheiten) miteinander gekoppelt werden, um Geschäftsprozesse abzuarbeiten, erinnert das an industrielle Fertigungsprozesse. Speziell im Automobilbau setzen Unternehmen bei der Produktplanung und -entwicklung auf die System- und Modulbildung. Ein Modul ist dabei nichts anderes als eine komplette und funktionsfähige Komponente, die einbaufähig geliefert wird. Standardkomponenten lassen sich auftragsneutral vorfertigen. Die auftragsabhängigen Bausteine (beim Automobil beispielsweise die Ausstattung, die Farbe und das Zubehör) müssen abhängig von bestimmten Ereignissen (Events) individuell geordert werden.

Eine solche Event-gesteuerte Konstellation lässt sich recht gut mit einer asynchronen, lose gekoppelten serviceorientierten Architektur abbilden und damit auch steuern. Voraussetzung dafür sind Methoden und Verfahren, um die Nachricht (eine Message) vom Auftreten eines bestimmten Events veröffentlichen beziehungsweise empfangen zu können – mit dem Fachterminus: Publish and Subscribe.

Um eines klar zu stellen: Wenn hier von einer serviceorientierten, ereignisgesteuerten Architektur die Rede ist, geht es immer um konkrete Geschäftsprozesse. Das Modell veranschaulicht komplexe Sachverhalte. Ziel ist immer eine hoch flexible prozesszentrierte Infrastruktur, die weitgehend problemlos an wechselnde Anforderungen anpassbar ist. Die Technologie wieder verwendbarer Services ist nur der Anfang. Sicherlich ebenso bedeutsam ist die Event-Orientierung.

Im zeitlichen Verlauf eines Geschäftsprozesses – etwa der Auftragsannahme und -bearbeitung – sind eine Vielzahl von Events zu analysieren und miteinander zu verknüpfen. Um beim Automobilbau zu bleiben: Was ist zu tun, wenn wichtige Komponenten nicht geliefert werden, weil Vorprodukte nicht rechtzeitig eintreffen oder bei einem Lieferanten gestreikt wird? Können fehlende Komponenten vorüber gehend bei einem anderen Produzenten beschafft werden? Gibt es von Anfang an einen Plan B? Auf den Punkt gebracht: Nur wer Ereignisse zeitnah erkennt, kann darauf reagieren. Was »zeitnah« ist, ist vom konkreten Geschäftsprozess abhängig. Im Wertpapierhandel kann es um Sekunden gehen, bei Autoherstellern genügt es, wenn die alternativen Komponenten einige Stunden später bereit stehen. Die Event-Orientierung liefert die Kriterien für zeitgerechte Reaktionen.

 

Business Activity Monitoring.

Dabei ist die Event-Orientierung eng mit dem zeitlichen Aspekt verknüpft. Denn dauerhafte Effekte stellen sich nur ein, wenn ein ständiges Monitoring stattfindet. Die Überwachung der Wertschöpfungskette in Echtzeit ermöglicht eine permanente Transparenz und Trendverfolgung. Im Gegensatz zu Werkzeugen, die lediglich im Nachhinein eine Betrachtung auf der Datenebene vornehmen, liefert eine Real-Time-Analyse Informationen auf der Ebene der gerade aktuellen Geschäftsprozesse.

Um solche Werkzeuge wirksam einsetzen zu können, bedarf es einiger Voraussetzungen. Essentiell ist die exakte Definition betriebswirtschaftlicher Kennzahlen (KPIs = Key Performance Indicators). Hier geht es insbesondere um Größen wie Kundenservice, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit, Logistikkosten und Verwaltung der Aktiva. Solche Kennzahlen bilden verschiedene Leistungsdimensionen ab; notwendig bleibt eine Abstimmung zwischen unterschiedlichen Zielen. So wäre es beispielsweise trügerisch, die Lieferzeit zu verkürzen, ohne die Auswirkungen auf die Bestandsreichweite zu berücksichtigen.

Die Gartner Group hat mit dem Begriff Business Activity Monitoring (BAM) den Grundgedanken der Event-Orientierung beschrieben. Adäquate Performance-Management-Tools messen zeitnah, im Idealfall in Echtzeit, die zuvor definierten KPIs.

 

Der nächste Schritt: Complex Event Processing.

In unterschiedlichen Ausprägungen wird BAM in Unternehmen bereits gelebt. Zum Beispiel mit Werkzeugen wie sie Business Cockpit & Analyzer, eine Funktion des Integrations-Servers Business Ware, bietet. Dabei ist das Monitoring von Geschäftsprozessen mehr als Überwachung. Genutzt wird es beispielsweise zu Simulationszwecken, bei denen es um die Analyse von Änderungen bei vorhandenen Prozessen geht. Ein weiterer Aspekt ist die Reduzierung von Prozessrisiken, um bei einer Störung (Exception) oder einem Notfall alternative Pfade beschreiten zu können.

Die Weiterentwicklung von BAM wird unter dem Stichwort Complex Event Procesing (CEP) bereits heiß diskutiert. Während sich BAM auf das jetzt und hier konzentriert, fügt CEP dem Ansatz weitere Aspekte hinzu. Die von BAM mit Hilfe eines Performance-Management-Tools ermittelten Werte ergänzt CEP beispielsweise durch Daten der letzten Quartale oder Geschäftsjahre. Die Kombination aus aktuellen Prozessdaten mit Werten aus der Vergangenheit ermöglicht dann eine besser fundierte zeitnahe Reaktion auf Events.

CEP befasst sich unter anderem mit den von Geschäftsprozessen und Transaktionen erzeugten Events. Sie umschreiben in der Summe den Zustand eines Unternehmens und ermöglichen zugleich den Blick auf einzelne Events. Die dazu benötigte Funktionalität stellt beispielsweise Resolution Accelerator von Vitria bereit. Resolution Accelerator ist eine branchenunabhängig einsetzbare Lösung zur Behandlung von Problemfällen und Ausnahmesituationen in Geschäftsprozessen. Denn es nutzt nur bedingt, wenn ein Unternehmen weiß, dass 80 Prozent seiner Aufträge ordnungsgemäß abgearbeitet werden. Denn gerade die restlichen 20 Prozent bedürfen einer genaueren Analyse und einer Behandlung von einzelnen Events.

Die Software lässt sich so konfigurieren, dass sie mit einer Vielzahl von Applikationen und Prozessen in der Telekommunikations- und Fertigungsindustrie, aber auch bei Finanzdienstleistern und Versicherungsunternehmen eingesetzt werden kann. Während sich Punktlösungen mit Abweichungen in einzelnen Anwendungen befassen, behandelt Resolution Accelerator Ausnahmefälle, die den gesamten, reibungslosen Ablauf von Geschäftsprozessen zum Stillstand bringen.

In diesem Sinne ermöglicht Complex Event Processing eine kontinuierliche Überwachung der Geschäftsprozesse. Ausnahmen und Abweichungen von üblichen Ereignissen werden gefiltert und angezeigt, für welche Fälle eine sofortige Einleitung von Gegenmaßnahmen notwendig wird. Darüber hinaus kann eine Detailanalyse der identifizierten Ausnahmen, aber auch der Fehler in einem Ablauf, wichtige Tipps zur weiteren Prozessverbesserung liefern. Hilfreich bei der Problemlösung ist eine Datenbank mit Regeln. Das Regelwerk lässt sich abhängig von den jeweiligen Geschäftsprozessen und anderen unternehmensspezifischen Gegebenheiten individuell anpassen und erweitern.

Für alle Geschäftsprozesse, die sich mit der Abwicklung von Kundenaufträgen befassen, können Unternehmen von vornherein Regeln definieren, die festlegen, was beim Auftreten bestimmter Ausnahmefälle zu geschehen hat. Das gilt beispielsweise dann, wenn Informationen für einen Kredit-, Versicherungs- oder Mobilfunkantrag fehlen oder einer der Geschäftspartner beim Supply Management zu spät, in ungenügender Qualität oder die falschen Waren liefert.

 

Resümee.

Zusammenfassend liefert die serviceorientierte Architektur den Ausgangspunkt einer Integrations- und prozesszentrierten IT-Strategie. Als Orientierungsraster dienen Events. Diese Sichtweise ermöglicht, Einblicke in die Schwachstellen der ablaufenden Prozesse zu erhalten, und die Probleme analog zu einem geschlossenen Kreislauf zeitnah zu behandeln. Es geht also nicht nur um die Errichtung einer Infrastruktur, sondern mehr noch um entscheidungsrelevante Daten zur Steuerung unternehmenskritischer Geschäftsprozesse.

 

Thomas Egeling

 

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Thomas Egeling ist Presales Consultant bei Vitria Technology in der Geschäftstelle München.

 

 

 

Das Beispiel einer serviceorientierten Architektur für die Auftragsbearbeitung: Über ein Portal kann der Lebenszyklus von Aufträgen beispielsweise in Form von Abfragen wie »createOrder«, »updateOrder« oder »getOrderStatus« verfolgt werden. (Quelle: Vitria)

 

 

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Eine partitionierte, auf mehrere Integration Server angeordnete Implementierung von Services. Zur Kommunikation nutzen die Integration Server unterschiedliche Verfahren wie RMI (Remote Method Invocation), MQSeries, eine generische Queue oder JMS (Java Message Service).

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Die modellhafte Darstellung eines vollständigen Geschäftsprozesses von der Vorbereitung des Auftrags bis zur Auslieferung beziehungsweise der Bezahlung. (Quelle: Vitria)

 

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In diesem Modell lässt sich auf jeder Stufe der Status des Geschäftsprozesses verfolgen und steuern. (Quelle: Vitria)


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