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Collaborative Engineering Abteilungs- und Unternehmensgrenzen erfolgreich überwindenCollaborative Engineering ist kein neues Konzept: Ideen und Lösungsansätze gibt es seit vielen Jahren. Allerdings haben sich die Marktbedingungen in der Automobilbranche mittlerweile derart verschärft, dass eine engere Verzahnung der Entwicklungspartner unumgänglich geworden ist. Damit steigt auch die Bereitschaft der Unternehmen, Collaborative Engineering-Projekte ernsthaft aufzusetzen. Standardisierte, mittelstandsgerechte Lösungen haben dabei das größte Potenzial.
ie Unternehmen der Automobilindustrie agieren mittlerweile global über Ländergrenzen hinweg. Hieraus entsteht die Notwendigkeit, mehrere räumlich getrennte Partner am Produktentwicklungs- und Beschaffungsprozess zu beteiligen. Dies geschieht unter zunehmendem Druck: Die Zeit, die für die Entwicklung und Positionierung neuer Produkte benötigt wird, Stichwort Time-to-Market, ist zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden, der nicht selten über Gewinn oder Verlust entscheidet. Darüber hinaus verlangt der Markt eine höhere Flexibilität: Kontinuierliche Änderungen im Verlauf eines Projekts sind mittlerweile Standard und dürfen das Projekt nicht verzögern. Das setzt eine präzise Abstimmung der Projektpartner und durchgängige Prozesse auch über Unternehmensgrenzen hinweg voraus. Diese Herausforderungen lassen sich nur dann bewältigen, wenn die Partner eines Entwicklungsprojekts eng miteinander verzahnt arbeiten. Nichts anderes meint »Collaborative Engineering«. Es gibt gute Gründe, warum Collaborative Engineering in der Praxis oft nur langsam Fuß fasst. Hier ist vor allem die Komplexität der Projekte zu nennen – und dies in doppelter Hinsicht: Komplex ist zum einen das Produkt selbst. Ein Automobil besteht aus zahlreichen Systemen und Subsystemen, die im Einzelnen oft nur von Spezialisten beherrscht werden. Komplex ist außerdem der Prozess der Zusammenarbeit: Weltweit sind zahlreiche Unternehmen unterschiedlicher Größe in ein Projekt involviert, die mit unterschiedlichen CAD/CAM- und PLM-Systemen arbeiten. Dies führt zu Schnittstellen- und Datenformat-Problemen. Hier stieß konventionelles Collaborative Engineering bislang an seine Grenzen. Kollaborationsprozesse beschleunigen – Kosten senken.Eine wichtige Voraussetzung für Collaborative Engineering stellt die Vereinheitlichung der internen Entwicklungsprozesse und der eingesetzten Systeme dar. Hier kann man beobachten, dass erfolgreiche – und meist größere – Unternehmen intern zumindest die PLM-Systeme weitgehend konsolidiert und die Projekte durch strenge Prozess- und Verfahrensvorschriften strukturiert haben. Auf der CAD/CAM-Ebene ist eine solche Konsolidierung schwieriger, da man für unterschiedliche Konstruktions- und Fertigungsaufgaben unterschiedliche Systeme benötigt. Dafür spielt der Datenaustausch und das Schnittstellenmanagement eine wichtige Rolle – gerade für kleinere und mittlere Unternehmen. Denn diese haben in der Regel eine Vielzahl von Kunden. Daher müssen sie meist auch unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich CAD/CAM, File-Sharing, Projektmanagement und Conferencing-Systeme erfüllen, was einer elektronischen Abbildung dieser Prozesse entgegensteht. Hinzu kommt, dass für kleine und mittlere Unternehmen die Einrichtung individueller elektronischer Lösungen zu jedem Kunden finanziell nicht zu leisten ist. Mit anderen Worten: Zwischen Herstellern und Systemlieferanten sind viele Kollaborationsprozesse mittlerweile standardisiert, optimiert und elektronisch abgebildet. Die Kommunikation zwischen Systemlieferanten und ihren Partnern hingegen findet meist noch auf konventionellem Wege statt. Dies ist mit den bekannten Schwierigkeiten verbunden: Zeitverlust, Kommunikationsprobleme, inkompatible Daten. Elektronische Prozesse enden nur allzu oft an den Unternehmensgrenzen. Konkret ergeben sich daraus handfeste Probleme, beispielsweise wenn auf Basis alter Zeichnungsstände gearbeitet wird. Supply On, Anbieter von Internet-Services für die Automobilindustrie, hat sich von Anfang an neben Sourcing, Logistik und Qualitätsmanagement auch dem Thema Collaborative Engineering gewidmet. Mit »Collaboration Folders« liegt seit Mitte 2004 eine Lösung vor, die auf der Erfahrung aus mehreren Projekten und Kunden-Roll-outs beruht. Die Collaboration Folders sind virtuelle Projekträume, in denen sämtliche Projektdaten über Unternehmensgrenzen hinweg effizient verwaltet und ausgetauscht werden können. Dabei kann es sich sowohl um Entwicklungsdokumente als auch um Lastenhefte, Spezifikationen, Projektpläne oder Besprechungsprotokolle handeln. Die Collaboration Folders können Kollaborationsprozesse in mehreren Bereichen erheblich beschleunigen: Konzeptwettbewerbe, Projekteinkauf, Änderungsmanagement während der Entwicklungsphase sowie das Vorschlagswesen auf Lieferantenseite. In virtuellen Projekträumen werden interne Mitarbeiter aus Entwicklung und Konstruktion, Ein- und Verkauf, Qualitätsmanagement und Produktion mit externen Partnern und Lieferanten zusammen geführt. Die Collaboration Folders stellen dabei sicher, dass alle im Team mit dem aktuellen Datenstand arbeiten. Wird ein Dokument geändert, so ist dies durch die Anlage von neuen Versionen jederzeit und für alle aus dem Team transparent und nachvollziehbar. Rolf Klamann, Head of CC MCAD Operations & External Tasks bei Continental Automotive Systems (CAS), erhofft sich davon klare Vorteile: »Zusammen mit den Lieferanten könnten wir zum Beispiel Einbauuntersuchungen online vornehmen. Die Einbauräume in den Fahrzeugen werden immer enger, jede Änderung hat möglicherweise Konsequenzen für das benachbarte Produkt. Die Supply On Collaboration Folders stellen eine zukunftsweisende Möglichkeit dar, Prozess zu strukturieren, Abstimmungen zu beschleunigen und auf diesem Weg schneller zum Ziel zu kommen.« Änderungsmanagement entscheidet über Marge. Die Prozesse, die durch die Collaboration Folders unterstützt und beschleunigt werden, können für Projekte entscheidend sein. So ist die Qualität des Änderungsmanagements von zentraler Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg. Denn nur allzu oft verschlingen Änderungen die komplette Marge eines Projekts. Indem Werkzeuge und Fertigungssysteme bereits parallel entwickelt werden, bevor alle Einzelteile fertig konstruiert sind, müssen Änderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette effizient abgewickelt werden. Dieser Prozess muss über Unternehmensgrenzen hinweg steuerbar sein, da ein großer Teil der Projektkompetenz bei Partnern und Zulieferern liegt. Auch in der Serienfertigung sind kontinuierliche Verbesserungen am Produkt notwendig, um die Herstellkosten zu reduzieren. Das Vorschlagswesen von Lieferanten und Partnern ist hier ein bewährter Weg, Kosten zu senken. Auch diese Form der Zusammenarbeit wird von Collaboration Folders unterstützt. Die Kernprozesse Einkauf, Logistik, Qualitätsmanagement und Entwicklung werden über die Kollaborationsplattform verknüpft. »Diese Bereiche sind miteinander verzahnt und greifen ineinander. Nur eine Lösung, die die Anforderungen der Automobilindustrie und ihre komplexen Prozesse abbildet und die von einer großen Zahl von Unternehmen dieser Branche akzeptiert und genutzt wird, sich also als Standard etabliert, kann Prozesse nachhaltig vereinfachen und beschleunigen. Dies ist bei Supply On der Fall«, so Martin Berbalk, Director Corporate Purchasing der Siemens VDO Automotive AG in Regensburg. Die Collaboration Folders führen Teammitglieder aus allen Bereichen unternehmensintern und unternehmensübergreifend zusammen. Für Konzeptwettbewerbe und das Änderungsmanagement sind die Collaboration Folders daher mit der Sourcing-Lösung von Supply On verzahnt, mit der Einkaufsprozesse abgewickelt werden. Anwender verlangen Engineering-Lösungen.Die Nutzung von Collaborative-Engineering-Lösungen steigt stetig. Mit dem Document Manager hat SupplyOn 2003 die erste Engineering-Anwendung mit integriertem Änderungsmanagement produktiv gesetzt. Mit ihr ist es möglich, Normen- und Zeichnungsänderungen zentral abzuwickeln. Damit wurde die Basis für Collaborative Engineering geschaffen. Mittlerweile nutzen fast 2.000 Unternehmen der Automobilbranche diese Lösung. Aus dieser Anwendergruppe kommt der Wunsch nach weitergehenden, vor allem auch kollaborativen Engineering-Anwendungen. Mit den Collaboration Folders und mit der Lösung zur Qualitätsvorausplanung (Project Management) hat Supply On auf diesen Wunsch reagiert. Noch werden diese Produkte in erster Linie von Unternehmen genutzt, die eine Vorreiterrolle im Markt spielen. Sie ziehen aber weitere Anwender nach sich. Analysten gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr bis zu 200 Unternehmen der Automobilbranche Lösungen für Collaborative Engineering implementieren und dass diese im nächsten Jahr in der Breite genutzt werden.
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