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Beteiligungsmanagement

Wenn CFO und CIO am gleichen Strang ziehen

Die IT-Strategie eines Unternehmens ist längst auch ein Thema für Finanzvorstände. Spätestens seit Basel II und Sarbanes-Oxley sind die Begriffe Business Intelligence, Corporate Performance Management oder Portale wohl jedem CFO vertraut. Umgekehrt beschäftigt sich ein CIO heute auch nicht mehr einseitig mit der Verwaltung von IT-Ressourcen, sondern ist vorrangig auf die Optimierung von Geschäftsprozessen fokussiert. Gleichwohl denken beide Vorstandsbereiche in jeweils eigenen Kategorien und sehen IT-Projekte aus unterschiedlicher Perspektive. Welchen Beitrag kann die IT zur Bewältigung aktueller Herausforderungen im Finanzbereich leisten?

 

D

ie Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen stellen immer höhere Ansprüche an die Rechnungslegung von Konzernen. So werden internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS) für alle börsennotierten Unternehmen zur Pflicht. In den USA gilt der Sarbanes-Oxley-Act, deutsche Unternehmen müssen dem Corporate Governance Kodex gerecht werden. Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) und die anstehende Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie dehnen die Berichtpflichten noch weiter aus. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sich verstärkt an den internationalen Kapitalmärkten auszurichten. Das Controlling steht heute also in direkter Verantwortung für die Beweglichkeit des Unternehmens im globalisierten Wettbewerb.

Der Informationsbedarf wächst rasant

Die meisten international aufgestellten Unternehmen sind als Konzerne organisiert, sie halten eine Vielzahl von Beteiligungen. Bei der Siemens AG sind es beispielsweise etwa 1.350, bei der Heidelberger Cement AG 469 und bei BMW 174. Derart hohe Zahlen verursachen für sich allein schon einen gewaltigen organisatorischen Aufwand, etwa wenn es um das regelmäßige Reporting oder um Ad-hoc-Abfragen geht. Daneben spielt die Komplexität der Organisationsstruktur eine Rolle – und auch deren Dynamik. Zum Beispiel, wenn per Joint Venture immer neue rechtlich selbstständige Gesellschaften mit jeweils unterschiedlicher Eigentümerstruktur zum Konzernverbund dazu stoßen. Ohnedies steigt die Anzahl der Interessenten an aktuellen Unternehmensinformationen: so die Fachabteilungen für Steuern, Recht, internes und externes Rechnungswesen, Investor Relations, Treasury & Finance, Mergers & Acquisitions, um nur einige zu nennen. Und natürlich hat der Konzernvorstand selbst ein essentielles Interesse an seinen Beteiligungen, ausgeübt zumeist über eine Extra-Stabsstelle für Beteiligungscontrolling beziehungsweise Beteiligungsmanagement.

Wertbeitrag der IT steigern

Um all diesen Informationsansprüchen zu genügen, benötigt ein Finanzvorstand regelmäßig aussagekräftige Daten aus sämtlichen Tochterunternehmen. Die Qualität dieser Information und die Effizienz ihrer Bereitstellung hängen von den zugrunde liegenden IT-Verfahren ab. Der CIO nimmt somit teil an der Wertschöpfung im Beteiligungsmanagement, nämlich indem ein optimierter Datenfluss die Kosten reduziert und außerdem eine bessere Basis für Entscheidungen liefert.

Hierbei kommt es darauf an, eben kein zusätzliches Extra-Informationssystem zu errichten, sondern konzernweit verstreute Informationen intelligent zu synchronisieren. Denn fast alle erforderlichen Daten sind in der einen oder anderen Form irgendwo im Konzern bereits vorhanden. Nach dem Motto »One version of the truth« kann ein ausgereiftes Data Warehouse dafür als zentrale Sammelstelle dienen, wobei in diesem Zusammenhang insbesondere die betriebswirtschaftlich korrekte Handhabung sowie Revisions- und Manipulationssicherheit wichtig sind.

Je komplizierter die Beteiligungsstruktur, desto flexibler müssen sich Datenflüsse modellieren lassen. Aus Effizienzgründen sollte das Anzapfen von Datenquellen so weit wie möglich automatisiert erfolgen. Allerdings sind gerade im Beteiligungsmanagement auch manuelle Eingriffe erforderlich, zum Beispiel für Risikoabschätzungen. Auch dort, wo (wie bei Minderheitsbeteiligungen) kein direkter Zugriff auf die Originalbuchhaltung möglich ist, bieten innovative Webtechnologien effiziente Import- und Monitoring-Optionen. Besonderes Augenmerk sollte außerdem der nahtlosen Integration von Beteilungsmanagement und SAP-System gelten. Denn ohne enge Anbindung an die SAP-Komponenten SEM/BCS und EC/CS wäre kostspieliger Mehraufwand unvermeidlich.

Erhöhte Datenqualität und bedarfsgerechtes Reporting

So unternehmensspezifisch viele Prozesse auf den ersten Blick auch erscheinen – bei genauerem Hinsehen offenbaren sich auf der Ebene der Anforderungen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede:

  • Vier-Augen-Prinzip – Qualitätssicherung erfordert das Zusammenwirken von mindestens zwei Beteiligten. So lassen sich viele Fehler von vornherein vermeiden, auch bei dezentraler Erfassung von Stammdatensätzen, zum Beispiel durch einen nachgelagerten Freigabe-Workflow in der Zentrale.
  • Dokumentation ‑ Workflows gewährleisten eine automatische Protokollierung sämtlicher Datenbewegungen. Wer hat wann welchen Datensatz wie geändert? Wer hatte wann welchen Kenntnisstand? Solche Fragen sind von zentraler Bedeutung in allen Transparenzrichtlinien. Mit intelligenter Software lassen sie sich jederzeit beantworten.
  • Datenqualität – Die bloße Quantität von Daten stiftet allein noch keinen Mehrwert. Fundierte Entscheidungen benötigen vor allem eine garantierte Datenqualität. Hier gilt es, Medienbrüche zu vermeiden, Datenübernahmen zu automatisieren und effiziente Freigabeverfahren zu etablieren.
  • Operative Verbesserungen – Standardsoftware hilft, Arbeitsabläufe zu straffen. Übersichtlich aufbereitete Statusansichten sowie einfach handhabbare Grafiken und Diagramme ersparen bei den Empfängern viel Arbeit und sorgen für einen konzernweit einheitlichen Informationsstand. Zudem entlasten personalisierte Oberflächen die IT-Abteilung, weil damit auch relativ ungeübte Benutzer Standardabfragen selbstständig erstellen können.

Effektive Informationsbeschaffung ist nur die eine Seite der Medaille – die andere ist die effiziente und bedarfsgerechte Lieferung an einen ständig erweiterten Empfängerkreis. Mit dem undifferenzierten »Jeder kriegt alles« ist den beteiligten Abteilungen jedoch wenig geholfen. Stattdessen müssen die jeweils spezifischen Sichtweisen auf die einheitliche Datenbasis schnell und einfach implementiert werden können. Berichte und Analysen sollten sich daher auf der Basis eines konzernweiten Rollen- und Berechtigungskonzepts webbasiert personalisieren lassen. So unterschiedlich die Anforderungen hinsichtlich Informationstiefe, Häufigkeit und eigenem Kenntnisstand auch sein mögen – einen Mehrwert erwartet jeder von ihnen.

Resümee.

Beteiligungsmanagement kommt ohne gezielte IT-Unterstützung nicht aus. Gerade der Bereich »Financials« bietet CIO und CFO Gelegenheit, gewinnbringend zusammenzuarbeiten.

Marko Albrecht

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Marko Albrecht, zetVisions AG

 

 

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