Online-Artikel 20060506h 1822 S Inform Prozesskette

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Host-Systeme mit dem Front-End der Vertriebspartner verknüpfen

Durchgängige Prozesskette

Nach der Modernisierung und Rezentralsieriung ihrer IT-Systeme haben die Provinzial Rheinland Versicherungen und die Rheinischen Sparkassen durch die Integration von Versicherungsanwendungen in das Front-End der Sparkassen-IT eine unternehmensübergreifende, durchgängige Prozesskette realisiert.

 

D

er öffentlich-rechtliche Versicherer, die Provinzial Rheinland Versicherungen, legte vor Jahren die Basis für eine moderne, zentral betriebene IT-Infrastruktur. Dazu entwickelte der hauseigene IT-Bereich die hoch performante, auf J2EE-Standards basierende Anwendungslösung ProWeb.

Auch bei den Vertriebspartnern, den Rheinischen Sparkassen, hatte der zuständige IT-Dienstleister begonnen, alte Zöpfe abzuschneiden. Die von der Sparkassen Informatik entwickelte prozessorientierte Gesamtbanklösung OSPlus bietet durch ihre offene, auf Standards basierende Schnittstellenarchitektur Partnern die Möglichkeit, Anwendungskomponenten in das Vertriebssystem der Sparkassen zu integrieren.

Der Versicherer nutzte diese Chance, um seinen wichtigen Vertriebskanal zu stärken und den Abwicklungsprozess zu beschleunigen und zu verschlanken. Gemeinsam mit dem Integrationspartner 1822 S iNFORM Software GmbH verknüpfte er über eine serviceorientierte Architektur (SOA) zentrale Versicherungsanwendungen mit dem Vertriebssystem der Sparkassen.

Heute können die Berater in den Sparkassen aus ihrer eigenen Vertriebsumgebung heraus direkt auf die Intelligenz der im Rechenzentrum des Versicherers gehosteten Anwendungen zugreifen. Verträge können in der Sparkasse fallabschließend abgewickelt werden.

Seriviceorientierter Architekturansatz

Das Architekturteam des IT-Bereichs der Provinzial Rheinland Versicherungen erkannte frühzeitig die Chancen einer serviceorientierten Architektur (SOA) für die spezifischen Anforderungen des Versicherers und bezog diesen Ansatz mit in die Überlegungen zur Neuausrichtung der IT-Infrastruktur ein. Die Eckpfeiler der SOA bildeten dabei die Bereiche Framework, zentrale Komponenten und Styleguide. Ziel dieser grundsätzlichen Neuausrichtung war die Schaffung einer Architektur, um zukünftigen technischen Weiterentwicklungen im gesamten Spektrum der Web-Applikationen wie beispielsweise der Nutzung von Web-Services oder Portalen gerecht zu werden.

Die Infrastruktur-Spezialisten legten besonderen Wert auf eine saubere Definition der SOA. Diese wird in der öffentlichen Diskussion in verschiedenen Zusammenhängen bemüht und häufig einfach nur mit Web-Services gleichgestellt. Der IT-Bereich der Provinzial Rheinland kam hingegen zu einer eher pragmatischen Definition. Diese sieht vor, ein System in seine Dienste (Services) aufzuteilen. Dabei unterscheidet sie zwischen Services technischer und fachlicher Natur. Diese allgemeine und einfache Definition bot eine Abgrenzung gegenüber Web-Services. Gleichzeitig korrespondierte sie hervorragend mit dem internen Vorgehensmodell für Webanwendungen.

Die SOA bei der Provinzial Rheinland basiert auf einem Schichtenmodell. Neben der Infrastruktur (Framework) bietet sie den Anwendungen technische (Basisservices) und fachliche (Anwendungsservices) Services an. Ein zentrales Framework stellt dabei die Infrastruktur für die Services zur Verfügung. Dieses bedient sich für die Ablaufsteuerung technischer Services und stellt gleichzeitig den technischen Lifecycle eines Dienstes und die Grundfunktionalitäten dafür zur Verfügung.


 

Die Kommunikation zwischen den Anwendungen und dem Framework erfolgt somit über den Aufruf der jeweiligen Services. Diese sind in Ihrer Funktion eindeutig gehalten und verfügen über einfache, durch Interfaces gekapselte Schnittstellen. Hinter diesen Schnittstellen befinden sich die möglichen Implementierungen eines Dienstes, was eine Portierung in andere Systeme, aber auch die Weiterentwicklung effektiv und einfach gestaltet.

SOA als Basis für Integration von Partneranwendungen

Die Bewährungsprobe für die neue Architektur stand an, als der Versicherer sich entschied, eigene Anwendungen in das Vertriebssystem der Rheinischen Sparkassen zu integrieren. Denn während die Provinzial Rheinland die Modernisierung ihrer eigenen Infrastruktur und Anwendungslandschaft in Angriff genommen hatte, war aus der Fusion von vier Rechenzentren zur Sparkassen Informatik der größte IT-Dienstleister der deutschen Sparkassen entstanden, der nun auch für die 60 Sparkassen im Rheinland zuständig ist. Dieser begann Ende 2002 mit dem Rollout der prozessorientierten Gesamtbanklösung OSPlus, der im September 2005 abgeschlossen wurde. Auch die Rheinischen Sparkassen migrieren derzeit sukzessive auf die Standardsoftware, die durch eine offene, auf Standards basierende Schnittstellenarchitektur die Integration der Anwendungen von Partnern im Verbund der Sparkassen-Finanzgruppe ermöglicht.

Der IT-Bereich der Provinzial Rheinland stand mit dem ehrgeizigen Projekt vor der Herausforderung, Requests verarbeiten zu können, die einen vollkommen anderen Aufbau hatten als die bisher im Einsatz befindlichen Anwendungen. In der Vergangenheit hätte dies einen hohen Änderungs- und Testaufwand für das Framework und sämtliche im gleichen Kontext befindlichen Anwendungen bedeutet. Dank der bereits bestehenden SOA bedurfte es lediglich einer weiteren Implementierung hinter dem bestehenden Interface. Diese blieb somit ohne Auswirkungen auf bereits bestehende Anwendungen.

Pionierarbeit

Doch trotz dieser umfassenden Basisarbeiten war die Komplexität eines solchen Integrationsprojektes nicht zu unterschätzen. Denn nicht zuletzt handelte es sich dabei um echte Pionierarbeit, da der Versicherer der erste Verbundpartner innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe überhaupt war, der Funktionen aus seiner eigenen IT-Landschaft in das System der Sparkassen integrierte. Daher suchte der IT-Bereich einen erfahrenen Partner, der nicht nur mit den Systemen der Sparkassen Informatik vertraut war, sondern auch über umfassende Erfahrung mit derart komplexen Integrationsprojekten verfügte.

Diesen fand er in der 1822 S iNFORM Software GmbH, einem auf die Entwicklung von Web-Anwendungen, objektorientierten Applikationen und die Integration bestehender IT-Systeme zu stabilen Gesamtanwendungen spezialisierten, mittelständischen Softwarehaus. Die Software-Ingenieure verfügen nicht nur über große Projekterfahrung, sondern haben auch im Auftrag der Sparkassen Informatik das Vertriebssystem von OSPlus zu einem großen Teil entwickelt. Auch das Framework für die Integration von Verbundpartnern hatte das Offenbacher Softwarehaus für die Sparkassen Informatik erstellt.

Durch den OSPlus-Releaseplan war der Zeitrahmen für das Projekt vorgegeben. Die Migration der Rheinischen Sparkassen sollte Anfang 2004 beginnen. Daher sollte ProWeb vorerst in einer Stand-Alone-Variante in den Sparkassen bereitgestellt werden. Die Authentifizierung der Versicherungsanwendung im Netz der Sparkassen Informatik bot daher als Startprojekt eine Gelegenheit, bei der sich die Partner kennen lernen konnten. Die Software-Ingenieure der 1822 S iNFORM überzeugten durch ihre Termin- und Budgetreue und die Qualität ihrer Arbeit. Damit sicherten sie sich auch den Zuschlag für die zweite, weit komplexere Projektstufe, nämlich die Integration von ProWeb in OSPlus-Vertrieb.

Durchgängige Systemintegration

Angesichts der Komplexität des Projektes war ein strukturiertes, ingenieurmäßiges Vorgehen erforderlich. Auf der Grundlage ihres bewährten Vorgehensmodells führten die Software-Ingenieure daher zu Beginn eine sorgfältige technische und fachliche Analyse durch, die sich über einen Zeitraum von vier Wochen erstreckte. Diese beinhaltete unter anderem die Definition der zu integrierenden Geschäftsprozesse sowie eine umfassende Analyse des gesamten Vertriebs- und Beratungsprozesses in den Sparkassen.

Die Integration der Anwendungskomponenten von Partnern erfolgt in OSPlus-Vertrieb über eine standardisierte Plattform, die Inter-Kommunikations-Komponente (IKK). Diese fungiert als Enterprise Service Bus (ESB), in den das vollständige Kommunikations- und Integrationswissen verlagert wird. Die Standards, auf denen die Plattform basiert, sind ähnlicher Natur wie Web Services, erzielen allerdings eine bessere Performance und nutzen schnellere Protokolle.

Anhand der IKK lassen sich spezifische Integrationspunkte festlegen, die von OSPlus-Vertrieb und den Partneranwendungen als Services angesprochen werden. Daher war es im Rahmen der Analyse erforderlich, diese Integrationspunkte zu definieren und die Daten, die übergeben werden sollten, zu identifizieren. Auf dieser Grundlage entwickelten die Projektpartner die Sercvicearchitektur, um die Applikationen des Versicherers schließlich am Front-End-Layer in OSPlus-Vertrieb zu integrieren. Am Ende des Entwicklungs- und Integrationsprozesses stand ein umfangreicher Integrationstest, in dem die Stabilität und Performance der Architektur verifiziert wurde. Innerhalb von vier Monaten konnte das Projekt abgeschlossen und die Lösung übergeben werden.

Auf Grundlage der SOA gelang es, mit einer »leichtgewichtigen« Implementierung Anwendungskomponenten auf beiden Seiten eng mit einander zu verzahnen. Dies ermöglicht die durchgängige Gestaltung von Geschäftsprozessen, die über unterschiedliche Applikationen und Systeme verteilt sind.

IT-Infrastrukturen wachsen zusammen

Mit dem Integrationsprojekt wurde die Basis dazu gelegt, eine durchgängige Kommunikation zwischen den unterschiedlichen IT-Infrastrukturen der Verbundpartner zu gewährleisten. Die Verknüpfung über HTML-Frontends koppelt die zentral in den jeweiligen Rechenzentren betriebenen Anwendungskomponenten. 9.000 Nutzer greifen an mehreren hundert Standorten aus der ihnen vertrauten Vertriebsanwendung auf die versicherungseigenen Anwendungskomponenten zu. Damit unterscheidet sich der Verkaufs- und Beratungsprozess nicht von dem eines reinen Sparkassenprodukts.

Sämtliche Kommunikationsdienste laufen über den ESB, der das vollständige Wissen über alle in­tegrierten Anwendungen beinhaltet. Der Zugriff durch die Nutzer erfolgt zentral über single logon. Eine zentrale Geschäftsprozessteuerung ist nicht erforderlich, denn innerhalb eines Geschäftsprozesses steuert jede Anwendung die ihr zugewiesenen Funktionen selbständig.

Mit der durchgängigen Abbildung des gesamten Beratungs- und Vertriebsprozesses über Anwendungsgrenzen hinweg haben die Berater in den Sparkassen Zugriff auf die vollständige Intelligenz der im Rechenzentrum des Versicherers gehosteteten Anwendungen und damit eine wertvolle Unterstützung im Verkaufsgespräch. Kommt es dabei zu einem Vertragsabschluss, kann dieser in der Regel unmittelbar vor Ort fallabschließend policiert werden.

Die Sparkassen nahmen die Lösung ausgesprochen positiv auf, so dass der Versicherer schon bald weitere Projekte anging. Die Vertriebsanwendungen für die Haftpflicht-, Unfall- und Hausratversicherung hat er mittlerweile ebenfalls gemeinsam mit der 1822 S iNFORM als Projektpartner integriert.

Trotz oder gerade wegen des großen Erfolgs der am Front-End-Layer vorgenommenen Integrationsprojekte strebt der IT-Bereich aber eine noch tiefere Integration der Systeme an. In Zukunft plant er die unmittelbare Nutzung von Rechenkernen und Business-Logiken über die Anwendungsgrenzen hinweg. Die entsprechende Flexibilität ist in der SOA bereits jetzt angelegt.

 

Martin Buchberger, Dr. Hans-Jürgen Plewan

 

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Martin Buchberger, Abteilungsleiter DV-Koordination Sparkassen, Provinzial Rheinland Versicherungen und

Dr. Hans-Jürgen Plewan, stv. Geschäftsführer der 1822 S iNFORM Software GmbH

 

 


 

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