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Immer mehr IT in FachverlagenMehr Einreichungen, bessere Inhalte BI (Business Intelligence)-Funktionen für Content- und Wissensmanagement unterstützen den Redaktionsalltag in Wissenschaftsverlagen.
xperten schätzen die Anzahl der nach wissenschaftlichen Kriterien publizierten Zeitschriften (Peer Review) derzeit auf etwa 24.000. Darin erscheinen 2,5 Millionen Beiträge pro Jahr. Immer mehr dieser Zeitschriften werden mit Hilfe von modernen, online genutzten Einreichungs- und Peer Review-Systemen erstellt. Die charakteristischen Komponenten dieser Systeme sind Web-Schnittstelle und Datenbank. Über die Web-Schnittstelle laden Autoren und Gutachter ihre Beiträge beziehungsweise Gutachten hoch. Über sie laufen auch die anderen Tätigkeiten der Redakteure. In der Datenbank sind die Manuskriptdateien abgelegt, gegebenenfalls in verschiedenen Bearbeitungsvarianten, zudem die Artikel-Metadaten. Überdies finden sich in der Datenbank Informationen zu Redakteuren und Gutachtern. Das System begleitet den Prozess von der Einreichung über die Begutachtung bis zur Annahme oder Ablehnung mit unterschiedlichsten Kontroll-, Prüf- und Verwaltungsfunktionen. Darin enthalten auch die auf Kopfdruck erstellte Korrespondenz zwischen den Beteiligten. Auffällig ist die wachsende Funktionalität der am Markt angebotenen Systeme, womit die Anbieter nicht zuletzt der veränderten beziehungsweise erweiterten Nachfrage vieler Verlage nachkommen. Lag der Fokus der Systemunterstützung ursprünglich vorrangig bis ausschließlich auf Nutzaspekten wie Kosteneinsparung im Redaktionsalltag und schnelleren Durchlaufzeiten bis zur Publikation, so hat sich die Wunschliste der Verlage inzwischen um Leistungsmerkmale wie Unterstützung von Business Intelligence (BI), aber auch Supply-Chain-Management , Customer-Relationship-Management sowie Druckvorstufenunterstützung erweitert. Durchgängige ProzesseDie Forderung nach in den Systemen unterstütztem Supply Chain-Management geht konform mit dem generellen Bestreben vieler Verlage, ihre Prozesse durchgängig von der Manuskripteinreichung bis zur Heftproduktion zu verzahnen und so Produktionskosten und Durchlaufzeiten zu reduzieren. Supply Chain-Management im hier verstandenen Sinn heißt auch, die Kosten beispielsweise für Aufgaben wie Copy-Editing und Satz zu reduzieren sowie die Produktionsqualität durch in den Publikationsprozesse frühst möglich eingebaute Kontrollfunktionen für Zitat- und Bildprüfung bzw. Layout zu verbessern. Aries Systems, Anbieter der Einreichungs- und Peer Review-Lösung Editorial Manager, bietet diese Leistungsmerkmale beispielsweise über die Zusatzsoftware Preprint Manager, die zudem für eine erweiterte Druckvorstufenunterstützung ausgelegt wurde. Dem Wunsch der Verlage nach zusätzlicher Funktionalität für Customer Relationship-Management kommen die meisten Anbieter mittlerweile durch die bereitgestellte Funktionalität nach, Zeitschriften einen individuell gestrickten Auftritt in ihrem jeweiligen Design zu ermöglichen und sie so gegenüber ihren Lesern und Autoren stärker als unverwechselbare Marke zu präsentieren. Angesichts des Wettbewerbswinds, der den kommerziellen Verlagen aus dem heftig diskutierten und propagierten Open Access-Umfeld mit der ebenfalls in Spiel gebrachten Option offener, frei im Internet zugänglicher Archive entgegenweht, werden auch so genannte BI-Funktionen in den Systemen interessant, die dazu beitragen können, den Nutzen der traditionellen Print- und Online-Zeitschriften zu steigern. Denkbar sind hier Funktionen, über die sich Heftinhalte ad hoc um aktuelle Neuigkeiten und Besprechungen aus der Fachwelt bereichern lassen beziehungsweise eine an herausragenden Inhalten festgemachte gezielte Promotion gestartet werden kann. Heute bereits gebräuchlich sind wissensbasierte Elemente in den diesen Systemen zugrunde liegenden Datenbanken, die den Peer Review-Prozess durch automatisierte Verfahren zur Wahl geeigneter Gutachter optimieren. Jedes zur Begutachtung anstehende Manuskriptthema wird gegen eine Gutachterauswahlliste geprüft, in der Vita, Forschungsschwerpunkte und Fachkompetenz, aber auch Qualität und Durchlaufzeit bereits betreuter Verfahren vermerkt sind. Zusammen fundamentieren und festigen diese erweiterten Funktionen neben anderem die Rolle des Fachverlags als Garant der wissenschaftlichen Qualität etablierter Publikationsforen wie Fachzeitschriften und Buchreihen. »Gute Zeitschriften haben Ablehnungsquoten von 70 Prozent und darüber«, verweist Thomas Connertz, Leiter des Bereichs E-Journals beim Thieme Verlag, Stuttgart, auf die wichtige Filterfunktion der Fachverlage im Qualitätsprüfungsprozess wissenschaftlicher Inhalte. Mehr Einreichungen, bessere Inhalte Dieser Rolle kommen sie immer stärker unter Einsatz modernster Software- und Internet-Technologien sowie entlang der gesamten Bereitstellungskette optimierter Prozesse nach. In vielen Wissenschaftsverlagen hat man zudem erkannt, dass gerade Technologieeinsatz, Workflow-Integration und Prozessoptimierung immer stärker in die Reputation eines Verlags, sein Marken-Image, einfließen. Dass gerade moderne Einreichungs- und Peer Review-Systeme bei den Fachverlagen hoch im Kurs stehen, belegt eine Untersuchung der britischen Fachgesellschaft ALPSP (Association of Learned and Professional Society Publishers) aus dem Sommer 2005. Als wichtige Benefits dieser Systeme wurden dort neben Reduktion von Kosten und Durchlaufzeiten bis zur Veröffentlichung Nutzaspekte wie Qualitätsverbesserung und Zunahme bei Manuskripteinreichungen genannt. Der Bedarf an und Einsatz von IT im wissenschaftlichen Verlagswesen und deren Integration in einen durchgängigen Gesamtprozess dürfte noch zunehmen. Mit XML (Extensible Markup Language) scheint man das Bindemittel zur Verknüpfung bestehender Insellösungen im Erstellungs- und Produktionsprozess der Verlagserzeugnisse gefunden zu haben. Natürlich wachsen mit der Abhängigkeit der Verlage von ihrer IT-Infrastruktur auch die Anforderungen an deren allgegenwärtige Verfügbarkeit. Weil sie daran ihren Geschäftserfolg festmachen müssen, widmen natürlich auch die Anbieter diesem Aspekt allerhöchste Aufmerksamkeit und sorgen durch Doppel- und Dreifachabsicherung ihrer Online-Lösungen dafür, dass ihre Nutzer – Autoren, Redakteure, Gutachter und Herausgeber – rund um die Uhr mit den Systemen arbeiten können, die zu wichtigem Arbeitsgerät in ihrem Geschäftsalltag geworden sind.
Manfred Schumacher
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