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Entscheidungshilfen zur Auswahl von System- und Netzwerk-Management-Lösungen

Komplexe Systeme beherrschen

Erst das lückenlose Management der IT-Infrastruktur sowie die Darstellung der Auslastung in Echtzeit macht eine neue Disziplin des System-Managements möglich: die Überwachung von kompletten Geschäftsprozessen. Hierbei werden alle mit einem Geschäftsprozess verbundenen Komponenten visualisiert und verwaltet. Das Ergebnis ist eine durchgängige Betrachtung der genutzten IT-Komponenten aus Sicht der Geschäftsprozesse. Die Vorteile liegen auf der Hand: die gegenseitigen Abhängigkeiten von IT-Infrastruktur und Arbeitsprozessen treten deutlich zu Tage. Die Auswirkungen von Systemausfällen lassen sich präziser einschätzen und IT-Investitionen noch gezielter einsetzen.

 

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ie durchgängige Betrachtung der IT-Landschaft hat noch einen weiteren Vorteil: sie macht transparent, welche Abteilungen und Anwender IT-Ressourcen wie stark nutzen. Entstandene Kosten lassen sich so klar zuweisen. Die IT-Abteilungen können hiermit auch Service Level Agreements präziser anbieten und IT-Leistungen verursachergerecht abrechnen. Hierdurch wird die Eigenverantwortung der Abteilungen und User insbesondere in größeren Unternehmen geschärft. Aber auch die betroffenen Abteilungen und Anwender profitieren: Durch das Monitoring von Geschäftsprozessen lässt sich prüfen, ob aus Sicht des Anwenders die Service-Levels erfüllt sind. Schließlich wird die Ursachenanalyse im Fehlerfall deutlich beschleunigt.

In einem weiteren Punkt kann die System-Management-Lösung zu einer besseren Kostenkontrolle beitragen: dem Asset Management. Dies wird häufig auf reine Inventarisierung beschränkt, ohne die finanziellen Aspekte zu bedenken. CIOs und IT-Leiter verlangen heute stärker denn je nach Planungssicherheit und müssen exakt wissen, was in ihrer IT-Infrastruktur welche Kosten verursacht. Notwendig sind verlässliche Angaben darüber, welche IT-Anlagen tatsächlich aktiv eingesetzt werden. Hierzu reichen die reinen Buchhaltungsangaben, welche Hard- und Software geliefert wurde, nicht aus.

Beim Asset Management sollte die Erfassung aller vorhandenen Komponenten automatisch erfolgen, was von den meisten Systemen schon geleistet wird. Unterschiede liegen hier im Automatisierungs- und Detaillierungsgrad. So reicht es nicht aus, nur die Software eines bestimmten Typs zu kennen. Vielmehr müssen die preistreibenden Attribute wie die Anzahl der Benutzer von Anwendungen wie SAP, Oracle oder Microsoft Exchange permanent und automatisch erhoben werden. Diese Daten sollten sich aus der Management-Lösung heraus auch an andere Systeme weitergeben lassen, die dann eine weitergehende Kostenanalyse erlauben.

Ein wichtiger Aspekt ist die Erfassung der eingesetzten Netzwerk-Assets auf definierten Teilstrecken. So lassen sich dann nicht nur Aussagen über die Gesamtkosten des Netzes treffen, sondern auch über Teilbereiche, die beispielsweise nur von bestimmten Anwendungen genutzt werden. Der CIO kann somit seinen Vorstandskollegen genau vorrechnen, welche Netzwerkkosten die neue SAP-Lösung verursacht oder auch eingespart hat.

Offenheit und Modularität

Ein weiteres Kriterium im Auswahlprozess ist die Modularität der Lösung. So stellt ein Unternehmen sicher, dass nur die Komponenten lizenziert und implementiert werden, die es aktuell benötigt. Gleichzeitig muss der Hersteller in der Lage sein, zu einem späteren Zeitpunkt ohne großen Integrationsaufwand weitere Module schnell und einfach zu implementieren. Aber auch Management-Lösungen von Drittanbietern, die beispielsweise besondere Funktionen bieten, sollten integrierbar sein. Denn: Auch die Hersteller von Anwendungssoftware oder Hardware bieten immer öfter eigene Überwachungs-Werkzeuge zu ihren Lösungen an. Das gilt für Server ebenso wie für Datenbanken, Betriebssysteme und Router.

Flexibel genug?

Die zu überwachenden IT-Landschaften werden immer dynamischer, damit sie auch kurzfristige Lastspitzen abfangen können. Die Rechner wechseln hierfür die Lastverteilung innerhalb eines Rechnerverbundes oder innerhalb der virtuellen Partitionen eines Mainframes. Die Aufgabe moderner System-Management-Lösungen ist es, die im Rahmen eines Load Balancing automatisch vorgenommene Verlagerung einer Anwendung zu erkennen und zu unterstützen. Hierfür sollte eine Auto-Detection-Funktion vorhanden sein, die neue und existierende Applikationen ermittelt.

Wann rechnet sich der Einsatz?

Der Zeitrahmen für die Implementierung hängt wesentlich von der Unternehmensgröße ab. Für die Einführung einer SNM-Lösung in einem mittelständischen Unternehmen sind durchschnittlich etwa zehn Tage zu veranschlagen. In einem Großkonzern, der die Lösung zur Überwachung seiner gesamten IT-Landschaft einsetzen will, kann ein SNM-Projekt dagegen zwei bis drei Monate dauern. Die schnelle und reibungslose Installation wird durch Standardeinstellungen unterstützt. Dies können vordefinierte Schwellenwerte oder Event-Korrelationsregeln sein, die die automatische Analyse von Fehlerursachen modellieren und die Fehlersuche beschleunigen. Für IT-Verantwortliche immer wichtiger ist der Blick auf den Return on Investment. Als Faustregel gilt: Innerhalb von drei bis maximal sechs Monaten sollte sich die Software amortisiert haben.

Unterhaltskosten

Die laufenden Kosten sind je nach Lizenzierungsmodell des Anbieters sehr unterschiedlich. Als Preismodelle kommen wie bei Software üblich der Kauf, die Miete oder das Leasing in Frage. Ein wirtschaftliches Verhältnis zwischen den Lizenz- und Implementierungskosten ist 1 zu 0,5. Das heißt, für einen Euro Lizenzen ist mit einem Aufwand für die Implementierung von maximal 50 Cent zu rechnen. Diese Rechnung ist beispielhaft für den gehobenen Mittelstand und zeigt die positive Entwicklung in diesem Bereich: Noch vor wenigen Jahre mussten Anwender noch von einem Kostenverhältnis 1:3 bis 1:5 ausgehen.

Auch bei den Lizenzen dürfen IT-Verantwortliche die Zukunft nicht aus dem Auge verlieren. Die Lizenzpolitik des Anbieters sollte mit der eigenen Wachstumsstrategie vereinbar sein. Ist in absehbarer Zeit ein Ausbau der IT-Landschaft geplant, sollten die Lizenzkosten für weitere System-Management-Module nicht ins Unermessliche ansteigen dürfen – unabhängig davon, welches Lizenzierungsmodell gewählt wurde. Ein faires Modell hat immer eine Obergrenze für die Kosten definiert: beispielsweise bleiben ab einer bestimmten Anzahl an Netzwerkknoten die Lizenzkosten auf einem konstanten Niveau.

Consulting muss sein

Mit Auswahl und Implementierung der Lösung ist die Arbeit noch nicht beendet. Während und nach dem Implementierungsprozess ist eine intensive Beratung durch den Anbieter notwendig, um die individuellen Anforderungen eines Unternehmens bei den Überwachungsfunktionen und bei der Eingliederung der Lösung in die Organisationsform zu berücksichtigen.

Neben den technologischen Neuerungen zeichnet sich auch ein Aufgabenwandel für die IT-Abteilungen ab. Diese werden mehr und mehr zu IT-Brokern. Sie vermitteln zwischen den Anforderungen der Benutzer auf der einen Seite und den Erbringern der IT-Dienstleistungen auf der anderen Seite. Ein Beispiel hierfür ist das Outsourcing des Helpdesks oder des kompletten Netzwerk-Managements. Eine flexible System- und Netzwerk-Management-Lösung ist daher notwendig, um schnell und effizient auf neue Anforderungen innerhalb des eigenen Unternehmens reagieren zu können.

Dr. Rudolf Caspary

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Autor: Dr. Rudolf Caspary, Vorstandsmitglied (CTO) REALTECH AG

 


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