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Moderne ERP-ArchitekturenGrüne Projekte, gewebte Netze und Fliegende Fische Mittelständler, die ERP-Lösungen evaluieren, haben die Qual der Wahl. Theoretisch stochern sie in einem Pool von ungefähr 250 Anbietern und 400 Lösungen. Damit nicht genug: Innovative Technologien wie Dotnet, Java, Web-Services oder SOA (Service Oriented Architecture) markieren den Generationssprung, auf dem sich die Systeme befinden.
ährend sich die Big Player SAP und Microsoft mit ihren Projekten ESA und Green erst auf den Weg machen, sind andere wie e.bootis ag, CIS AG oder Bison Group schon am Ziel. Wer genauer auf die technologische Basis schaut, dem fällt es gar nicht schwer, alte Spreu von neuem Weizen zu trennen. Auf den ersten Blick ist es gar nicht so einfach, technologische Unterschiede einzelner ERP-Lösungen auszumachen. Marketing-Aussagen wie »mySAP ERP ist der erste Vertreter einer neuen Generation von Software für das Enterprise Resource Planning« oder »Microsoft Navision wurde auf Basis einer außerordentlich zuverlässigen und zugleich innovativen Technologie entwickelt« oder »Die workflowbasierte bäurer Komplettlösung … ist natürlich webfähig« suggerieren vergleichbare Fortschrittlichkeit. Erst unter der Lupe werden Unterscheide und deren Auswirkungen für die Anwender sichtbar. Michael Gottwald, geschäftsführender Gesellschafter der Matching-Plattform Softselect, Hamburg, berichtet in seiner aktuellen Marktstudie »Warenwirtschaftssysteme 2005» [1] entsprechend von steigendem Interesse mittelständischer IT-Entscheider an Systemarchitektur und Merkmalen wie Java-basierter Entwicklung oder XML-Unterstützung. »Die Systemarchitektur einer Lösung bestimmt ihre Integrationsfähigkeit in die vorhandene IT-Gesamtarchitektur und die damit verbundenen Wartungskosten«, zeigt der Unternehmensberater ein Beispiel für den Zusammenhang von Technologie und Nutzen auf. Walter Kolbenschlag, Gründer und Geschäftsführer der UBK GmbH, Lauf, Anbieter-unabhängiges IT-Beratungsunternehmen und Ausschreibungsplattform, meint: »Eine rein funktionale Betrachtung und Auswertung von Softwarelösungen wäre falsch und verhindert Fortschritt und Zukunft. Fehlende Funktionalität können sich Anwender programmieren lassen. Eine innovative Technologiebasis nicht. Und wer will schon Altes mit Altem ersetzen«, so der Experte. Nutzen und Erkennbarkeit moderner Architektur Ein Risiko, dem sich beispielsweise die menges group, Dortmund, nicht aussetzen wollte. Der mittelständische Elektronik-Großhändler hat seine alte Warenwirtschaft im Frühjahr dieses Jahres durch e.bootis ERPII von der e.bootis ag, Essen, ersetzt. »Wir wollten unsere alte Software nicht durch ein neues Auslaufprodukt ersetzen. Das hätte unkalkulierbare Folgekosten heraufbeschworen«, begründet menges-Prokurist Jörg Jarding die Entscheidung. Die neu entwickelte, rein Internet-Technologie-basierte Lösung läuft auf allen Hard- und Softwareplattformen von HP bis Aldi-PC, von UNIX über WindowsX und iSeries bis zu Solaris oder Linux. Standardisierte offene Schnittstellen der Lösung eröffnen menges intern und unternehmensübergreifend völlig neue flexible Kommunikations- und Integrationsmöglichkeiten. Preis- oder Bestandsauskünfte über Internet realisiert die Lösung beispielsweise problemlos in Echtzeit. Und mehr: »Wir sparen beispielsweise Bares, weil die Lösung uneingeschränkt release-fähig ist« führt Jarding an. »Update-Zwang ist für uns Geschichte. Und wenn wir mal aktualisieren sollten, bleiben Individualisierungen gesichert. Die erkennt das System automatisch.« Der IT-Verantwortliche Sebastian Menges ergänzt: »Die Lösung stellt uns für Artikel n-Klassifizierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ebenso verblüffend ist die Tatsache, dass wir zugehörige Felder nach Wunsch frei definieren, frei kombinieren und frei hierarchisch gliedern können. n-Ebenen, n-Gruppen, x-Bezeichnungen. Ohne Programmierung. Per Mausklick einfach über die GUI zu machen.« Den Nutzen moderner Lösungen, den menges bereits im Arbeitsalltag erfährt, können Unternehmen in der Evaluationsphase vorab an Äußerlichkeiten und Funktionen erkennen, die alte Technologie nicht leisten kann: Allem voran die absolute Plattformunabhängigkeit. Darüber hinaus ist die Bedienoberfläche aufgrund von UNICODE in n-Sprachen darstellbar. Alle Daten wie etwa Beschreibungstexte können in beliebigen Sprachen wie kyrillisch, griechisch oder chinesisch hinterlegt werden, so dass Schreiben und Belege, die von ausländischen Kunden oder Lieferanten generiert wurden, komplett in ihrer Sprache erhalten bleiben. Masken oder selbst Änderungen auf Geschäftsprozessebene lassen sich vom Nutzer selbstständig über Parameter ausführen. Und die Neuen lassen sich flexibel von einem User bis unendlich skalieren. Kennzeichen moderner Systemarchitektur Unabhängig vom Anbieter steckt hinter genannter Investitions- und Zukunftssicherheit moderner ERP-Lösungen immer eine komplette Neuentwicklung. Sie ist daran zu erkennen, dass die Lösung in Internettechnologie mit brandaktuellen Entwicklungswerkzeugen wie NetBeans, Together, Visual StudioDotnet oder Source Safe sowie mit den modernen Programmiersprachen Java und C# programmiert ist. Damit realisieren die neuartigen Lösungen eine rein objektorientierte und komponentenbasierte Systemarchitektur. Sie unterscheidet sich fundamental von üblicher, prozeduraler Systemarchitektur: Herkömmliche Systeme sind auf Programmierebene durch hochkomplexe, unübersichtliche bis unverständliche Beziehungsgeflechte zwischen Prozessen, Prozeduren und Funktionen gekennzeichnet. Anwender leiden resultierend unter Schnittstellenproblemen, teurer Wartung sowie unter zeit- und kostenintensivem Aufwand für Anpassungsprogrammierung. Beispiel für diese nicht gerade mittelstandsfreundliche Vorgehensweise ist SAP: Der Produktpreis macht nach Aussage Michael Kleinemeiers, Geschäftsführer von SAP-Deutschland, nur drei bis fünf Prozent der gesamten Projektkosten aus. Im Gegensatz zu solch teuren beratungsorientierten Ansätzen arbeiten die Anbieter von Lösungen der neuen ERP-Generation mittelstandsgerecht mit kalkulierbaren Kosten: Sie verdienen ihr Geld im Lizenzgeschäft. Denn die objektorientierte Systemarchitektur macht neue Lösungen durch die Koppelung von Daten und Prozessen in Objekten um ein Vielfaches schlanker. Hinzu kommt der Wechsel von Programmierverfahren, die Verwendung neuer Entwicklungsumgebungen und Programmiersprachen. Ergebnis: Modularisierbare, wiederverwendbare und änderungsfreundliche Objekte ersetzen überfrachtete Systemstrukturen der Vergangenheit. Soft-Select-Chef Michael Gottwald: »In der Vergangenheit konnten ERP-Systeme durch ihren monolithischen Aufbau nur mit großem Aufwand an veränderte Rahmenbedingungen adaptiert werden. Moderne Web- und Komponentenbasierte Lösungen verfügen über wesentlich bessere Voraussetzungen für generelle Anpassungen sowie für die horizontale und vertikale Integration unterschiedlicher Systeme.« Das liegt daran, dass in der objektorientierten Systemarchitektur einzelne Komponenten untereinander, Client und Server oder Web-Clients offen kommunizieren. Die Technologien, die hierfür in modernen Lösungen greifen, lauten SOA (Service Oriented Architecture), SOAP (Simple Object Access Protocol), WSDL (Web Services Description Language), Web Services und XML. Etablierte hinken hinterher All das wissen auch die etablierten Anbieter. Doch die Last der Vergangenheit wiegt schwer: In den 90er Jahren verzeichnet der ERP-Markt rasantes Wachstum. Spitzenanbieter konnten mehrfach Steigerungsraten von bis zu 40 Prozent verzeichnen. Seit 2000 dagegen konsolidiert sich der Markt. Viele Kleine gingen insolvent, Kostensenkung und Vertriebsoptimierung bestimmten Denken und Handeln. Große erzeugten und erzeugen Wachstum durch das Aufkaufen von Marktteilnehmern: Microsoft eröffnet Januar 2001 die Einkaufstour und übernimmt den mittelstandorientierten US-Anbieter Great Plains. Genau ein Jahr später verleiben sich die Redmonder Navision ein, die ihrerseits gerade Wettbewerber Daamgard vereinnahmt hatten. Im Frühjahr 2002 landet der kleine israelische Anbieter Topmanage im Einkaufswagen von SAP, seit dem unter SAP Business One auf dem Markt. Bis auf wenige mittelständische Anbieter wie e.bootis ag, CIS AG oder Bison Group investiert niemand in Neuentwicklungen. Resultat: Die Technologie etablierter ERP-Produkte wurzelt im letzten Jahrtausend, in Zeiten vor dem Internet. Sie wurden immer wieder erweitert, geändert und portiert, um neueren Anforderungen zu genügen. Das Erbe der Vergangenheit und seine Folgen Unter den Folgen dieser Unternehmenspolitik haben Anbieter und Anwender heute gleichermaßen zu leiden. SAP-Kunden sind durch unterschiedlichste Zeitpläne und Ankündigungen von Netweaver über Business Process Platform bis zu ESA-Strategie verunsichert. Stefan Klose, Sprecher der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) bezeichnet den Umbau der SAP-Software auf der Jahrestagung 2005 als dramatisch und rechnet damit, dass ein Teil der vorhandenen SAP-Software angepasst beziehungsweise neu erstellt werden muss. e.bootis Vorstand Karl Langenstein hält die angedachte Idee, die R3 Client -Server Architektur zu nehmen, daraus Komponenten zu bilden, um dann Objekte und Klassen zu formulieren, die dann Webservices und XML generieren für »SAP-typisch kompliziert und kaum machbar. Jeder Student der Informatik lernt heute, dass objektorientierte Entwicklung neben Verwendung der Sprache Java auch eine andere Denkweise und ganz andere Strukturen bedingt. Aber es soll ja auch Menschen geben, die glauben, dass Fliegende Fische eine Kreuzung aus Fischen und Vögeln sind.« Schützenhilfe erhält Langenstein von Analystenseite: Helmuth Gümbel von Strategy Partners beispielsweise, geht davon aus, dass höchstens 15 Prozent der bestehenden SAP-Software bereits ESA-geeignet sind. Dass SAP die Umstellung auf die Plattform bis 2007 gelingt, ziehen Fachleute vor diesem Hintergrund in Zweifel. Bruce Richardson, Analyst bei AMR Research unterstellt, dass Veränderungen meist länger dauerten, als von allen Beteiligten erwartet, weil Milliarden von Codezeilen neu geschrieben werden müssen. Auch Microsoft räumt ein, dass mit Project Green vieles neu entwickelt werden müsse. Da nimmt sich eine aktuelle Navision-Meldung fast wie ein schlechter Scherz aus: »Im Rahmen der Strategie des Übergangs zu einer Dotnet-basierten ERP-Software wird Microsoft Business Solutions–Navision zukünftig den Namen Microsoft Dynamics NAV tragen. Für die Kunden und Anwender von Navision ändert sich bis auf den Namen nichts.« Wie beruhigend oder beängstigend das ist, mag jeder selbst entscheiden. Das Statement steht jedenfalls für die Konfusion, in der sich Microsoft augenblicklich befindet: Konkurrierende ERP- und CRM-Pakete fordern erheblichen Entwicklungsaufwand. Releases verzögern sich. Sollte Dotnet-ERP zunächst mit hartem Schnitt frühestens 2010 kommen, wird jetzt ein schleichender Übergang ab 2007 vorgezogen. Doch das macht das Leben nicht wirklich leichter. Wie viel Aufwand beispielsweise auf Partner zukommt, um Branchenlösungen im Rahmen der SAP- und Microsoft-Strategien nachzuziehen, können Betroffene nicht abschätzen. Der Kraftakt der Umstellung bleibt bestehen. Und ein weiteres Problem bleibt: Neukunden kaufen üblicherweise gerne Neuprodukte, also moderne Software und kein Produkt, das auf absehbare Zeit durch ständige Nachbesserungen technischen Anschluss suchen muss. Ingo Deutschmann
[1] »Die komplette SoftTrend Studie inklusive detaillierter Produktdaten kann für einen Preis von 50 Euro zzgl. Mwst. und Versand unter www.softselect.de oder per E-Mail an marketing@softselect.de angefordert werden.«
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