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Software as a Service Totgesagte leben länger Application Service Providing: das Konzept, das vor einigen Jahren genauso schnell verschwand wie es entstanden ist, nimmt unter dem neuen Namen Software as a Service seinen zweiten Anlauf. Diesmal durchaus vielversprechend: Unternehmen haben kaum noch Berührungsängste mit Mietsoftware, und auch die Technologie stimmt.
enn es in der IT-Geschichte ein Ranking über den kurzlebigsten Hype gäbe, dann wäre ASP (also Application Service Providing) sicher ein guter Kandidat: Anfang des Milleniums von der gesamten Softwarebranche als wahre Revolution deklariert, weil die Miete von Applikationen über das Web explosionsartige Umsätze versprach, verschwand das Konzept schon wenige Monate später völlig sang- und klanglos. Alle haben geschwärmt: die Software-Start-ups, die alteingesessenen Player wie Microsoft und IBM, und die einschlägigen Analysten haben mit waghalsigen Umsatzprognosen kritiklos beigepflichtet. Selten hat sich eine ganze Branche so verschätzt.
Jetzt ist ASP endlich reif Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert. ASP wurde zu SaaS (Software as a Service), Programmiertechniken weiterentwickelt, Serverleistungen verbessert, Geschäftsmodelle verfeinert, und Internet-Bandbreite ist heute wirklich kein Thema mehr, auch nicht für Consumer, die mehrheitlich über zig MB/s per Flatrate verfügen. Viel wichtiger aber: Das Bewusstsein hat sich verändert. Unternehmen setzen heute viel selbstverständlicher Applikationen ein, die Dritte auf entfernten Servern zur Verfügung stellen – Applikationen, die auch die Unternehmensdaten remote speichern.
Unter dem Begriff »Software as a Service« fasst IDC zwei große Segmente zusammen: das traditionelle »Hosted Application Management« und »Software on Demand»; beispielhaft für Software on Demand sind Webkonferenzen. (Quelle: IDC)
Nach einer Umfrage des Marktforschers IDC hatte im vergangenen Jahr jedes vierte von fünf US-Unternehmen SaaS als operative oder Testsoftware im Einsatz. Die vorderen Plätze belegen dabei die Themenfelder Gehaltsabrechnung, Rechnungstellung, Intrusion Detection, Webconferencing und Entwicklungswerkzeuge. In Deutschland zeigt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ähnliches Bild: Gehaltsabrechnungen und Rechnungstellungen werden ohnehin häufig extern vorgenommen, etwa als externe Buchführung durch Steuerkanzleien und die Datev. Auch der Themenblock der Sicherheit, einschließlich Mailscan und Intrusion Detection, wird bereits verstärkt extern bezogen.
Das Marktsegment »Software on Demand« wird laut IDC in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als »Hosted Application Management.« (Quelle: IDC)
Vorraussetzungen Eine Grundvoraussetzung jeglicher Softwarenutzung ist ihre Verfügbarkeit in dem Moment, in dem sie benötigt wird. Bei SaaS wird Software nur bei Bedarf von zentralen Rechnern geladen. Dazu ist eine robuste und allzeit verfügbare Infrastruktur, ausgehend vom Netzwerk bis zu den Servern, erforderlich. Weil sowohl die Bandbreiten als auch die Verfügbarkeiten von beiden Komponenten beständig nach oben getrieben wurden, ist die reine Softwareverfügbarkeit heute keine Frage mehr. Im nächsten Schritt ist die Software nun zu aktivieren. Und auch hier haben sich gravierende Änderungen ergeben oder stehen zur Implementierung an. Entscheidet man sich für Thin-Client-Konzepte, so stellt man fest, dass sich rund um HTML, XML, ASP und JSP mittlerweile eine verlässliche Softwarearchitektur gebildet hat. Zahlreiche Programmierbibliotheken zur Masken- und Formularprogrammierung vereinfachen die Programmierung und den Einsatz. In die gleiche Kerbe schlägt Microsoft mit dem Click-Once-Deployment. Hierbei handelt es sich um eine mit Dotnet 2.0 eingeführte Methode zur Installation von Anwendungen. Sie erlaubt die automatische Einrichtung einer Anwendung beim Start durch einen Mausklick auf einen Weblink. Und auch das Konzept der serviceorientierten Architektur (SOA) trägt die Hinwendung zu serviceorientierten Verarbeitungsmodellen bereits im Namen und ist Kern des Ansatzes. Hinzu kommt, dass durch den Kostendruck auf die zentrale IT-Abteilung bei gleichzeitiger Beschleunigung der Geschäftsprozesse (und in deren Folge natürlich auch der zugrunde liegenden IT-Abläufe) traditionelle Rollouts von Software über das gesamte Unternehmen mehr und mehr in Frage gestellt werden. Anforderungen Daneben stehen die Benutzer und ihre Abläufe. Die Veränderungen sind hier mindestens ebenso gravierend: Der Nutzerkreis der traditionellen Software bestand aus den Mitarbeitern des eigenen Unternehmens, ihnen wurde durch die erwähnten Rollout-Prozesse in bestimmten Intervallen die benötigte Software zur Verfügung gestellt. Die Benutzer mitsamt ihrer Desktops waren als Mitarbeiter des Unternehmens sowohl organisatorisch als auch physisch auf die Unternehmensstandorte verteilt. An diesen befand sich meist auch ein betreuender Zweig der IT. Das Benutzerspektrum heute ist jedoch weitaus facettenreicher. Es setzt sich aus Partnern im Unternehmensverbund, Kunden, Mitarbeitern im Home Office, einer steigenden Zahl mobiler Mitarbeiter, den »Road Warriors«, und den oben erwähnten stationären Mitarbeitern zusammen. Eine Softwareinstallation nach traditionellem Muster kommt aber nur bei Letzteren in Frage. Die Geräte der mobilen Mitarbeiter des Unternehmens und jener im Home Office könnten zwar noch mit gängigen Softwareverteilungsprogrammen versorgt werden, wenn sie denn gerade online sind; dabei dürfen jedoch keine Fehler auftreten und die Bandbreite zum Download der Programme muss ausreichen. Doch spätestens bei den Partnern oder gar Kunden wird eine vorausgehende und permanente Installation von Software schon kritisch: Beide Gruppen werden kaum dulden, dass ihnen fremde Software installiert wird. Hinzu kommt, dass natürlich fremde Geräte selten die gewünschte Basiskonfiguration, angefangen beim Betriebssystem über Servicepacks, Patches oder geöffnete Firewalls-Ports, aufweisen werden, welche just von der zu installierenden Software benötigt würde. Software als Service schafft hier Abhilfe. Der kleinste gemeinsame Nenner beim SaaS-Modell ist der Browser, über den bei Bedarf auf Anwendungen aller Art zugegriffen wird. Da die Anwendung selbst auf den Systemen des Service-Anbieters betrieben wird, ist eine aufwendige Installation beim Nutzer nicht notwendig, die Frage unterschiedlicher Konfigurationen stellt sich nicht. Die Grundvoraussetzung, um Applikationen als Web-basierte Services nutzen zu können, ist eine stabile Netzanbindung. Doch diese wird durch die, oben beschriebene, Weiterentwicklung der Netze und Rechnerhardware immer mehr zum Standard. Hinzu kommt dass die Applikationen, unabhängig davon, ob sie nun fest installiert oder bei Bedarf geladen werden, ihre Daten nicht lokal vorhalten, sondern zeitnah in die Backendsysteme einschleusen sollen, denn nur dann kann eine tatsächliche Prozessintegration erfolgen. Wenn aber ohnehin die Daten aus den Backendsystemen geladen werden, warum dann nicht auch ihre verarbeitenden HTML, Java- oder ASP-Routinen?
Bei Webkonferenzen mit WebEx werden die Daten nicht auf einem Server zwischengespeichert, sondern in Echtzeit zwischen den PCs der Teilnehmer ausgetauscht, vergleichbar der Sprachübermittlung beim Telefonieren. (Quelle: WebEx)
Abwägen Dies alles muss nun aber nicht heißen, dass in Zukunft jegliche Software als Service angeboten werden wird und dass dies per se das bessere Modell ist. Ausschlaggebend werden letztlich die erwähnten Rahmendaten sein: Je höher die Dynamik, sowohl bezüglich der Weiterentwicklung der Software als auch der Anzahl der Nutzer, und je größer der Anteil nicht stationärer Mitarbeiter oder Fremdgeräte ist, umso mehr kann der dynamische Einsatz von Software seine Vorteile ausspielen. Dies beinhaltet auch den Bezug von Software von externen Partnern. Auf Anbieterseite gut positioniert ist zum Beispiel Webex mit seiner Web-Collaboration-Reihe. Die Werkzeugfamilie ermöglicht Web-basierte Meetings und den Fernzugriff auf interne und externe Rechnersysteme. Gerade in diesen Anwendungsszenarien sind die oben genannten Bedingungen allesamt anzutreffen: ein dynamisches Nutzerfeld, bei welchem eine traditionelle Softwarebereitstellung ausscheidet. Die Anwendungsmöglichkeiten der Webex-Produkte reichen dabei vom Einsatz im Helpdesk, sowohl für die internen Mitarbeiter aber auch dem externen Kunden, bis hin zum Einsatz für Marketing, Präsentationen oder Schulungen. Durch den Einkauf von Software als Service entfällt die Notwendigkeit für den Betrieb eigener Server für die Applikationsbereitstellung. Für viele Unternehmen ist dies eine interessante Option, denn der IT-Betrieb verschlingt, laut mehreren Untersuchungen der vergangenen Jahre, mehr als zwei Drittel des gesamten IT-Budgets. Dennoch ist eine breite Hinwendung zu fremdbezogener Software noch nicht zu erwarten. Insbesondere bei Kernanwendungen, welche die Herausstellungsmerkmale des Unternehmens betreffen, besteht eine gewisse Skepsis gegen Software von der Stange. Handelt es sich aber um Standards, so spricht vieles für einen Fremdbezug der Applikation als Servicedienstleistung. Auch hinsichtlich der Servicevereinbarungen, sowie deren Monitoring und Abrechnung, haben sich in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt durch SLAs und ITIL, Fortschritte ergeben. Beste Voraussetzungen also, dass Software as a Service eine bedeutendere Rolle in der IT-Geschichte spielen wird als ASP. SaaS wird das Ranking der kurzlebigsten Hypes nicht bereichern. Peer Stemmler ___________________________________________________________ Peer Stemmler ist Country Manager Deutschland bei WebEx in Düsseldorf
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