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»2 better than 1« – ein logischer Schritt Spekulationen gab es schon seit Jahren – jetzt ist es soweit: In den kommenden Monaten werden NCR und Teradata nach mehr als 15 gemeinsamen Jahren getrennte Wege gehen. Schon seit Jahren agiert Teradata als Anbieter von High-End Data-Warehouse-Systemen sehr erfolgreich und weitgehend autonom am Markt, blieb aber bis dato Teil des NCR-Konzerns. Jetzt soll der Geschäftsbereich als eigenständige Aktiengesellschaft an die Börse. Hermann Wimmer, Europachef von Teradata und zugleich Geschäftsführer der NCR Deutschland über die Gründe für diesen Schritt und den künftigen Kurs des Data-Warehouse-Spezialisten.
Herr Wimmer, das Mutterunternehmen NCR und ihre Teradata Division gehen künftig getrennte Wege. Warum? Klar ist: Jede strategische Geschäftsentscheidung, die nicht aus der Not geboren wird, verfolgt das Ziel, das Unternehmen noch erfolgreicher zu machen. Genau das soll die Folge dieser Teilung sein. In unserem Fall werden zukünftig zwei unabhängige Unternehmen in ihren jeweiligen Spezialgebieten – Data Warehousing und Self-Service Solutions – ihre Performance steigern, weil sie ihre unterschiedlichen Märkte noch gezielter und schneller adressieren können. Die profitablen, wachsenden Teilbereiche erwarten von der Trennung in erster Linie mehr Fokus und mehr Agilität. In der Entwicklung von Teradata ist der Spin-off ohnehin ein logischer Schritt. Teradata hatte immer schon relativ viel Bewegungsfreiheit im Konzern und wurde ganz bewusst mit eigenem Branding innerhalb der NCR positioniert. Wir haben eine eigenständige Managementstruktur, z.B. in Marketing, Vertrieb und technischem Support. Kurz: Bis dato waren wir gemeinsam stark. Künftig aber werden wir uns getrennt besser entwickeln können. Die beiden Geschäftsbereiche werden fokussierter, wendiger und schneller sein – und davon werden unsere Kunden profitieren. Spekulationen über eine Herauslösung von Teradata aus dem Unternehmen NCR gab es schon länger. Weshalb gerade jetzt? Weil wir in den vergangenen Jahren die Vorteile eines Großunternehmens und Verbundes gut genutzt haben und deshalb momentan – und da spreche ich für beide Bereiche – in einer sehr guten Ausgangssituation für weitere Schritte sind. Wir haben die letzten Jahre erfolgreich genutzt, um unsere Lösungen weiter zu entwickeln, erfahrene Berater einzustellen und die Kostenstruktur in der Infrastruktur zu optimieren. NCR und Teradata bearbeiten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen unterschiedliche Märkte und die Gemeinsamkeiten haben eher abgenommen. Darum wollen wir uns künftig nicht unnötig gegenseitig einengen. Für Teradata gesprochen: Teradata hat 2006 mit einem Umsatz von fast 1,6 Milliarden US-Dollar ein Operating income von 340 Millionen US-Dollar erzielt. Damit haben wir die kritische Größe erreicht und gezeigt, dass wir auch selbstständig in einem zukunftsträchtigen Markt erfolgreich sein werden. Als eigenständige Aktiengesellschaft wird Teradata zudem einfach über mehr Spielraum verfügen. Wir haben so direkten Zugang zum Kapitalmarkt. Ob es um Investitionen in Entwicklung, Partnerschaften oder Akquisitionen geht – die Entscheidungen darüber müssen künftig nicht mehr mit Geschäftsbereichen abgestimmt werden, die naturgemäß eine andere Agenda haben. Teradata hat sich auf Data Warehouses spezialisiert. Wie wird sich die Produktpalette des Unternehmens weiter entwickeln?
Beim Einsatz in den Unternehmen stand für Teradata bislang die Bewältigung großer Datenmengen im Vordergrund. Jetzt betonen Sie verstärkt den Faktor Zeit? Den Faktor Beschleunigung! In der gesamten Wirtschaft verkürzen sich zusehends die Zyklen, sei es bei der Lebensdauer von Produkten oder dem Takt von Bestellungen und Lieferungen. Für die Unternehmen bedeutet das: Es müssen immer mehr Entscheidungen zunehmend schneller getroffen werden. Da reicht es nicht, wenn Business-Intelligence-Tools nur rückblickend sagen, was man hätte besser machen können. Jetzt muss es vielmehr darum gehen, in laufende Prozesse aktiv, in Echtzeit einzugreifen und so die Ergebnisse zu verbessern. Das nennen wir Active Enterprise Intelligence: Wir geben den Mitarbeitern Mittel an die Hand, die Prozesse ständig aktualisiert abzubilden, zu analysieren und entsprechend zu agieren. Darüber hinaus können solche Lösungen Entscheidungen auch aktiv anstoßen, indem sie ein permanentes Monitoring bieten und auf bestimmte, definierte Vorkommnisse selbstständig reagieren. Active Enterprise Intelligence ist nicht nur für das Topmanagement relevant, sondern auch für Entscheider im operativen Geschäft. Ein Beispiel: Eine Demand-Chain-Managemen- Lösung überwacht die Bestände eines Supermarkts. Wenn sie registriert, dass ein bestimmtes Produkt in zwei Tagen ausverkauft sein wird, wird automatisch ein Bestellvorschlag generiert. Dabei werden die unterschiedlichsten Rahmenbedingungen, wie Mindestbestellmenge, Losgröße oder Lieferzeit berücksichtigt. Mit Active Enterprise Intelligence kann ein Unternehmen bei diesen permanent anstehenden Entscheidungen sowohl Effizienzgewinne als auch Zeit-, Kundenservice- und letztlich Kostenvorteile realisieren. Das klingt ja fast nach einem autonomen Prozess. Welche Rolle spielt denn dabei die Schnittstelle Mensch noch? Im wahrsten Sinne des Wortes: die entscheidende Rolle! Alles, was nicht einfach mit regelbasierten Routinen abgegolten werden kann, muss und soll von denkenden Menschen entschieden werden. Da stellt sich uns eine weitere Aufgabe: Wie können wir die Ergebnisse komplexer Analysen so darstellen, dass sie eine präzise und zugleich schnell und einfach nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage liefern? Wenn es darum geht, komplexe Sachverhalte schnell – wenn Sie so wollen, auf einen Blick – zu erfassen, geht dies momentan am besten über deren grafische Darstellung. Und damit meinen wir keine Pie-Charts. Das gilt nämlich auch für laufende Prozesse: Um diese in Echtzeit nachvollziehbar zu machen, kann Teradata sie mit einem Tool unseres Partners Compudigm dynamisch visualisieren. Das heißt, sie können quasi »live« am Bildschirm wie auf einer Wetterkarte verfolgen, wie das Geschäft gerade läuft und wo möglicherweise Eingriffe nötig werden. Wir gehen hier völlig neue Wege mit dem Ziel, intuitiv erfassbare Entscheidungshilfen zu schaffen. Überflüssige Informationen werden gänzlich vermieden. Sie verstellen oft nur den Blick auf das Wesentliche. Informationsbasierte Entscheidungen werden möglich, ohne dass sich Manager durch Zahlenkolonnen und Tabellen arbeiten müssen. Diese neue Art der Visualisierung von Daten liefert aus meiner Sicht echten Mehrwert. Teradata wird unabhängig von NCR – und verwendet einen NCR Server. Macht das Sinn? Teradata entwirft und entwickelt seine Server in einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung im kalifornischen Rancho Bernardo. Letztlich dreht es sich um Standardkomponenten, die speziell für das Data Warehousing optimiert sind. Darauf weist bei der aktuellen Version, die noch als »NCR Server 5450« bezeichnet wird, der Zusatz »powered bei Teradata« hin. Künftig werden sie »Teradata Server« heißen. Wir stehen technologisch auf eigenen Füßen, agieren aus einer gefestigten Marktposition heraus – und wir haben ja schon gezeigt, dass wir uns auch neue Bereiche erschließen können. Sie spielen darauf an, dass Sie seit kurzem auch Stammdatenmanagement anbieten? Wir haben hier eine eigene Lösung, Teradata Master Data Management, die unser Portfolio sinnvoll ergänzt. Einerseits können wir hier unser Know-how bei der Datenintegration in einem weiteren, lukrativen Geschäftsfeld verwerten. Andererseits besteht hier auch Bedarf von Seiten unserer Kunden. Zum Teil haben sie dafür individuelle Lösungen entwickelt, stellen jetzt aber fest, dass deren Wartung auf Dauer zu teuer ist. Mit unserer auf Teradata optimierten Lösung bieten wir diesen Kunden eine attraktive Alternative, die wir noch weiter ausbauen werden. Wir haben eigens ein Center of Expertise aufgebaut, in dem wir eine vollständige Suite entsprechender Anwendungen entwickeln. Zum Schluss ein Ausblick: Welche Entwicklungsperspektive sehen Sie für Teradata? Und für welches der beiden Unternehmen werden Sie künftig überhaupt tätig sein? Der Teradata Spin-off soll binnen sechs bis neuen Monaten abschlossen sein. Was unsere Perspektive als eigenständiges Unternehmen angeht, bin ich mehr als optimistisch: Wir sind am Markt wohl etabliert und stehen auf gesunden, eigenen Füßen. Gartner und andere Analysten sehen uns – wie gesagt – eindeutig als Marktführer. Neue Anbieter treten derzeit eher im Low-End-Bereich in den Markt ein, vor allem mit Appliances für Data Marts. Wir beobachten diese Entwicklung dahingehend, ob in diesem Segment eventuell mehr Marktpotenzial besteht als wir derzeit annehmen. Mike Koehler, der CEO, wird in den nächsten Monaten seine Mannschaft bekannt geben und bis dahin werden wir nicht weiter über Positionen spekulieren, sondern uns um unsere Kunden kümmern.
Herr Wimmer, vielen Dank für das Gespräch
[1] »For NCR and Teradata, two will be better than one.« Donald Feinberg, Gartner |
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