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Kollaborative Planung und Prognose (CPFR) Gemeinsam planen im Handel Kollaborative Planung und Prognose (CPFR) optimiert den Nachschub im Handel. Durch den softwaregestützten Abgleich vielfältiger Daten zwischen Händlern und Herstellern hilft eine genaue Abverkaufsprognose dabei, die Bestände auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu optimieren und Produktions-, Lager-, und Transportkapazitäten besser zu nutzen. Ein Pilotprojekt der Metro Cash & Carry bestätigt jetzt die hohe Treffsicherheit von Prognosen und zeigte auf, wie die Produktions- und Lieferplanung ausgesuchter Hersteller optimiert werden konnte.
iel eines Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) Prozesses, also der kollaborativen Planung, Prognose und Filialauslieferung von Hersteller und Handel, ist die Optimierung des Nachschubs von Waren aller Art. Sie hilft Präsenzlücken in den Filialen zu vermeiden und gleichzeitig den Bestand in den Lägern und Filialen tagesgenau auf das zur Bedarfsbefriedigung des Kunden Erforderliche zu reduzieren. Durch die Weiterleitung von Prognosedaten zum Abverkauf wird der Hersteller frühzeitig in die Lage versetzt, durch geeignete Maßnahmen eine ausreichende Produktion für den Händler sicher zu stellen. Insbesondere für Produkte mit hohem täglichem Absatz, sogenannte Schnelldreher, und für verkaufsfördernde Aktionen ist dies unentbehrlich, denn Verfügbarkeitsprobleme treten dort am ehesten auf. Die Effekte von Verkaufsaktionen sind schwer zu beherrschen, da sie den Vorratsbedarf der erforderlichen Produkte zum Aktionszeitpunkt um ein Vielfaches erhöhen. Prof. Dr. Gerhard Arminger, Mitgründer und wissenschaftlicher Berater der SAF AG, erläutert die Schwierigkeit für Händler: »Es ist eine enorme Herausforderung, wenn sie von einem Artikel statt üblicherweise 500 Stück anlässlich einer Aktion 5.000 Stück vorrätig haben wollen. Wenn Sie dieses Produkt darüber hinaus bereits drei Monate im Voraus bestellen und Aktionen zudem für Hunderte von Artikeln planen müssen, können sie das entstehende Datenvolumen nicht ohne zuverlässige computergestützte Planung mit ihren Lieferanten problemlos bewältigen.« Unternehmensübergreifende Koordination Mit dem CPFR-Ansatz werden alle Partner dazu angehalten, auf Basis eines integrierten Prozesses Informationen zu den Abverkäufen unternehmensübergreifend bereitzustellen. Auf der Grundlage aktueller und prognostizierter Daten zur Konsumentennachfrage wird durch die jetzt mögliche kollaborative Bestellplanung die kontinuierliche Warenversorgung vor allem auf Herstellerseite weiter verbessert. Dieses Geschäftsmodell ist vielerorts noch nahezu revolutionär. Die Einführung von CPFR ist die konsequente Weiterentwicklung des Efficient Consumer Response (ECR) Konzepts. Eine Initiative, die unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse durch die Ausrichtung an einheitlichen Standards und Anwendungsempfehlungen optimiert. Auch die an der Wertschöpfung beteiligten Vorlieferanten sowie die Dienstleistungsunternehmen aus Logistik und Informationstechnologie sind dabei mit eingeschlossen. Höhere Effizienz CPFR verspricht neben strafferen und besser aufeinander abgestimmten Prozessen auch eine größere Effizienz in Verwaltung und Betrieb. Höhere Verkaufszahlen können durch eine hinreichende Verfügbarkeit der Waren im Regal erzielt werden. Der Handel profitiert von einer stärkeren Liefertreue, der Hersteller von Planungssicherheit und Produktionsauslastung. Dennoch – angesichts der deutlich gestiegenen Ablaufkomplexität im Handel und in Folge des Konzentrationsprozesses gewachsener heterogener IT-Landschaften – stehen eine Reihe von Marktteilnehmern einem Ansatz skeptisch gegenüber. Dieser verlangt Geschäftsprozesse weiter zu integrieren, zu standardisieren und sich zu unternehmensübergreifenden Netzwerken weiterzuentwickeln. Bessere Produktverfügbarkeit Das CPFR-Modell (www.cpfr.org) wurde von der VICS Association in Zusammenarbeit mit führenden Handelsunternehmen, Konsumgüterherstellern sowie Beratungsunternehmen und Softwareanbietern entwickelt. Beim Demand-Chain-Management-Ansatz steht der Konsument im Fokus. Ausgehend von Abverkaufsprognosen werden Produktion und Lagerhaltung der tatsächlichen Nachfrage angepasst und so Warenfluss und Verkaufsförderungsmaßnahmen aufeinander abgestimmt. Ergo erhöht sich mit der besseren Planung auch die Erfolgsquote von Verkaufsförderungsmaßnahmen. Bislang warfen solche Aktionen vor allem die Frage auf, wie bei einer frühen Disposition großer Mengen Schwankungen zu antizipieren seien. Mit der Nutzung einer Vielzahl bereits vorhandener Informationen wächst die Genauigkeit von Bedarfs- und Bestellprognosen. Absatzspitzen beispielsweise aufgrund von Aktionen können frühzeitig in die Produktions-, Bestands- und Lieferplanung einbezogen werden. Somit können Sicherheitsbestände beim Händler bei gleichzeitiger Warenverfügbarkeit deutlich reduziert werden. Die bessere Produktverfügbarkeit steigert den Umsatz am POS und fördert die Kundenbindung. Verbesserung der Datenqualität Voraussetzung für CPFR ist die Bereitschaft der Geschäftspartner, die Planung, Prognose und Bevorratung gemeinsam zu steuern – das heißt die Prozesse auf Basis gemeinsamer Ziele aufeinander abzustimmen und zu verknüpfen. »Grundlegend für das Gelingen von CPFR ist eine professionelle Aufstellung. Klare Ziele müssen zwischen den Partnern definiert und vertraglich geregelt sein«, empfiehlt Arminger. Zu Kooperieren heißt für alle Beteiligten, ihre jeweiligen Kundendaten als Basis für eine zielführende Zusammenarbeit offenzulegen. Hier geht es darum, die Daten nicht nur auszutauschen, sondern durch den gemeinsamen Abgleich von Produktions-, Lager- und Verkaufsdaten eine Verbesserung der Datenqualität zu erreichen. Bullwhip-Effekt reduzieren Um auf schwankende Nachfragen eingehen zu können, werden im traditionellen nicht-kollaborativen Planungsverfahren auf jeder Stufe der Logistikkette die Sicherheitsbestände erhöht. Jeder Partner in der logistischen Kette kennt jeweils nur die Bedarfe seiner direkten Kunden. Auf diese eingehend schlägt er in der Regel, um Fehlbestände zu vermeiden, einen Sicherheitsbestand auf. Entlang der logistischen Wertschöpfungskette addieren sich diese Sicherheitsbestände zu stattlichen Mengen, die Lagerkosten verursachen und Kapital binden. Dieser so genannte Bullwhip-Effekt wird erheblich verringert, wenn die Planung vom tatsächlich auf jeder Stufe nachgefragten Bedarf ausgeht. Höhere Versorgungssicherheit Die Vorteile der kollaborativen Planung sprechen für sich. So wird durch CPFR eine höhere Versorgungssicherheit gewährleistet indem die Verfügbarkeit der Produkte steigt. Kunden finden frischere weil bedarfsgerecht georderte Ware vor. Die Reduktion der Kosten seitens des Händlers kann sich positiv auf das Preis-Leistungs-Verhältnis der Waren auswirken. Dies alles stärkt nicht zuletzt auch die Kundenbindung. Das CPFR-Projekt Ausgangspunkt für ein großes deutsches CPFR-Projekt war im Mai 2003 das gemeinsame Verständnis von Verantwortlichen von Metro Cash & Carry auf der einen Seite und namhaften Herstellern der Konsumgüterindustrie auf der anderen Seite. Sie vereinbarten, der gemeinsamen Planung, Prognose sowie des Warennachschubs durch eine in die operativen IT-Systeme der Unternehmen integrierte Kooperationslösung zukünftig Vorrang einzuräumen. Des Weiteren sollte sich der Austausch von POS- und Prognosedaten unmittelbar im Bestellverhalten des Handelsunternehmens niederschlagen. Gegenüber bisherigen Prozessen, bei denen jeder an der logistischen Kette Beteiligte individuelle Prognosen erstellte, sollten in diesem Verfahren Informationen und Prognosen sowohl ausgetauscht als auch untereinander abgestimmt werden. Zu erwarten war, dass die Prognosen damit deutlich treffsicherer bezüglich des tatsächlichen Kaufverhaltens der Kunden sind und so zu einer erhöhten Planungssicherheit führen. Insgesamt wurden 4.000 Artikel von namhaften Lieferanten in die Untersuchungen über die Vorteile von CPFR einbezogen. Für die Prognosen wurde die von Metro Cash & Carry zur automatischen Disposition eingesetzte Software der SAF AG verwendet. Im Fokus der Studie stand die Frage: Welche zentralen Bedingungen müssen für die technische Unterstützung eines erfolgreichen CPFR-Projekts erfüllt werden? Die Antwort ist zweigeteilt. Zum einen müssen automatische Prognosen der Abverkaufszahlen geliefert werden, zum anderen eine technische Plattform beziehungsweise ein Portal, über das alle Beteiligten ohne Probleme ihre Informationen austauschen können. Automatische Prognose Bei der automatischen Prognose des Abverkaufs wird für jeden Artikel ein Prognosewert im Aktionszeitraum pro Markt errechnet. Dieser wird mit Hilfe der Prognose- und Bestellsoftware von SAF erstellt. Es gehen dabei Trends, Saisonalitäten, Kalenderereignisse (z.B. Karneval, Ostern, Pfingsten, Ferien), frühere Aktionen sowie die Abverkaufszeitreihe im einzelnen Markt ein. Diese einzelnen Marktprognosen für den Verkauf der jeweiligen Artikel werden vollständig automatisch erzeugt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich schnell um mehrere Millionen einzelner Prognosewerte handeln kann (Anzahl Artikel * Anzahl Märkte * Anzahl Wochen). Solch eine hohe Datenmenge ist nicht mehr semi-automatisch oder gar manuell prognostizierbar. Die einzeln erstellten Marktprognosen werden anschließend aggregiert und führen zu einer automatischen Abschätzung des Gesamtabsatzes eines Artikels im Aktionszeitraum. Diese Werte werden sowohl dem Handelsunternehmen als auch dem Lieferanten zur Verfügung gestellt. Mit der SAF-Software werden 13 Wochen im Voraus rollierende Prognosen erstellt. Dies ermöglicht dem Hersteller eine langfristige Produktionsplanung. Vier Wochen vor einer geplanten Lieferung wird die endgültige Bestellmenge für beide Seiten verbindlich fixiert. Die praktische Durchführbarkeit eines derartigen CPFR-Prozesses hängt daher wesentlich von der automatischen Erstellung von 13- beziehungsweise 14-Wochen-Prognosen ab. Durch die Verwendung der SAF-Prognosen und durch die Einführung des CPFR-Projekts konnten in Pilotprojekten einerseits eine deutliche Umsatzerhöhung, andererseits eine weiter verbesserte Verfügbarkeit und schließlich eine Verringerung des Aktionsbestands nach Auslaufen der Aktion erzielt werden. Als Plattform, die für alle Systeme ohne großen Aufwand den reibungslosen Informationsaustausch gewährleistet, hat sich die B2B-Plattform Global Net Exchange (GNX) bewährt. Dabei wird zur Datenintegration zwischen Lieferanten und Handelsunternehmen eine systemübergreifende Schnittstelle für gemeinsam genutzte Informationen zur Verfügung gestellt. Auf deren Basis kann übers Internet sowohl auf Daten als auch auf gemeinsame Dokumente zugegriffen werden. Das heißt: Im Rahmen des CPFR-Projekts können sowohl Prognosen als auch weitere Informationen ausgetauscht und verändert werden. Resümee Die ersten Unternehmen haben die Vorteile kollaborativer Planung und Prognose in der Praxis erkannt und nutzen diese zur Bestandsoptimierung entlang der Wertschöpfungskette. »Nachdem Pilotprojekte bei Unternehmen wie der Metro die Nützlichkeit von CPFR erwiesen haben, ist es nun an der Zeit für Händler und Hersteller, Konzepte für die Zusammenarbeit zu entwickeln, eine gemeinsame Plattform zu definieren um Prognoseprozesse fortan gemeinsam zu steuern«, so Prof. Arminger, der in das Pilotprojekt bei Metro involviert war. »Optimierte Bestände, zufriedene Kunden und gleichzeitig gesenkte Kosten sind Wettbewerbsvorteile, die der Handel mit CPFR erreichen kann.« Katrin Renner
Collaborative Planning Forecasting and Replenishment (CPFR) bietet nachweislich ein signifikantes Potenzial zur lieferkettenübergreifenden Effizienzsteigerung auch bei einer großen Anzahl von Artikeln, Lieferanten und Märkten. Die Warenverfügbarkeit und damit die Kundenzufriedenheit werden auch bei Aktionen nachweislich erhöht. Wesentliche Voraussetzung ist sowohl der Einsatz einer zuverlässigen automatischen – statt manuellen – Prognosesoftware als auch der Einsatz einer technischen Plattform für den reibungslosen Informationsaustausch. |
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