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Das V-Modell XT in der Praxis Das System V Das V-Modell XT 1) ist der neue Standard für die Vorgehensweise in IT-Projekten der deutschen Bundesverwaltung. Es wurde vor zwei Jahren freigegeben und wird mittlerweile operativ in den ersten Projekten eingesetzt. Außer für Bundesbehörden ist das V-Modell XT aber auch für die freie Wirtschaft von Interesse. Dies, da es teilweise in Ausschreibungen als Vorgehensweise des Auftragnehmers gefordert wird, aber auch, weil es sich in der Praxis als nützliches Modell erwiesen hat. Dieser Artikel befasst sich neben einem Überblick über den Standard vor allem mit der Frage, wie das V-Modell XT für den Einsatz in einer Organisation angepasst werden kann.
as V-Modell XT ist ein Prozessmodell für die Vorgehensweise in IT-Projekten. Es definiert bestimmte Arbeitsergebnisse, sogenannte »Produkte«, die im Projektverlauf entstehen müssen. Produkte werden im Rahmen von »Aktivitäten« durch die Mitarbeiter des Projekts erstellt. Produkte, Aktivitäten und Mitarbeiter werden auf der Ebene eines konkreten Projekts betrachtet. Auf der Abstraktionsebene des Prozessmodells geht es um »Produkttypen« und »Aktivitätstypen« und »Rollen«, die diese Elemente klassifizieren. In einem Projekt kann ein Mitarbeiter dann eine oder mehrere Rollen einnehmen. Von etlichen Produkttypen wird es in einem Projekt nur eine einzige Instanz geben, so etwa vom »Projekthandbuch«, von anderen hingegen auch viele, wie etwa vom »Projektstatusbericht«. Projekttypen Das V-Modell XT eignet sich für Systementwicklungsprojekte, also IT-Projekte, in denen etwas entwickelt, weiterentwickelt oder aus Fertigkomponenten integriert wird. Der Gegenstand der Entwicklung kann dabei erheblich variieren: von einer kleinen Software bis hin zu etwa einem komplexen Fahrzeug mit vielen Komponenten. Es wird generell unterschieden zwischen zwei Projekttypen: »Systementwicklungsprojekt eines Auftraggebers« und »Systementwicklungsprojekt eines Auftragnehmers«. Im typischen Szenario einer öffentlichen Ausschreibung gibt es also sowohl auftraggeber- wie auftragnehmerseitig je einen Projektleiter, einen Projektplan etc. Der Auftraggeber ist für die Formulierung der Anforderungen verantwortlich, der Auftragnehmer für deren technische Verfeinerung und Umsetzung. Für Projekte, die vollständig innerhalb einer Organisation stattfinden, bietet das V-Modell XT einen weiteren Projekttypen an, der die Trennung zwischen fachlichem Auftraggeber und technischem Auftragnehmer im Rahmen eines einzigen Projekts unterstützt. Tailoring Welcher Projekttyp einem neuen Projekt zu Grunde liegt, muss zu Beginn festgelegt werden. Daraus sowie aus weiteren Merkmalen des Projekts resultiert dann der Umfang des projektspezifischen Prozessmodells. Das V-Modell XT nennt diesen Schritt der Anpassung des organisationsweiten Prozessmodells an ein konkretes Projekt »Tailoring«. Das Tailoring basiert wesentlich auf dem Konzept der Vorgehensbausteine: Ein Vorgehensbaustein kapselt zusammengehörige Produkte, Aktivitäten und Rollen. Die Wirkung ist, dass man sich beim Tailoring nur mit ca. 20 Vorgehensbausteinen beschäftigen muss, nicht aber mit den über hundert Produkttypen, die darin enthalten sind. Abbildung 1 zeigt die Vorgehensbausteinkarte des V-Modells XT.
Abbildung 1: Vorgehensbausteinkarte
Durch die Auswahl der Vorgehensbausteine im Tailoring werden nur die für das Projekt relevanten Produkttypen, Aktivitätstypen und Rollen in das projektspezifische Prozessmodell übernommen. Anschließend können die Rollen auf die Mitarbeiter des Projekts verteilt werden und man kann mit der Planung beginnen. Die Vorgehensbausteine sind ab hier im Projekt nicht weiter von Bedeutung. Projektplanung Für die grobe Planung des Projektablaufs definiert das V-Modell XT das Konzept der »Projektdurchführungsstrategien«. Darunter ist je eine Folge von Meilensteinen zu verstehen, die jeweils mit einer Menge von Produkten verknüpft sind. Um einen dieser Meilensteine zu erreichen, das V-Modell XT spricht hier von »Entscheidungspunkten«, müssen alle diesem Entscheidungspunkt zugeordneten Produkte fertig gestellt sein. Damit gliedern die Entscheidungspunkte das Projekt zeitlich in Abschnitte, in denen jeweils bestimmte Produkte im Vordergrund stehen. Abbildung 2 zeigt die Projektdurchführungsstrategie eines Auftragnehmerprojekts mit den jeweils den Entscheidungspunkten zugeordneten Produkten.
Abbildung 2: PDS AN
Die Planung des Projekts erfolgt nun, indem in jedem Abschnitt die Aktivitäten der zu erstellenden Produkte geplant werden. Die Produkte ergeben sich aus den Zuordnungen zum jeweiligen Entscheidungspunkt aber auch aus den Abhängigkeiten untereinander. Die Gesamtmenge der Aktivitäten bildet dann den Projektplan. Dieser ist selbst auch ein Produkt und muss mindestens zu jedem Entscheidungspunkt aktualisiert werden. Produkte der Systementwicklung Die überwiegende Mehrheit der Produkte im V-Modell XT hat den Charakter von Dokumenten. Diese Produkte werden in sogenannten »Themen« untergliedert, dies kann man sich als Kapitelstruktur vorstellen. So umfasst etwa das »Projekthandbuch« u.a. die Themen »Projektüberblick, Projektziele und Erfolgsfaktoren«, »Projektspezifisches V-Modell« und »Organisation und Vorgaben zum Projektmanagement«. Im Bereich der eigentlichen Systemerstellung gibt es vornehmlich Spezifikations- und Entwurfsdokumente sowie die zugehörigen Produkte der Qualitätssicherung. Das in Abbildung 2 erkennbare »V« der Systementwicklung ist auf seiner linken Seite mit Produkten wie der »Gesamtsystemspezifikation (Pflichtenheft)«, den »Systemspezifikationen« und »Systemarchitekturen« verknüpft. Auf jeder Ebene ist zudem auf Basis der in einer Spezifikation enthaltenen Anforderungen auch immer eine »Prüfspezifikation Systemelement« zu erstellen, die die Prüffälle für den späteren Systemtest umfasst. Auf der rechten Seite des »V«s geht es dann um die Realisierung und Integration der Systemelemente. Hier sind demzufolge die erstellten Systemteile zu prüfen und dieses ist in Produkten vom Typ »Prüfprotokoll Systemelement« zu dokumentieren. Vor allem die Produkte im Bereich der Systementwicklung sind sehr generisch gehalten, da sich das V-Modell XT an einen großen Anwenderkreis mit vielen unterschiedlichen Typen von zu entwickelnden Systemen richtet. Das V-Modell XT gibt hier keine konkret anzuwendenden Methoden vor. Dies zeigt sich deutlich auf der Ebene der Themen: in den Spezifikationsprodukten ist etwa von »Funktionalen Anforderungen« und »Nicht-funktionalen Anforderungen« die Rede. Mit welcher Methode nun die Anforderungen aber definiert werden sollen, ist nicht vorgegeben: das V-Modell XT ist methodenneutral. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, dass V-Modell XT immer auch um die anzuwendenden Methoden zu ergänzen. Dies kann in Rahmen eines einzelnen Projekts geschehen, besser aber auf der Ebene der ganzen Organisation. Nur dadurch ist eine einheitliche Vorgehensweise in allen Projekten der Organisation sicherzustellen. Die Einführung des V-Modells XT ist also zwingend auch mit einer Konkretisierung der zu verwendenden Methoden verbunden. Es gibt einige weitere Möglichkeiten, das V-Modell XT für die eigene Organisation anzupassen. So kann man:
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Den Produktumfang anpassen
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Eigene Vorgehensbausteine erstellen
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Eigene Projektdurchführungsstrategien erstellen
Abbildung 3: Projektdurchführungsstrategie Bayern 2)
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Produktinhalte vordefinieren, d.h. Vorlagen mit Mustertexten erstellen
Eine Organisation, die das V-Modell XT einführen möchte, ist also gut damit beraten, zunächst einmal zu prüfen, wie denn das eigene Projektumfeld aussieht, das durch das V-Modell XT geregelt werden soll. Um welche Art von Projekten handelt es sich? Was ist immer gleich und was unterscheidet sich wirklich? Welches sind die zur erfolgreichen Projektdurchführung zwingend zu erarbeitenden Produkte? Wie soll das Berichtswesen erfolgen? Wie findet die Steuerung des Projekts durch das Management statt? Diese und weitere Fragen liefern gute Anhaltspunkte, wie weit das V-Modell XT ggf. anzupassen ist. Die Umsetzung einer Anpassung erfolgt dann am besten mit einem geeigneten Werkzeug, wie dem V-Modell Editor 3) oder microTOOL in-Step 4). Diese Werkzeuge lassen nur Modelländerungen im Rahmen des vorgegebenen Metamodells des V-Modells XT zu. Mit microTOOL in-Step steht dann zudem ein Werkzeug zur Verfügung, dass die Planung und Durchführung von Projekten mit dem angepassten V-Modell XT durchgängig unterstützt. Resümee Das V-Modell XT ist ein Standard, der explizit seine Anpassung für eine konkrete Organisation motiviert. Er bietet hierfür sogar einen eigenen Projekttypen an (»Einführung und Pflege eines organisationsspezifischen Vorgehensmodells«). Unter Einhaltung des Metamodells sowie Wahrung der Grundprinzipien des V-Modells XT kann eine Organisation – egal ob Behörde oder Unternehmen – also mit relativ geringem Aufwand zu einem modernen, flexiblen Prozessmodell gelangen, welches ihr Projektumfeld optimal unterstützt. Thomas Klingenberg ___________________________________________________________ Thomas Klingenberg ist Dipl.-Informatiker und Geschäftsführer der Berliner microTOOL GmbH. Mit dem V-Modell XT beschäftigt er sich seit dessen Anfängen, ist zertifizierter V-Modell XT Pro und betreut als Berater zurzeit mehrere V-Modell XT Anwender bei der Einführung und Anpassung des Standards.
Referenzen: 2) http://www.secure.trusted-site.de/download/veranstaltungen/Vortrag_4.pdf 3) http://ftp.uni-kl.de/pub/v-modell-xt/Release-1.2/Werkzeuge/Editor/V-Modell-XT-Editor-Windows.exe 4) http://www.microtool.de/instep/de/prod_vxt_edition.asp
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