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Mobilisierung von Leistungsreserven in der ITDie Wiederentdeckung modellbasierter VorgehensweisenDie Anforderungen an die Entwicklung von Individualsoftware sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Auf unterschiedlichen Ebene sind neue und verschärfte Aufgaben anzugehen: Auf der Ebene der funktionalen Anforderungen werden immer komplexere, leistungsfähigere Systeme gefordert. Organisatorisch erfordern Offshoring- und Outsourcing-Konstruktionen völlig neue Managementmodelle. Das verschärfte Tempo im globalen Wettbewerb verlangt nach immer kürzeren Projektrealisierungszeiten und der Umsetzung kurzfristig wechselnder Wünsche. Auf der Ebene der eingesetzten Technologien muss schließlich ein immer schnellerer Wandel verarbeitet werden, da selbst grundlegende Paradigmen in Systemarchitektur und -design immer schneller überholt sind. Diese Komplexität zu reduzieren, ist in der Regel nicht möglich – eine Organisation muss dagegen die Fähigkeiten entwickeln mit der Komplexität umzugehen, sie zu beherrschen.
in Weg zur Lösung sind die modellgetriebenen Ansätze in der Software Entwicklung. Die modellgetriebene Softwareentwicklung bietet enorme Vorteile hinsichtlich der Steigerung der Performance im Entwicklungsprozess. Der Ansatz eröffnet damit große Chancen zur Verbesserung von Produktqualität, Effizienz und Time-to-market. Um diesen Nutzen tatsächlich erzielen zu können, ist es jedoch vor allem erforderlich, ein umfassend abgestimmtes Konzept zur Grundlage zu machen, das Vorgehen, Methodik und Werkzeuge gleichermaßen einschließt. Erst klare Vorgaben, ein hohes Maß an Einheitlichkeit und die konsequente Anwendung definierter Prinzipien werden zu tatsächlich besseren Ergebnissen führen. Häufig glauben IT-Verantwortliche durch die Einführung eines entsprechenden Modellierungswerkzeugs sowie die Ausbildung Ihrer Mitarbeiter in einer entsprechenden Modellierungssprache, die erforderlichen Schritte getan zu haben. Die wahren Herausforderungen, durch modellgetriebene Softwareentwicklung Leistungssteigerungen zu erzielen, werden dabei massiv unterschätzt. Im Folgenden soll daher speziell auf die Erfolgsfaktoren bei der Einführung modellgetriebener Entwicklungsprozesse sowie die spezifischen Vorteile des Ansatzes eingegangen werden. Erfolgsfaktor I: Ganzheitlicher Ansatz umfasst Vorgehen, Methodik und WerkzeugMit der MID ModellierungsMethodik M3 und der Modellierungsplattform Innovator hat die Nürnberger MID ein umfassendes Konzept entwickelt, um die Leistungspotenziale eines modellgetriebenen Ansatzes tatsächlich zu erschließen. Auf Basis der über 20-jährigen Erfahrung des Unternehmens mit modellgetriebenen Entwicklungsphilosophien existiert heute ein ganzheitlicher Ansatz, der viele wichtige, leistungssteigernde Details einschließt. Der Entwickler erhält mit M3 ein Gerüst an die Hand, das klare Vorgaben macht, was wann und mit welchem Ergebnis zu tun ist (Vorgehen) und wie die einzelnen Schritte abzuarbeiten sind (Methodik). Ein entscheidendes Ziel ist dabei, die Durchgängigkeit der Modellierungsergebnisse zwischen den klassischen Phasen eines IT-Projekts Anforderungsmanagement, Architektur, Design, Implementierung und Test sicherzustellen. Neben der methodischen Definition der einzelnen Prozessschritte kommt hier natürlich dem Werkzeug eine wichtige Rolle zu. Durch die generativen Mapping-Verfahren und automatisierte Modellüberprüfungen lassen sich Modellierungsergebnisse einer Phase nutzen, um konsistente Modelle in der Folgephase abzuleiten. Die generativen Verfahren sind dabei jeweils für unterschiedliche Zielplattformen / Zieltechnologien vordefiniert, können jedoch an spezifische Anforderungen des Unternehmens beziehungsweise Projekts angepasst werden. Erfolgsfaktor II: Durchgängige Entwicklungsprozesse auf Basis eines optimierten WerkzeugsÜber die zentrale Datenhaltung von Innovator wird über die gesamte Laufzeit des Projekts sichergestellt, dass Konsistenz zwischen den einzelnen Teilmodellen gewahrt bleibt. Auch in großen verteilten Teams kann auf diese Weise erreicht werden, dass die Arbeiten der Teammitglieder an den Teilmodellen phasenübergreifend zusammenpassen und jeweils einen schlüssigen Arbeitsstand ergeben. Änderungen an den Anforderungen, etwa am Geschäftsprozessmodell, die zu Inkonsistenzen zum Objekt- oder zum Datenmodell führen, werden so offensichtlich und können unmittelbar harmonisiert werden. Eine aufwendige Konsolidierung, bei der unter Umständen mehrere umfangreiche Teilmodelle zusammengeführt werden müssen, entfällt.
Abbildung 1: Phasenübergreifende Modellkonsistenz durch generative Mappings und automatisierte Modellverifikation
Weniger ist mehr: Einschränkung der Vielfalt der Modellierungssprache über Profile Die von der Objekt Management Group, OMG, entwickelte standardisierte Modellierungssprache UML umfasst in der aktuellen Version 2.1 13 Diagrammtypen mit einer großen Anzahl an Entitäten. Die Sprache an sich ist speziell mit Freigabe der Version 2.0 wesentlich komplexer geworden, so dass umfangreiche Kenntnisse in der Notation erforderlich sind, um damit zu belastbaren Ergebnissen zu kommen. Die erforderlichen Erfahrungen und Kenntnisse sind in der Regel bei nur wenigen Modellierern im Unternehmen vorhanden. Mit Hilfe von Innovator-Profilen wird durch die Definition beziehungsweise den Ausschluss bestimmter Modellierungskonstrukte eine eigene Domainspecific Language auf UML-Basis definiert, die spezifische Aspekte abbildet und Architekten, Designern, Entwicklern und Testern mit Hilfe der somit unternehmensspezifisch angepassten Modellierungssprache Orientierung bietet. Durch Einschränkung und Fokussierung des Sprachumfangs lässt sich die Komplexität der Sprache deutlich eingrenzen. Der einzelne Mitarbeiter kommt somit bei der Bewältigung komplexer Problemstellungen mit weniger Erfahrung und Fachkenntnissen aus. Gleichzeitig sind die Resultate belastbarer und weisen vor allem ein hohes Maß an konzeptioneller Gleichförmigkeit auf. Neben der Vorgabe bestimmter Konstrukte über das Innovator Profil lassen sich auch Einstellungen vornehmen, die den Einzelnen zu einer methodenkonformen Vorgehensweise zwingen und die Einhaltung spezifischer Standards sicher stellen. Auf diese Weise werden auf methodischer Ebene Aspekte definiert, deren Anwendung über die Werkzeugebene für alle Mitarbeiter verbindlich durchgesetzt werden. Aus Sicht des Auftraggebers sprechen massive Vorteile für eine solche Vorgehensweise – speziell beim Einsatz von externen Dienstleistern oder bei komplexen Projekten mit Offshoring- oder Outsourcinganteilen. Üblicherweise sträuben sich jedoch gerade die Externen gegen die erzwungene Anwendung unternehmensspezifischer Standards. Die Gründe dafür sind durchaus nachvollziehbar: Zunächst erfordert die Einarbeitung in die spezifischen Rahmenbedingungen Mehraufwand. Die Vorteile des Einsatzes »persönlicher« Best Practices können nicht genutzt werden. Aus Sicht des Auftraggebers werden jedoch bei Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus unter Umständen große Performancepotenziale verschenkt. Im Folgenden soll grob skizziert werden, was die Einführung beziehungsweise unternehmensspezifische Anpassung von Entwicklungsmethodik und Werkzeug bringt. Speziell soll darauf eingegangen werden, mit welchen einmaligen und wiederkehrenden Aufwendungen und Vorteilen durch eine leistungsfähige Governance-Instanz zu rechnen ist.
Abbildung 2: Typische Wirksamkeit der Aufwände beziehungsweise Benefits über die Projektlaufzeit
Zehn Hebel, über die durch Einsatz von Methodik und optimierten Werkzeugprofilen Leistungspotenziale realisiert werden können
Auf Basis einer Reihe konkreter Projekte, bei denen eine analytische Nachbetrachtung der Erfolge stattfand, lassen sich die Einflüsse der einzelnen Aspekte auf die Performance im Entwicklungsprozess wie folgt zusammenfassen:
Abbildung 3: Einfluss einzelner Hebel auf der Performance im Entwicklungsprozess
In realen Projekten lassen sich die oben genannten Nutzenaspekte quantifizieren. Bei der Ermittlung der Einsparungen haben eine Reihe von Aspekten Einfluss auf die Höhe der erzielbaren Vorteile: o Charakter des Projekts (Neuentwicklung / Weiterentwicklung) o Größe und Komplexität o Modellanzahl pro Wertschöpfungsstufe o Mitarbeiteranzahl o Laufzeit o Stabilität der Anforderungen o Eckwerte (Stundensätze, etc.) Je nach Ausprägung des Projekts lassen sich bei konsequenter Nutzung der Möglichkeiten, die Methodik und Werkzeuganpassung bieten, in Summe Effizienzen von bis zu 30 Prozent realisieren. Deutlich größer wird der Nutzen, wenn es um die fortgesetzte Pflege und Wartung eines bereits mit Hilfe einer existierenden Methodik und einem entsprechend optimiertem Werkzeug realisierten Systems geht beziehungsweise, wenn die Mitarbeiter mit der Methodik vertraut sind und vergleichbare Problemstellungen durchgängig gemäß Methodik und Standards lösen. Besondere Performance Potenziale bei der Integration von Dienstleistern, Offshoring- und Outsourcing Herausragende Vorteile bietet die Vorgehensweise beim Einsatz in Offshoring- und Outsourcing Szenarien. Hier lässt sich durch die repositorybasierte modellgetriebene Entwicklung wie beim Innovator die Transparenz über die am Projekt beteiligten Disziplinen hinweg unabhängig von der Entfernung der einzelnen Teammitglieder beziehungsweise der Projektstandorte erheblich steigern. Der Ansatz, die Ebenen Vorgehen, Methodik und Werkzeug eng miteinander zu verzahnen, ermöglicht es wirksam, trotz räumlicher Trennung die Projektbeteiligten zu disziplinieren und zu qualitativ hochwertigen, transparenten und widerverwendbaren Lösungen zu kommen. Erfolgsfaktor III: Die Einführung und nachhaltige Umsetzung ist Aufgabe des Top ManagementsEine Vielzahl individueller Einzelinteressen steht dem Gelingen der Einführung einer modellgetriebenen Vorgehensweise häufig entgegen. Das IT-Management beziehungsweise die IT-Organisation verfolgt i.d.R. die Einführung einer methodischen Vereinheitlichung und den Einsatz von Standards noch mit großem Nachdruck. Hier sind die Interessen langfristig ausgerichtet. Die beschriebenen Vorteile bieten speziell bei Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus enorme Vorteile. Der Projektleiter hat dagegen allein sein Vorhaben im Blick. Für ihn ist es wichtig, das exogene Faktoren seinem Team keine zusätzlichen Aufwände abverlangen. Standards sind hilfreich, sofern seine Mannschaft diese von vornherein beherrscht und davon profitiert. Das Projektteam wird jedoch keine zusätzlichen Anstrengungen zu Definition oder Einführung von Standards leisten. Die Abwägung, ob man zunächst in die eigenen Fähigkeiten investiert, um dann effizienter zu arbeiten oder höhere operative Aufwände in Kauf nimmt, fällt bei einem Projektleiter immer zu Ungunsten der Investition aus. Dem Projektmitarbeiter schließlich ist alles Recht, solange er damit Arbeit spart und die geforderte Qualität erreicht. Entscheidende Aufgabe des Top-Managements ist es daher, Disziplin- und phasenübergreifend eine durchgängige Lösung basierend auf spezifischen Standards zu fordern und die erforderlichen Schritte zur Entwicklung der benötigten Fähigkeiten innerhalb der Organisation zu koordinieren. Die Stärken des Ansatzes müssen auf der Ebene des Top-Managements verstanden und eingefordert werden. Wolfgang Dietrich ___________________________________________________________ Wolfgang Dietrich, Geschäftsführender Gesellschafter, MID GmbH, Nürnberg
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