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Bankhaus Metzler migriert 25 unternehmenskritische Anwendungen auf moderne Technologiebasis

Unterbrechungsfreier Wechsel

Vor fast 15 Jahren wurde die Anwendungssuite Merian vom Bankhaus Metzler entwickelt und wird seither kontinuierlich verbessert: Heute umfasst Merian rund 70 Anwendungen und Module zur Verwaltung von Wertpapieren, Fonds und Anleihen. Die Migration von über 500.000 Codezeilen von Gupta Team Developer auf C#.NET musste nicht nur ohne jede Unterbrechung des Routinebetriebs der Anwendungen erfolgen, auch die fortlaufende Weiterentwicklung sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden. Mit den Werkzeugen der Ice Tea Group, die auf solche Fälle spezialisiert ist, stellte sich das Team von Metzler IT-Services GmbH dieser Herausforderung.

 

A

ls 1992 beschlossen wurde die alten Großrechneranwendungen abzulösen, war die Entscheidung des Bankhauses Metzler visionär: Mit der eigenen IT-Entwicklermannschaft wurde die gesamte Abwicklung des Wertpapierverkehrs als Client-Server-Anwendung auf PC-Basis umgesetzt. Die technologische Grundlage dafür lieferte Gupta mit zwei rein PC-basierten Produkten, dem damals noch SQLWindows genannten 4GL-Entwicklungswerkzeug und der relationalen Datenbank SQLBase. Damit konnte das mit den Fachanforderungen bestens vertraute Team innerhalb kürzester Zeit eine funktionale Lösung schaffen, die obendrein mit sehr geringen Systemressourcen auskam. Constantin Nicolaidis, heute Geschäftsführer von Metzler IT-Services GmbH, erinnert sich schmunzelnd: »Als Merian in Betrieb ging, wollte man uns zunächst überhaupt nicht glauben, dass das juristische Depot einer Bank auf einer PC-Umgebung geführt werden kann.«

Mit dem weiteren Ausbau von Merian – nach kürzester Zeit arbeiteten bei Metzler über 100 Nutzer damit – stiegen allerdings auch die Anforderungen an die Datenverwaltung. Als sich 1998 drei weitere Bankhäuser entschieden, die Software Merian zu lizenzieren, löste Metzler die Gupta-Datenbank ab und stellte die Anwendung auf Oracle um. SQLWindows, das von Gupta zwischenzeitlich in Team Developer umbenannt worden war, wurde beibehalten.

Zukunftsaussichten: mäßig

Mit den steigenden Anforderungen erwies sich jedoch auch die Gupta-Entwicklungsplattform immer mehr als Engpass. Es zeigte sich, dass der Team Developer als Interpreter kein optimales Laufzeitverhalten hatte, die Unterstützung für moderne Windows-Funktionen sehr eingeschränkt war und es vor allem im Lauf der Jahre immer schwerer wurde, Entwickler zu finden, die mit der inzwischen veralteten Technologie umgehen konnten. Die ursprünglich eingesparte Entwicklungszeit, musste zunehmend in höheren Pflegeaufwand investiert werden. So rückte Metzler IT-Services vom Team Developer ab und entwickelte ab 1999 neue Module in Delphi.

Bis zum Jahr 2003 liefen die in beiden Technologien geschriebenen Module recht problemlos parallel. Da aber nach Version 2.1 von Team Developer keine grundlegenden technologischen Weiterentwicklungen stattfanden und dadurch gehäuft technische Probleme auftraten, stand für Metzler die Entscheidung fest: Um nicht in einer Sackgasse zu enden, mussten die »Altlasten« abgebaut werden.

Die Chance zum Neubeginn nutzen

Zunächst definierte eine Projektgruppe die Anforderungen an die neue Plattform: Moderne Softwarearchitekturen wie MDA sollten unterstützt werden, Objektorientierung war ein Muss, auch sollte ein Wechsel von der bisher nachrichtengestützten zu einer ereignisgesteuerten Verarbeitung erfolgen. Java und aktuelle Windows-Technologien wurden intensiv geprüft, in die engere Wahl kam dann schließlich .NET aufgrund der bisherigen Nähe zur Windows-Entwicklung. Aber wie sollten die bestehenden Anwendungen auf diese Plattform portiert werden? Für die Delphi-Applikationen war die Frage schnell beantwortet – hier existierte bereits vom Hersteller Borland eine Unterstützung für .NET.

25 der inzwischen rund 30 Team-Developer-Anwendungen aber mussten irgendwie auf .NET portiert werden. Der Aufwand, diese unter .NET neu zu erstellen, wäre für Metzler untragbar hoch gewesen. Auf der Suche nach Alternativen zur Neuentwicklung stieß Metzler IT-Services auf das deutsch-amerikanische Unternehmen Ice Tea Group, das mit »The Porting Project« eine Lösung zur automatisierten Portierung von SQLWindows- oder Team-Developer-Anwendungen auf C#.NET anbot. Metzler nahm Ende 2004 das Angebot von Ice Tea Group an und ließ eine Beispielportierung durchführen. Ein repräsentatives Anwendungsmodul wurde dafür ausgewählt und der entsprechende Team-Developer-Quellcode an die Ice Tea Group gesandt; und kurze Zeit später erhielt Metzler den daraus generierten C#.NET-Code zurück. »Das Ergebnis war erstaunlich gut«, so Nicolaidis. »Der Code ließ sich sauber unter Visual Studio.NET kompilieren, trotzdem war der Wiedererkennungseffekt für unsere Team-Developer-Entwickler groß.«

Der Startschuss fällt

Um den Aufwand für die Migration der gesamten Merian-Suite abzuschätzen, stellte die Ice Tea Group Metzler ein Tool zur Verfügung, das relevante Maßzahlen wie Lines of Code oder unterschiedliche Item Counts ermittelte. Auf Basis dieser Angaben wurde dann das Angebot für die Portierung erstellt. Verglichen mit der andernfalls fälligen Neuprogrammierung der Anwendungen erwies sich die Portierung mit »The Porting Project« als deutlich günstiger, und die Ice Tea Group erhielt den Zuschlag von Metzler.

Da die Merian-Module ständig weiterentwickelt wurden, war es wesentlich, die Zeiträume für migrationsbedingte »Code Freezes« möglichst kurz zu halten. Deshalb wurden die einzelnen Module separat migriert und die Zeiträume so geplant, dass die sich natürlich ergebenden Entwicklungspausen genutzt werden konnten.

Die heiße Phase

Ab Anfang 2005 begann Metzler, die Quellcodes der Module sukzessive über verschlüsselte ftp-Verbindung an die Ice Tea Group zu senden. In einem ersten Schritt wurde der Quellcode mit der Portierungssoftware »Ice Porter« automatisch nach C#.NET übersetzt. Im zweiten Schritt wurde der generierte Code falls nötig manuell nachbearbeitet, bis er sich einwandfrei unter Visual Studio.NET kompilieren ließ. »Der große Vorteil von Ice Porter ist, dass die Struktur der Anwendungen erhalten bleibt. «, erläutert Eberhard Fecher, Premium Porting Partner der Ice Tea Group, die Technologie. »Dadurch bleibt der erzeugte Code übersichtlich und für die Entwickler, die bisher mit Team Developer gearbeitet haben, problemlos pflegbar.«

Je nach Umfang der Module erhielt Metzler nach einigen Tagen, in Einzelfällen auch erst nach ein bis zwei Wochen, den fertigen C#-Code zurück und konnte mit den fachlichen Nacharbeiten und Validierungen beginnen. Dabei stellten sich die Tests als größter Zeitfresser heraus: »Unsere in jahrelanger Arbeit aufgebauten automatischen Testverfahren funktionierten unter der neuen Umgebung nicht mehr«, so Nicolaidis. »Diese neu zu erstellen war eine der größten Aufgaben der ganzen Migration.« Die über 100 unter Team Developer erstellten Auswertungen und Reports waren dagegen keine größere Herausforderung: Sie wurden von der Ice Tea Group nach Crystal Reports portiert, einem Werkzeug, das Metzler ohnehin bereits im Zusammenhang mit den Delphi-Anwendungen im Einsatz hatte.

Schritt für Schritt in Routinebetrieb

Nach erfolgreichem Abschluss der Tests erfolgt jeweils die Inbetriebnahme der portierten Module unter .NET. So wird Modul für Modul abgelöst, bis im September 2006 die Portierung der gesamten Anwendungssuite abgeschlossen ist. Der Parallelbetrieb von Team-Developer-, Delphi- und .NET-Anwendungen läuft problemlos. »Unsere Anwender merken den Unterschied meist überhaupt nicht«, berichtet Nicolaidis. »Das Einzige, was wir manchmal zu hören bekommen, ist, dass die Anwendungen nach der Portierung schneller laufen.« Nach den positiven Erfahrungen bei Metzler stellen nun auch die anderen Banken, die Merian einsetzen, auf die neuen Module um.

Für Metzler ist dies dennoch kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Das Merian-Entwicklerteam wird inzwischen in fortgeschrittenen .NET-Programmiertechniken geschult. »Was wir jetzt haben, ist nach C# portierter Team-Developer-Code, der einwandfrei funktioniert und sich von unserem Team mit wenig Aufwand pflegen lässt. Die nächste Herausforderung ist nun, diesen Code zu modernisieren und die neuen Möglichkeiten von .NET zu nutzen«, fasst Nicolaidis zusammen. Das Team freut sich schon darauf.

 

 

B. Metzler seel. Sohn & Co.

Metzler ist bereits seit mehr als 330 Jahren im Bankgeschäft tätig.

Das Bankhaus Metzler ist die älteste deutsche Privatbank in ununterbrochenem Familienbesitz. Der Hauptsitz der Bank ist in Frankfurt, Filialen sind in München, Stuttgart, Los Angeles, Seattle, Tokio und Dublin. Metzler bietet das komplette Portfolio einer internationalen Bank.

Metzler IT-Services GmbH

Die Metzler IT-Services GmbH ist innerhalb von Metzler als Profitcenter für den IT-Bereich (Softwareentwicklung und Betrieb) zuständig.

Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt in der Softwareentwicklung im Wertpapierumfeld. Bisher realisiert wurden Systeme in den Bereichen Wertpapierabwicklung, Depotführung und -verwaltung, private Vermögensbetreuung, Portfoliomanagementsystem sowie Wertpapieranalyse und -research.

 

 

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