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Toshiba Europe setzt auf E-Community Alle in einem Boot Die europäische Zentrale der Computer Systems Division des japanischen IT- und Elektronikkonzerns Toshiba in Neuss ist auf durchgehende Wertschöpfungsketten angewiesen. Sie reichen von hier global über die Montagewerke in Asien und Europa bis zu den Distributoren sowie großen und kleinen Händlern. Die elektronische Handelsgemeinschaft (E-Community), die sich über Europa bis in den Nahen Osten und nach Südafrika erstreckt, musste aber erst einmal herausgebildet werden.
Der Aufbau einer E-Community ist ein evolutionäres Vorhaben und muss immer wieder neu gelebt werden«, sagt Stefan Priebs, Projektmanager bei Toshiba Europe. Das bedeutet, dass fortwährend an dieser Handelsgemeinschaft gearbeitet wurde und wird. Und je größer das virtuelle Unternehmen, desto größer ist die Gefahr, dass ohne ein Konzept die Wertschöpfungsketten nicht mehr zu managen sind. Sie führen dann, statt zu mehr Effizienz, zu interoperablen Schnittstellen, viel Papier, Reibungsverlusten, ineffizienten Geschäftsabläufe und in der Summe zu erhöhten Kosten. »Deshalb war es uns von Anfang an wichtig, nicht nur auf die richtigen Integrationsprodukte und -methoden sondern auch auf viel Beratungskompetenz rund um EDI (Electronic Data Interchange) zurückzugreifen«, betont. Priebs.
Einstieg über Gentran Server Bereits 1996 war die Wahl im Hause Toshiba auf Sterling Commerce mit dem Produkt Gentran Server gefallen. »Nicht nur die Produkt- sondern auch die Beratungskompetenz des Herstellers hatten uns überzeugt«, so Andreas Rys, Spezialist B2B-Integration bei Toshiba Europe. »Dazu kommt die räumliche Nähe des Herstellers zu unserer Zentrale in Neuss. Wir konnten damit von Anbeginn auf kurze Unterstützungswege ohne große Zeitverluste bauen.« Mit dem Gentran Server war vorerst die Entscheidung auf eine klassische EDI-Lösung mit Edifact, ANSI und EANCOM, ein Subset des Edifact-Standards, als mögliche Dateiformate gefallen. Als zentrale Verarbeitungsinstanzen in Neuss fungierten AS/400-Rechner. Eingebunden wurden in der ersten Etappe nur die größeren Geschäftspartner wie die Distributoren und großen Händler. Als Kommunikationsmedium für die elektronische Übermittlung von Bestellungen, Aufträgen, Auftragsbestätigungen, Lagerbeständen, Versandinformationen und Rechnungen diente das klassische TK-Netz, genauer gesagt Datex-P. »Die Tür zur Kommunikation über das Internet und zu XML (eXtensible Mark-up Language) haben wir uns dennoch 2004 mit einem AS (Application Statement) 2-Testprojekt aufgestoßen«, sagt Priebs. »Denn sobald über eine Internet-basierende Kommunikation zuverlässige Ergebnisse zu erwarten waren, wollten wir sanft auf diese Kommunikationsform umsteigen, um die VAN (Value Added Network)-Kosten auf Dauer zu reduzieren.« Generationswechsel Die Zahl der Transaktionen, die die Seiten wechseln, ist über die Jahre erheblich gestiegen. Heute sind es mehr als 18.000 Geschäftsvorfälle pro Monat – Tendenz weiter steigend. »Um die Kundeanforderungen nach sicherer und schneller Internet-Kommunikation sowie nach weiteren Formaten wie XML abzudecken, haben wir in 2006 einen Generationswechsel vollzogen«, sagt Thomas Schleiffer, Senior Expert Oracle Applications & EDI bei Toshiba Europe. Dazu löste die Sterling Gentran Integration Suite (GIS) das Vorgängermodell ab. Ihre Vorteile: mehr Kommunikationsschnittstellen und über vorgefertigte Adapter mehr Integrationsschnittstellen zu den verschiedenen Anwendungen. »Die Verarbeitung in Echtzeit und der schnelle Aufbau von Verbindungen durch die GIS, dazu die verlässlichen Sicherheitsfeatures waren für uns weitere stichhaltige Gründe, uns erneut für Sterling Commerce zu entscheiden«, sagt Rys, der gemeinsam mit Schleiffer die Auswahl des Produkts durch eine umfangreiche Ausschreibung über mehrere Anbieter koordinierte und durchführte. »Sterling Commerce und das Produkt GIS haben uns voll überzeugt. Beide erfüllten alle geforderten Kriterien.« Systematischer Umbau Erstmals wurde die Gentran Integration Suite, als Teststellung von Sterling Commerce zur Verfügung gestellt, in 2004 eingesetzt. Mit diesem System wurden einige Partner angebunden. Die Kommunikation erfolgte über das Internet gemäß dem AS2-Standard, um umfangreiche Tests zu fahren. Seitdem wurden und werden Schritt für Schritt weitere Partner auf die Kommunikation via AS2 umgestellt. Zu den bewährten Sicherheitsfunktionen der GIS gehören eine starke Authentisierung über Zertifikate und starke Verschlüsselung der Übertragungsdateien gemäß dem Advanced Encryption Standard (AES). Dieses Sicherheitsplus wurde dringend gebraucht, weil innerhalb der E-Community mehrheitlich über das öffentliche Internet kommuniziert wird. Ansonsten wurde in der Neusser Zentrale die AS/400-Welt durch eBusiness Suite von Oracle, ein ERP (Enterprise Resource Planing)-System, auf Sun-Servern abgelöst. Die neue GIS läuft unter VM-Ware auf virtuellen Windows 2003-Servern. Mehr als 140 Geschäftspartner werden in der Endausbaustufe über die GIS eingebunden sein. »Dazu werden auch die Montagewerke weltweit, diverse Logistik-Dienstleister und globale Läger gehören«, informiert Schleiffer. »Auf diese Weise werden wir die letzten Lücken mittels durchgehender End-to-End-Prozessketten schließen«, ist er überzeugt. Zudem werden mittels GIS die bei den Tochter- und Schwester-Gesellschaften von Toshiba Europe eingesetzten EDI-Systeme EMEA-weit abgelöst werden. Mit der Vereinheitlichung sämtlicher Prozesse wird neben dem Shared Service Center für Oracle-Applikationen in Neuss ein weiteres, EMEA-weit verantwortliches Competence Center für die Gentran Integration Suite etabliert werden. Gegenüber allen Geschäftspartnern räumt die GIS neben den klassischen Dateiformaten wie Edifact, ANSI und EANCOM, XML als Web-Beschreibungssprache ein. »Auf diese Weise haben unsere Partner die Wahl, auf welches Dateiformat sie in der Kommunikation mit uns setzen wollen«, erläutert Priebs. Gerade für kleinere Geschäftspartner sei XML die bessere Alternative. Denn sie entbinde vom Einsatz eines eigenen Edifact-Tools. XML als Beschreibungssprache hat für die Teilnehmer im virtuellen Unternehmen einen weiteren Vorzug: darüber können auch nicht-textliche Informationen wie Preisübersichten und Kataloge ausgetauscht werden. Nicht immer einfach »Die Geschäftspartner zu überzeugen, an der elektronischen Integration teilzunehmen, ist nicht immer einfach«, räumt Priebs ein, der als Verbindungsmann zwischen der IT-Abteilung, den Tochterfirmen, Sterling Commerce und den über 140 Geschäftspartnern fungiert. Verkomplizierend komme oft hinzu, dass die Geschäftspartner unterschiedliche Inhouse-Formate bei den Nachrichtentypen verwendeten und es zu Diskussionen über erforderliche Standards komme. Die generelle Überzeugungsarbeit müssen vor aber allem die Toshiba Europe Mitarbeiter vor Ort in Deutschland, Benelux, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, Russland und dem Nahen Osten leisten. »Sie sind gefordert, mit viel Fingerspitzengefühl vorzugehen und die wirtschaftlichen Vorteile einer E-Community für beide Seiten klar und deutlich herauszustellen, ebenso wie den Handlungsdruck, unter dem wir alle stehen«, erläutert Priebs. »Letztlich sitzen wir alle in einem Boot«, pflichtet Andreas Rys bei und verweist dabei auf die unmittelbaren Folgen der Globalisierung. »Sie zwingt beide Seiten, ihre Geschäfte schneller, mit weniger Fehlern und unter geringeren Kosten abzuwickeln.« Genau deshalb, so Schleiffer, investiere Toshiba permanent in die elektronische Integration der Geschäftsprozesse. »Und dieses Engagement erwarten wir auch von unseren Geschäftspartnern.« Hadi Stiel ___________________________________________________________ Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.
Web-EDI als Individual-Software Nicht die gesamte, EMEA-weite E-Community rund um die Zentrale von Toshiba Europe wird über die Gentran Integration Suite von Sterling Commerce abgewickelt. Eine eigene Web-EDI-Lösung übernimmt die Anbindung der kleineren Geschäftspartner via Portal, die mit einem begrenzten Set an Transaktionen wie elektronische Bestellungen, Lagerbestandsabgleiche und Mitteilungen zu Abverkäufen auskommen. »Die Anschaffung einer kommerziellen Lösung einschließlich aller notwendigen Templates wäre für dieses Einsatzgebiet zu kostspielig gewesen«, sagt Stefan Priebs. Aufgrund der begrenzten Funktionalität sei eine eigene Portal-Lösung für Web-EDI machbar und lohnender gewesen. Sie wurde von Toshiba Benelux lokal entwickelt und getestet und dann Zug um Zug in Europa ausgerollt.
»Der Aufbau einer E-Community ist ein evolutionäres Vorhaben und muss immer wieder neu gelebt werden.« Stefan Priebs, Projektmanager bei Toshiba Europe.
»Nicht nur die Produkt- sondern auch die Beratungskompetenz des Herstellers hatten uns überzeugt.« Andreas Rys, Spezialist B2B-Integration bei Toshiba Europe.
»Um die Kundeanforderungen nach sicherer und schneller Internet-Kommunikation sowie nach weiteren Formaten wie XML abzudecken, haben wir in 2006 einen Generationswechsel vollzogen.« Thomas Schleiffer, Senior Expert Oracle Applications & EDI bei Toshiba Europe. |
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