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ERP, PPS und SOA Perfektion in Produktion SAP, Oracle und Microsoft liefern sich eine Werbeschlacht, um den deutschen Mittelstand von ihrer jeweiligen ERP-Lösung zu überzeugen. Zudem rollt die Konsolidierungswelle auch im ERP-Umfeld immer heftiger. Ein gefährliches Fahrwasser für mittelständische Softwareanbieter?
»manage it«, sprach mit Alfred M. Keseberg, Geschäftsführer der Psipenta Software Systems GmbH. Wie kann im verstärkten ERP-Wettbewerbsumfeld eine erfolgreiche Strategie eines Anbieters aussehen?
Eine gute Frage. Es wird zunehmend schwerer, das steht fest. Die starke Medienpräsenz der globalen Anbieter halte ich aber für überzogen, schließlich handelt es sich bei ERP-Lösungen um Investitionsgüter. Für mittelständische Softwareanbieter wie der Psipenta kann eine erfolgreiche Strategie somit nur in der Spezialisierung liegen. Unser Mutterkonzern die PSI ist ein solcher Softwarespezialist und zwar in all ihren Zielmärkten, in der Elektrischen Energie, im Gas- und Öl-Geschäft, im Stahl, in der Logistik und eben auch im Bereich ERP für komplexe Auftrags- und Serienfertiger. Psipenta steht für »Perfektion in Produktion«. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Woran mag es liegen, dass es auch heute noch so viele ERP-Softwarehäuser am Markt gibt? Deutschland ist die Geburtsstätte von PPS und ERP, somit ist nicht verwunderlich, dass wir hier viele Anbieter haben und der Marktführer auch aus Deutschland kommt. An der Vielfalt ist aber auch zu erkennen, dass sich noch viele Anbieter in Nischen aufhalten, die heute von globalen Softwarehäusern funktional nicht bedient werden können. Betrachtet man allerdings nur Hersteller mit relevanter Installationsbasis in Deutschland, so muss man von Konsolidierung sprechen, schließlich sind in Microsoft, Sage, Infor und auch Oracle einige der klassischen Mitbewerber aufgegangen. Wieso ist Oracle kein so starker Mitbewerber in Deutschland? Das hat meines Erachtens zwei Gründe: Oracle hat sich in Deutschland keines einheimischen Anbieters bedient, sondern mit beispielsweise Peoplesoft und JDEdwards internationale Unternehmen eingekauft. Diese verfügten und verfügen in Deutschland nicht über die notwendige Vertriebspower und damit fehlt eben auch die Kundenbasis. JDE war in Deutschland schon mal stärker, die funktionalen Stärken von Peoplesoft liegen auf einem ganz anderen Gebiet. In Deutschland ist Oracle deshalb ein reiner Datenbank- und kein Anwendungsspezialist. Als Fertigungsexperten stehen wir somit nicht im Wettbewerb. Was erwarten eigentlich deutsche Fertigungsunternehmen, die alle auf den internationalen Märkten sehr erfolgreich unterwegs sind, von einem ERP-Anbieter aus Deutschland? Psipenta-Anwender, die mit einer Exportquote von 70 bis 90 Prozent alle den Titel »Exportweltmeister« tragen, zeichnen sich durch eine hohe Spezialisierung aus. Viele sind Weltmarktführer in ihrer jeweiligen Nische. Sie grenzen sich vom Wettbewerb hauptsächlich durch effiziente und einzigartige Fertigungsprozesse ab. Stärken, die nur schwer zu kopieren sind. Somit fordern sie schlanke, schnell greifende Softwarelösungen, die sowohl der internationalen Ausrichtung als auch der organisatorischen Struktur des Unternehmens Rechnung tragen. Viele verfügen mittlerweile über internationale (Fertigungs-)Standorte, Profitcenter und damit einen konzernähnlichen Aufbau. In unseren Projekten geht es um Standardisierung und Spezialisierung zugleich. Ist SOA ein Allerheilmittel oder für den Mittelstand gar oversized? An der Medienschlacht um das Thema SOA beteiligen wir uns nicht und zwar aus gutem Grund. Die Grundidee der »service oriented architecture« ist gut und liegt in der Flexibilität des Zu- und Abschaltens neuer, respektive veralteter Funktionen und Prozesse der Ablauforganisation. Je offener das System, umso einfacher lassen sich neue Funktionen frei schalten oder auch externe Quellen anzapfen, so die Theorie. In äußerst komplexen IT-Infrastrukturen mit breiter Wissensbasis im Unternehmen und den entsprechenden Ressourcen, mag der Nutzen die zusätzlich anfallenden Kosten übersteigen. Im Mittelstand jedoch möchten sich Anwender am Standard orientieren, der ihre individuellen Anforderungen bestmöglich abdeckt. Ausgewählte Webservices zur Kommunikation mit Geschäftspartnern, wie etwa die Kooperationsplattform »myOpenFactory«, sind da vielleicht noch realistisch, mehr ist aber nicht drin. Im Mittelstand steht die Stabilität der wertschöpfenden Prozesse im Vordergrund, Zeit und Geld für Experimente der IT-Abteilung gibt es nicht. Welche Trends gibt es im ERP-Umfeld (außer SOA) für den Mittelstand? Einen wirklichen Trend können wir nicht erkennen, es sei denn, man nennt es einen Trend, dass sich die Anbieter wieder stärker auf Funktionen denn auf Technologien berufen, SOA wäre hier die Ausnahme. Diesen Wandel kann man im Übrigen auch an den aktuellen Ausschreibungen erkennen, sie sind deutlich umfangreicher und lösungsorientierter als noch zu Zeiten der Technologiehypes. Darüber hinaus spielen funktionale Mehrwerte, Prozess-Know-how und der Return-on-Investment eine immer wichtigere Rolle. Das kommt Branchenspezialisten wie Psipenta natürlich zu Gute. Die Kunden sind heute halt »reifer«, sind zum Teil schon auf der Suche nach der dritten ERP/PPS-Generation. Was macht eine ERP-Einführung erfolgreich? Erfolgreich ist ein ERP-Projekt, wenn es zu einer langjährigen Partnerschaft zwischen Anwender und Anbieter kommt. Jede Softwaregeneration wird schließlich 10 Jahre und mehr produktiv genutzt. So gilt für alle Phasen des ERP-Lebenszykluses: die Chemie zwischen Kunde und Hersteller muss stimmen. Während in der Einführungsphase die fachliche Kompetenz, das organisatorische Talent und Branchen Know-how der Berater entscheidend sind, kommt es nach dem Echtbetrieb auf faire Konditionen, gezielte Weiterentwicklung und saubere Release-Wechsel an. Um dies zu gewährleisten, kommt mit Psipenta Sprint eine standardisierte Einführungsmethodik zum Einsatz, während in der Betriebsphase sich Anwender in Gremien der Usergroup engagieren, dort Funktionen ausarbeiten und anschließend mit wenig Aufwand auf das jeweils nächste Release migrieren.
Danke für das Gespräch.
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