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Chaotische Software-Entwicklung kostet jährlich Milliarden Brandheiße Projekte
ie Bilanz fällt nicht gerade rosig aus. Nur jede fünfte Softwareschmiede schloss in den letzten zwei Jahren ihre IT-Projekte erfolgreich ab. Jedes vierte Projekt verfehlte das Ziel – so stellte eine im Juni dieses Jahres vom Beratungsunternehmen Infora veröffentlichte Studie fest. Infora befragte mehr als 400 Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen Euro. Wo liegen die Gründe hierfür und wo das Optimierungspotenzial? Eine unzureichende Projektsteuerung und mangelhaftes Projekt-Controlling trage eine wesentliche Mitschuld, gaben drei von fünf der interviewten IT-Manager selbstkritisch zu. Außerdem haben sich die Anforderungen im Verlaufe der Projektmaßnahmen verändert, beklagten zwei Drittel der Verantwortlichen. Damit stehen einige der Hauptschuldigen für unzureichende Projektergebnisse fest. Wenn Anforderungen nicht gründlich beschrieben seien, können sie Lücken und Fehlern Vorschub leisten, die erst in späteren Iterationen zu Tage treten und zu umfassenden Nacharbeiten führen könnten, resümieren die Analysten von Gartner in einer 2005 veröffentlichten Studie »Optimierungspotenziale in der Softwareentwicklung«. Anforderungsmanagement optimiert IT-Projekte Experten sind sich einig: ein professionelles, softwaregestütztes Anforderungsmanagement verkürzt Entwicklungszeiten, reduziert Kosten und trägt letztlich zu erfolgreichen IT-Projekten bei. »Zum Werkzeugeinsatz im Requirements Engineering gibt es kaum eine sinnvolle Alternative, wenn viele Anforderungen oder Änderungen zu erwarten sind«, urteilt Holger Röder, Informatiker am Institut für Softwaretechnologie der Universität Stuttgart. Der Brandschutzspezialist Novar hat den Rat der Fachleute beherzigt. Das zur Honeywell-Gruppe gehörige Unternehmen bekämpft den Flammenteufel unter anderem mit Gefahrenmeldesystemen, Rauchansaugsystemen, Lösungen zur Löschmittelsteuerung und Brandfrüherkennung. Erst kürzlich stellte Novar einen neuen Brandmelder vor, ein Multisensormelder mit integrierter Blitzleuchte, Warnton und Sprachdurchsage. Wertschöpfungskette und Entwicklung Die Entwicklung der Brandschutzmodule bei Novar ist ein komplexer Vorgang, an dem Produktmanager, Analysten und Entwicklungsingenieure mitwirken. Ebenso fließen auch die Anforderungen von Kunden in die Produktentwicklung direkt ein. Bislang wurden bei der Entwicklung neuer Module und Komponenten alle Anforderungen in Word erfasst. Projektbeteiligte definierten die Requirements, änderten diese oder fügten Neue der dokumentenbasierten Sammlung hinzu – mit der Konsequenz, dass Teammitglieder nicht verfolgen können, wer welche Änderung vorgenommen hat. Häufig wurden zudem verschiedene Dateiversionen abgespeichert. Ebenso wenig ließen sich die voneinander abhängigen Anforderungen verfolgen. Nicht zuletzt lassen sich die manuell definierten Informationen auch unterschiedlich interpretieren. Anforderungen und deren Bedeutung, die für den Produktmanager bei Novar unerlässlich sind, stellen sich dem Entwickler, der die Requirements umsetzt, völlig anders dar. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und den Anforderungsmanagementprozess zu strukturieren und für alle Projektbeteiligten transparent zu gestalten, sollte der bislang manuelle Prozess durch eine softwaregestützte Lösung abgelöst werden. Die Idee war, eine Lösung einzuführen, mit der alle Projektbeteiligten ihre Anforderungen erfassen, spezifizieren und verwalten können – in einer für alle verständlichen Methodik. Im Wesentlichen verfolgt Novar mit der Umstellung auf eine professionelle Lösung das Ziel, Zeit und Kosten zu sparen, mögliche Nachbesserungen in der Entwicklung zu reduzieren und den Definitionsprozess von Projektbeginn an punktgenau und übersichtlich zu strukturieren. - Kostenfaktor: Untersuchungen zeigen, dass etwa 40 Prozent eines vorgegebenen Budgets in der Regel in Nachbesserungen fließen. Anforderungen von Anfang an genau zu erfassen und zu definieren, spart zeitliche und finanzielle Ressourcen. - Korrekturen: Die frühe Bewertung und Abstimmung der Requirements mit allen Prozessbeteiligten reduziert spätere Nachbesserungen. - Punktgenau erfasst: Alle Projektbeteiligten – sowohl von Fachseite als auch die Entwickler – sind am Prozess beteiligt. Sie definieren die Anforderungen und stimmen diese ab. Mit freigegebenen Requirements wird weitergearbeitet. Da sich eventuelle Verzögerungen oder mögliche Nachbesserungen im Entwicklungsprozess direkt auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirken, kommt der Einführung einer neuen Lösung auch eine wirtschaftliche Bedeutung bei. Komponenten neuer Feuermeldesysteme, die am Markt eingeführt werden, müssen pünktlich und fehlerfrei zur Verfügung stehen. Lösung für mehr Transparenz Novar testete mehrere Lösungen hinsichtlich ihrer Bedienbarkeit, des Funktionsumfangs und künftiger Weiterentwicklungen. So prüften die Projektbeteiligten beispielsweise, ob die wichtigsten Funktionalitäten schnell zu erlernen sind. Letztlich hängt der Erfolg neu implementierter Lösungen auch von der Akzeptanz der Mitarbeiter ab. Darüber hinaus sollte das Werkzeug interoperabel zu anderen bereits eingesetzten Tools sein. Nicht zuletzt prüften die Projektbeteiligten auch die Flexibilität. Die Anforderungsmanagement-Software sollte nicht als Nischenprodukt gelten. Novar entschied sich für Borland CaliberRM. Für die Wahl sprachen unter anderem der Funktionsumfang und die intuitive Bedienbarkeit. Innerhalb weniger Stunden waren die Teammitglieder bei Novar in der Lage, die neue Lösung nach eigenen Anpassungen einzusetzen – ein deutliches Plus im Vergleich zu anderen geprüften Lösungen, die weitaus komplizierter im Umgang sind. Seit einigen Monaten arbeitet Novar mit CaliberRM, zurzeit bei der technischen Erweiterung von Brandmeldezentralen, bei Konfigurationsprogrammen und zur Neuentwicklung von Feldbuskomponenten. Feldbusse übernehmen beim Brandschutz eine tragende Funktion. Sie sind das Nerven- und Kommunikationssystem, das ein Netz aus Sensoren, Alarmdetektoren und Stellgliedern miteinander verbindet. Umso wichtiger, dass bei der Entwicklung der wichtigen Komponenten die Qualität stimmt. Strukturierte, softwaregestützte Änderungskontrolle
Ändern
Projektbeteiligte die erfassten Anforderungen während des Entwicklungsprozesses,
erstellt CaliberRM nicht nur eine Änderungshistorie, sondern analysiert auch die
Abhängigkeiten und deren Auswirkungen auf den gesamten Projektverlauf (Life
Cycle Tracability). Die Requirements werden untereinander und mit externen
Artefakten verknüpft. Das können auch bereits geschriebene Quellcodes oder
UML-Modelle sein, da sich die Software unter anderem mit Borland Together,
Caliber Analyst und Microsoft Visual Studio integrieren lässt. Trotz des bislang frühen Projektstadiums bei Novar zeigt sich bereits jetzt, dass die Verbindung zwischen Realisierung und Anforderung ein deutliches Plus ist im Vergleich zur herkömmlichen, dokumentenbasierten Vorgehensweise. Zudem profitiert Novar auch von der Transparenz: Die gleichen Anforderungen, die zuvor manuell erfasst wurden, lassen sich mittels CaliberRM übersichtlicher und strukturierter gestalten. Das transparente Anforderungsmanagement führt nicht nur zu effizienteren Prozessen hinsichtlich Zeit und Kosten, sondern trägt letztlich auch zur Qualitätssicherung bei. Mithilfe des neuen Werkzeugs verankert Novar auch diesen Aspekt in seiner Applikationsentwicklung in einer sehr frühen Phase – bei der Definition der Anforderungen. Anforderungsmanagement-Software bringt klare Vorteile Professionelle Software-Entwicklung beginnt bei einem exakten und gleichwohl flexiblen Anforderungsmanagement, das auch sich ändernde Anforderungen berücksichtigen und deren Folgen für das Gesamtprojekt abschätzen kann. Unternehmen, die Management-Software einsetzen, sind dabei eindeutig im Vorteil. »Bis 2009 werden Prozessautomatisierungen im Bereich Anforderungsdefinition und -verwaltung zu Kostensenkungen um 30 Prozent bei der Softwarequalitätssicherung führen«, sagen die Marktanalysten von Gartner voraus. Gleichzeitig steige die Kundenzufriedenheit bei Unternehmen, die ein professionelles Anforderungsmanagement einsetzen, im Allgemeinen von »ausreichend« auf »gut«. Jan-Peter Welsch _____________________________________________________________________ Jan-Peter Welsch ist als Leiter Entwicklung EMEA bei Novar tätig.
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