20071112zo CSC IT-Industrialisierung im Finanzdienstleistungssektor

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Die Industrialisierung des Finanzdienstleistungssektors steht am Anfang

Auf die richtige Sourcing-Strategie kommt es an

Heterogene IT-Architekturen im Finanzsektor erschweren das Automatisieren von Geschäftsprozessen. Die Banken haben das erkannt und suchen nach Wegen, die beginnende Industrialisierung des Finanzsektors voranzubringen. Die konsequente Ausrichtung auf die Geschäftsprozesse ist dringend erforderlich.

 

U

m die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Services schneller an den Kunden zu bringen, setzt der Finanzdienstleistungssektor auf industrielle Methoden. Mehr Effizienz und Leistungsfähigkeit sollen dabei nach dem Vorbild der Industrie durch das Automatisieren und Standardisieren von Prozessen sowie durch mehr Outsourcing von nicht Kerngeschäftsfeldern erreicht werden. So liegt die Wertschöpfungstiefe im Finanzsektor noch bei rund 80 Prozent – im Vergleich zu 21,5 Prozent in der Automobilbranche.

Jedoch: Der aktuellen Fraunhofer-Studie Bank & Zukunft 2007 zufolge ist ein Großteil der Banken heute noch nicht in der Lage, die vorhandenen Potenziale der Industrialisierung voll auszuschöpfen. Der Grund hierfür liegt unter anderem in den zumeist heterogenen IT-Landschaften, die das bereichs-und unternehmensübergreifende Abbilden IT-basierter Geschäftsprozesse erschweren. Die Folge sind redundant laufende Prozesse mit hohem manuellem Aufwand. Geschäftsprozesse stärker zu digitalisieren und zu automatisieren gehört somit zu den Voraussetzungen, um den Industrialisierungsprozess voranzubringen und mehr Wertschöpfung zu generieren. Und hierzu gibt es im Finanzsektor noch enormen Bedarf.

Lösungsweg SOA?

Serviceorientierte Architekturen (SOA) gehören zu den heute in der Branche viel diskutierten Lösungsansätzen, um die heterogenen IT-Architekturen zu überwinden. Für das Implementieren digitalisierter Geschäftsprozesse bieten diese aufgrund ihrer Unabhängigkeit von bestehenden Infrastrukturen die erforderliche Flexibilität, Geschäftsprozesse neu aufzusetzen oder zu modifizieren. Große Änderungen in bisherigen Anwendungsprogrammen der Kreditinstitute müssen dabei nicht vorgenommen werden. Investitionen in die Implementierung von SOA-basierten Lösungen amortisieren sich daher innerhalb relativ kurzer Zeit.

 

 Wertschöpfungskette modularisieren

Doch den einen Königsweg gibt es sicherlich nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass die Modernisierung und Weiterentwicklung der IT-Systeme der Banken sich strikt an der Ausgestaltung der Geschäftsprozesse orientieren sollte. Denn Schritte zur Industrialisierung lassen sich nur über die Neustrukturierung der gewachsenen Prozesslandschaft einer Bank erzielen. Das heißt im Kern, dass eine Modularisierung der Wertschöpfungskette des Kreditinstituts stattfindet. Dabei werden die Geschäftsprozesse in ihre jeweiligen Funktionalitäten gegliedert, die dann entsprechend automatisiert und gegebenenfalls an einen Spezialisten ausgelagert werden können.

Beispielsweise sind Kontoeröffnung, Kontoführung und Kontoauflösung modulare Bestandteile einer in sich geschlossenen Wertschöpfungskette. Über deren medienbruchfreie Abbildung auf der IT lassen sich diese automatisieren und in einer entsprechenden Sourcingstrategie (Insourcing oder Outsourcing) organisieren. Beispielsweise waren bei einem Kunden von CSC für Kontoeröffnungsprozesse mehrere Arbeitsschritte in verschiedenen Kernbanksystemen erforderlich. CSC hat eine entsprechende Lösung implementiert, bei der die Kontoeröffnung über nur eine einzige Applikation erfolgt. Das Ergebnis: Die Prozessdauer hat sich signifikant – um 70 Prozent – verringert und Fehler, die durch manuelle Datenerfassungen und Weiterbearbeitungen erfolgen, sind dank Automatisierung weggefallen. Zudem hat sich die Datenqualität in den Systemen deutlich verbessert.

Die Lösung für die Optimierung der Kontoeröffnungsprozesse basiert auf einer serviceorientierten Architektur. Ein weiteres SOA-Beispiel bietet CSC aus der Versicherungsbranche. So konnte das Vertriebssystem optimiert und der Prozess von der Produkteinführung bis zum Verkauf von Versicherungen effizienter gestaltet werden. Rund 30 Prozent Einsparungen bei den gesamten Kosten für die IT-Vertriebssysteme und ein schnelleres Time-to-Market als Wettbewerbsvorteil markieren hierbei die wesentlichen Vorteile. Beide Beispiele zeigen, dass sich durch die richtige Industrialisierungsstrategie mit relativ geringem Aufwand beziehungsweise kurzer Amortisationsdauer der Investitionen enorme Vorteile bei den Geschäftsprozessen generieren lassen.

Kreditfabrik halbiert Prozesskosten

Die richtige Sourcing-Strategie heißt nicht zwangsläufig Outsourcing. Doch durch die Modularisierung der Wertschöpfungskette ist auch das Auslagern von Geschäftsprozessen an einen spezialisierten Dienstleister möglich. Dies betrifft insbesondere standardisierbare Massengeschäftsprozesse. Wie dies mit Erfolg gelingt, zeigt das Beispiel einer Kreditfirma, die für ihre Kunden Processing-Dienstleistungen in der Bearbeitung von Krediten und Bausparprodukten erbringt. Mit Erfolg: So konnte das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen die Kosten für das Neuanlegen eines Bausparvertrags um rund 50 Prozent senken. Des Weiteren ist das Unternehmen in der Lage, innerhalb von zehn Minuten einen unterschriftsreifen Kreditvertrag zu erstellen. Die Stückkosten für die jeweiligen Leistungen konnten um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Diese enormen Produktivitätssteigerungen wurden ebenfalls auf Basis einer modularen Serviceorientierten Architektur erreicht, die CSC implementiert hat.

Noch erhebliches Potenzial

In puncto Industrialisierung steht die Finanzdienstleistungsbranche noch am Beginn der Entwicklung. Der aktuelle Status quo weist erste Industrialisierungsansätze auf, die durch partielle Standardisierungen von IT-basierten Geschäftsprozessen und die Minimierung redundanter Systeme gekennzeichnet sind. Doch was noch bevorsteht, sind tiefgehende Restrukturierungen von Aufbau-und Ablauforganisationen, die mit umfassenden Verlagerungen von Prozessabwicklungen sowie Homogenisierungen von Prozessen und der IT-Architekturen einhergehen.

Laut Fraunhofer-Studie Bank & Zukunft 2007 ist damit zu rechnen, dass mit der Industrialisierung der Branche die Spezialisierung der Banken zunehmen wird. Dazu gehört unter anderem auch, dass bis 2015 »wenige große Abwicklungsfabriken die Back-Office-Prozesse beherrschen werden«, wie immerhin 53 Prozent der für die Studie befragten Personen meinen. Ob es wirklich nur wenige große Abwicklungsfabriken geben wird, entscheidet der Markt. Fest dürfte aber stehen, dass Prozesse mit hohem Massenvolumen, wie etwa für Kontoeröffnungen und Kreditbearbeitungen, zunehmend über Business Process Factories realisiert werden.

Christian Steinebach

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Christian Steinebach Mitglied der Geschäftsleitung und Director Financial Services von CSC in Deutschland

 

 


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