20071112zq Freudenberg IT Jacob Holm IT-Modernisierung

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SAP- und Adicom-Lösung in einem Rutsch

Wenn Produktionsstätte und IT-System gleichzeitig produktiv gehen …

Durch die Standardisierung der Geschäftsprozesse und der Modernisierung der IT-Landschaft stellt die Jacob Holm Firmengruppe die hohe Qualität der Produktion sicher, beliefert die Kunden optimal und kann schnell und flexibel auf Marktanforderungen reagieren.

 

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ie Jacob Holm Firmengruppe ist einer der größten Produzenten von Vliesstoffen weltweit. Das Management entschied sich im Jahr 2004 die gute Position im Weltmarkt nachhaltig zu festigen und auszubauen. Dazu entwickelte es eine Wachstumsstrategie mit dem Ziel, Kunden außerhalb Europas auch durch eigene Produktion in diesen Regionen optimal bedienen zu können. Bis dato hatte die Jacob Holm Firmengruppe neben dem Firmenhauptsitz und der Verkaufsgesellschaft in der Schweiz je einen Produktionsstandort in Mildenau (Deutschland) und in Soultz (Frankreich). Die Entscheidung fiel auf den Bau eines neuen Werkes in den USA, um Kunden global betreuen und neue Produkte für technische Anwendungen entwickeln zu können. Dazu investierte die Gruppe über 60 Millionen USD in ein Spunlace-Vliesstoffwerk in Asheville (USA). Die Anlage wird eine jährliche Produktionskapazität von mehr als 17.000 Tonnen haben und ist für Artikel aus den Bereichen Hygiene und Körperpflege, Haushalts- und Industrietücher sowie Industrie- und Spezialapplikationen bestimmt. Die Inbetriebnahme des Werkes war für Juni 2005 geplant.

Geschäftsprozesse standardisieren

Um die Anforderungen, die durch eine solche Erweiterung und zukünftige Projekte entstehen, bewältigen zu können entschied sich die Jacob Holm Firmengruppe dafür, eine komplett neue IT-Landschaft aufzubauen. Damit wollte das Unternehmen zwei wesentliche Ziele verfolgen: Erstens, die Ablösung einer veralteten und heterogenen ERP-Lösung durch eine unternehmensweit einheitliche Lösung. Zweitens, die Absicherung einer lokalen Nichtverfügbarkeit des zentralen ERP-Systems von mehreren Tagen, um auch in einer Ausnahmesituation weiter produzieren und liefern zu können. »Wir wollten unsere Geschäftsprozesse international soweit wie möglich standardisieren. Das Fundament dafür bildet unsere neue IT-Landschaft. Diese erlaubt es uns heute, eine hohe Qualität in der Produktion sicherzustellen, unsere Kunden optimal zu beliefern und flexibel und schnell in unserem Markt zu agieren«, so Dieter Sehburger, CIO der Firmengruppe.

Jacob Holm entschied sich für ein integriertes, globales IT-Konzept der Freudenberg IT (FIT). Die Systemarchitektur baut auf einem zentralen ERP-System auf. Zum Einsatz kommt dabei SAP ERP. An diese Lösung werden an den Produktivstandorten in Deutschland, Frankreich und den USA lokale Manufacturing Execution Systems (MES) angebunden. Hier setzt der Vliesstoffhersteller auf die MES-Lösung Adicom Software Suite. Diese integrierte Systemlandschaft gewährleistet, dass auch bei einem Ausfall des zentralen SAP-Systems die Produktion an allen Standorten noch mehrere Tage selbstständig mittels der lokalen Adicom Software Suite gesteuert und die Ware an die Kunden ausgeliefert werden kann.

Globales Template

Die Einführung basiert auf einer globalen Roll-Out-Strategie. Das Projektteam begann im Dezember 2004 mit der Konzeption eines globalen Templates. Dabei galt es, alle Geschäftsprozesse in der integrierten SAP- und Adicom-Lösung abzubilden. So sollten eine zentrale Organisation, weltweit einheitliche Prozesse und eine saubere Dokumentation sichergestellt werden. Den rund 70 SAP-Nutzern stehen mittlerweile Anwendungen für Finanzwesen, Controlling, Materialwirtschaft, Produktionsplanung, Qualitätsmanagement, Instandhaltung und Vertrieb zur Verfügung. Das globale Template wurde am französischen Produktionsstandort entwickelt, da hier die Mitarbeiter von Jacob Holm ein ausgewiesenes Prozesswissen haben. Gemeinsam mit den Fachverantwortlichen haben die FIT-Berater die Prozesse definiert, entworfen und anschließend getestet. Hierzu wurden bereits die neuen Mitarbeiter des Produktionsstandort Asheville eingebunden. Das globale Template stand im Mai 2005, wobei gleichzeitig bereits das Prototyping des Systems erfolgte. Im Juni 2005 wurde das umfassende IT-System fertig implementiert und abgenommen. Rechtzeitig zur Inbetriebnahme des neuen amerikanischen Werks im Juli 2005 wurde das System dann in der amerikanischen Niederlassung und in der Schweizer Verkaufsgesellschaft live gesetzt. Da sehr viele Prozesse im Standard von SAP ERP abgebildet werden konnten und nur wenige gesetzliche und steuerliche Anpassungen vorgenommen werden mussten, ging der Roll-Out des Templates äußerst zügig voran. Der Roll-Out des Templates für Frankreich erfolgt derzeit. Bei der Roll-Out-Strategie hat FIT damit erfolgreich den Gedanken eines globalen Templates in den Vordergrund gestellt.

Außerordentliche Herausforderungen

Bei der Einführung des IT-Systems in Asheville hatte das Projektteam außerordentliche Herausforderungen zu meistern. Zum einen musste das Team mit der Situation zurechtkommen, dass durch die Produktivstellung des Werks der Fokus eher auf der Produktion als auf der Informationstechnologie lag. Zum anderen hatten die erst kurz zuvor eingestellten amerikanischen Mitarbeiter nur geringe Kenntnisse von den Geschäftsprozessen, der Vliesstoff-Produktion sowie den IT-Systemen. Bei einem klassischen Einführungsprojekt sind die Mitarbeiter über die Geschäftsprozesse und die Produktionsverfahren seit Jahren vertraut. Beide Herausforderungen ließen sich nur durch eine gezielte personelle Unterstützung meistern. So haben europäische Mitarbeiter von Jacob Holm das Prozesswissen und die FIT-Berater das IT-Wissen durch umfassende Schulungen und intensive Betreuung weitergegeben und auch die Prozesse selbst unterstützt.

Komplexe IT-Komplettlösung

Außergewöhnlich ist auch die Einführung einer IT-Komplettlösung auf der Grundlage einer integrierten SAP- und Adicom-Lösung. Durch das globale SAP-System und den dezentralen Adicom-Systemen sind unternehmensweit einheitliche betriebswirtschaftliche Geschäftsprozesse garantiert. Normalerweise haben die Integration von ERP- und MES-Systemen nur Schnittstellen im Bereich der Produktion. Bei der Systemarchitektur für die Jacob Holm Gruppe handelt es sich aber um eine vollständig integrierte IT-Lösung. Daraus resultieren fast 20 Schnittstellen zwischen SAP und Adicom. Eine Grundidee der kombinierten IT-Lösung war: Im SAP-System werden alle Stammdaten gepflegt und das System leitet alle Geschäftsprozesse ein. Alle Funktionen der Fertigungssteuerung, des Wareneingangs, der Lagerverwaltung, der Instandhaltung und des Qualitätsmanagements erfolgen hingegen in der Adicom Software Suite. »Wir haben eine saubere Aufgabenteilung vorgenommen: Alles was in der Verwaltung passiert, wird über das SAP-System abgebildet. Wenn man von der Verwaltung durch die Tür in die Produktion geht, wechseln wir auch das System. Und alles was in der Produktion passiert, wird über die Adicom Software Suite abgebildet«, erläutert FIT-Projektleiter Rainer Zöller.

Zusammenspiel von SAP und Adicom

Unter den beiden IT-Systemen übernimmt das SAP-System die führende Rolle. Über das SAP-System wird die grobe Absatz- und Produktionsplanung durchgeführt und der ganze Vertriebsprozess abgewickelt – von der Anfrage und Angebotserstellung über den Bestelleingang bis hin zur Lieferung und Fakturierung. Auch die Anwendungen für die Beschaffung und die Lieferplanung werden durch die SAP-Lösung unterstützt. Über die Adicom Software Suite werden hingegen alle Funktionen der Fertigungssteuerung und Lagerfunktionalität abgebildet. Außerdem zählt die Kommissionierung für die Auslieferung zu den Aufgaben der Adicom-Lösung. Ein besonderes Zusammenspiel der beiden Systeme findet beispielsweise beim Fertigungsablauf und dem Qualitätsmanagement statt. Bei diesen Prozessen ist ein harmonisches Zusammenspiel der beiden Lösungen elementar. 

Bei der geplanten Systemarchitektur lag die wesentliche Schnittstelle im Fertigungsablauf. Für die Fertigung wird im SAP-System eine übergeordnete Produktionsplanung erstellt, aus der die einzelnen Fertigungsaufträge an das Adicom-System übermittelt werden. In der MES-Lösung erfolgt daraufhin eine detaillierte Sequenzplanung für die Fertigung. Aus Faserballen wird sogenanntes Jumbo-Material erstellt. Danach geht jeweils eine Meldung für den Wareneingang des Jumbos und für den Warenbezug der Faserballen vom Adicom- an das SAP-System. Außerdem werden Fertigungsaufträge für das Zuschneiden der Jumbos zu Rollen an das Adicom-System gegeben. Abschließend erfolgt noch die Verpackung und Kommissionierung der Rollen und der Wareneingang im SAP-System. Durch diesen Planungsablauf ist es der Jacob Holm Firmengruppe prinzipiell möglich, für mehrere Tage ohne das SAP-System zu produzieren und zu liefern.

Ein weiteres Beispiel für die Verknüpfung der ERP- und MES-Lösung ist das Thema Qualitätsmanagement. Dies hat auch im Bereich der Vliesstoffherstellung eine äußerst hohe Bedeutung: Zum einen gibt es hohe Anforderungen der Kunden an die Qualität und deren Nachweispflicht. Zum zweiten ist die Sammlung von Qualitätsdaten auch für die Steigerung der Produktionseffizienz notwendig. Und zum dritten bildet die Qualität auch die Grundlage für die Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Anwendungsfelder von Vliesstoffen. Im SAP-System werden die Grundlagen für das Qualitätsmanagement definiert. So ist in den Stammdaten beispielsweise festgelegt, welche Prüfungen mit welchen Toleranzen und Intervallen zu erfolgen haben. Pro Fertigungsauftrag und auch Wareneingang gibt es ein oder mehrere sogenannte Prüflose. Im SAP-System gibt es einen Prüfplan, der für die verschiedenen Materialen beschreibt, was zu prüfen ist, welche Toleranzen es gibt und welche Werte erreicht werden müssen. Die Prüfpläne werden an die MES-Lösung übergeben und verwaltet. Die Prüfergebnisse werden dann, mit einem Klick am Hand- oder Fußpedal, direkt von den Laborgeräten übernommen. In der Adicom Software Suite wird die Qualitätseinstufung vorgenommen. Gegebenenfalls wird ein Produktionslos oder eine Ballenlieferung blockiert. Diese Ergebnisse werden dann wieder in das SAP-System zurück gesendet, um die Verwendung der Rollen festzulegen und die Qualität der Fertigung zu optimieren. Damit wird die Qualitätskontrolle während des Produktionsprozesses komplett durch die Adicom Software Suite unterstützt.

Positives Fazit

Dem IT-Projektteam gelang es, eine komplette und leistungsfähige IT-Infrastruktur aufzubauen. Dabei musste das Team teilweise unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen arbeiten und auch der Zeitplan war durch den Start der neuen Fabrik in den USA äußerst eng bemessen. Das Ergebnis kann sich für Jacob Holm sehen lassen. Neben dem neuen Werk in den USA gelang es auch, die neue IT-Landschaft aufzubauen. »Die beiden Projekte waren einerseits ein großes Risiko, andererseits eine ebenso große Chance. Im Nachhinein hat sich der von uns gewählte Weg als der richtige erwiesen. Wir haben beide Projekte zum Erfolg geführt. Unsere nächste Aufgabe ist es, den Wettbewerbsvorteil zu nutzen und unsere verstärkte Position in den USA durch die Entwicklung von kundenspezifischen technischen Lösungen weiter auszubauen«, so Stephen R. Landon, President und COO.

Oliver Stroh


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