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Softwareentwicklung ist auch eine Kommunikationsaufgabe

Erst die Anwender machen SOA zum Erfolg

Aus technischer Sicht hat das Prinzip der serviceorientierten Architekturen (SOA) seinen Reiz noch lange nicht verloren. Im Gegenteil: das eigentliche Umsetzen in praktische Anwendungsszenarien hat gerade erst so recht begonnen. Dementsprechend gehen die Analysten von Gartner davon aus, dass bis zum kommenden Jahr 80 Prozent aller neuen Projekte auf dem SOA-Konzept aufbauen. Doch ein Großteil des Aufwands könnte vergebens sein, wenn die Unternehmen nicht sicherstellen, dass die angebotenen Services auch tatsächlich in eine verwendete Anwendung einfließen werden. Es gilt also, bereits von Anfang an die Anwender in den Fachabteilungen ins Boot zu holen und in den Entwicklungsprozess einzubinden. Nur dann können sich die Vorzüge des SOA-Prinzips unternehmensweit voll entfalten.

 

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abei gibt es noch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie hoch die möglichen Einsparungen sind, wenn ein Unternehmen das SOA-Prinzip konsequent anwendet. Während die Aberdeen Group das Einsparpotenzial bei den Integrationskosten eher zurückhaltend auf fünf Prozent taxiert, gehen andere Marktbeobachter von bis zu 30 Prozent möglicher Einsparungen aus. Das mag damit zusammenhängen, dass Unternehmen eine unterschiedliche Bereitschaft oder Durchsetzungskraft unterstellt wird, eine SOA wirklich über alle ihre Geschäftsbereiche hinweg zu etablieren. Unabhängig davon ist Standardisierung als Ergebnis einer SOA ein Wert an sich, der durch Kosteneinsparungen nur unzureichend erfasst werden kann.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Effekte einer SOA sowohl technisch, als auch aus Businesssicht beschrieben werden können. Anders als beispielsweise die klassische komponentenbasierte Entwicklung betrachtet SOA als Prinzip nicht nur die technische Wiederverwendbarkeit einmal entwickelter Services, sondern nimmt auch die Businessperspektive ein. Ein wesentliches Ziel der SOA ist es nämlich, neu entwickelte Anwendungen über die Abteilungsgrenzen hinweg interoperabel und wieder verwendbar zu machen. Mit anderen Worten: Eine Fachabteilung soll Anwendungen für ihre ganz spezifischen Alltagsanforderungen nutzen können, die auf Services beruhen, welche ursprünglich für andere fachlich verwandte Bereiche entwickelt wurden. Damit dieses Konzept funktioniert, muss die IT die Anwender von der Funktionsweise der Services, deren Vollständigkeit und Qualität überzeugen. Die Aufgabe der Serviceentwickler ist es also, umfangreiche und konsistente Informationen zu Funktion und Einsatzmöglichkeiten der Services und der daraus resultierenden Anwendungen bereitzustellen. Qualität und Performance müssen ebenso kommuniziert und idealerweise in Service Level Agreements (SLAs) definiert werden.

Requirements-Management als Ausgangspunkt

Die wichtigste Grundlage für die Leistungsfähigkeit der Services bildet die genaue Kenntnis der Anforderungen, die die Anwender an sie stellen. Das Erfassen der gesamten Anforderungen wird allerdings umso schwieriger, je komplexer die Aufgabe ist und je mehr unterschiedliche Abteilungen, welche die Services später verwenden, involviert sind. In etlichen Geschäftsprozessen einer Bank zum Beispiel ist die Überprüfung der Kreditwürdigkeit eines Kunden wichtig: bei der Bewilligung einer Hypothek, bei der Festlegung des Überziehungsrahmens oder bei der Neuanlage eines Kontos. Für jeden dieser Geschäftsprozesse müssen die exakten Anforderungen an den Service definiert und dokumentiert werden, damit er die Prinzipen »wiederverwendbar«, »kombinierbar«, »lose gekoppelt« und weitere erfüllt. Ein effizientes Requirements-Management-System hilft bei der Definition der Anforderungen ganz wesentlich, um eine eindeutig definierte und dokumentierte Spezifikation für eine Komponente entstehen zu lassen. Damit ist die Voraussetzung für konsistente und wiederverwendbare Services geschaffen.

Qualitätsmanagement von Anfang an

Um die gewünschte Performance des Services von Anfang an sicherzustellen, ist darüber hinaus ein umfassendes Qualitätsmanagement erforderlich. Während der Code-Entwicklung lassen sich Probleme bekanntlich schneller und einfacher lösen als nach der Inbetriebnahme der Software. Hier greifen automatisierte Qualitätsmanagement-Lösungen in den Entwicklungsprozess als eine Art »Entwicklungs-Roboter« ein. Sie überprüfen bereits während des Entwicklungsprozesses den Code auf Pflegeaufwand sowie Effizienz und geben Optimierungsempfehlungen.

Softwaretests als permanente Rückkopplung

Eine bessere Abstimmung zwischen den Fachabteilungen und der IT-Mannschaft ist für die erfolgreiche Einführung einer SOA eine wesentliche Voraussetzung. In der SOA-Diskussion wird als Herausforderung oft der Testaufwand der neuen Dienste genannt. Umfangreiche und dokumentierte Softwaretests sind vor der Einführung neuer Dienste natürlich auch in einer SOA Pflicht. Hier bieten sich standardisierte und automatisierte Testing-Prozesse auf der Basis von Software-Lösungen an. Softwaretests werden so reproduzierbar. Dann ist es möglich auch die Fachabteilungen in den Testprozess zu integrieren. Dies garantiert nicht nur gute Performance, sondern zeigt den Anwendern auch, dass ihre Anwendungen auf Services beruhen, die auf Herz und Nieren geprüft wurden.

Konkret kann zum Beispiel eine solche Lösung die Code-Abdeckung während des Tests dokumentieren. Damit ist sichergestellt, dass alle Wege durch den Code abgedeckt sind und alle Testkombinationen tatsächlich durchexerziert wurden. Die Software zeigt zum Beispiel auch, dass Regressionstests an den passenden Bezugspunkten wiederholt stattgefunden haben. Gleichzeitig misst die Lösung die Antwortzeiten der Komponenten und setzt diese in Beziehung zu den vorab definierten SLAs. So sehen die Entwickler sofort, ob die Services zu den Anforderungen »passen« und wie viel Overhead sie für eine Anwendung bedeuten.

Auch die Ausgestaltung der Testmethodik selbst trägt zum Erfolg der neuen Software im Rahmen einer SOA bei. Dazu kann zum Beispiel gehören, neben standardisierten Testverfahren auf der Basis von Best Practices die Evaluierung von einem unabhängigen Team von Testern durchführen zu lassen, die sowohl die technische als auch die Businessperspektive mitbringen. Damit einher gehen kann die Vergabe eines Qualitätssiegels für die Software seitens der externen Prüfer, das für jeden sichtbar den Nutzen der Software und des darunter liegenden SOA-Prinzips dokumentiert.

Kombinierte Lösung als vertrauensbildende Maßnahme

Werden die Prozesse Requirements- und Qualitätsmanagement sowie Tests von Anfang an durch eine geeignete Softwarelösung miteinander verzahnt und permanent während des Entwicklungsprozesses aufeinander bezogen, dann kann eine SOA letztlich ihr Konzeptversprechen einlösen: Es entstehen Services, die nicht nur theoretisch aus Businessperspektive wiederverwendbar sind, sondern in der Praxis auch tatsächlich über Fachbereichsgrenzen hinweg eingesetzt werden.

Im Wesentlichen geht es um Vertrauen, wenn eine neue Software positiv aufgenommen werden soll. Für die meisten Anwender bleibt die neue Software technisch gesehen ein Buch mit sieben Siegeln. Das ist auch nicht weiter schlimm – wenn sie früh genug in den Entstehungsprozess eingebunden wurden und im Verlaufe der Entwicklung immer wieder von der Funktionsweise und der Qualität der neuen Software überzeugt werden konnten. Sie wird dann fast selbstverständlich zum neuen Arbeitsgerät des Anwenders und kann so ihre Vorteile für das Unternehmen voll entfalten. Damit kann ein derart strukturierter Entwicklungsprozess tatsächlich für Kostensenkungen um bis zu 30 Prozent sorgen, statt lediglich Effizienzsteigerungen im einstelligen Bereich zu erzielen.

Andreas Herzig

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Andreas Herzig ist D&I Solutions Manager Central Europe bei Compuware

 

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