20080304b Siemens EC Universität Freiburg Unified Communications

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Universität Freiburg setzt auf Offenheit in der Telekommunikation

Alles über ein einziges Netz

Will eine Universität Kosten sparen und trotzdem modernste Telekommunikationstechnik einsetzen, dann liegt es nahe, eine Unified-Communications-Infrastruktur auf Basis des IP-Protokolls aufzubauen.

 

D

er Botanische Garten der Universität Freiburg ist mit seinen Pflanzenarealen, Schaugewächshäusern, der Aquarienanlage und dem Schmetterlingshaus nicht nur ein »Schaufenster der Botanik« für die Studierenden. Sondern der 1620 gegründete »Hortus Medicus« (Medizingarten) spielt in der 216.000-Einwohner-Stadt im Breisgau auch eine wichtige Rolle als Naherholungszentrum. »Es wäre unverantwortlich gewesen, in dieser grünen Lunge umfangreiche Grabungsarbeiten zur Verlegung von Kupferkabeln durchzuführen«, erinnert sich Prof. Dr. Gerhard Schneider, Prorektor für Wissenstransfer und Kommunikationstechnologien und Direktor des Rechenzentrums der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.

Doch genau daran hätte früher kein Weg vorbei geführt. Denn direkt am Rande des Botanischen Gartens liegt das neu eröffnete Zentrum für Biosystemanalyse (ZSBA), in dem Biologen, Mediziner, Pharmazeuten, Mathematiker, Physiker, Forst- und Umweltwissenschaftler sowie Forscher aus der Fakultät für Angewandte Wissenschaften gemeinsam das neue Feld der Systembiologie bearbeiten. Ohne Telefonanschlüsse natürlich unmöglich. »Zum Glück hatten wir damals gerade mit der Umstellung auf Voice over IP begonnen«, sagt der Wissenschaftler. Und so konnten die für den Neubau Verantwortlichen auf eine eigene Telekommunikationsinfrastruktur für das ZSBA verzichten und das bereits vorhandene Glasfaserkabel für die Datenübertragung auch für die Sprachkommunikation mit nutzen. Telefoniert wird nun über das Freiburger Universitätsnetz (FUN), über das Daten und Sprache auf Basis des Internet-Protokolls (IP) gemeinsam übertragen werden.

Die Grundlagen, die diese Entscheidung möglich machten, wurden allerdings schon im Jahre 2005 gelegt, als die Telefon- und Datentechnik der Universität Freiburg zur gemeinsamen Abteilung »Netz- und Kommunikationsdienste« zusammengelegt und damit die netzgebundene Kommunikationsinfrastruktur unter einem Dach vereint wurde. Deren Mitarbeiter betreuen heute sowohl das FUN mit aktuell über 18.000 stationären Anschlüssen in über 150 in der Stadt Freiburg verteilten Gebäuden als auch die über 7.000 Telefonanschlüsse auf dem Campus.

Leistungsfähiges Netz

Das Freiburger Universitätsnetz basiert auf einem Glasfaser-Backbone mit bis zu 10 Gbit/s Bandbreite. Die Außenanbindung an das Deutsche Forschungsnetz erfolgt mit 1 Gbit/s Übertragungsgeschwindigkeit, die Büroversorgung weitgehend mit 100 Mbit/s, teilweise – bei Bedarf – auch über 1 Gbit/s-Anschlüsse. An das mit Komponenten von Alcatel, Nortel und anderen Lieferanten aufgebaute Hochleistungsnetz sind heute 10.000 PCs angeschlossen. Erweitert wird das FUN durch einen flächendeckenden Wireless LAN-Hotspot mit über 220 Access Points auf dem gesamten Campus. Im Sprachlehrinstitut, das seinen Sitz in der Innenstadt Freiburgs hat, läuft sogar der komplette Datenverkehr über das Funknetzwerk.

Angesichts der im FUN vorhandenen Netzwerkkapazität ist die Übertragungsbandbreite für die Einführung von Unified Communications mehr als ausreichend. Sogar auf das sonst häufig übliche Prioritätsmanagement für den Transport der Sprach- und Datenpakete kann angesichts des Bandbreitenüberflusses verzichtet werden. Dass eine solche Konvergenzlösung für die Universität die beste Lösung ist, war dabei schon relativ früh klar, denn: Die bisher genutzte Telekommunikationsanlage stieß zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Angesichts etlicher neuer Institute und der permanenten Umstrukturierung der Hochschule ein großes Problem. Außerdem ist der Aufwand für den Betrieb von zwei getrennten Infrastrukturen für die Daten- und Sprachkommunikation relativ hoch und bei Störungen an den in die Jahre gekommenen Telefonanlagen müssen oft externe Techniker des Herstellers angefordert werden.

Schrittweise Migration zu Unified Communications

»Von daher war schon relativ früh klar, dass wir auf eine Konvergenzlösung setzen«, erläutert Prof. Schneider. Erklärtes Ziel dabei: Die heterogene Systemlandschaft der Universitätsverwaltung zu standardisieren und mit der Modernisierung der Kommunikations- und Informationsinfrastruktur die Vorteile von Sprach- und Datenkommunikation über ein einziges Netz zu nutzen. Dazu zählte vor allem der zentrale Betrieb der Telefonie als eine »normale« Anwendung im Rechenzentrum, die aber sicher, mit hoher Verfügbarkeit und in hoher Qualität angeboten werden soll.

Die Migration zu VoIP war dabei schrittweise vorgesehen und beinhaltete auch das bestehende Wireless LAN auf dem Campus, um darüber künftig auch schnurlos per »Voice over WLAN« telefonieren zu können. Die vorhandene Personensuchanlage mit ihren fehleranfälligen und nicht überall erreichbaren »Piepsern« sollte dadurch ebenfalls überflüssig werden. Weitere Anforderungen: Schaffen der Voraussetzungen für den verstärkten Einsatz multimedialer Anwendungen, Vereinfachung der Kommunikation und des Informationsaustauschs zwischen den Instituten und Hochschulen in aller Welt sowie die Integration von Heimarbeitsplätzen in Freiburg und Umgebung. Auch die Möglichkeit, mehrere Telefone – etwa im Büro, im Labor und im Home-Office – so mit einer Nummer an die Kommunikationsplattform anzuschließen, dass alle gleichzeitig klingeln und eine komplizierte Anrufweiterschaltung überflüssig ist, war ein Wunsch.

System, Endgeräte und Anwendungen sollten zudem möglichst aus einer Hand kommen und das Gesamtpaket neben Beratung, Erarbeitung einer Migrationsstrategie und Implementierung auch den Service umfassen. Und so fiel die Wahl schließlich auf den Softswitch HiPath 8000 von Siemens Enterprise Communications (SEN). Entscheidend war dabei die Offenheit der Kommunikationslösung und die Orientierung an weltweit anerkannten Standards wie etwa dem Session Initiation Protocol (SIP).

Offenheit auch bei den Endgeräten

Als Endgerät kommt das neue OpenStage 80 zum Einsatz, das ebenfalls SIP-fähig ist. Der Zugriff auf zentrale Informationen der uni-internen Datenbanken – etwa die Telefonlisten auf dem LDAP-Server – ist damit ebenso möglich, wie das Anlegen von persönlichen Telefonbücher mit bis zu 1000 Einträgen. Sofern man eine Webcam angeschlossen hat, lassen sich mit ihnen sogar Videokonferenzen durchführen. Was insbesondere für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interessant ist, die dienstlich viel unterwegs sind: Die VoIP-Telefone lassen sich »nomadisch« nutzen. In einem anderen Raum ans Netz angeschlossen, kann von dort jederzeit mit der eigenen Nummer ein Gespräch geführt werden.

Prinzipiell kann jedes Telefon, das den SIP-Standard beherrscht, an die neue Anlage angeschlossen werden. Und so sollen im Endausbau – vermutlich im Jahr 2012 – sämtliche 8000 Telefone auf dem Universitätsgelände durch SIP-Endgeräte ersetzt sein. Dann werden wohl auch die alten Telefonanlagen ausgemustert sein, die heute noch über ein IP-Gateway mit der HiPath 8000 verbunden sind. Unter anderem dienen sie dem Anschluss der vorhandenen analogen Endgeräte – wie z. B. Fax und Aufzugstelefone – an das interne Telefonnetz.

Außerdem sind sie Teil des Hochverfügbarkeitskonzepts, mit dem die jederzeitige telefonische Erreichbarkeit der Hochschule sichergestellt wird. So wurden nicht nur alle Netzwerkstrecken und -komponenten redundant in einer vermaschten Struktur ausgelegt, wodurch bei einer Unterbrechung der Leitung an einer Stelle die Kommunikation über die Ausweichstrecken fortgesetzt werden kann. Sondern bei einem Totalausfall des IP-Netzes lässt sich immer noch über die alten Anlagen die Verbindung zum öffentlichen ISDN-Netz aufrecht erhalten. Prof. Schneider: »Das Geld, das wir bei der Telekommunikation in Zukunft einsparen, stecken wir in die Erhöhung der Verfügbarkeit des Gesamtnetzes«. So wurde zum Beispiel Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) beschafft, die auch bei einer Störung der elektrischen Energiezufuhr den Weiterbetrieb ermöglichen.

Experimentierfeld für Studierende und Professoren

Als die größten Vorteile der VoIP-Installation – so die Erfahrung in Freiburg – kristallisieren sich jedoch die zentrale Verwaltung des Systems im Rechenzentrum und die Nutzung von Anwendungen heraus, »an die man vorher gar nicht gedacht hat«. Als konkretes Beispiel nennt Professor Schneider die neue Möglichkeit, auf das Abrechnen der Privatgespräche zu verzichten. Dazu ist die Universität verpflichtet, aber da die einzuziehenden Gebühren im Schnitt etwa drei Euro betragen, war das Berechnen und Kassieren fast genauso teuer wie die damit verbundenen Einnahmen. Die Lösung für dieses Problem besteht nun im Eintrag von zwei Providern pro Benutzer im HiPath-Managementsystem, so dass die Privatgespräche direkt privat gebucht werden können.

Und auch an weiteren Ideen mangelt es nicht. Von einer Messaging-Funktion, mit der das Rechenzentrum alle Mitarbeiter per Telefon-Display in Sekundenschnelle über wichtige Ereignisse informieren kann, bis hin zu einem E-Mail-Client für das Telefon oder einer Funktion zum Austausch virtueller Visitenkarte via Bluetooth reicht die Palette. Die Einbindung von Voice over WLAN-Handys, die derzeit in einem Test erprobt wird, bringt die Wissenschaftler ebenfalls ständig auf neue Ideen. So wird über ein Ortungssystem mit integrierter Drahtlos-Kamera nachgedacht, mit dem Mitarbeiter an gefährlichen Arbeitsplätzen – etwa im Keller – in Notsituationen schneller gefunden werden können.

Auch der Ausbau der drahtlosen Telefonie auf dem Campus zu einer echten Fixed Mobile Convergence-Lösung mit Dual Mode-Endgeräten, die auf dem Gelände mit dem WLAN und außerhalb als normales Mobilfunkhandy im GSM-Netz funktionieren, ist bereits angedacht. Ebenfalls eine Überlegung: Die Integration weiterer Hochschulen aus der Region in die mandantenfähige Plattform. Oder auch – gemeinsam mit einem SIP-Carrier – die Einführung kostenloser campusweiter Telefonservices für Studierende, inklusive der Studentenwohnheim.

Investition bereits im ersten Jahr amortisiert

Gleichzeitig hat die neue Kommunikationslösung aber auch viele handfeste Vorteile: Vor allem die geringeren Betriebs- und Wartungskosten, da nur noch ein Netzwerk unterhalten werden muss. Durch die zentrale Installation und Administration lassen sich Anwendungen wie CTI oder Unified Messaging effizienter betreiben. Und die freie Skalierbarkeit der neuen Plattform unterstützt das weitere Wachstum der Hochschule und die Einführung neuer Kommunikations- und Kollaborationsanwendungen ohne großen Aufwand. Gleichzeitig werden durch die schrittweise Migration die bisherigen Investitionen geschützt.

»Die Standardkonformität ermöglicht uns künftig die freie Auswahl von Serviceprovidern, Endgeräten und Anwendungen«, nennt Prof. Schneider einen weiteren Aspekt, der ihm sehr am Herzen liegt. Am meisten freut ihn aber, dass sich die bisherige Investition so schnell bezahlt gemacht hat: »Sie hat sich bereits im ersten Jahr alleine durch die Einsparung von 300 Kupferkabeln beim Anschluss des neuen Zentrums für Biosystemanalyse und die nicht notwendigen Grabungskosten amortisiert«. Auf »knapp 70.000 Euro« beziffert der Prorektor diese Summe. Und dass der Botanische Garten zur Verlegung der Kabel nicht umgegraben werden musste, sei »einfach unbezahlbar« gewesen.

Yvonne Giebels

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Yvonne Giebels, freie Journalistin, Düsseldorf

 

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