20080304l Human IT Eon Ad-hoc-Analysen Stammdaten-Management

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Ergebniskontrolle in IT-Projekten

Ad-hoc-Analysen sichern Qualität im Stammdaten-Management

Zum Stammdaten-Management in IT-Projekten zählt die Aufgabe, die Konsistenz und Qualität von Stammdaten zu sichern und zu prüfen. Bei der E.ON Westfalen Weser AG kam ein Massenumbau von SAP-Daten hinzu, dessen Ergebnisse kontrolliert werden mussten. Diese Aufgabe wurde unterstützt mit einem Instrument für Ad-hoc-Datenanalysen, das den Aufwand für Auswertungen reduzierte und nach dem Umbau half, Fragen zur Datenqualität zu beantworten.

 

S

peziell in der Energie- und Versorgungswirtschaft ist es wegen riesiger Datenmengen wichtig, die Datenstruktur und -qualität der Stammdaten im Blick zu behalten. Zum Umbau von Stammdaten waren viele Versorger in Deutschland durch das novellierte Energiewirtschaftsgesetz gezwungen: Es sieht vor, dass die Übertragung und Verteilung von Strom und Gas im Netz von der Erzeugung sowie von Handel und Vertrieb getrennt werden (Unbundling). So werden auch bei der E.ON Westfalen Weser AG die beiden Marktrollen »Netz« und »Vertrieb« seit Anfang 2007 von unterschiedlichen Gesellschaften erfüllt. Seitdem sind Daten und Prozesse im SAP-Abrechnungssystem IS-U getrennt voneinander abgebildet — in Übereinstimmung mit dem so genannten »Zwei-Verträgemodell«.

Das SAP IS-U System des Versorgungsunternehmens enthielt bis zum Massenumbau lediglich die Verträge gegenüber den Endverbrauchern. Anfang 2007 wurde jeder voll versorgte Zählpunkt der Sparte Strom und Erdgas um einen weiteren Vertrag für die »Netzabrechnung« erweitert, um zusätzlich die Vertragsbeziehungen zwischen der E.ON Westfalen Weser Netz GmbH als Netzbetreiber und ihren assoziierten Lieferanten abzubilden. Für diese Verträge und die seit Anfang 2007 existierende Netzgesellschaft (Hameln) sollte das IT-Management innerhalb von IS-U einen neuen Buchungskreis aufbauen. Die Vertragsdaten für den Buchungskreis »Vertrieb«, mussten weiterhin bestehen bleiben: Diese Daten liegen in der Zuständigkeit der E.ON Westfalen Weser AG (Paderborn) und betreffen die Vertragsbeziehungen zwischen Lieferant und Endverbrauchern.

Für Planung und Umsetzung des Massenumbaus wurde mit der E.ON IS GmbH ein auf die Energiewirtschaft spezialisierter IT-Dienstleister engagiert. »Die Verträge der Sparten Strom und Erdgas mussten im Rahmen des Systemumbaus entsprechend des jeweiligen Versorgungsszenarios angepasst werden«, sagt Gerd Geib, bei E.ON IS zuständiger Teilprojektleiter »Billing«. Konkret waren die bestehenden Verträge beider Sparten zu Lieferverträgen umzubauen und hunderttausende Netzverträge neu aufzubauen. Außerdem wurden reine Netznutzungsverträge sowie Einspeise-Verträge im bisherigen Buchungskreis beendet, schlussgerechnet und im neuen Netzbuchungskreis neu abgebildet.

Erkenntnisse zu Umbau-Ergebnissen gewinnen

Für den Systemumbau selbst und dessen Protokollierung war das SAP-Tool CCW (Contract Conversion Workbench) vorgesehen. Gefragt war ferner ein Instrument, das einen schnellen Überblick über tatsächliche Umbau-Ergebnisse verschaffen konnte. »Excel kam wegen der großen Datenmengen nicht in Frage. Wir brauchten ein leistungsfähiges Werkzeug, das wir ohne aufwendige Einarbeitung und datenbankspezifische Detail-Kenntnisse anwenden konnten. Die Wahl fiel auf das Tool InfoZoom, weil sich damit umfangreiche Datenmengen ad-hoc analysieren und gleichzeitig übersichtlich darstellen lassen«, kommentiert Gerd Geib.

Anfang Januar 2007 war es so weit: Der Massenumbau der SAP-Stammdaten war im produktiven System abgeschlossen. Die Analysen mit InfoZoom, die bereits im Rahmen der Tests die Fehleranalyse unterstützt hatten, halfen auch im Rahmen der Abnahme, die Datenqualität zu kontrollieren. Dafür wurden neben den kaufmännischen Produkt-, Vertrags- und Buchungsdaten auch dazugehörige technische Stammdaten des SAP-Systems (z. B. Anlage- und Zählpunktdaten) im Vorfeld selektiert und in InfoZoom importiert. Zu jedem der insgesamt fast zwei Millionen Verträge (alle Sparten) wurden 30 einzelne Merkmale ausgelesen: Dazu zählten Deregulierungsstammdaten zu einzelnen Verträgen, Anlagen und Zählpunkten sowie Merkmale, die eine Vielzahl von Prozessen steuern — unter anderem für Abrechnungen, Fakturierungen und den elektronischen Datenaustauch mit Marktpartnern. Damit stand dieser Datenextrakt für weitere Ad-hoc Auswertungen zur Verfügung.

InfoZoom half dabei, die Ergebnisse des Umbaus und dessen Auswirkungen auf den Stammdatenbestand genau zu prüfen. Es sollten eventuelle Inkonsistenzen oder Lücken ermittelt werden, um spätere Probleme und aufwendige Nachbearbeitungen zu vermeiden.

Eine Aufgabe war die Kontrolle, inwiefern Stammdatensätze — gemäß den Vorgaben an das CCW-Team — mit neuen oder veränderten Attributen ausgestattet worden waren. Wurden Lücken entdeckt, mussten die dahinter stehenden Gründe und Zusammenhänge analysiert werden. Bei der Ursachenforschung half laut Gerd Geib die Möglichkeit, große Datenmengen zu verdichten und zu visualisieren: »So filterten wir in komprimierter Ansicht alle Datensätze heraus, die nach dem Systemumbau mit nur einem einzigen Netz- oder Vertriebsvertrag ausgestattet waren. In dieser Datenselektion forschten wir nach weiteren Werten — also Ausprägungen der zeilenförmig angeordneten Attribute —, die das Fehlen eines zweiten Vertrages erklären konnten. Auffälligkeiten ließen sich so schnell feststellen und nachbearbeiten.«

Wechselbeziehungen innerhalb des Datenbestandes analysieren

InfoZoom stellt Datenbank-Attribute zeilenförmig dar und erlaubt es, die Werte ansonsten unüberschaubarer Mengen an Datensätzen in Zellen zu verdichten. So können Ansichten auch zu großen Datenmengen selektiv ein- und ausgeblendet werden. Daraufhin lassen sich Wechselbeziehungen zwischen einer bestehenden Datenselektion und weiteren Datenzellen feststellen, die nach Bedarf komprimiert oder mit der eingebauten Zoom-Funktion auseinander gezogen werden.

Nach dem Umbau bei der E.ON Westfalen Weser AG waren Querbezüge zwischen Verträgen beider Buchungskreise über das Merkmal »Zählpunkt« möglich. Mittels dieses gemeinsamen Merkmals wurden beispielsweise die Zählpunkte ermittelt, die mit lediglich einem Vertrag verbunden waren. Es gab mehrere Konstellationen, bei denen diese Beschränkung durchaus berechtigt oder erforderlich war. Ein Grund für das Fehlen eines Netzvertrages ist zum Beispiel, dass sich der betreffende Zählpunkt mit dem dahinter stehenden Kunden nicht im Netzgebiet der E.ON Westfalen Weser Netz GmbH befindet. Anders ist es dagegen bei Lieferanten, die regenerative Energien (Windkraft, Photovoltaik etc.) einspeisen: »Bei deren Stammdaten prüften wir, ob sie — wie vorgegeben — nach dem Umbau des SAP-Systems mit ihren Verträgen im richtigen Buchungskreis »Netz« vorhanden waren«, so Gerd Geib. Darüber hinaus wurde ermittelt, ob diese Lieferanten mit allen erforderlichen Buchungskreis-spezifischen Merkmalen ausgestattet waren — eine wichtige Voraussetzung für die fehlerfreie Abrechnung und Fakturierung.

Weitere Analysen verschafften den Überblick über die Zahl der mit einzelnen Vertragspartnern und Netzbetreibern abgeschlossenen Verträge. Außerdem ließ sich die Verteilung der Zählpunkte je Marktpartner auf Tariftypen und Konzessionsverträge feststellen. Gerd Geib: »Mit InfoZoom ist praktisch jedes in der Datenstruktur enthaltene Datenelement in Bezug auf alle anderen enthaltenen Datenelemente in hoher Geschwindigkeit analysierbar. Jedes Feld einer Datenstruktur kann so innerhalb weniger Minuten im Hinblick auf unterschiedlichste Fragestellungen überprüft werden.«

Parallel zu den Analysen des Umbau-Ergebnisses erfolgten umfangreiche Tests durch SAP-Anwender: Sie prüften, ob sämtliche Funktionen und Prozesse in dem umgebauten System reibungslos funktionierten. Für realistische Test-Szenarien wurden Datenauszüge mit repräsentativen Anteilen verschiedener Verträge benötigt. Die dafür erforderliche Selektion aus den vorhandenen SAP IS-U-Datenextrakten sowie die Aufbereitung der Daten für Tests (Export nach Excel) konnte ebenfalls mit InfoZoom unterstützt werden.

Zeitersparnis bei Auswertungen

In punkto Stammdaten-Management kommen laut Gerd Geib die Vorteile der Software vor allem dann zur Geltung, wenn bei der Analyse großer Datenmengen verschiedene Fragestellungen zu klären sind. Mit InfoZoom entfalle der Programmieraufwand für individuelle Auswertereports, die direkt im SAP-System erstellt werden und oftmals nur auf eine oder wenige Fragestellungen hin ausgerichtet sein können. »Im Falle der E.ON Westfalenweser AG schätze ich die durch Einsatz des Tools erreichte Zeitersparnis — im Vergleich zu konventionellen Bordmitteln — auf rund 80 Prozent. Für zukünftige IT-Projekte planen wir daher den Einsatz des Instrumentes nicht nur für die Analyse von Ergebnissen sondern auch für die Ist-Analyse zu Projektbeginn«, so der Berater. InfoZoom werde bei der E.ON Westfalen Weser AG auch im Bereich Kundendatenmanagement verwendet: Auf der Grundlage eines aus
SAP IS-U herausgezogenen Datenextraktes prüft das Unternehmen beispielsweise die Konsistenz von Abrechnungsdaten sowie die Qualität von Daten, die elektronisch und mittels standardisierter Formate (EDIFACT) mit Marktpartnern ausgetauscht werden.

Harald Talarczyk

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Harald Talarczyk, Fachjournalist, Bonn

 

 

 

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