20080304n SAP Identity Management

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Identity Management

Identitäts-Krise in Unternehmen

Kaum ein Unternehmen kann heute sagen, wie es um seine Datenqualität in allen Systemen der beteiligten Geschäftsprozesse aussieht. IT-Administratoren sind sich darüber bewusst, dass ihre Daten Fehler aufweisen, können aber kaum genaue Aussagen darüber machen, wie hoch die Fehlerquote ist und verweisen auf die ständige Nachbesserungen im laufenden Betrieb. Doch schon die Frage, welche kritische Kombination von Rollen ein beliebiger Mitarbeiter gerade besitzt, kann nur noch stichprobenartig überprüft werden. Dadurch entstehen Lücken in der Unternehmenssicherheit, die eine unbewusste oder vorsätzliche Manipulation von Firmendaten mit sich bringen kann. Auf der anderen Seite werden mehr und mehr Compliance-Richtlinien gefordert, die von den Firmen eine widerspruchsfreie, aktuelle und wahrheitsgetreue Berichterstattung fordern. Je mehr ein Unternehmen wächst, ohne sich dieser Problematik anzunehmen, umso schneller läuft es in die Identitäts-Krise.

 

Zum wichtigsten Kapital eines Unternehmens gehören personenbezogene Informationen von Mitarbeitern und Kunden. Ohne eine zuverlässige Pflege und der Sicherstellung der Integrität dieser Daten ist keine erfolgreiche Unternehmensführung möglich. Fehler im Datenbestand können zu massiven Einschränkungen in der Mitarbeiter-Produktivität wie im Unternehmens-Umsatz mit sich bringen. Mängel in der Sicherheit des Datenzugriffs führen zu missbräuchlicher Verwendung bis hin zu Industriespionage. Je nachdem, welche Studie man zu diesem Thema liest, ergeben sich die unterschiedlichsten Szenarien von Missständen:

·         »Bis zu 40 % der Anwender haben keinen berechtigten Zugriff auf Daten«

·         »Bei den jeweiligen Systemen werden bis zu 30 % der Kosten für die Autorisierung des Zugriffs generiert«

·         »Bis zu 80 % der Helpdesk-Calls dienen dem Reset von Passwörtern«

·         »Im Mittel braucht ein neuer Mitarbeiter etwa 2 Wochen, bis er bei allen Systemen, die er für seine Arbeit benötigt, eingerichtet ist«

·         »Änderungen bei den Aufgaben der Mitarbeiter spiegeln sich nicht in den Systemen wider«

·         »Viele Administratoren können viele Prozesse nur manuell umsetzen«

Theoretischen Zahlen und Aussagen wie diese lassen sich im konkreten Einzelfall natürlich nur schwer reproduzieren, dennoch bestehen solche oder ähnliche Risiken in der einen oder anderen Form in nahezu jedem Unternehmen. Seit der Digitalisierung der Geschäftsdaten und –Prozesse ist man mit diesen Herausforderungen konfrontiert. Vor etwas mehr als 10 Jahren hat man erkannt, dass eine Fokussierung personenbezogener Daten auf einen zentralen Service einen massiven Vorteil in der Integrität der Daten und der Datensicherheit mit sich brachte. In dieser Zeit entwickelten sich die ersten Directory-Lösungen mit X.500- und LDAP-Architekturen, deren Standardisierung eine umfassende Interoperabilität sichern sollte. Doch dieser Ansatz war zu einfach, da sich bei weitem nicht alle Dienste dem Diktat einer zentralen Directory-Instanz unterwarfen. Darüber hinaus waren ein brauchbares Rollenmodell sowie ein granulares Zugriffs- und Sicherheitskonzept mit diesen Mitteln nur unzureichend auf die Bedürfnisse der meisten IT-Gegebenheiten abzubilden. Während monolithische Metadirectory-Ansätze vielfach in der eigenen Komplexität erstarrten, erfolgte in anderen Lösungen teilweise wieder eine Dezentralisierung der Daten, die mit mehr oder weniger individuellen Synchronisations-Mechanismen untereinander abgeglichen wurden. Parallel dazu entwickelten sich die ersten Implementierungen von Provisionierungs-Lösungen. Diese waren darauf ausgerichtet, dass Datenänderungen von personenbezogenen Informationen in geordneten Prozessen ablaufen. Mit der Einführung von Compliance-Richtlinien in den letzten Jahren wird mehr und mehr sichergestellt, dass die Bereitstellung der Daten, deren Umgang und deren Verwaltung allgemein anerkannten Normen unterliegen, um sowohl den Richtlinien der Datensicherheit, der Interoperabilität als auch der Gesetzeskonformität zu genügen. Aus diesen Erfahrungen heraus bilden sich heute Konzepte und Lösungen auf dem Markt, die die Vorteile einer zentralen, richtlinientreuen Verwaltung personenbezogener Daten anbieten.

Digitale Identitäten und deren Management

Der Begriff »Identität« bezeichnet die den Menschen kennzeichnende und als Individuum von anderen Menschen unterscheidende Eigentümlichkeit seines Wesens. Digitale Identitäten bilden diese Definition auf Systeme der digitalen Informationsverarbeitung ab. Dabei kann ein Mensch durchaus verschiedene Identitäten haben: als Mitarbeiter im Unternehmen, als Kunde bei einem Online-Buchshop oder als Vielflieger bei einer Fluggesellschaft. Als Oberbegriff werden darunter all die Attribute zusammengefasst, die die Person für das jeweilige soziale Umfeld kennzeichnen.

Attribute

Alle Identitäten haben einen eigenen Raum von Attributen. Viele dieser Daten sind redundant, manche sind nur dem jeweiligen System eigen. Auch als Mitarbeiter eines Unternehmens besitzt man verschiedene Identitäten: die Identität innerhalb der Personalabteilung, für den Mail-Service, den Web-Zugriff, die Telefon-Liste, als Sachbearbeiter-Account für die Kundenbetreuung und vieles mehr. Damit verbunden ist eine umfassende Redundanz von Information, die in allen Systemen mehr oder weniger gleich ist, aber individuell gepflegt werden muss. Dadurch wiederum ergibt sich einerseits ein hoher Administrations-Aufwand, der sich mit jedem neu aufkommenden System potenziert, andererseits erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler auftreten oder dass ein und dieselbe Information in semantisch gleicher, syntaktisch aber unterschiedlicher Ausprägung auftritt (Beispiel: In der Personalbuchhaltung ist die Telefonnummer des Mitarbeiters mit Länderkennung und Bindestrich als Trennzeichen hinterlegt, im Web-Adressbuch steht nur die Durchwahl und auf dem Mitarbeiterportal hat dieses Datum einen Zahlendreher). Manuell administrierte Systemlandschaften leiden oft an einer retardierten Pflege des Datenbestandes bis hin zur »Datenleichen«. Bis ein neuer Mitarbeiter auf allen für seine Arbeit notwendigen Systemen Einzug gefunden hat, können manchmal Wochen vergehen. Verlässt er das Unternehmen, kommt es vor, dass er noch auf Jahre hinaus seinen Account weiter behält, weil einfach vergessen wurde, diese Datensätze stillzulegen.

Rollen

Jeder Mitarbeiter hat eine Tätigkeitsbeschreibung und benötigt für diese eine dedizierten und wohl definierten Datenzugriff. Nun kann man hierfür jedem Einzelnen einen eigenen, individuellen Zugriff einrichten, dadurch wird aber die Verwaltung der Berechtigungen zu einer immensen Aufgabe. Einfacher wird dies über ein Rollenmodell umgesetzt, bei dem der Mitarbeiter eine oder mehrere Rollen bekommt, die einen definierten Katalog an Zugriffsberechtigungen umfassen. Durch Vergabe oder Entzug dieser Rollen werden die Berechtigungen gesteuert. Die Rollen werden durch die Richtlinien, die sich das Unternehmen selbst gibt oder die durch Gesetze vorbestimmt sind, definiert. Prozessabläufe regeln die Reihenfolge und die Genehmigungs-Vorschriften, nach denen sowohl die Benutzerdaten erzeugt, geändert, gelöscht oder gesperrt -  als auch die Rollenvergabe und Zugriffsberechtigung verteilt wird.

Compliance

Ohne ein software-gestütztes Management von Digitalen Identitäten sind die Administratoren der einzelnen Systeme jeweils damit beschäftigt, die personenbezogenen Daten auf dem neuesten Stand zu halten und die Berechtigungen zu verwalten. Mit Hilfe einer digitalen Identity Management Architektur kann die vormals manuelle und individuelle Administration mit all ihren Fehler-Risiken entscheidend verbessert, die Datensicherheit und –integrität massiv unterstützt werden. Mittels digitalisierten Workflow-Prozessen und deren Genehmigungs-Abläufen werden lesende wie schreibende Datenzugriffe kanalisiert und richtlinienkonform verarbeitet. Vordefinierte Business-Prozesse regeln die aktive Übernahme von Verantwortlichkeiten für Freigaben durch Vorgesetzte, organisieren die Protokollierung von Vorgängen und stellen die Synchronisation der Daten unter den beteiligten Systemen sicher. 

Dass die Problematik und die entsprechende Lösungsmodelle für Digitalen Identitäten und deren Verwaltung zurzeit eine sehr hohe Aufmerksamkeit erfährt, belegen zahlreiche Studien zu diesem Thema. Laut Gartner beispielsweise werden 2008 etwa 60 % der Fortune-2000-Unternehmen ein unternehmensweites Identity- und Rollen-Management eingeführt haben, um weitgehende Compliance personenbezogener Daten in den Unternehmen zu erzielen [1]. Die Meta Group rechnet in einer anderen Studie vor, dass sich mit der Einführung von Identitäts-Management die Kosten für den administrativen Aufwand für Benutzerdaten um bis zu 30 % senken lassen [2]. Aber auch ohne diese theoretischen Studien wird die Notwendigkeit für die Einführung von Identity Management in Unternehmen unmittelbar erkannt, wenn diese beispielsweise ihre Geschäftsbeziehungen mit ihren Kunden unter die Regularien der Sarbanes Oxley Acts abwickeln müssen. Der Sarbanes Oxley Act (SOX) ist ein Gesetz zur Regelung der Berichterstattung in Unternehmen und wurde in den USA im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von Enron und Worldcom implementiert. Dabei bezieht sich SOX nicht ausdrücklich auf die IT eines Unternehmens, sondern zielt auf eine widerspruchsfreie, aktuelle und wahrheitsgetreue Finanzberichterstattung der Unternehmen. Abschnitt 404 des Gesetzes fokussiert sich auf die Protokollierung und das Reporting der Zugriffe und Berechtigungen von User auf Unternehmensdaten. Abschnitt 302 definiert die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Informationen. Um diesen ausformulierten Gesetzesanforderungen zu genügen ist es für Unternehmen unabdingbar, die firmeninterne IT-Organisation so umzusetzen, dass Daten integer, vertraulich und von unbefugtem Zugriff geschützt sind.

Aber man muss nicht in die USA blicken, um Compliance-Richtlinen zu begegnen. Von Basel II aus dem Bereich der Bankenaufsicht über Solvency II beim Versicherungsaufsichtsrecht bis hin zu den Grundsätzen zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU) werden zunehmend Compliance-Richtlinien auf Bundes- und Europaebene verlangt, die unmittelbar auf die IT-Organisation der Unternehmen Einfluss nimmt.

Datenhoheit

Betrachtet man ein Unternehmen mit seiner Vielzahl von Systemen, so fällt auf, dass nahezu jeder IT-Service eines Repository personenbezogener Daten hat, auf den er angewiesen ist. Eine Telefonanlage listet Namen und Telefonnummern auf. Das Mailsystem die Mailadressen, Name, Quotas und Passwörter. Applikationen zur Kundenbetreuung und Geschäftsprozessabwicklungen haben einen eigenen Datenstamm mit Namen, Adressen, Passwörtern, Zugriffsberechtigungen. Je nach Unternehmensgröße ist diese Liste beliebig lang. Und die Redundanzen der Daten sind entsprechend umfangreich. Namen, Adressen, Passwörter, Telefonnummern: Oft liegen im Unternehmen genauso viele Versionen dieser Daten vor wie es Systeme gibt. Die Frage ist nur: Welche Fassung ist die richtige? Oder anders gefragt: Welches System hat die verlässlichsten Daten?

Bei der Einführung von Identity Management muss daher (zunächst konzeptionell und zu einem späteren Zeitpunkt in einer produktiven Umgebung automatisiert) entschieden werden, welches System die verlässlichsten Daten hat. Hierzu gehören beispielsweise die unternehmensinternen HR-Systeme (in vielen Fällen SAP-HCM-Systeme [3]), die Attribute wie Name, Vorname und Adresse eines Mitarbeiters führen. Daten, die dort hinterlegt sind, durchlaufen die häufigsten Kontrollzyklen und sind am besten geschützt. Die gleichen Informationen können auf einem Corporate Directory hinterlegt worden sein, dort werden sie aber vielfach unter ungleich geringeren Kontrollzyklen hinterlegt und genießen daher einen geringeren Stellenwert in Bezug zur Datenqualität. Demgegenüber obliegt die Verwaltung von Service-Attributen wie Mail-Adresse dem Mailsystem, Telefon- oder Faxnummer dem Telefonsystem usw. Für diese Informationen ist der jeweilige Service das führende System, d.h. das betreffende System ist für die Integrität dieser Daten verantwortlich.

Die Verteilung der Verantwortlichkeit dieser Daten hat einen besonderen Begriff, man spricht hier von Datenhoheit. Das System, das die Datenhoheit über ein bestimmtes Attribut besitzt, ist in der Lage, in allen anderen Zielsystemen diese Informationen zu überschreiben. Umgekehrt: Darf ein Zielsystem seinen eigenen Datensatz beschreiben und besitzt aber nicht dessen Datenhoheit, so sind diese Datenänderungen nur lokal und werden beim nächsten Update vom führenden System wieder überschrieben.

Beispiel: Ein HCM-System in einem Beispiel-Unternehmen verwaltet Daten, deren Zuverlässigkeit mehrfach geprüft wurde. Darunter fallen Name, Vorname und Adresse eines Mitarbeiters. Die gleiche Information wurde auf einem Active Directory in Form einer »Directory-Identität« hinterlegt, dort aber unter ungleich geringeren Kontrollzyklen. Desweiterhin setzt sich eine »Mailuser-Identität« eines Mitarbeiters neben den oben beschriebenen Attributen auch aus Daten wie »Mailadresse« und »Mailquota« zusammen. Für die beiden letztgenannten Attribute ist das Mailsystem die führende Instanz. Jedes weitere System trägt auf diese Weise seine eigene Service-Identität und die betreffende Information bei. Eine Identity Management Architektur sorgt nun dafür, dass alle Identitäten mit Daten aus den jeweils führenden Systemen synchronisiert werden, so dass alle Service-Identitäten die  bestmögliche Datenintegrität besitzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: eine Identity Management Plattform verwaltet Digitale Identitäten von Mitarbeitern innerhalb von Unternehmen. Als eine Art »Broker« sorgt sie für ein geordnetes und protokolliertes Datenzugriffs- und Änderungs-Management und regelt die Synchronisation personenbezogener Informationen zwischen dem jeweils führenden System mit allen anderen Datenbeständen. Die Abbildung von Compliance-Richtlinien stellt sicher, dass sowohl unternehmensinterne Vorgaben als auch Gesetze ihre Anwendung finden. Damit sorgt Identity Management  für eine konsistente Datenqualität, die mit der bisherigen manuellen Administration in nichts zu vergleichen ist.

SAP Netweaver Identity Management

Unternehmen haben erkannt, dass die sogenannte Identity Crisis mit all ihren Missständen auch eine Chance ist, das eigene Fundament an IT-Services und Daten zu überarbeiten, es zu stärken und sicherer zu gestalten. Da die Umsetzung sowohl eine leistungsfähige Plattform als auch die notwendige Erfahrung erfordert, ist man auf kompetente und erfolgreiche Partner angewiesen. SAP steht hierfür mit seinem Produktportfolio an vorderster Stelle.

SAP NetWeaver Identity Management leistet plattform-, system- und herstellerübergreifendes Verwalten digitaler Identitäten zur Reduzierung von Kosten in der IT-Administration sowie zur Maximierung von Sicherheit und Qualität der personenbezogenen Daten eines Unternehmens. Die Lösung provisioniert sowohl personenbezogene Daten als auch Systemzugriffe über alle Geschäftsprozesse hinweg. Über die native Integration der SAP Business-Plattform sichert ein Connector-Framework mit über 40 Connectoren die Integration einer Vielzahl von Zielsystemen anderer Hersteller. Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes, isoliertes Tool innerhalb des Unternehmensnetzwerks, vielmehr versteht SAP den Begriff Identity Management als umfassender Teil einer Plattform-Lösung, der maßgeblich zur Sicherung und Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen beiträgt. Obwohl noch ein junges Mitglied in der Reihe der Netweaver Business Applikationen, kann SAP Netweaver Identity Management mittlerweile mehr als 150 etablierte Kunden aufweisen, darunter beispielsweise der Referenzkunde BT Global Services. Als integraler Bestandteil der SAP Netweaver Business-Suite stellt die Identity Architektur die Basis für eSOA und ergänzt wichtigen Unternehmensaufgaben wie ERP und CRM um ein Funktionsportfolio, das personenbezogene Unternehmensdaten konsistent, synchron, plattformübergreifend und sicher verwaltet.

Dr. Peter Gergen

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Dr. Peter Gergen, Presales Specialist Identity Management, SAP Deutschland GmbH & Co KG

 

[1] Gartner: »Identity and Access Management today«

[2] Meta Group: The Value of Identity Management

[3] HCM = Human Capital Management (früher als HR bezeichnet)

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