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Software as a Service (SaaS) »Die klassische Softwarewelt wird zunehmend um eine SaaS-Parallelwelt ergänzt werden« Neben dem populären Trendthema »Green IT« beherrscht derzeit das neue Softwarekonzept aus der Steckdose »Software as a Service« (SaaS) die Diskussion. Nach den mehr oder weniger geglückt umgesetzten ASP- und On-Demand-Modellen ist nun SaaS dabei, sich am Softwaremarkt als Internetvariante und Mietmodell zu empfehlen. Was verbirgt sich hinter diesem neuerlichen Hype? Handelt es sich dabei wirklich um echte Innovation oder wieder nur um alten Wein in neuen Schläuchen? Für wen eignet sich diese Variante besonders gut und wer sollte besser die Finger davon lassen? Antworten und Einschätzungen gibt Toennies von Donop, Leiter System Integration & Technology bei der Unternehmensberatung Accenture.
manage it: Welche Rolle spielt das stark diskutierte SaaS-Konzept bereits heute? Von Donop: Das »Software as a Service«-Konzept ist dabei, sich dauerhaft am Markt zu etablieren. Wir werden in den nächsten zwei bis drei Jahren ein kontinuierliches Wachstum der Angebote und auch der Nutzung dieser Möglichkeiten erleben. Das Marktvolumen ist zurzeit allerdings noch wenig relevant. Unsere Einschätzung ist, dass SaaS nicht die traditionelle Art und Weise ersetzen wird, wie Software eingekauft und genutzt wird. SaaS wird sie vielmehr ergänzen.
manage it: Worin sehen Sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu bereits seit Längerem bestehenden Mietvarianten wie Application Service Providing (ASP) und On-Demand-Konzepten? Von Donop: Der entscheidende Punkt bei Software as a Service sind die Lizenzbedingungen, die anders sind als im klassischen Software- und auch teilweise im On-Demand-Geschäft. Als SaaS-Anbieter vermieten Sie die Software und rechnen nach der tatsächlichen Nutzung ab. Darüber hinaus stellen Sie die Applikationen und die notwendige Infrastruktur über das Internet zur Verfügung. On-Demand-Lösungen dagegen sind nicht in jedem Fall als Mietverträge definiert, teilweise bestehen sie auch aus Überlassungsverträgen mit eingebundenen Regelungen zu Upgrades und Versionsveränderungen. Bei SaaS gibt es das idealerweise nicht mehr. Application Service Providing können Sie sowohl nach einem SaaS- als auch nach einem On-Demand-Modell betreiben. Das ist im Wesentlichen eine Frage der Softwarelizenzierung und der notwendigen Investments.
manage it: Was treibt die Softwareanbieter dazu, neben dem klassischen Lizenzgeschäft und den bereits bestehenden Mietvarianten ihren Kunden ein weiteres Modell anzubieten? Von Donop: Das SaaS-Konzept ist die logische Konsequenz der Herausforderungen, vor der viele Softwarehäuser zurzeit stehen. Die Erfolge von Vorreitern wie dem US-amerikanischen CRM-Anbieter Salesforce.com und Google setzen die großen Softwarehersteller unter Zugzwang, SaaS-Geschäftsmodelle bei sich zu etablieren. Und wenn Sie sich die Mittelstandsangebote von etwa SAP, Oracle und Microsoft anschauen, passiert das auch bereits. Saas liefert den Unternehmen außerdem einen kontinuierlichen Umsatzstrom, anders als das klassische Lizenzgeschäft. Dort verkaufen Sie einmalig eine Lizenz für relativ viel Geld, die laufenden Wartungseinnahmen fallen jedoch relativ gering aus. Das SaaS-Geschäftsmodell ist für die Softwarehäuser letztendlich kalkulierbarer. Die Software-Industrie hat also ein nicht geringes Interesse, einen Teil ihrer Einkünfte in einen berechenbaren Revenue-Strom umzuwandeln.
manage it: Für welche Unternehmensbereiche ist das neue Modell besonders attraktiv? Von Donop: Als Erstes werden die nicht-geschäftskritischen, horizontalen Geschäftsprozesse, die mit nicht-sensiblen Daten umgehen, auf SaaS umgestellt werden. Von den klassischen ERP-Applikationen sind das neben dem Einkauf und der Logistik vor allem Bereiche wie Personalmanagement oder Customer Relationship Management (CRM). Außerdem eignen sich Konferenz-Tools, E-Commerce-Lösungen, Stores und Informations-Services besonders gut für SaaS. In einer zweiten Welle wird SaaS im Engineering-Bereich sowie für Product-Lifecycle-, Projekt- und Business-Intelligence-Management-Funktionen eingesetzt werden. Neben den klassischen Unternehmenskunden ist das SaaS-Konzept aber auch für den Konsumentenmarkt attraktiv. Pioniere wie Google stellen bereits heute den Nutzern mit dem kostenlosen Office-Paket Google Docs im Internet eine vollwertige, durch Werbung finanzierte Office-Software zur Verfügung. Dieses Angebot kostet den Anwender weder eine Lizenzgebühr noch Entgelte für Speicherkapazität und Infrastruktur. Er benötigt lediglich ein internetfähiges Endgerät und eine Flatrate. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sehen, dass dieses Modell disruptiv für Softwarehäuser mit dem Fokus auf anwendungsorientierte Office-Lösungen ist.
manage it: Wer sollte besser die Finger davon lassen? Von Donop: Bei mittleren und großen Unternehmen sind alle Finanz-Services wie die klassischen Buchhaltungs- und Controlling-Systeme und aus Sicherheitsgründen das Dokumentenmanagement ungeeignet für das SaaS-Konzept, und das sicherlich auch auf längere Sicht. Im Übrigen gilt: Wenn Sie Software as a Service beziehen, bekommen Sie einen standardisierten, homogenen Geschäftsprozess. Er bietet Ihnen keinerlei Wettbewerbsvorteil gegenüber Ihren Konkurrenten in der Branche. Für wettbewerbsrelevante Geschäftsprozesse eignet sich SaaS daher nicht. Deshalb bieten einige SaaS-Anbieter bereits die Möglichkeit, ihre Software anpassungsfähig für einzelne Kunden zu machen. Ob dies ein gangbarer Weg sein wird, muss sich zeigen. Ich bezweifle das, da ungeklärte Fragen der Nutzungs- und Eigentumsrechte an diesen Anpassungen viele große Unternehmen abschrecken werden. Zumindest für die geschäftskritischen Kernprozesse kann ich mir das nicht vorstellen! manage it: Welche generellen Einwände oder Bedenken gibt es gegen das neue Modell? Von Donop: Wir sehen eine Reihe rechtlicher Probleme und Risiken im Bereich Datenschutz und Datensicherheit, die man bei Einführung von SaaS unbedingt berücksichtigen muss. Ein zentraler Punkt dabei ist die Frage der Datenspeicherung: Wo werden die Informationen gespeichert? Es gibt Daten, die dürfen Sie nicht im Ausland, sondern nur im Inland speichern. Die rechtlichen Verpflichtungen können ein SaaS-Modell hochgradig kompliziert machen.
manage it: Wie wird die weitere Entwicklung verlaufen? Von Donop: Es ist unrealistisch, dass eines schönen Tages alle Software als SaaS aus dem Netz kommt. Ohne Individuallösungen und angepasste Standardsoftware geht es nicht, etwa um einem Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Daher wird es auch in Zukunft komplexe ERP- und Logistik-Integrationsprojekte geben. Die »klassische« Softwarewelt wird allerdings zunehmend um eine »SaaS-Parallelwelt« ergänzt, die sich besonders gut für standardisierte, relativ homogene und nicht wettbewerbskritische Anwendungen mit einer hohen Nutzerzahl eignet. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Harald Lutz , Fachjournalist und Technikredakteur in Frankfurt am Main
Toennies von Donop, Jahrgang 1955, leitet den Geschäftsbereich System Integration & Technology bei Accenture. Der studierte Volkswirt arbeitete zunächst für zwei Berliner Beratungsunternehmen, bevor er 1995 zu Accenture kam. 1999 wurde er in die Geschäftsleitung des Unternehmens für den deutschsprachigen Raum berufen. /H.L.
Noch viel im Fluss… Experten gehen davon aus, dass das neue Software-as-a-Service-Konzept spätestens 2009 als eine ernst zu nehmende Größe auf dem Markt präsent sein wird. Auch nach dem Branchenhöhepunkt CeBIT bieten viele Frühjahrskongresse und regionale Fachmessen Gelegenheit, sich bei den verschiedenen Software-Anbietern und ITK-Dienstleistern persönlich am Stand über das neue, vielversprechende Softwarekonzept zu informieren. Eine spannende Adresse ist auf jeden Fall der US-amerikanische SaaS-Pionier im CRM-Umfeld Saleforce.com. Anbieter wie beispielsweise die CAS Software AG rüsten mit eigenen SaaS-CRM-Produkten zur Gegenoffensive. Im Fokus des SaaS-Interesses sehen Fachleute auch das SAP-Mittelstandsprodukt »All in One« und die ehemalige Siebel CRM-Software, die heute von Oracle vertrieben wird und den Wettbewerb mit den SaaS-Pionieren aufnehmen will. Vielversprechend ist sicher auch bei Google vorbeizuschauen und anschließend der Frage nachzugehen, wie die Antwort von Microsoft auf diese Herausforderung ausfällt. / H.L.
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