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»Extreme Data
Mining«-Einsatz bei der Bank Austria Creditanstalt
Wenn das Data
Mining fliegen lernt
Alle zwei Wochen startet die größte österreichische Bank neue Marketingkampagnen
für ihre Kunden. Komplexe Data-Mining-Analysen filtern zuvor die Zielkunden
heraus, bei denen die Kaufwahrscheinlichkeit besonders hoch ist – die
Abschlussquote liegt bei drei bis fünf Prozent. Die hohe Frequenz im Marketing
wäre nicht denkbar, würde die Bank Austria Creditanstalt nicht auf eine
Technologie namens »Extreme Data Mining« setzen, mit der sich die Zeit für die
Modellbildung und -durchführung bei der Datenanalyse um rund zwei Drittel
verkürzt hat.
ls Mitglied der
Uni Credit Group betreibt die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) das führende
internationale Bankennetzwerk in der Wachstumsregion Zentral- und Osteuropa. Mit
einem Eigenkapital von mehr als 7 Milliarden Euro und Marktanteilen von zwischen
20 und über 50 Prozent ist die BA-CA die mit Abstand größte Bank in Österreich.
Die Wurzeln des Unternehmens mit Stammsitz in Wien reichen zurück bis ins Jahr
1855. Heute eröffnet die BA-CA als dynamische Universalbank ihren Kunden den
Zugang zu den internationalen Finanzmärkten. 85 Prozent der österreichischen
Großunternehmen und mehr als 60 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe zählen zu
den Kunden der BA-CA. Die Bank verfügt in Österreich über ein Netzwerk von rund
400 Geschäftsstellen und beschäftigt rund 9.800 Mitarbeiter. Als erste westliche
Bank fasste die BA-CA in einem der ehemaligen COMECON-Staaten Fuß. Seit der
Eröffnung einer Repräsentanz in Budapest im Jahr 1975 und insbesondere seit der
Wende 1989/90 verfolgt die Bank eine kontinuierliche Expansionsstrategie in
Zentral- und Osteuropa.

Data Mining
ohne Zeithürde
Bereits in 2004
hatte die BA-CA das Projekt »Fit for Sales«
gestartet, in dessen Rahmen die Vertriebssteuerung zentral ausgerichtet und das
Direktmarketing neu aufgebaut werden sollten. »Für uns ist entscheidend,
14-tägig Verkaufskampagnen durchzuführen, die auf relevanten Kundendaten
basieren«, erklärt Werner Widhalm, Leiter Unit Customer Knowledge Management.
Bis dahin wurde
mit dem klassischen (traditional) Data-Mining-Werkzeug Darwin gearbeitet. »Das
war sehr zeitintensiv und zu aufwendig, um einen zweiwöchentlichen Rhythmus
etablieren zu können«, erinnert sich Widhalm. Die hohe Frequenz der Aktionen ist
jedoch wettbewerbsentscheidend: schließlich hat sich auch im Bankensektor in den
letzten Jahren im Bereich Kundenkommunikation so einiges verändert. Daher
lautete die selbstgestellte Aufgabe, ein Tool für das Data Mining zu finden, das
den gestiegenen Ansprüchen an Geschwindigkeit und Genauigkeit Rechnung tragen
sollte.
Im
Rahmen des Evaluierungsprozesses wurde das Analytische Framework von Kxen als
Lösungsmöglichkeit ermittelt. Die Österreicher entschieden sich im Frühjahr 2004
für das »Extreme Data Mining«-Tool des gleichnamigen amerikanischen Anbieters.
Bereits im August ging das analytische Framework in den Echtbetrieb.
Ausschlaggebend für die Entscheidung war zum einen, dass der Kxen-Ansatz, Data
Mining einem breiteren Anwenderkreis zugänglich zu machen, gut zur
Mitarbeiterstruktur der Bank passte: viele Praktiker mit breiter Erfahrung im
Banksoftware-Bereich, weniger Mathematiker und Statistiker. »Wer sich schon
länger mit dem Thema Datenanalyse beschäftigt, kann sich sehr schnell in die
Software einarbeiten«, konstatiert Erich Hrusa, zuständig für die technische
Architektur im Customer Knowledge Management. »Wir wollten eine Lösung, die sich
rasch rechnet«, nennt Widhalm einen zweiten Grund für die Entscheidung.
Eingebunden in
komplexe Strukturen
Grundlage für
das Data Mining ist ein »Marketing Data Warehouse«, in das aus den operativen
Systemen in unterschiedlicher Frequenz – täglich, wöchentlich oder monatlich –
marketingrelevante Kundeninformationen eingespeist werden. Von hier fließen die
Daten in einen analytischen Data Mart ein, der als Schnittstelle dient. Hier
werden sogenannte analysefähige Datensätze zur Weiterbearbeitung generiert und
ohne redundante Speicherung in Kxen verarbeitet. Etwa zwei Millionen Kundendaten
untersucht das Tool dabei auf Muster. Im Data Mart stehen insgesamt rund vier
Millionen Kunden-Datensätze zur Verfügung, darunter auch Informationen zu
Wunschkunden. Basis ist das Datenbank-System MS SQL Server 2000, das auf sechs
Servern inklusive Test- und Entwicklungsbereich läuft. Rund 4,5 Terabyte Daten
haben die Wiener im operationalen Bereich zu stemmen, hinzu kommen noch zwei
Terabyte im Archivbereich.
In
der Scoring Engine werden aktuelle Modelle als Batchjob automatisch
durchgeführt, je nach Planung wöchentlich oder monatlich. »Monatlich sind es
heute mindestens 20 Modelle, das wäre früher ein Zeitaufwand von mindestens vier
Monaten gewesen. Im Schnitt hat die Erstellung und Durchführung eines Modells
bei uns damals etwa zwei Wochen gedauert, heute sind es nur fünf Tage«, fasst
Erich Hrusa die Veränderungen zusammen. Zu den wesentlichen Einsatz-Bereichen
bei der Bank Austria Creditanstalt zählen neben Vorhersagen der
Kaufwahrscheinlichkeit auch die Kundensegmentierung (Cluster-Analyse) und die
Retention-Analyse (Untersuchung des Kundenbindungsverhaltens).
Marketing-Kampagnen setzt die Bank Austria Creditanstalt mit Epiphany um, hier
werden die Kundenauswahl, das Kundenbetreuer-Binning und die Auswahl des
Kommunikationskanals gesteuert. Die Ergebnisse aus dem Data Mining mit Kxen
fließen in den analytischen Data Mart zurück und von dort aus per Schnittstelle
nach Epiphany.
Voraussage
funktioniert fünfmal besser
Das Data Mining
auf die herkömmliche Art, bei dem über lange Zeiträume Regressionsmodelle
entwickelt werden, erscheint den Wienern schon lange nicht mehr zeitgemäß. Die
mathematische Expertise steckt bei Kxen im Produkt selbst, je nach gewählter
Funktion stehen Methodiken von der Regressions- über die Zeitreihen- bis hin zur
Cluster-Analyse zur Verfügung. Die Anwender bringen vor allem ihr fachliches
Wissen ein. »Dieser praxisbezogene Zugang funktioniert sehr gut«, meint Hrusa.
Neben dem Bau von Modellen übernimmt die Software eine weitere wichtige Aufgabe:
die Evaluierung der Modell-Qualität, insbesondere, wenn sich Datenstrukturen
verändern. »Unser Umgang mit Data Mining ist im Gegensatz zu früher sehr viel
industrialisierter, das ist bei der Vielzahl von Marketing-Aktivitäten auch
nicht mehr anders realisierbar«, so Hrusa. Befragt nach der Erfolgsquote der
Vorhersagen, meint Werner Widhalm: »Wir erreichen mit Kxen im Durchschnitt eine
Abschlussqoute der beworbenen Produkte von etwa drei bis fünf Prozent. Vorher
waren es ein bis zwei Prozent«. Die Data-Mining-Spezialisten unterstützen
Verkaufskampagnen, die rund 20 Prozent des Neukundengeschäfts der Bank
ausmachen. Das entsprach im Vorjahr einem Umsatz von rund 50 Millionen Euro.
Mit bloßem Auge
nicht zu erkennen
Während früher
bei Kampagnen beispielsweise 100.000 Kunden auf Basis einfacher Selektionen
angeschrieben wurden, sind es heute mit qualifizierten Ergebnissen aus dem Data
Mining teilweise nur 10.000, bei Spezialthemen manchmal auch nur 5.000 Kunden.
Das spart nicht nur deutlich bei den Portokosten, sondern schafft wesentlich
effektivere Voraussetzungen für die Vertriebsmitarbeiter – schließlich reicht
nicht der Brief allein: viele Abschlüsse entstehen erst durch das
Nachtelefonieren und den persönlichen Kontakt. »Dank der guten Hinweisqualität
verzeichnen wir mehr Erfolg, obwohl wir quantitativ weniger Kunden ansprechen.
Zu den typischen Analysen zählt zudem die Betrachtung des
Abwanderungsverhaltens. »Wir beziehen über 1.500 Variable und Muster alter
Abwanderungskunden in diese Analyse ein. Mit bloßem Auge wären die Faktoren, die
auf abwanderungsgewillte Kunden hindeuten, schlicht und einfach nicht zu
erkennen«, erklärt Widhalm. Weist ein Kunde entsprechende Muster auf, wie die
Kündigung einzelner Produkte oder Verringerung des Volumens, werden die
Österreicher umgehend aktiv.
Ausblick
Das Restchen
Magie, das im automatischen Durchforsten von 1.500 Variablen pro Kunde nach
erkennbaren Mustern steckt, war am Anfang nicht so ganz einfach zu fassen. »Die
Vertriebskollegen waren es gewöhnt, mit Selektionen zu arbeiten. Beim Data
Mining erschließen sich die Hintergründe nicht so ohne weiteres und es ist
schwierig zu erklären, warum ein Kunde eine Kaufwahrscheinlichkeit für ein
Produkt hat Die Akzeptanz kam hauptsächlich mit der Erfahrung, dass die
Ergebnisse deutlich besser geworden sind«, meint Hrusa.
Auch das
Nachmessen steht bei der Bank Austria Creditanstalt dauerhaft auf der »To-do«-Liste.
Im geschlossenen Kreislauf fließen die Ergebnisse der anschließenden
Erfolgsmessungen wieder in die Modelle ein. Dazu werden die Abschlüsse aus den
operativen Systemen erfasst und weiter verarbeitet.
Auf dem Weg zu
den »Best Practises«, mit denen bisher vor allem der Telco-Bereich glänzt, plant
die Bank Austria Creditanstalt den weiteren Ausbau in Richtung zentrale
Datenhaltung, um über einen sogenannten »single point of truth« zu verfügen. Die
Zielsetzung im analytischen Bereich lautet Werner Widhalm zufolge: »Die Kunden
immer besser beschreiben und noch mehr Daten für das Data Mining gewinnen«.
Daniela
Hoffmann
»Wir erreichen mit Kxen im
Durchschnitt eine Abschlussquote der beworbenen Produkte von etwa drei bis fünf
Prozent. Vorher waren es ein bis zwei Prozent«.
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