20080708m IDC Telkos verschlafen Unified Communications

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IDC Viewpoint

Telkos verschlafen Unified Communications

Unified Communications (UC) wird sich nach Meinung von IDC zum zentralen Schlachtfeld der Umverteilung der Mehrwertkette im ITK-Markt entwickeln. Die traditionellen Platzhirsche des Kommunikationsgeschäfts, die klassischen Telekommunikationsanbieter, sind drauf und dran die Chancen, die sich durch den Mega-Trend Unified Communications ergeben, zu verschlafen.

 

D

abei sind Telkos in der beneidenswerten Lage, nicht mehr um Millionen von Geschäftskunden und Konsumenten im Kommunikationssegment buhlen zu müssen, denn diesen Kundenstamm haben sie bereits. Trotzdem gibt es im ITK-Markt kein Anrecht auf Kundenloyalität. IDC glaubt nicht an UC-Alleinanbieter. Vielmehr werden Anwender UC-Komponenten von mehreren Anbietern beziehen. Auch werden sich unserer Meinung nach immer häufiger »Offene Lösungen« durchsetzen. Die Frage, wem der Kunde gehört, ist daher im ITK-Umfeld noch abwegiger als im traditionellen TK-Markt.

Für Anbieter ist entscheidend zu verstehen, dass Anwender UC niemals als »vereinheitlichte Kommunikation« akzeptieren werden. Ganz im Gegenteil. Auch IDC sieht UC vielmehr als »allgegenwärtige Kommunikation« und damit als einen Teil von »ubiquitärem Computing«, welches den Zugriff auf digitale Daten überall und zu jeder Zeit, durch geeignete Plattformen, Schnittstellen und (mobile) Endgeräte unterstützt.

UC aus Anwendersicht

Für die meisten Anwender bedeutet UC in erster Linie die Integration von Sprache, Messaging (d.h.: E-Mail und Instant Messaging), Kontaktmanagement und Präsenzfunktionen. Der Kommunikationsaspekt bleibt bei den Anwendern im Vordergrund; doch beginnen diese inzwischen die neuen Möglichkeiten der Integration von Kommunikation und IT-Funktionalität zu erkennen. Einige Anwender sind bereits dabei, auch Videofunktionalität und verschiedene Web-2.0-Applikationen (z.B.: Wikis, Blogs, Social Networking oder Mashups) in ihre UC-Lösungen zu integrieren. Einige wenige Anwender haben UC bereits in ihre bestehenden CRM-und ERP-Systeme integriert.

Diejenigen Unternehmen, die bereits UC-Applikationen anwenden, oder dabei sind, diese zu implementieren, tun dies meist nicht bewusst unter einem »UC-Banner«. Wir sehen jedoch eine stete Zunahme von Anwendern, die sich auf dem Weg zu Unified Communications befinden. In Gesprächen mit Anbietern kristallisiert sich allerdings auch heraus, dass die Anwender nur sehr selten bereits eine klare UC-Strategie fahren.

Wahrnehmung im Markt

Umso wichtiger ist eine klare UC-Strategie für die Anbieter. Führende UC-Anbieter stehen bereits in den Startlöchern, Anwender tatkräftig bei der Strategiefindung zu unterstützen. Gespräche, die IDC mit den Anwendern und Anbietern führt zeigen, dass Telkos von Anwendern als die schwächsten UC-Anbieter wahr genommen werden. Hardwareanbieter, Softwarehersteller und Systemintegratoren haben sich sehr viel besser in diesem noch jungen Markt positioniert. Diese Anbieter sind in der Strategieentwicklung, Implementierung und der Portfolioevolution von Unified Communications den meisten Telkos voraus.

Was die Anwender in Punkto UC-Lösung von den Anbietern erwarten, teilen sie uns klar mit:

·         Anwender wollen selber entscheiden, welche UC-Appikationen sie implementieren und in welchem Tempo sie UC vorantreiben (d.h.: sie verlangen modulare und transparente UC-Komponenten).

·         Anwender fragen nach der Möglichkeit, bestehende IT-Lösungen und Fremdsysteme mit UC zu integrieren (d.h.: sie verlangen offene Schnittstellen).

·         Anwender wählen Anbieter, die ihre Geschäftsprozesse verstehen (d.h: Technologie per se steht nicht im Vordergrund).

 

Diese Punkte untergraben die Position der Telkos im Kommunikationsmarkt. Telkos verhaften immer noch sehr dem Netzwerk-Management als zentrales Aufgabenfeld. Die wenigsten Telkos heben sich durch Sektorexpertise, IT-Verständnis oder Softwareentwicklungskenntnisse – geschweige denn Professional-Services-Erfahrung – hervor. Außerdem wird die Situation der Telkos weiterhin erschwert, indem ihre Vertriebskanäle nicht dafür ausgelegt sind, Lösungen zu vermarkten. Aber ohne einen solchen Lösungsansatz sind die Möglichkeiten für Anbieter, nachhaltig von UC zu profitieren, limitiert.

Trends

Die am häufigsten zu erkennenden Schritte hin zu UC sind die Mirgration zu IP-Telephonie und die Einführung von Mobile-Workforce-Management-Lösungen. Aber genau bei diesen »UC-Einstiegsthemen« sehen wir zwei aus unserer Sicht für Telkos beunruhigende Trends.

Zum einen betreiben viele Telkos die Mirgation ihrer Kunden von Time Division Multiplexing (TDM) hin zu Voice over IP (VoIP) immer noch halbherzig. Telkos begnügen sich damit, sich nur als »Konnektivitätsanbieter« während des Migrationsprozesses zu positionieren und verkaufen sich somit weit unter Wert. Zum anderen sind Telkos im Enterprise Mobility Markt nicht glaubwürdig vertreten (zwei Ausnahmen sind BT und Vodafone).

Aus Anwendersicht ist der Bedarf nach mehr Mobilität eine Priorität. Allerdings ist es nicht die Mobilität der Mobilität wegen was Anwender antreibt, sondern der Bedarf nach Lösungen, die die Geschäftsprozesse optimieren und effizienter machen. Im Vordergrund stehen kollaboratives Arbeiten und virtuelle Teams. Der Wunsch Außendienstmitarbeiter mittels UC enger ins allgemeine Firmengeschehen einzubinden, nimmt stark zu. Leider bedeutet für die meisten Telkos Enterprise Mobility immer noch Push-E-Mail und Data Cards. Mobile Enterprise Resource Planing (ERP)-und Customer Relationship Management (CRM)-Lösungen bleiben die Domain der Systemintegratoren, Softwarehäuser und Hardwareanbieter.

Unsere Marktbeobachtungen lassen uns zu der Einsicht kommen, dass Telkos in den meisten Fällen im UC-Umfeld nur als Wiederverkäufer oder als Konnektivitätsanbieter agieren werden. Firmen wie Avaya, Siemens Enterprise Communications, Cisco, Nortel, aber auch Microsoft, IBM und HP sowie kleine System-und Softwarehäuser sind unserer Meinung nach viel besser positioniert, die konvergierenden Anforderungen aus den Bereichen IT, TK und Professional Services zu adressieren.

Warum schlafen Telkos im UC Markt?

Die zögerliche Haltung der Telkos ist sicherlich nicht rein auf blankes Unverständnis des ITK-Marktes zurück zu führen – auch wenn es manchmal so scheint. Telkos haben ganz einfach mehr zu verlieren. In 2007 lag der Cash Margin (gemessen als Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit über Umsatz) bei etwa 22 bis 25 Prozent. Im selben Zeitraum konnten IT-Dienstleister nur etwa 7 bis 9 Prozent Cash Margin verzeichnen. Hardwareanbieter konnten sich glücklich schätzen, überhaupt einen positiven Cash Margin zu generieren.

Resümee

Wir glauben, dass ein verstärktes Auftreten der Telkos im UC Markt sich sehr wahrscheinlich in geringeren Cash Margins widerspiegeln würde. Die Zurückhaltung der Telkos ist daher nicht vollkommen verwunderlich. Das Problem der Telkos liegt allerdings darin, dass Kommunikation unweigerlich ein Teil der IT-Landschaft wird. Mit anderen Worten: die Telkos können nicht auf den Status Quo setzen. Telkos, die nicht aktiv UC vorantreiben, laufen ein sehr großes Risiko, im ITK-Markt in Irrelevanz zu versinken.

Noch generieren Telkos die Ressourcen die notwendig sind, um eine langfristige Strategie im ITK-Markt mit den richtigen Investitionen zu finanzieren. Unserer Ansicht nach muss UC ein fester Bestandteil einer solchen Strategie sein.

Telkos erkennen unserer Meinung nach kaum diese Umverteilung in der ITK-Mehrwertkette, die durch UC weiter voran getrieben wird. Dieses Versäumnis kann ihnen zum Verhängnis werden. Der ITK-Markt wird ohne einige starke Netzwerk-Management-Betreiber à la BT Openreach nicht auskommen – wohl aber ohne klassische Telkos.

Dan Bieler

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Dan Bieler, Director Consulting, European Telecommunications & Networking

 

 

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