20080708zi Trivadis Der BI-Markt im Umbruch

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Business Intelligence

Konzentration und dennoch Vielfalt im BI-Markt

Der BI-Markt befindet sich nach den spektakulären Übernahmen von Oracle, SAP und IBM im Umbruch – zum Vor- oder Nachteil der Anwender?

 

I

n den vergangenen Jahren war im Markt für Business-Intelligence-Lösungen (BI) eine länger andauernde Konsolidierungswelle im Gange, die sich im Vorjahr mit spektakulären Unternehmensübernahmen gebrochen hat: Die meisten BI-Marktführer haben dabei neue Besitzer gefunden. Larry Ellison setzte seine Einkaufstour fort und konnte Oracle nach Firmen wie J.D. Edwards oder Siebel Systems nun auch den Marktführer für Lösungen zum Business Performance Management (BPM), Hyperion Solutions, einverleiben. SAP, die in der Vergangenheit immer stärker auf Eigenentwicklung und Zukäufe von spezialisierter Technologie gesetzt haben, haben diesen »Pfad der Tugend« verlassen und mit dem Kauf des BI-Anbieters Business Objects für einen Paukenschlag gesorgt.

Die kanadische Cognos versuchte dagegen zu halten, unter anderem mit der Übernahme von Applix, wurde aber wenig später selbst von IBM aufgekauft, die damit auf eindrucksvolle Weise ihren Hut in den Ring geworfen hat. In diesem Konzert nahm sich die bereits 2006 erfolgte Übernahme von Pro Clarity durch Microsoft geradezu bescheiden aus. Dafür konnten die Redmonder aber erstaunlicherweise mit der Eigenentwicklung Performance Point Server punkten und treiben zudem die BI-Funktionen ihrer Bürosoftware mit Office 2007 voran. Die vier Softwareriesen haben also am Pokertisch Platz genommen, die Karten werden gemischt, die Einsätze sind gigantisch. Aber worum geht es in diesem Spiel eigentlich? Was passiert, wenn nicht mehr Spezialisten sondern Generalisten den Takt vorgeben?

Wachstumsphantasien begründen Aufbruch zu neuen Ufern.

Wenn man sich Gedanken über die Strategie dieser vier Anbieter macht, sollte man eines als Prämisse voran stellen: hinter den Akquisitionen stehen ein Plan und eine fundierte, wenn auch optimistische Annahme zur Marktentwicklung. Die Erfolgsaussichten scheinen nicht schlecht, so hat Gartner erst kürzlich die Prognose abgegeben, dass bis zum Jahr 2012 die vier »Mega Vendors« etwa 70 Prozent des BI-Marktes unter sich aufteilen werden. Das hat verschiedene Gründe: In vielen Firmen finden BI-Projekte noch immer überwiegend auf Abteilungs- beziehungsweise Bereichsebene statt und basieren aus historischen Gründen nicht selten auf unterschiedlichen Softwareplattformen. Auf der Suche nach Rationalisierungsmöglichkeiten werden diese Projekte unter die Lupe genommen und Alternativen evaluiert. An diesem Punkt wird vielerorts über eine Konsolidierung auf eine strategische BI-Lösung nachgedacht. Das hat den weiteren Vorteil, dass bereichsübergreifende Lösungen auch die Entwicklung und Kontrolle unternehmensweiter Kennzahlen erheblich erleichtern. Derzeit decken die meisten BI-Initiativen nicht den Bedarf von Vorständen oder Top-Management ab. Sie sind eher taktischer als strategischer Natur. Last but not least tendieren viele Unternehmen dazu, Lösungen aus einer Hand zu bevorzugen. Umso besser, wenn dieser Lieferant auch noch über Know-how in den branchenspezifischen Geschäftsprozessen verfügt.

Die meisten BI-Lösungen nutzen heute noch klassische Data Warehouses als Basis, analysieren also historische Daten. Es reichte in der Vergangenheit in aller Regel aus, Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen zu entnehmen und nach definierten Regeln adäquat zusammenzufassen. Aktuell ist aber zu beobachten, dass das Anforderungsprofil prozessorientierter BI immer häufiger auch in Richtung operativer Echtzeit-Daten geht. Damit geraten die Geschäftsprozesse selbst in den Fokus. Aus operativer Sicht hat dies natürlich zahlreiche Vorteile, denn so lässt sich ein Unternehmen – zumindest theoretisch ‑ in nahezu Echtzeit steuern. Aus Sicht der IT kompliziert dies die Sache aber, denn dazu müssen die Geschäftsprozesse permanent überwacht werden, um dann bei Abweichungen vom Plan auch unmittelbar reagieren zu können. Und es stellt sich die Frage, wie vertrauenswürdig jede einzelne Information ist, die im Gesamtbild den Ausschlag für eine Managemententscheidung geben kann. Der Fokus richtet sich folgerichtig immer stärker auf die Prozesse.

CPM rückt in den Vordergrund.

Bei genauem Hinsehen wird analog dazu auch deutlich, dass im Fokus der eingangs zitierten Zukäufe nicht in erster Linie Reporting und Analyse – also die klassischen BI-Anwendungsfelder – stehen, sondern insbesondere Corporate Performance Management (CPM)-Funktionen wie Planung und Budgetierung. Cognos und Business Objects durften mit den Zukäufen von Applix und Cartesis kurz vor ihrer eigenen Übernahme ihr CPM-Angebot stärken und Oracle hat sich bei Hyperion direkt des CPM-Marktführers bedient. Auch Performance Point Server steht ganz im Zeichen der Abrundung des Angebots hinsichtlich CPM. Alle vier Player bieten jetzt Komplettangebote über Datenintegration, Data Warehousing bis hin zur BI-Plattform und der nötigen CPM-Suite. Erst bei noch genauerer Betrachtung lassen sich Unterschiede der Strategien erkennen. Microsoft entwickelt selbst, Oracle kauft Hyperion trotz großer funktionaler Überlappungen der früheren Siebel-Analytics-Übernahme und SAP gesteht mit der Business-Objects-Akquisition indirekt Schwächen bei SAP BW ein. IBM wagt sich sogar auf für sie gänzlich neues Terrain, hat aber mit den Lösungen des 2006 übernommenen ETL-Anbieters Ascential, der Websphere-Familie und jetzt Cognos ebenfalls ein rundes Angebot in petto. Allerdings birgt gerade dieser »One-Stop-Shopping«-Ansatz auch Risiken, die vor allem in der Abhängigkeit von den einzelnen Komplettanbietern und der Abschottung einzelner BI-Welten bestehen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass die genannten Unternehmen selbst nur wenig Erfahrung mit BI-Projekten haben und die milliardenschweren Zukäufe zuerst einmal verdauen beziehungsweise die erworbene Technologie in ihre Produkte einbinden müssen. Hinzu kommt, dass eine noch stärkere Ausrichtung der Produktplattformen auf große Konzerne viele Firmen aus dem Mittelstand außen vor lassen wird.

Alternativen zu den monolithischen Suiten.

Vor diesem Hintergrund bietet die integrierte Strategie der Großen auch weiterhin gute Chancen für die verbliebenen BI-Spezialisten und innovative neue Lösungen, die nicht unbedingt eine Serverfarm voraussetzen. Technologien wie Web Services oder serviceorientierte Architekturen eignen sich hervorragend, um offene Plattformen zu realisieren, und werden von den meisten unabhängigen Anbietern auch präferiert. So lassen sich individuelle »BI-Stacks« zusammensetzen, die von der Datenintegration über die Bewirtschaftung eines Data Warehouse bis hin zu Analyse und Reporting alle Facetten abdecken. Hier zu nennen wären Firmen wie Teradata, SAS Institute, Informatica oder auch kleinere Anbieter wie Board MIT, Cubeware oder Bissantz.

Um das Investitionsrisiko so minimal wie möglich zu halten, beschäftigen sich viele Unternehmen im BI-Bereich mittlerweile auch mit Open-Source-Produkten. Das Open-Source-Segment im Business-Intelligence-Markt ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und gereift und inzwischen stellt quelloffene Software gerade für den Mittelstand eine ernst zu nehmende Alternative dar. Dieser Markt hat mehr oder weniger ausgereifte Lösungen und spannende Entwicklungsaussichten parat: ein geradezu klassisches Produkt aus diesem Umfeld ist die Datenbanklösung MySQL, die wiederum gerade von Sun Microsystems übernommen wurde. Das gegenwärtig umfangreichste BI-Komplettpaket bietet Pentaho, das zahlreiche Einzellösungen zu einer Suite gebündelt hat. Interessant ist auch der Ansatz des Commercial-Open-Source, den unter anderem Jedox mit seinem Palo-Server verfolgt. Hier ist die Basis-Software frei und offen erhältlich, aber ergänzende, professionelle Tools und Consulting kosten extra. Open-Source-Software im Rahmen von BI-Projekten positioniert sich somit als alternatives aber durchaus kommerzielles Geschäftsmodell zum herkömmlichen Lizenzkauf beziehungsweise zur Lizenzmiete.

Eine weitere, spannende Alternative eröffnet sich aktuell unter dem Stichwort »Software as a Service« (SaaS), also der Bereitstellung von Unternehmensanwendungen über eine Webseite und nach Bedarf, also »On demand«. In Analystenkreisen gilt SaaS als einer der wachstumsstärksten Bereiche in der IT. Immer mehr Anbieter nutzen diesen Weg und stellen den Kunden damit ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung. Aktuell fördert eine Suche auf dem führenden SaaS-Dienst von Salesforce.com, App Exchange, immerhin 191 Business-Intelligence-Lösungen zutage, darunter bekannte Namen wie Crystal Reports, Cognos, Informatica oder Lucid Era, die ihre Lösungen über die Salesforce-Plattform anbieten.

Vielfalt wird auch in Zukunft regieren.

Der BI-Markt ist momentan gleichermaßen von Konzentration und wachsender Vielfalt geprägt – das ist nur scheinbar ein Widerspruch: Die Big Player werden voraussichtlich den Markt für die Business-Installationen weitgehend unter sich aufteilen, indem sie BI als Zusatzoption für ihre prozessorientierten Lösungen (ERP, CRM, SCM, HR) anbieten. Die reinen BI-Player hingegen werden weiterhin ihre Stärken in einem Teilmarkt ausspielen, der BI als Querschnittsfunktion anbietet, vollkommen unabhängig vom Business in dem diese genutzt werden. Welche Rolle neue Ansätze wie Open Source oder SaaS in der zukünftigen BI-Welt spielen werden, ist noch unklar. Für die Kunden ist es aber positiv zu beurteilen, dass es auch zukünftig mit Sicherheit zahlreiche Alternativen geben wird, die auch vollkommen unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Jan-Henrik Fischer

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Jan-Henrik Fischer, Solution Manager Business Intelligence bei der Trivadis GmbH

 

 

Ausprägungen

Quelle: Trivadis

Einteilung der Anwendungsgebiete Datenintegration, Data Warehouse, Business-Intelligence-Plattformen und Corporate-Performance-Suiten.

 

 

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