20080708zm Bebit SaaS und die Folgen

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Software as a Service (SaaS)

SaaS und die Folgen

An dem Konzept Software as a Service (SaaS) scheiden sich die Geister. Befürworter erkennen darin das Betriebskonzept der Zukunft und postulieren das Ende unseres heutigen Umgangs mit IT. Andere Stimmen reden vom Wein in alten Schläuchen und verweisen auf den mageren Erfolg des ASP (Application Service Providing)-Modells. Wie so häufig im Leben liegt die Wahrheit in der Mitte. SaaS wird künftig für ausgewählte Aufgaben eine Betriebs- und Bezugsoption, die Einzug in die allgemeine IT-Steuerung eines Unternehmens findet. Sie ergänzt die bisherigen Betriebskonzepte und Outsourcing-Leistungen um eine weitere Option.

 

S

oftware as a Service (SaaS) wird von vielen Beratern und Analysten als das Software-Liefermodell der Zukunft bezeichnet wird. Die Erfolgsgeschichten von Salesforce oder die Aktivitäten renommierter Hersteller, allen voran SAP, seit Neuestem aber auch Microsoft, unterstreichen vordergründig diesen Eindruck. Der traditionelle Eigen- oder Outsourcing-Betrieb wird von interessierter Seite schon als Auslaufmodell geschmäht. Unbescheiden behauptet Saleforce auf der eigenen Web-Präsenz »Organisationen... laufen in Scharen zum Modell der On-Demand-Geschäftslösungen über«.

Der Markt für SaaS

Ungeachtet des öffentlichen Interesses haben diese »Scharen« im Markt allerdings noch keine tiefen Spuren hinterlassen. Im Gegenteil. Denn nach Schätzung der Experton Group betrug das Gesamtvolumen des SaaS-Marktes in Deutschland 2007 nur circa 270 Millionen Euro. Da der Software-Gesamtmarkt auf 18,8 Milliarden Euro veranschlagt wurde, betrug der Marktanteil bescheidene 1,5 Prozent. Und das Marktvolumen einer bewährten Form des Fremdbezugs von IT-Dienstleistern, dem Business Process Outsourcing (BPO), wird von den Marktbeobachtern des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants aktuell auf gut 2,5 Milliarden Euro beziffert. Fairerweise muss noch bemerkt werden, dass die Experton-Analysten für SaaS ein Plus von mindestens 30 Prozent Wachstum im Jahr erwarten. Die Spuren werden zumindest in der Perspektive tiefer.

Differenzierte Betrachtung von SaaS

Es lohnt sich also, das SaaS-Modell einmal einer differenzierenden Betrachtung zu unterziehen. Die Protagonisten werben zum Teil damit, dass im Unterschied zum Eigenbetrieb keine Soft- oder Hardware gekauft, installiert und gewartet muss. Die Anwender müssen nicht zu Beginn tief in die Tasche greifen, sondern können die Leistung flexibel unter verschiedenen Angeboten nach ihren Bedarf zu sprungfixen (intervallfixen) Kosten beziehen. Dieser Weg schont zum einen die Liquidität und öffnet den Unternehmen Freiraum zur Fokussierung auf das eigene Kerngeschäft. Der Aufwand für eigene Administratoren, Fachkräfte oder Systemspezialisten entfällt. Zugleich profitiert man von dem technischen Know-how des Betreibers.

Saas kontra BPO

Die Vorteile sind nachvollziehbar. Sie sind zum Großteil jedoch nicht originär mit dem SaaS-Modell verbunden, sondern gelten ebenso für das traditionelle Outsourcing beziehungsweise Business Process Outsourcing. Andererseits unterscheiden sich Outsourcing und SaaS zum Teil gravierend. Etwas zugespitzt ausgedrückt, lässt sich Outsourcing als vertrauensvolle Partnerschaft zwischen zwei Unternehmen auf Augenhöhe definieren, während es sich bei SaaS um den reinen Bezug einer Dienstleistung handelt. Die Leistungen eines Outsourcers sind in der Regel sehr viel individueller auf den Bedarf des nachfragenden Unternehmens zugeschnitten und adressieren explizit strategische Lösungsanforderungen der Anwender. Aus diesem Grund  wird die Partnerschaft über einen längeren Vertragszeitraum geschlossen, während SaaS-Anbieter die Kürze der Bindung häufig noch als Vorteil bewerben. Zusätzlich lassen sich Leistungen eines Outsourcers sehr viel passgenauer an die Bedürfnisse eines Unternehmens ausrichten – bis hin zur Komplettübernahme der Verantwortung für den Infrastrukturbetrieb. Im Unterschied dazu verbleibt die Administration der Arbeitsplatz-Infrastruktur beziehungsweise der Zugangssysteme zu SaaS-Lösungen ungeachtet des Argumentes »keine Soft- oder Hardware« zunächst einmal in den Händen des Anwenders.

Keineswegs aus den Augen verlieren sollte man im Rahmen der Diskussion über das Für und Wider von SaaS, dass die IT selbst für Unternehmen eine hochkomplexe Aufgabe mit höchst unterschiedlichen Facetten ist und bleibt. In nahezu jedem Unternehmen existiert ein Stückchen IT beziehungsweise Software, das für den Marktauftritt und die Wettbewerbstärke entscheidend ist. Andere Bestandteile sind wiederum Commodity und bieten sich für den Bezug nach dem SaaS-Modell an. Beispielsweise ähneln sich die Funktionen und Prozesse hinter einer Textverarbeitung oder einer Vertriebssteuerung in vielen Firmen, was vielleicht auch den Erfolg von Salesforce begründet. Andererseits verlangen Fachabteilungen, dass ihre individuellen Geschäftsprozesse unterstützt werden. Der IT-Dienstleister muss über ausgewiesene Skills verfügen, um als Partner den Anwendern sach- und fachgerecht zur Seite zu stehen. Das umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Unternehmens-IT, von der Analyse und Konzeption über die Installation bis hin zum Betrieb und Monitoring. Eine solche Dienstleistung ist eindeutig komplexer als das simple Bereitstellen von Anwendungen.

Wie jeder gute Kaufmann sollten sich die Verantwortlichen in den Unternehmen auch künftig in ihrer Entscheidung zum Betriebskonzept in der IT von den Gesichtspunkten strategische Bedeutung, Effizienz und Kosten leiten lassen. Sie sind in jedem Fall gut beraten, das betriebswirtschaftlich-organisatorische Entscheidungs- und Steuerungsmanagement im eigenen Hause zu bewahren.

Mischformen

Etwas anders gestaltet sich die Situation bei dem Punkt sicherer, effizienter und hochverfügbarer Betrieb der IT-Infrastruktur. Hier spielen technische Skills und Skalierungseffekte eine entscheidende Rolle. Gerade mittelständischen Unternehmen ist es aus finanziellen und personellen Gründen nicht möglich, das notwendige Know-how in der IT zu neuen Themen wie Microsoft Vista, SOA, Interoperabilität, Internet-Sicherheit u.ä aufzubauen und aktuell zu halten. Anstatt sich mit diesen Themen zu plagen, können die Unternehmen sich voll auf die eigenen Kernprozesse konzentrieren. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass IT-Dienstleister ihr BPO- und Outsourcing-Angebot durch das Einbinden oder den Eigenbetrieb von SaaS-Services abrunden. Gemeinsam mit den Kunden wird dann analysiert, welche Form des IT-Betriebs für welche Aufgaben am besten zu seinen Leistungsanforderungen passt. Dies kann dann durchaus zu einer Mischform führen mit einem eigenen SAP-Rechenzentrum für die betriebswirtschaftlich-logistischen Prozesse, einer BPO-Partnerschaft für die Aufgabe des Personalmanagements und der Steuerung des Außendienstes einschließlich Absatzanalyse und Prognose im SaaS-Bezugsmodell.

Thomas Rieg

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Thomas Rieg, Leiter IT Services bei bebit Informationstechnik GmbH, Mannheim

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