20080910k Nyenrode Business University Data Governance für mehr Datenqualität

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Data Governance in deutschen Unternehmen

Weiterbildung für mehr Datenqualität

Während in den USA so genannte »Data Stewards« für eine hohe Datenqualität in einigen Unternehmen sorgen, sucht man in vielen deutschen Firmen solche Mitarbeiter noch vergebens. Ein neues Weiterbildungsangebot soll hier nun Abhilfe schaffen.

 

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Data Governance schützt Unternehmensinformationen, hilft gesetzliche Auflagen zu erfüllen, verbessert die Datenqualität – und eröffnet so letztlich auch neue geschäftliche Möglichkeiten.« Das sagt einer, der es wissen muss. Denn Professor Dr. Peter Chamoni unterrichtet nicht nur im Fachbereich Betriebswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, sondern befasst sich auch als Präsident des »Data Warehousing Institute« (TDWI) umfassend mit dem Thema Data Governance. Prof. Dr. Robert Winter vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen in der Schweiz ist der gleichen Meinung und fordert ein Umdenken in den Chefetagen deutscher Betriebe: »Wichtig ist es, dass unternehmensweit Strukturen und Abläufe geschaffen werden, die einen einheitlichen und sorgfältigen Umgang mit Daten festlegen«, so der Wissenschaftler.

 

Firewall: Ohne saubere Datensätze kein Geschäftserfolg. Quelle: Human Inference

 

Denn was nützt es, wenn bereits bei der Eingabe neuer Kundenkontakte wichtige Details fehlen oder verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Daten hantieren? »Nur auf der Basis von validen und qualitätsgesicherten Informationen lassen sich die richtigen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen treffen«, ist der Wirtschaftsinformatiker überzeugt. Und: ».Eine Vernachlässigung der qualitätssichernden Prozesse bei Datenhaltung und Datenintegration kostet letztlich mehr als ein systematisches Datenqualitätsmanagement.«

Schließlich kann mangelhafte Datenqualität schnell gefährliche Folgen haben, wie mehrere Beispiele in letzter Zeit deutlich gemacht haben. Und zwar nicht nur im Vertrieb, wo fehlerhafte Informationen zu unzufriedenen Kunden, exzessiven Portogebühren und Umsatzausfällen führen. Datenverschmutzung verursacht auch teure Fehlbestände im Lager, bringt IT-Projekte zum Scheitern, erschwert die Einhaltung von Compliance-Vorgaben und kann so letztlich sogar dazu führen, dass die Unternehmensbilanz verfälscht wird. »Letzteres ist tatsächlich fatal, denn derartige Fehler können mit empfindlichen Geldbußen und sogar Gefängnisaufenthalten geahndet werden«, warnt denn auch Andreas Bitterer vom Beratungsunternehmen Gartner.

Erfolgreiches Weiterbildungsprogramm

Kein Wunder also, dass das Thema Datenqualität inzwischen vielerorts zur Chefsache erklärt wird. »Immer mehr Unternehmen und Organisationen erkennen den Stellenwert von Daten- und Informationsqualität als entscheidenden Wettbewerbsvorteil«, hat Prof. Winter beobachtet. Mit der Umsetzung hapere es allerdings an vielen Stellen noch und deshalb biete das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen gemeinsam mit dem niederländischen Softwarespezialisten Human Inference nun ein Weiterbildungsprogramm an, das hier Abhilfe schaffen soll. Die »Masterclass Data Quality Management« war in den Niederlanden bereits sehr erfolgreich und soll nun auch Unternehmen im deutschsprachigen Raum helfen, ihre Datenqualität zu verbessern, indem sie die zentralen Themen des Datenqualitätsmanagements praxisorientiert vermittelt. »Hierzu gehören die Betrachtung von fundamentalen Qualitätskriterien ebenso wie die Messung von Qualität sowie rechtliche, technologische und betriebswirtschaftliche Perspektiven«, erläutert Holger Wandt, Sprachwissenschaftler und Principal Advisor bei Human Inference.

Das viertägige Weiterbildungsprogramm der »Meisterklasse« soll Teilnehmern und Teilnehmerinnen helfen:

  • Die Grundlagen der Daten- und Informationsqualität zu verstehen,
  • Potenziale hoher Daten- und Informationsqualität zu erkennen,
  • Einblicke in die effektive Organisation der Datenqualität zu gewinnen,
  • die Differenz zwischen Investitionen in Datenqualitätsprojekte und des zu erwartenden Ertrages zu kalkulieren,
  • den Ertrag aus Datenqualitätsinitiativen zu steigern sowie
  • Methoden zu entwickeln und Anwendungen zu nutzen, um die Daten- und Informationsqualität im Unternehmen zu verbessern.

In zwei praxisbezogenen Modulen von jeweils zwei Tagen Dauer zeigt die »Meisterklasse«, wie gehobene Datenqualität das Kundenbeziehungsmanagement stärkt, interne Arbeitsprozesse verschlankt und in die eigene Geschäftsstrategie integriert werden kann. Das ist wichtig: »Schließlich kann die theoretische und praxisorientierte Betrachtung des Datenqualitätsmanagements nicht genug Aufmerksamkeit erfahren«, verdeutlicht Prof. Dr. Winter, der das Weiterbildungsprogramm maßgeblich mitentwickelte.

Wachsender Bedarf

Wie Recht die Wissenschaftler mit ihrer Initiative haben, belegen die Ergebnisse einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Informations- und Datenqualität (DGIQ e.V.). Demnach bezeichnen rund 90 Prozent der Verantwortlichen in den deutschen Unternehmen die Datenqualität grundsätzlich als einen zentralen Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor. 41,5 Prozent der Befragten sagen sogar, sie habe »sehr große« Bedeutung für ihre Arbeit. »Und trotzdem wird das Thema in etlichen Unternehmen sträflich vernachlässigt«, so Holger Wandt. So ist in fast 50 Prozent der Betriebe bis heute nicht klar geregelt, welche Rolle ein Beauftragter für Datenqualität überhaupt spielen soll. Einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, der/die sich dem Thema mit ganzer Kraft widmet, sucht man ebenfalls allzu häufig vergebens.

Auch der Einsatz von Werkzeugen für das Datenqualitätsmanagement ist heute noch eher die Ausnahme. »Doch die Sensibilität für das Thema wächst«, ist Wandt überzeugt. Denn auch wenn laut DGIQ-Studie heute in 61 Prozent der befragten Unternehmen keine entsprechenden Produkte zum Einsatz kommen, bekräftigten doch immerhin 87 Prozent der Firmen, künftig mehr in das Thema Datenqualität investieren zu wollen. Kein Wunder also, dass Human Inference und die Universität St. Gallen mit ihrem Weiterbildungsprogramm offene Türen einrennen. »Der Bedarf ist auch im deutschsprachigen Raum da«, freut sich Holger Wandt, der als Studienleiter das Programm in den Niederlanden seit über fünf Jahren begleitet.

Denn angesichts strenger Compliance-Vorgaben, wachsenden Wettbewerbs und fortschreitender Globalisierung spüren die Unternehmen den enormen Einfluss der Datenqualität auf ihre strategischen Entscheidungen immer mehr. »Alle wissen um die Bedeutung des Themas, allein es fehlt an praktischen Kenntnissen, wie eine unternehmensweite Data Governance umzusetzen ist«, vermutet TDWI-Präsident Prof. Dr. Peter Chamoni. Genau dies soll nun ab November 2008 die »Meisterklasse Datenqualitätsmanagement« an der Universität St. Gallen vermitteln.

Yvonne Giebels

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Yvonne Giebels ist freie Journalistin in Düsseldorf.

 

Gemeinsam mit Human Inference bietet die Universität St. Gallen eine „Masterclass Data Quality Management“ an.

Quelle: Universität St. Gallen

 

 

 

 

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