20080910m Siemens City Management für Städte im Wandel

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City Management-Lösungen als Basis für Wirtschaftlichkeit und Wachstum

Städte im Wandel: Das Gleichgewicht finden

Demografischer Wandel und zunehmende Urbanisierung beschäftigen die Megacitys und Großstädte des 21. Jahrhunderts. Aber egal ob Buenos Aires oder Berlin, Lagos oder London, Mexiko-Stadt oder Mumbai, für die Menschen sind meist die gleichen Aspekte wichtig: zuverlässige Infrastrukturen für Transport, Verkehr und Energie, eine effizient arbeitende Verwaltung sowie ein Höchstmaß an Sicherheit und eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Innovative Infrastruktur-Lösungen und neue Governance-Konzepte spielen dabei die Hauptrolle.

 

N

icht jede Stadt mit ein paar Millionen Einwohnern ist gleich eine Megacity. Dieser Titel gebührt laut den Vereinten Nationen nur Städten mit mehr als 10 Millionen Bürgern. Dennoch lebt jeder zehnte Stadtbewohner weltweit heute schon in einer Megacity und jeder zweite Mensch generell in einer Stadt.

Was die Millionen-Metropolen von heute auszeichnet: Sie sind nicht nur größer als die Großstädte des 20. Jahrhunderts, sie sind vor allem viel komplexer. Hinzu kommt, dass sie ständig im Wettbewerb mit anderen Städten stehen und gleichzeitig abhängig von ihnen sind. Neue Stadtregionen schießen wie Pilze über die Ballungsgebiete hinaus aus dem Boden. Das hat eine neue Stadtdynamik zur Folge, unter anderem zahllose Pendler und dicht bevölkerte Randbezirke, die sich im schlimmsten Falle zu Slums entwickeln. Die derzeit noch stark untergliederten Verwaltungssysteme können mit dieser Entwicklung schon lange nicht mehr Schritt halten. Hier sind effiziente und ganzheitliche Konzepte für sämtliche infrastrukturellen Aufgaben gefragt.

 

Das Auto: In vielen Ländern ein Statussymbol, für die meisten Menschen aber unverzichtbar, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu kommen. Angesichts rasant steigender Neuzulassungen bei Pkw gilt es, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen – insbesondere, um die Umwelt zu schonen. (Quelle: Siemens)

 

Verkehr: Das Wachstum langfristig bewältigen

Verstopfte Straßen und Züge, überfüllte Bahnhöfe und Flughäfen treffen alle gesellschaftlichen Ebenen. Aus diesen Gründen gehört der Verkehr zu den dringendsten Problemen in den urbanen Ballungsgebieten. Haben doch die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer beim öffentlichen Personennahverkehr – wenn überhaupt – eine veraltete und teils marode Infrastruktur, die alles andere als Vertrauen erweckend ist.

Klaus Heidinger, Leiter des Center of Competence (CoC) für City-Management in Singapur bei Siemens IT Solutions and Services, weiß, worauf es ankommt: »Der öffentliche Nahverkehr muss eindeutig attraktiver werden, bevor es zu einem finalen Verkehrskollaps in den Städten kommt. Dieses Ziel verfolgen wir auch mit unseren Aktivitäten und dem Center of Competence für City-Management in Singapur. Zum Beispiel könnten wir uns vorstellen, intelligente Informationen wie etwa Angaben zu Fahrtdauern von der Innenstadt bis an den Flughafen via Bahn, Bus oder Auto dem Bürger direkt auf sein Handy zu schicken. Damit kann er den für sich bequemsten, schnellsten oder auch günstigsten Weg auswählen.«

Umweltverträgliche Nahverkehrslösungen sind also das Gebot der Stunde, der Investitionsbedarf dafür ist aber immens. Meist aber herrscht ein Mangel an Ressourcen, sprich an Geld, um diesen Bedarf zu füllen. An dieser Stelle setzen ausgeklügelte Finanzierungslösungen an, etwa von Siemens Financial Services. Gemeinsam mit den anderen Siemens Business Units wie etwa Siemens IT Solutions and Services oder Building Technologies werden dem Kunden Stadt zukunftsfähige Gesamtlösungen bereit gestellt. Diese helfen nicht nur dabei, die Probleme praktisch anzugehen, sondern sichern gleichzeitig auch deren Finanzierung – garantierte Einsparungen inklusive.

 

 

Das Urban Age des 21. Jahrhunderts hat längst begonnen. Damit die Infrastruktur der Städte mit den stetig steigenden Einwohnerzahlen Schritt halten kann, sind hohe Investitionen und schlüssige Gesamtkonzepte gefragt. Siemens kennt die Anforderungen und hat das passende Portfolio entwickelt. (Quelle: Siemens)

 

»Eine zukunftsfähige Lösung könnten beispielsweise Maut-Systeme nach dem Londoner Vorbild sein. Die hohen Gebühren schrecken viele Autofahrer ab, in die Innenstadtzonen zu fahren. Die Luftqualität in Englands Hauptstadt hat sich inzwischen entscheidend verbessert und auch die Anzahl der Staus hat sich um rund 30 Prozent verringert, inklusive reduzierter Abgasausstöße und Verkehrsunfälle. Intelligente Parkleitsysteme, die den Parkplatzsuchenden schnell und eindeutig zu einem freien Stellplatz führen, sind eine weitere Möglichkeit, das große Verkehrsaufkommen in den Griff zu bekommen«, sagt Heidinger.

Die Ressource Wasser schonen

Neben den Blechlawinen auf der Straße und der verschmutzten Luft beschäftigt auch das Thema Wasser die Städte – sei es bei der Gewinnung, Aufbereitung, Bereitstellung oder dem Recycling. Insbesondere der Zugang zu sauberem Wasser und ein funktionierendes Abwassersystem entscheiden immer über die Gesundheit einer Bevölkerung und die Lebensperspektiven des Einzelnen. Dass die Ressource Wasser begrenzt ist, merken heute nicht nur die Menschen in afrikanischen Wüstengebieten. Auch in Nordamerika oder Spanien gibt es im Sommer mittlerweile Durststrecken, während derer Wasser nur rationiert und nur für bestimmte Zwecke verwendet werden darf. Dann gilt etwa ein generelles Rasenspreng- und Autowaschverbot, denn der Gebrauch von Wasser für Nahrungs- und Hygienezwecke hat eindeutig Vorrang. Zur Versorgungsthematik kommt erschwerend hinzu, dass das Wasser aus der Leitung auch gesundheitliche und hygienische Maßstäbe erfüllen muss. Das ist selbst in den hochentwickelten Industrienationen nicht immer der Fall.

In den ligurischen Städten Santa Margherita und Portofino lassen die Verantwortlichen inzwischen Taten sprechen. Um dem durch Tourismus saisonal schwankenden Abwasseraufkommen und den geforderten EU-Standards bezüglich der Abwasserqualität gerecht zu werden, wurde dort mit Unterstützung von Siemens eine Abwasseraufbereitungsanlage mit Membran-Bioreaktor (MBR)-System gebaut. Als MBR bezeichnet man die Kombination einer biologischen Einheit mit einem Membrantrennverfahren. Damit entfallen die in der Abwasserreinigung üblichen Nachklärbecken. Nachgeschaltete Sedimentierungs-, Filtrations- und Desinfektionsstufen sind nicht mehr erforderlich. So ist nicht nur die klassische Aufarbeitung von Abwasser möglich, sondern auch das Recycling des behandelten Wassers. Letzteres kann guten Gewissens verwendet werden, zum Beispiel zur Bewässerung in der Landwirtschaft. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2009 geplant.

Das Center of Competence für City-Management von Siemens in Singapur – eine der modernsten und saubersten Städte weltweit. (Quelle: Siemens)

 

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde

Ein weiterer wichtiger Aspekt: der große globale Energiehunger. So wird sich von 2002 bis 2030 der Energiebedarf der Welt laut der Internationalen Energieagentur (IEA) verdoppeln. Diesen Anstieg verdanken wir größtenteils dem Weltbevölkerungswachstum von heute rund sechs Milliarden auf dann zirka zehn Milliarden Menschen sowie dem wirtschaftlichen Nachholbedarf in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Während der Energiebedarf in Ländern wie Indien und China das Angebot übersteigt und dem Thema große Wichtigkeit beigemessen wird, hält sich das Interesse in den entwickelten Ländern in Grenzen.

In Deutschland sieht Michael Rapp, Vice President Sales and Marketing für den öffentlichen Sektor bei Siemens, beim City-Management ganz andere Schwerpunkte als etwa in den USA oder China. Während diese Länder oft mit Problemen wie Stromausfall, Netzüberlastung oder veralteten Telefonleitungen kämpfen, liegt laut Rapp in Deutschland mit seinen hochentwickelten und modernen Infrastrukturen – insbesondere in den neuen Bundesländern – ein großes Potenzial vor allem bei Energiespar-Verträgen. Denn: Alte Heizanlagen, Billigbauweise und veraltete Vergaberichtlinien blasen in vielen Gebäuden einen Großteil der Energie im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft. Der Siemens-Manager kennt eine Möglichkeit, damit die wertvolle Energie nicht weiter sinnlos verpufft: »Generell haben wir festgestellt, dass alleine durch eine neue Klimaanlage und Heizung oder nur durch den Austausch der Leuchtmittel in vielen Fällen Einsparungen von bis zu 20 Prozent möglich sind.«

In London dürfen in der stadtweiten Low Emission Zone (LEZ) nur Transporter, Taxen oder Busse fahren, die eine bestimmte Abgasnorm erfüllen. (Quelle: Siemens)

 

Drinnen und draußen Strom sparen

Dass sich das Konzept auch für kleine kommunale Liegenschaften rechnet, die mit Energiespar-Contracting die Energiekosten drastisch senken und die CO2-Emissionen nachhaltig reduzieren, zeigt das Beispiel der Marktgemeinde Oberstdorf im Allgäu. Sie gilt mit knapp 10.000 Einwohnern als Vorreiter beim Klimaschutz. Das Rezept dafür heißt Poolbildung, denn damit können die Grundkosten des Energiespar-Contractings auf mehrere Gebäude verteilt werden. Der Luftkurort fasste Grundschule, Hauptschule, Gymnasium und Feuerwehrgerätehaus in einen Gebäudepool zusammen und machte daraus ein Vorzeigeprojekt für Gemeinden ähnlicher Größe.

Nach einer Grob- und Feinanalyse durch Energie-Ingenieure von Siemens schloss man einen Energiesparvertrag ab, der bei einer Gesamtlaufzeit von 14,3 Jahren der Marktgemeinde eine vertraglich gesicherte Energiekosteneinsparung von jährlich rund 27.500 Euro garantiert. Dem stehen Investitionskosten von rund 400.000 Euro für Modernisierungsmaßnahmen, Projektmanagement, Monitoring und Controlling gegenüber, die vollständig von Siemens übernommen werden und damit das Haushaltsbudget der Marktgemeinde mit keinem Cent belasten. Für Oberstdorf hat sich das Energiespar-Contracting-Projekt gleich in mehrfacher Hinsicht ausgezahlt: Durch die eingeleiteten Maßnahmen konnte der jährliche CO2-Ausstoß um rund 224 Tonnen gesenkt werden. Wäre die Gemeinde nicht aktiv geworden und hätte das Sanierungsproblem vor sich hergeschoben, würden durch die aktuellen Energiepreissteigerungen rund 80.000 Euro Mehrkosten anfallen. Nach einem Beschluss des Gemeinderates strebt die Marktgemeinde bis zum Jahr 2030 eine 100-prozentige Versorgung aus erneuerbaren Energien an, 2015 soll sie bereits bei 50 Prozent liegen.

Weiter südlich stieß das Konzept ebenfalls auf reges Interesse: So ließ die italienische Großbank UniCredit ihre Mailänder Zentrale im Rahmen eines Energiespar-Contracting von Siemens sanieren. Durch Modernisierungen unter anderem bei der Klima- und Lüftungsanlage konnte der Energieverbrauch um 2,3 Millionen kWh gesenkt und der CO2-Ausstoß um 2.800 Tonnen jährlich reduziert werden.

Schilder machen Autofahrer auf die Low Emission Zone in London aufmerksam. (Quelle: Siemens)

 

Technik hilft entscheidend bei der Gesundheitsversorgung

Die Einwohnerzahlen in den Städten steigen immer weiter, und die Menschen werden immer älter. Dazu beigetragen hat vor allem die sich ständig verbessernde gesundheitliche und medizinische Versorgung. So ist die Überalterung in den Städten eines der gravierendsten Probleme, das in den nächsten zwanzig Jahren weltweit noch spür- und sichtbarer sein wird als heute. »In Japan beispielsweise ist die Alterungspyramide heute schon bei dem Stand angelangt, den wir in Deutschland erst in den nächsten beiden Jahrzehnten erreichen werden«, prognostiziert Rapp. Seit 2005 schrumpft dort die Bevölkerung, und zwar schneller als in anderen Industriestaaten. Gleichzeitig nimmt der Anteil von Rentnern an der Gesamtbevölkerung rasant zu. Bereits über 20 Prozent sind älter als 65 Jahre. Einschneidende Reformen der sozialen Sicherungssysteme werden immer dringlicher – eine Entwicklung, die sich auch in vielen europäischen Ländern deutlich abzeichnet.

Die Gründe für eine mangelhafte oder nichtexistente Versorgung sind vielschichtig: Während in den führenden Industriestaaten fehlende Kapazitäten und ineffiziente Abläufe die Folge von Kostendruck und Einsparungszwängen sind, fehlen in den aufstrebenden und sich erst noch entwickelnden Städten überhaupt die notwendigen Infrastrukturen und Investitionen.

Vor allem bei der Behandlung von Patienten und der Verwaltung von Unterlagen und Informationen spielt die IT im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle. Elektronische Patientenunterlagen, wie etwa die brieftaschengroße elektronische Gesundheitskarte in Sao Paulo, speichern die medizinischen Daten der Patienten und können von Krankenhaus zu Krankenhaus einfach in die Hand und mitgenommen werden. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Technik vorhanden ist, die Zusammenarbeit der vielen unterschiedlichen Gruppen in den meist riesigen Projekten sich aber problematisch gestalten kann. 

Sauberes Trinkwasser und eine moderne Abwasseraufbereitung sind entscheidend für Wirtschaftlichkeit, Wachstum und Wohlstand. Quelle: Siemens)

 

Bessere Städte brauchen eine bessere Governance

Mehr denn je fordern Wirtschaft und Bewohner in Städten und urbanen Ballungsräumen transparente und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Services und damit effiziente Verwaltungsprozesse. Um den jeweiligen Anforderungen an Kunden- und Service-Orientierung gerecht zu werden, erarbeitet Siemens für Städte Lösungen in den Bereichen E-Administration und New Public Management. Was die Entwicklung in Sachen E-Government derzeit zusätzlich treibt, sind in Deutschland zum einen die EU-Dienstleistungsrichtlinie und zum anderen das Projekt D115: Sie werden die öffentliche Verwaltung grundlegend verändern. Die obligatorische Einrichtung einer elektronischen Verfahrensabwicklung und die Installation einheitlicher Ansprechpartner bietet eine Chance, Behörden zu modernisieren und E-Government einen großen Schritt voranzubringen.

Um neben den IT-Spezialisten auch Ressourcen aufzubauen, die genau wissen, wie der Kunde »Stadt« tickt, hat Siemens im Herbst 2007 in Singapur das Center of Competence für City-Management ins Leben gerufen. Die Entscheidung fiel unter anderem auf Singapur, da die Stadt derzeit als Paradebeispiel für eine moderne und effizient arbeitende Stadtverwaltung gilt. Dort sollen in den nächsten Jahren Lösungen entstehen, die sich mit den Problemen der Städte des 21. Jahrhunderts beschäftigen. »Im Vordergrund stehen dabei drei Themen: öffentliche Verwaltung, öffentliche Sicherheit und öffentliche Infrastrukturen«, sagt Heidinger.

Die unendlichen Weiten der öffentlichen Verwaltung beherrschen

Die Verwaltung zu optimieren, das haben sich die Verantwortlichen auf die Fahne geschrieben. Dabei gilt es, an erster Stelle besser zu planen und damit gleichzeitig gezielter zu investieren. Der Ruf nach einer vollständigen Neuordnung der städtischen Managementstrukturen kommt nicht von ungefähr. Die komplexen Metropolregionen und die dahinter liegenden Verwaltungsstrukturen müssen dringend überarbeitet, modernisiert und den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Außerdem sind innovative Finanzierungsstrategien notwendig – Stichwort Public Private Partnership (PPP) –, um die notwendigen infrastrukturellen Investitionen anzukurbeln.

Vom allgemeinen Konsens bis zur praktischen Umsetzung ist es aber noch ein weiter Weg. Dafür müssen die Städte vor allem einen Wandel von der passiven Verwaltung bestehender Angebote und Infrastrukturen hin zu einem aktiven Management mit höherer Effizienz und messbaren Ergebnissen vollziehen. Und dies kann nur mit neuen Instrumenten und Methoden des City Managements bewältigt werden.

Sarah Meixner

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Sarah Meixner ist Fachjournalistin in München

 

 

Michael Rapp, Vice President Sales and Marketing für den öffentlichen Sektor bei Siemens.

(Quelle: Siemens)

 

Klaus Heidinger, Leiter des Center of Competence für City-Management in Singapur, Siemens IT Solutions and Services.

(Quelle: Siemens)

 

 

 

 

 

 
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