20080910n Siemens IT SaS Metropolitan Security

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Sicherheit in Megacitys

Schutzbedürftige Riesen

Mit mehreren Millionen Einwohnern sind die Großstädte dieser Welt Schmelztiegel für unterschiedlichste Gruppierungen, Schauplatz von Verbrechen und anfällig für vielfältige Bedrohungen. Es liegt also in der Natur der Sache, dass Einwohner von Megacitys ein besonderes Sicherheitsbedürfnis haben. Deshalb soll moderne Sicherheitstechnik Gefahrensituationen möglichst schon im Vorfeld verhindern und im Ernstfall ein schnelles Eingreifen ermöglichen.

 

N

icht nur Naturkatastrophen und Terrorismus gefährden die Sicherheit von Städten und ihren Bewohnern, das Problem Nummer eins liegt weltweit im organisierten Verbrechen. Die Folgen sind schwerwiegend: Die Freiheit und Lebensqualität der Bürger werden eingeschränkt, Unternehmen unter Druck gesetzt, der Ruf der Städte geschädigt und Investoren ferngehalten. Für die meisten Metropolen hat deshalb das Thema Sicherheit höchste Priorität. Michael Rapp, Vice President Sales and Marketing für den Öffentlichen Sektor bei Siemens, sieht drei Trends, die den Investitionen in die Sicherheit noch weiter Auftrieb geben werden: »Erstens nehmen Größe und Unübersichtlichkeit der Städte massiv zu, zweitens wird die Gesellschaft immer mobiler und drittens birgt die wachsende Zahl von Großveranstaltungen ein enormes Sicherheitsrisiko.«

Sicherheit nach dem PPRR-Prinzip

Security-Maßnahmen setzen typischerweise auf vier Ebenen an:

- Prevent: die Verhinderung eines Ernstfalls durch biometrische Identifizierung oder Videoüberwachung
-
Protect: der momentane Schutz bei einem Ereignis, beispielsweise durch Auslösen eines Alarms oder eines Einbruchmelders
-
Respond: die Reaktion auf einen Vorfall wie etwa die Aktivitäten der Notfallzentrale und Koordination der Einsatzkräfte
-
Recover: alle Maßnahmen, um die Auswirkungen eines Ereignisses einzudämmen, zum Beispiel durch die Beweissuche in Videodaten

Geht es darum, Gefahrensituationen vorzubeugen, kommt der Identität von Bürgern eine wichtige Rolle zu. »Hinter natürlichen Personen stehen immer auch virtuelle Identitäten, die sicherheitsrelevante Informationen liefern können. So kann zum Beispiel ein bereits auffällig gewordener Hooligan schon im Vorfeld von einer Massenveranstaltung ausgeschlossen werden«, veranschaulicht Jörg Sauerbrey, Leiter Public Security bei Siemens IT Solutions and Services. Entscheidend dafür sind sichere Reisedokumente, die ihrem Besitzer anhand von biometrischen Daten eindeutig zugeordnet werden können. In Deutschland gibt es bereits seit 2005 den elektronischen Reisepass, der für die biometrische Gesichtserkennung geeignet ist. Ab 2010 soll auch der Personalausweis auf diese Sicherheitsstufe gehoben werden.

Videoüberwachung: »Big Brother is protecting you«

Einen Schritt weiter bei der Prävention geht die Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen sowie Nah- und Fernverkehr. Von Kritikern rigoros abgelehnt, von Befürwortern zum wirksamen Schutz erklärt, ist die Maßnahme nicht unumstritten. Viele Leute beschleicht bei dem Wort Videoüberwachung ein mulmiges Gefühl – die Bedenken reichen von der Verletzung der Privatsphäre bis hin zum Datenmissbrauch. Kein Wunder, beschwören doch Skeptiker bis heute immer wieder das Bild von Orwells »Big Brother« herauf. Dabei wissen die wenigsten Zweifler, welche Technologien und Speichermechanismen überhaupt dahinter stecken und welche Potenziale die Systeme bieten.

Grundsätzlich gibt es zwei Bereiche, in denen Überwachungssysteme zum Einsatz kommen: statistische Erhebungen und die Überwachung aus Sicherheitsgründen. Die statistischen Informationen geben darüber Auskunft, wie viele Menschen welche Wege nehmen, wo sie sich aufhalten, wo es zu Staus kommt und welche Orte stark frequentiert sind. Solche Daten sind immer anonym. Daraus lassen sich etwa Evakuierungs- oder Sicherheitsmaßnahmen wie verbreiterte Eingänge, eine zweite Rolltreppe oder bessere Fluchtwege ableiten.

Meist geht es bei der Überwachung von öffentlichen Plätzen oder in Verkehrsmitteln primär um die Sicherheit. Dabei müssen auffällige Situationen, Personen oder Objekte frühzeitig erkannt werden. Vom unberechtigten Betreten bestimmter Zonen und herrenlosen Koffern bis hin zu Überfällen oder terroristischen Akten können Sicherheitsleute eine kritische Situation schnell erfassen und entsprechend reagieren. Auch im Nachhinein kann die Videoaufzeichnung helfen, die Täter zu identifizieren. Die Möglichkeiten der Videoanalyse sind vielfältig und reichen von der Gesichts- über die Temperatur- und Nummernschilderkennung bis hin zur Analyse verdächtigen Verhaltens. 

Vom Sicherheits- zum Wohlfühlargument

Eines der am besten videoüberwachten Länder ist heute Großbritannien. Dort sind ungefähr 4,2 Millionen Kameras in Betrieb, das entspricht einem Gerät auf etwa 14 Einwohner. Allein im Iron-Ring von London überwachen 500.000 Kameras das tägliche Geschehen. Dabei handelt es sich um mehrere entkoppelte Systeme, die sich auf öffentliche Gebäude, Plätze oder Züge, Busse und U-Bahnen aufteilen. Neben solchen Maximal-Projekten lässt sich auch eine Vielzahl von Mini-Projekten in kleineren Städten beobachten, wie Thomas Niessen, Head Solution Management von Siemens Building Technologies, bestätigt: »Wir sehen im Moment den Trend, dass Stadtüberwachung ganz bewusst als Wohlfühlargument verwendet wird. Da wird selbst in kleinen Orten der Markplatz oder Bahnhof überwacht, um beispielsweise Jugendgruppen oder Randalierer zu verdrängen. Das geschieht nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern hat auch viel mit Lebensqualität zu tun.«

Ein weiteres Einsatzgebiet sind Großveranstaltungen. Wenn Zehntausende Menschen auf engem Raum bei Fußballspielen oder Konzerten feiern, dann stellt dies besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit. Die hier eingesetzten Videosysteme müssen für große Besucherströme geeignet sein und im Ernstfall gerichtsverwertbare Bilder liefern. Sicherheitsdienst und Feuerwehr sollten zu jedem Zeitpunkt einen optimalen Überblick über das Geschehen haben und schnell eingreifen können. Dazu ist neben den Kameras auch ein zuverlässiges Notfallsystem notwendig. »Wenn zudem Park- und Verkehrsleitsysteme, vielleicht sogar mit Nummernschilderkennung, für eine geordnete An- und Abreise sorgen, werden auch Massenveranstaltungen in punkto Sicherheit zum Erfolg – auch unabhängig vom Spielausgang«, sagt Niessen.

Menschen und Datenspeicher entlasten

»Generell sind wir vom völlig vernetzten System der Totalüberwachung weit entfernt. Momentan wird die Videoüberwachungstechnik vorwiegend reaktiv eingesetzt, das heißt, ein Vorfall wird im Nachhinein anhand der Bänder untersucht und bestenfalls schneller aufgeklärt«, erklärt Niessen. Um künftig Straftaten auch schon im Vorfeld erfolgreich zu verhindern, bedarf es intelligenter Systeme, die aus bestimmten Mustern, Szenarien oder Verhaltensweisen erkennen, was sich ereignen könnte. Die Herausforderung dabei sind die enormen Datenmengen, die auf normalem Wege kaum sinnvoll verwertbar sind.

Moderne Videosysteme lenken daher schon heute den Blick der Sicherheitskräfte auf das Wesentliche. Sie treffen eine Vorselektion aus der Datenflut und zeigen auf den Bildschirmen der Leitstellen nur die Bilder oder Informationen, die noch eine menschliche Bewertung erfordern. So lassen sich zum einen die normalen Aufmerksamkeitsdefizite der Sicherheitsleute umgehen und zum anderen Speicherraten deutlich reduzieren. »Nach den Sprengstoffattentaten in der Londoner U-Bahn sahen sich beispielsweise hunderte Beamte zwei Wochen lang die Videobänder an und werteten sie aus«, berichtet der Sicherheitsfachmann. »Automatisierte Systeme würden da erhebliche Verbesserungen bringen.«

Die Bildauswertung basiert auf unterschiedlichen mathematischen Algorithmen, die im Video nach bestimmten Mustern wie unbefugten Personen in Sperrgebieten, herrenlosen Gepäckstücken oder Nummernschildern suchen. Entscheidet das System, dass eine meldepflichtige Aktivität vorliegt, erscheint diese auf dem Bildschirm des Sicherheitspersonals und die Speicherung startet automatisch. Je nach Anforderungen ist neben dieser selektiven Aufnahme auch eine durchgängige Speicherung möglich. »Wichtig dabei ist, die Aufnahmetechnik entsprechend zu parametrieren, um beispielsweise einen Hund, einen Vogel oder andere harmlose Objekte nicht zu detektieren«, ergänzt Niessen.

Eine Frage des Augenmaßes: zwischen Datenschutz und Wirksamkeit

Nach wie vor umstritten ist die Wirkung der Videoüberwachung: Kaum ein Experte würde heute soweit gehen zu sagen, dass Kriminalität dadurch flächendeckend verhindert wird. In manchen Orten wie Hamburg sind die Straftaten sogar angestiegen. Auf der einen Seite spricht das gegen die abschreckende Wirkung der Kameras. Auf der anderen Seite wären womöglich diese Delikte ohne Überwachung gar nicht erst erkannt, geschweige denn aufgeklärt worden.

Auch Statistiken aus anderen Städten, in denen Straftaten in den überwachten Bereichen um 50 bis 70 Prozent abgenommen haben, zeigen nur die halbe Wahrheit. Denn bisher werden Straftaten vielmehr verdrängt: Der Drogendealer macht seine Geschäfte hinter der nächsten Mauer und der Taschendieb lauert um die Ecke. Dennoch: Aus bestimmten öffentlichen Bereichen können kriminelle Taten bewusst verbannt werden und damit fühlen sich die Menschen an diesen Stellen sicherer und wohler. Zugleich trägt die Technologie dazu bei, dass sich Verbrechen schneller aufklären lassen. Tatsächlich zeigen Erfahrungen aus Großbritannien, dass die Aufklärungsraten dort enorm gestiegen sind.

Im Fall des Falles: Emergency Management

Prävention ist die eine Sache, doch tritt erst einmal ein Notfall ein, gilt es, schnell zu handeln. Dabei ist es heute noch keine Selbstverständlichkeit, dass alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS, an einem Strang ziehen. Oft steht die fehlende oder unzureichende Koordination ihrer Aktivitäten einem schnellen und effizienten Notfalleinsatz im Weg. »Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, ist oft auch von der staatlichen Organisation der Länder abhängig«, weiß Romulo Leon, Vertriebsleiter bei Siemens IT Solutions and Services. »In föderalistischen Ländern wie Deutschland oder Spanien kann jede Region selbst entscheiden, welche Maßnahmen im Notfall zu treffen sind. Bei Ereignissen auf nationaler Ebene ist das eine enorme organisatorische Herausforderung.« Doch je komplexer das städtische Leben ist, desto schwieriger ist es im Detail, die unterschiedlichen Organisationen wie Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz zu koordinieren.

Gefragt sind deshalb auf lokaler, regionaler sowie nationaler Ebene integrierte Lösungen, die eine enge Kooperation der Einsatzkräfte erheblich erleichtern. Wichtigstes Thema ist in diesem Zusammenhang die Interoperabilität. Sie umfasst zum einen die Koordination der Aufgaben, zum anderen aber auch die Standardisierung von Prozessen und Vorgehensweisen. »Leitstellenlösungen müssen so gestaltet sein, dass jede Organisation zwar ihre Tätigkeiten unabhängig durchführen kann, aber auch genügend transparente Informationen weitergibt, um das Zusammenspiel aller am Einsatz beteiligten Organisationen zu optimieren«, betont Leon.

Zudem müssen die Leitstellenlösungen an Gesetze und europäische Standards, beispielsweise für die einheitliche europäische Notrufnummer 112, angepasst sein. Im Workflow ist zu beachten, wer welche Informationen bekommt, welche Daten an wen weiterzuleiten sind und wer überhaupt Entscheidungen treffen darf. Deshalb ist die geschäftliche Beratung der Institutionen wichtiger Teil eines Emergency-Management-Projektes.

Total vernetzt

Die Informationen von Kameras, Zugangskontrolleinrichtungen oder Notrufsäulen, laufen typischerweise in einer Leitstelle zusammen und werden nach oben immer weiter aggregiert, also nach Relevanz zusammengefasst. Alle Detektoren im Straßenverkehr sind beispielsweise über das Netzwerk auf der nächsthöheren Ebene zunächst an ein Verkehrsleitsystem angeschlossen. Alle Stadtüberwachungskameras sind mit der Sicherheitszentrale verbunden, Rauchdetektoren mit der Feuerwehrleitstelle oder Seniorennotrufsysteme wiederum mit dem Rettungsdienst. Diese Unterzentralen bilden die Managementebene.

Erst in den letzten Jahren begann man, auch diese Subsysteme zu integrieren und die Informationen daraus miteinander zu vernetzen. Über die Managementebene kam also noch eine weitere – die sogenannte C4I-Ebene (C4I = Command, Control, Communication, Computing, Intelligence). Niessen gibt ein Beispiel: »Eine Stadt verfügt beispielsweise über ein Verkehrsleitsystem für Ampelschaltungen und ein Dispositionssystem für Notfallfahrzeuge wie Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagen. Auf der C4I-Ebene können die Sicherheitskräfte beide Systeme verbinden und bei einem Polizeieinsatz alle Ampeln entlang der Strecke auf grün schalten.«

Zudem lassen sich auf dieser höchsten Ebene Simulationen durchführen und darüber bestimmte Automatismen für Krisenszenarien definieren. Die Einsatzzentrale kann beispielsweise bei einem Hochwasser errechnen, welche Auswirkungen es auf Verkehrswege und Nahverkehr hat, wo sich Staus ergeben oder wie lang die Sicherheitskräfte bis zum Einsatzort brauchen. Aus diesen Simulationen lassen sich dann ideale Strategien ableiten, was bei einem bestimmten Ereignis in welcher Reihenfolge geschehen soll. Diese festgelegten Regeln automatisieren und beschleunigen die Prozesse – ein Vorteil, der den Menschen in Notfallsituationen zugute kommt.

Jörg Sauerbrey, Thomas Niessen, Romulo Leon

 

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Jörg Sauerbrey, Leiter Public Security, Siemens IT Solutions and Services.

 

Thomas Niessen, Head Solution Management, Siemens Building Technologies

 

Romulo Leon, Vertriebsleiter, Siemens IT Solutions and Services

 

 

 

Mit Hilfe eines Emergency-Management-Systems können Rettungs- und Einsatzkräfte effektiv eingesetzt und der Verkehr optimal gesteuert werden. Die Bürger sind im Ernstfall mit schneller und gezielter Hilfe aus einer Hand versorgt.

(Quelle: Siemens IT Solutions and Services, 2008)

 

Mit mehreren Millionen Einwohnern sind Megacitys Schmelztiegel für unterschiedlichste Gruppierungen, Schauplatz von Verbrechen und anfällig für vielfältige Bedrohungen. Die fragilen Giganten haben deshalb ein besonderes Sicherheitsbedürfnis und Sicherheitsverständnis.

(Quelle: Siemens, 2008)

 

Die Informationen der Feldgeräte wie Kameras oder Notrufsäulen laufen in unterschiedlichen Leitstellen zusammen und werden nach Relevanz zunächst auf der Kontroll- und dann auf Managementebene zusammengefasst. Auf der übergeordneten C4I-Ebene (C4I = Command, Control, Communication, Computing, Intelligence) sind alle Informationen miteinander vernetzt.

(Quelle: Siemens)

 

 

Der Siemens-Beitrag zur städtischen Sicherheit

Siemens bietet Lösungen und Services über alle Ebenen der Sicherheitstechnik aus einer Hand – von Kameras, biometrischen Zugangs- und Ausweissystemen über Notrufsäulen bis hin zu kompletten regionalen oder nationalen Leitständen und der Gebäudetechnik. Dabei arbeiten Siemens IT-Solutions and Services (IT), Building Technologies (Infrastruktur) und Siemens Enterprise Networks (Kommunikationstechnik) Hand in Hand. Zu den Kunden gehören Innenministerien, Katastrophenschutz, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Doch die Überwachungssysteme und Leitstellen werden nicht nur im öffentlichen Bereich, sondern auch von Privatfirmen eingesetzt, um ihre Infrastruktur zu schützen.

 

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