20080910v Keynote Das mobile Web

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Das mobile Web

Eine echte Zwickmühle

Viele Unternehmen haben das vergangene Jahr genutzt, um ihre neuen Angebote für das mobile Web vorzustellen und zu bewerben. So zeigt eine aktuelle Studie von Jupiter Research, dass rund 40 Prozent aller Websitebetreiber inzwischen auch Seiten für mobile Endgeräte anbieten, 22 weitere Prozent wollen dieses Vorhaben im nächsten Jahr angehen. Dieser Boom ist keine Überraschung, stehen doch gute Verdienstmöglichkeiten in Aussicht: Nach einem Jahresumsatz der mobilen Dienste in Höhe von 1,86 Milliarden US-Dollar noch im Jahr 2003 ist das Umsatzvolumen 2007 laut Cellular Telecommunications Industry Association (CTIA) mit 23,23 Milliarden US-Dollar geradezu explodiert.

 

F

ür die Entwickler, die dafür sorgen sollen, dass Unternehmen diesen neuen und lukrativen Markt nutzen können, entsteht allerdings eine echte Herausforderung. Denn das Ziel, immer umfangreichere und funktionalere mobile Webseiten inklusive ladbarer Anwendungen anzubieten, um immer mehr neue mobile Anwender vom eigenen Angebot begeistern zu können, steht im Gegensatz zu den begrenzten mobilen Bandbreiten. Im Ergebnis – und dies ist ein echtes Dilemma – verschlechtern sich bei stärkerem Besuch die Downloadleistungen, was den Anbietern Kopfzerbrechen und den Nutzern Unzufriedenheit beschert.

Obwohl sich die Technik weiterentwickelt und Transfergeschwindigkeiten zunehmen, unterliegt die mobile Bandbreite Beschränkungen. Einfach haben es die Internet Service Providers (ISPs), welche Bandbreite für kabelgebundene Webdienste bereitstellen: Reicht die Übertragungsleistung nicht aus, schafft ein neu gezogenes Kabel mit klar definierten Kapazitäten sofort Abhilfe. Die Übertragung für mobile Endgeräte nutzt dagegen ein Medium, dessen Verhalten und Kapazitäten schwer vorhersehbar sind: die Luft. Gebäude, Bäume, Hochhäuser oder auch konkurrierende Funkbandbreiten für andere Mobildienste sind Faktoren, die konstante Übertragungsraten verhindern. Zudem ist der mobile Nutzer unterwegs, (also nicht an einem stationären Ort anzutreffen), was eine komplizierte Übergabe von einer Funkzelle in die nächste erfordert. Nicht zu vernachlässigen ist auch die gesteigerte Nachfrage nach Mobildiensten, die die Auslastung der Übertragungswege erhöht.

Aber die Kapazitätsprobleme werden nicht einfach nur durch die steigende Zahl an Nutzern ausgelöst – die zu übermittelnden Inhalte selbst tragen ihren Teil zu den Engpässen auf den Mobilfunkwegen bei. Die Erwartungen der mobilen Anwender basieren auf den Erfahrungen, die sie im kabelgebundenen Web mit seinen funktionsreichen Anwendungen gemacht haben. Zunehmend übertragen Anwender drahtloser Endgeräte diese Erwartungen auch auf mobile Webseiten – trotz der langsameren Infrastruktur, trotz kleinerer und niedriger auflösender Displays und trotz der Vielfalt an unterschiedlichen Endgeräten im mobilen Einsatz.

Viele Fragen

Daher stellt sich die Frage: Was bedeutet es eigentlich, Inhalte für mobile Anwender zu entwickeln? Zunächst müssen die Applikationen für die Zielgruppe optimiert werden. Im Zuge dessen wird diskutiert, was das bedeutet. Sollen mobile Seiten nur wenige Bilder enthalten, um den Download zu beschleunigen, oder sollten es viele Bilder sein, um möglichst anspruchsvolle Seiten anbieten zu können? Ist es möglich, die Zahl der Download-Server zu beschränken, um die Download-Geschwindigkeit besser kontrollieren zu können, wenn viele Bilddateien benötigt werden? Präferieren Anwender eine komplexere Seite, die das schnelle Manövrieren mit wenigen Befehlsschritten erlaubt, oder bevorzugen sie eine Seite mit einem schnelleren Download sowie mehr dargestellten Inhalten, dafür aber weniger Menüpunkten und damit einer umständlicheren Handhabung?

Sobald das Grundgerüst einer Anwendung feststeht, muss das Entwicklerteam entscheiden, inwieweit die Seite für die Vielfalt an Endgeräten sowie die unterschiedlichen Mobilfunkanbieter optimiert wird. Unterschiedliche Geräte bieten unterschiedliche Voraussetzungen, was sich am Vergleich von iPhone, Blackberry und Razr erkennen lässt. Das iPhone nutzt den Standardwebbrowser von Apple, während der Blackberry auf Geschäftsanwendungen abgestimmt ist und Motorola seine Razr-Modellreihe für eine anspruchsvolle Zielgruppe entwickelt hat. Hinzu kommt, dass die Anwendung über die Netze unterschiedlicher Mobilfunkanbieter zum Benutzer gelangt. Zu berücksichtigen ist dabei beispielsweise das unterschiedliche Bandbreitenmanagement bei »klassischen« Übertragungen per GSM oder Verbindungen über den neuen Mobilfunkstandard UMTS.

Wenn Benutzer eine Seite aus dem Netz anfordern, übermitteln ihre Endgeräte Informationen zum genutzten Mobilfunkanbieter und zum Typ des Geräts, so dass der Server bereits vom Entwicklerteam voroptimierte Inhalte, die auf Provider und Gerätetyp abgestimmt sind, senden kann. Das Kunststück für die Entwickler mobiler Inhalte dabei ist es, explizites Wissen darüber vorzuhalten, wie ihre Seite oder Applikation unter den unterschiedlichsten Bedingungen innerhalb des mobilen Gesamtsystems ausgeführt wird, und dieses Wissen zu nutzen, um die Leistung zu optimieren. Wer in der Lage ist, die benötigte Bandbreite so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig die Inhalte in der Darreichungsform bereitzustellen, die sich der Benutzer wünscht, hat einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Was zählt ist die Zufriedenheit des Nutzers

Das mobile System als Ganzes ist zu komplex, als dass einzelne Tests in der Lage wären, die Bedingungen für eine optimale Leistung – und damit die Bedingungen für die Zufriedenheit des Endbenutzers – zu bestimmen und zu erfüllen. Wenn ein Anbieter von mobilen Inhalten seine Hausaufgaben nicht macht und die Leistungsfähigkeit seiner Seite nicht von verschiedenen geografischen Standorten aus, zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Endgeräten testet, ist er nicht in der Lage zu verstehen, was die Zufriedenheit von Endanwendern ausmacht. Gibt es beispielsweise Seiten, die am Mittag noch einwandfrei funktionieren, am Abend aber Leistungseinbußen aufweisen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Downloadzeiten und der Anzahl der gerade aktiven Endanwender? Welcher Teil des mobilen Systems nimmt noch Einfluss auf die Performanz? Wie stellen sich die Inhalte für den Nokia-Benutzer in Berlin über das Vodafone-Netz dar? Und wie im Vergleich für den iPhone-Anwender, der von München aus dem Netz von T-Mobile zugreift?

Mobile Technologien sind noch vergleichsweise jung, die Beteiligten befinden sich daher in einem fortwährenden Lernprozess, in dem sie erfahren, wie man die Leistung in dieser sehr komplexen Umgebung optimiert. Wann, oder ob überhaupt jemals, eine unbegrenzte mobile Bandbreite zur Verfügung steht, wissen wir nicht. Bis dahin müssen die Entwickler mobiler Anwendungen und Services ihre Produkte testen und im laufenden Betrieb beobachten, um sicherzustellen, dass sie im Wettbewerb um den Endnutzer mit den Bandbreiten und Zugriffsmechanismen aufwarten können, die ihr mobiles Angebot erfolgreich machen.

Nisheeth Mohan

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Nisheeth Mohan, Keynote Systems

 

 
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