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Wireless LAN im Gesundheitswesen

Drahtlos surfen im Krankenzimmer

Ein schneller Internetzugang per Wireless LAN hat für viele Patienten im Krankenhaus immer noch Seltenheitswert. Dabei können Kliniken mit einem solchen Service nicht nur im schärfer werdenden Wettbewerb um zahlende Patienten punkten, sondern die neue Infrastruktur gleichzeitig zur Verbesserung ihrer internen Abläufe nutzen.

 

Nicht nur in der freien Wirtschaft, auch im Gesundheitssektor hat der Wettbewerbsdruck in den letzten Jahren stetig zugenommen. So werben beispielsweise immer mehr Krankenhäuser mit einer ganzen Reihe von Komfortangeboten um zahlungskräftige Patienten. Ein Beispiel hierfür ist das Klinikum Freising, das seit kurzem neue Wege in Sachen Service geht. Das Krankenhaus der Stadt Freising, das in seinen neun medizinischen Abteilungen mit insgesamt 353 Betten jährlich rund 17.000 Patienten versorgt, hat zum Beispiel als erste Gesundheitseinrichtung im Freistaat Bayern unbegrenzte Telefonate für die Patienten gegen eine Tagespauschale von 3,50 Euro eingeführt. Gleichzeitig wird den Patienten kostenloses Fernsehen sowie die Möglichkeit des schnellen Internetzugangs von jedem Bett aus angeboten.

 

Neue Wege in Sachen Service geht das Klinikum Freising.

 

Integrierte Lösung ohne zusätzliche Investitionen

Möglich macht dies unter anderem die Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Industrie, der schon im Jahr 2006 die vorhandene Tenovis-Telefonanlage durch ein modernes HiPath-4000-Kommunikationssystem mit Chipkartentelefonen zur komfortablen Abrechnung ersetzt hatte: Siemens Enterprise Communications. Der Vorteil der nun realisierten Erweiterung: Die integrierte Lösung für TV, Internet und Telefonie steigert nicht nur den Komfort für die Patienten, sondern verringert gleichzeitig auch den Aufwand für die Klinik – ohne zusätzliche Investitionskosten.

Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen in Angriff genommen:

  • Austausch der alten Röhrenfernseher in den Krankenzimmern gegen insgesamt 184 neue 20-Zoll-LCD-Fernseher, die über das Telefon am Bett gesteuert werden können. In einem zweiten Schritt kamen rund 40 Cockpit-10-Zoll-LCD-Displays direkt an einzelnen Betten hinzu. Um sie alle über die Antennenverkabelung mit den gewünschten Fernsehprogrammen zu versorgen, wurde ein eigener, interner TV-Server installiert.
  • Aufbau eines Wireless LAN (WLAN) auf den Stationen, um allen Patienten auf Wunsch gegen eine Tagespauschale mit eigenen Notebooks eine schnelle Verbindung ins Internet zu ermöglichen. Dazu war die Installation von 50 über den gesamten Klinikbereich verteilten Access Points erforderlich.
  • Einführung eines einheitlichen Bezahlsystems auf Chipkartenbasis für alle Leistungen und ein Abrechnungsmodell mit den Komponenten: Telefon-Flatrate mit einer Tagespauschale von 3,50 Euro, kostenloser TV-Empfang für alle öffentlich-rechtlichen und privaten Sender, Möglichkeit zum Empfang des Bezahlsenders Premiere (für Privatpatienten kostenlos, für alle anderen gegen eine Tagesgebühr), kostengünstige Internetnutzung auf Flatrate-Basis. Ein neu installierter Abrechnungsserver ermöglicht darüber hinaus die komfortable und transparente Gebührenabrechnung sämtlicher Leistungen für die Patienten.

Siemens Enterprise Communications – so die Vereinbarung mit dem Klinikum Freising –sollte die gesamte Modernisierung als Systemintegrator während des laufenden Betriebes ohne Störungen des Ablaufs durchführen, die komplette Infrastruktur inklusive der Abrechnung mit den Patienten in Eigenverantwortung betreiben und einen jederzeit erreichbaren Ansprechpartner zur Betreuung der Technik bereitstellen.

 

Schneller Internetzugang per WLAN, unbegrenzte Telefonate gegen eine Tagespauschale von 3,50 Euro – Service, der bei den Patienten ankommt.

 

Schnurlostelefone statt Piepser

Gleichzeitig sollten aber auch die Mitarbeiter etwas von der neuen Infrastruktur haben. So erhielten Ärzte und Pflegepersonal bereits vor einiger Zeit im Rahmen des Gesamtprojekts zusätzlich zu den Festnetztelefonen am Arbeitsplatz und in den Bereitschaftsräumen schnurlose Endgeräte, die nach dem DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Communication) arbeiten. Sie ersetzen die bisher üblichen Piepser zur Alarmierung von Ärzten und Pflegepersonal. Dazu musste ein digitaler Alarm- und Kommunikationsserver (DAKS) in die Kommunikationslösung integriert werden, mit dessen Hilfe sich die Rufe an einen vorher festgelegten Personenkreis schicken lassen. Der Effizienzgewinn für die Klinik ist dabei enorm, denn statt mehrerer getrennter Netze muss nun nur noch eine einzige Infrastruktur betreut werden.

Während früher auch für weniger dringende Fragen der Piepser ausgelöst wurde und der Betreffende zum nächsten Telefon eilen musste, lassen sich Ärzte oder Krankenschwestern jetzt direkt schnurlos erreichen. Sie können über das mobile Endgerät Rückfragen durchführen und unmittelbar mit dem Hilfesuchenden sprechen, was den Krankenhaus-Mitarbeitern viel Lauferei und unnötige Arbeit erspart. Und die Patienten schätzen zugleich die Gewissheit, dass ihr Alarm auf jeden Fall wahrgenommen wird.

Der DAKS ermöglicht zudem das problemlose Einleiten von Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern oder die gleichzeitige Benachrichtigung sämtlicher Telefone im Gebäude bei einem Katastrophenfall, etwa bei Ausbruch eines Feuers. Auch die Verbindung mit einem sogenannten Positioning-System ist im Klinikum Freising bereits angedacht. Eine solche Ortungslösung nutzt das vorhandene DECT-Schnurlos-Telefoniesystem oder die Access Points des Wireless LAN zur Positionsbestimmung, erlaubt zum Beispiel einen automatischen Notruf in Gefahrensituationen und lotst Hilfskräfte rasch an den richtigen Ort. Gleichzeitig können darüber aber auch mit Funkchips ausgestattete medizinische Geräte, Spezialbetten oder Transportmittel schneller gefunden werden.

Drahtlos vom Krankenbett ins Internet

Bevor die Techniker allerdings den Aufbau des Wireless LAN in Angriff nehmen konnten, musste die Klinik zunächst mit Hilfe eines speziellen Tools ausgeleuchtet werden. Denn um ein Grundstück oder ein Gebäude optimal mit der Funktechnik abdecken zu können, sind die jeweils örtlichen Gegebenheiten genau zu berücksichtigen. Eine solche »Site Survey« nimmt in der Regel mehrere Stunden in Anspruch und ermittelt, an welchen Stellen die Access Points in optimaler Weise zu positionieren sind. Besondere Überraschungen traten beim Klinikum nicht auf. Auch Wechselwirkungen mit den DECT-Sendern für die Schnurlostelefonie gab es nicht, da beide Technologien unterschiedliche Funkfrequenzbereiche nutzen.

Die Funkwellen im WLAN werden mit 54 Mbit/s im 2,4 GHz-Band übertragen, damit erzielt jeder Access Point eine gebäudeabhängige Reichweite von bis zu 30 Metern bei einer maximalen Sendeleistung von 100 mW. Die genaue Dimensionierung einer solchen Installation ist allerdings immer eine Gratwanderung. So mussten die Techniker unter anderem darauf achten, dass die Funkstrahlen innerhalb des Klinikgeländes bleiben. Dabei beschränkt sich die Funkabdeckung bislang auf diejenigen Abschnitte des Krankenhauses, in denen die Patienten einen drahtlosen Internet-Zugang benötigen. Zudem ist das WLAN vom internen Kliniknetz derzeit strikt getrennt.

Ein sogenannter »Internet Access Controller« (IAC) verwaltet den gesamten Datenverkehr und kann bei Bedarf verschiedene Anwendungen, die über das Funknetz laufen, voneinander separieren. Über den IAC ist das Wireless LAN mit einem Internet Service Provider verbunden, der zu einer monatlichen Flatrate den Internet-Anschluss mit einer Bandbreite von 16 Mbit/s bereitstellt. Die Patienten können diesen Zugang ähnlich wie an einem anderen öffentlichen Hotspot nutzen. Sie verbinden sich automatisch nach dem Einschalten ihres tragbaren Rechners mit dem unverschlüsselten Internetzugang für Patienten und bekommen nach dem Start des Browsers eine Startseite angezeigt, auf der sie Username und Passwort eingeben müssen. Diese Angaben stehen auf der Quittung des Kassenautomaten, an dem sie sich vorher für den Dienst angemeldet und ein persönliches Konto eröffnet haben.

Vorteil für beide Seiten

Für die Klinik bietet das nun realisierte Modell nicht nur den Vorteil, dass keine Investitionsmittel zur Erneuerung der Infrastruktur benötigt wurden. Auch der laufende Aufwand – etwa bei der Abrechnung oder bei der Wartung – ist deutlich geringer geworden. War früher eine Abstimmung mit mehreren Dienstleistungsfirmen erforderlich, liegt nun alles in einer einzigen Hand. Ein von Siemens Enterprise Communications eingesetzter Servicetechniker, der über die kostenlose interne Rufnummer 5555 täglich von 9:00 bis 15:00 Uhr in der Klinik persönlich erreichbar ist, unterstützt die Patienten zudem bei allen eventuell auftretenden technischen Problemen – von der Einwahl in das Wireless LAN über Störungen am Telefon bis hin zum Inkasso.

Seine Aufgabe ist es vor allem, als direkter Ansprechpartner vor Ort, für eine hohe Patientenzufriedenheit zu sorgen. Bei größeren Problemen kann aber auch die IT-Abteilung der Klinik eingreifen, die eine Einweisung in das Funknetz erhalten hat. Sollte das nicht ausreichen, wird – wie auch bei Störungen in der Telefonanlage – der Support des Betreibers alarmiert, dessen Spezialisten dann im Rahmen einer Wartungsvereinbarung auf Basis von festgelegten Service Level Agreements die Entstörung übernehmen.

Ein weiterer Pluspunkt für die Klinik: In Zukunft kann sie das drahtlose Funknetz auch für interne Zwecke kostenlos mitnutzen und ihre Prozesse optimieren. So reicht die Bandbreite problemlos aus, um beispielsweise darüber mobile Endgeräte an den zentralen Server anzubinden. So können etwa bei der Visite direkt über ein Tablet-PC Informationen mit dem Krankenhaus-Informationssystem und den dort gespeicherten elektronischen Patientenakten ausgetauscht werden. Aber auch die Online-Auswahl des täglichen Essens vom Speiseplan durch die Patienten ist denkbar. Genauso wie das Abrufen von Filmen (Video on Demand) oder ein Service, bei dem die Patienten über ein Telefon-Sprachportal einfach und schnell Bestellungen beim Krankenhaus-Kiosk abgeben können, die dann direkt ans Krankenbett geliefert werden.

Roland Wettberg

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Roland Wettberg ist bei Siemens Enterprise Communications in München tätig und hat das Projekt beim Klinikum Freising als Verantwortlicher begleitet.

 

 

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