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»Generation Digital« steht nicht auf IT-Berufe

IT, nein danke

Es ist kein Geheimnis, dass die IT-Branche schon seit längerem unter einem zunehmenden Mangel an Fach- und Nachwuchskräften leidet. Speziell Uniabsolventen und Berufseinsteiger entscheiden sich – gemessen am Bedarf – viel zu selten für eine Karriere in der IT-Branche. Sinkende Studierendenzahlen in informationstechnischen Studiengängen geben auch für die Zukunft wenig Anlass zur Hoffnung. In Politik und Wirtschaft werden schon seit geraumer Zeit Lösungen diskutiert, die einen Ausweg aus dieser, für die Unternehmen unbefriedigenden, Situation aufzeigen sollen – bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Gefragt sind neue Ansätze. 

 

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Junge Leute wachsen heute mit Computern und Internet auf und erleben, wie Informationstechnologie ihr Leben prägt«, sagt Oliver Tuszik, CEO und Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters Computacenter. »Eigentlich müssten sich junge Leute doch auch für IT interessieren, wenn es um die Auswahl ihres Jobs geht. Doch eher das Gegenteil ist der Fall.« Dies besagt auch eine aktuelle Studie, die Computacenter – mit rund 250 offenen Stellen selbst vom Fachkräfte- und Nachwuchsmangel betroffen – aufgesetzt hat. Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid hat das Unternehmen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren zu ihrer digitalen Lebenswelt und ihren Anforderungen an ihren Arbeitsplatz befragt. »Es ist nur konsequent, mit der eigentlichen Zielgruppe in den Dialog zu treten«, meint Tuszik. »Nur so können wir bei den jungen Leuten Interesse an unserer Branche wecken, Missverständnisse ausräumen und Erkenntnisse darüber gewinnen, was junge Erwachsene von ihrem Job und von ihrem Arbeitgeber erwarten. Und entsprechend reagieren.« 

IT-Affinität ist hoch 

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die landläufig angenommene These, dass junge Leute heute von Kindesbeinen an mit Computern, Internet und Handy vertraut sind. Fast alle Jugendlichen, die im Rahmen der Studie befragt wurden, nutzen diese Technologien sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Mehr noch: sie können nur schwer darauf verzichten. Die Befragten äußern, dass ihr Leben und auch ihr Freundeskreis ohne Internet, Computer und Handy komplett anders aussähen.

Der IT-Branche selbst ordnet ein großer Anteil der Jugendlichen positive Attribute zu. So glauben 80 Prozent, dass Beschäftigte im IT-Bereich Freude an ihrer Tätigkeit haben. 74 Prozent sind der Meinung, dass der Beruf beispielsweise des Informatikers auch in Zukunft noch stärker gefragt sei, selbstständiges Arbeiten ermögliche (77 Prozent) sowie gute Aufstiegschancen (70 Prozent) und viele offene Stellen biete (67 Prozent). Zudem könnte sich jeder dritte Jugendliche vorstellen, einen Beruf in der IT-Branche zu ergreifen. 

Der Informatiker prägt das Bild der Branche 

Sich etwas vorstellen können ist das eine. Es tatsächlich auch zu tun, jedoch etwas anderes. Der Studie zufolge ist die vage bis unklare Vorstellung, welche Jobs die Branche bietet, ein wesentlicher Grund für diese Diskrepanz. Begründet liegt dies unter anderem im Ansehen des Berufs des Informatikers. Für viele Jugendliche ist der Informatiker scheinbar ein Synonym für den Job in der IT-Branche. So ordnen die Jugendlichen dem Informatiker im Vergleich zu anderen im Rahmen der Studie abgefragten Berufen (Unternehmer, Arzt, Anwalt, Lehrer) mit deutlichem Abstand das Image eines Eigenbrötlers zu, der wenig Kontakt zu anderen Menschen hat. Das Ansehen des Informatikers in der Gesellschaft ist nach Meinung der jungen Erwachsenen von allen abgefragten Berufen am niedrigsten. »Diese Wahrnehmung überträgt sich scheinbar auf die gesamte Branche«, meint Tuszik. »Die negativen Imagefaktoren dominieren im Entscheidungsprozess pro oder kontra IT-Beruf die eigentlich positiven – und richtigen – Einschätzungen der Befragten.« Die Studie zeigt auch: Nur eine Minderheit der Befragten hat eine genaue Vorstellung, was sich hinter den oft kryptischen Berufsbezeichnungen in der ITK-Branche verbirgt. Je nach Beruf (u.a. IT-Architekt, SAP-Berater, Informatikkaufmann, Softwareentwickler) antworten zwischen 27 und 78 Prozent der Befragten, dass sie »davon keine Ahnung» haben.

Ein weiterer Grund für das mangelnde Interesse an IT-Berufen sind die Einschätzungen der Jugendlichen hinsichtlich der Anforderungen an eine Karriere im IT-Umfeld. So halten mehr als dreiviertel der Befragten vorhandene Programmierkenntnisse (78 Prozent) für wichtig, um einen IT-Beruf ergreifen zu können. Für 74 Prozent sind gute Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften Einstiegsvoraussetzung in die IT, über die Hälfte der Jugendlichen glaubt, ein abgeschlossenes Informatikstudium nachweisen zu müssen. Dazu kommt, dass über 80 Prozent der Befragten der Meinung sind, die Informationstechnologie sei nur etwas für Männer.

Dynamische Branche – statische Wahrnehmung

»Die IT-Branche ist vergleichsweise noch sehr jung und zudem eine der dynamischsten der Welt. Gar nicht dynamisch ist jedoch die Wahrnehmung bei der jungen Generation. Hier hat sich seit den 80er Jahren beinahe nichts verändert, wenn man die Ergebnisse unserer Studie betrachtet. Die Jugendlichen rücken uns immer noch in die ‚Nerd’-Ecke«, sagt Oliver Tuszik. »Daran sind wir in erster Linie selbst schuld, denn wir haben es offensichtlich nicht geschafft, den Jugendlichen zu zeigen, wie spannend unsere Branche ist. Die Nutzung von IT und Software ist so prägend für den Alltag geworden, mit der Branche selbst wird das jedoch kaum in Verbindung gebracht. Kaum jemand weiß, was die IT-Branche eigentlich so treibt. IT ist heute das Kernstück wirtschaftlicher Veränderung. Beispielsweise beim Umweltschutz: Meist sind es technische oder Softwarelösungen, die es ermöglichen, Energie zu sparen.«

Ein Beispiel: Mit dem von Computacenter entwickelten »Opel Car Creator» können sich Kunden des Autoherstellers ihr Wunschauto selbst zusammenstellen. Die Anwendung ermöglicht eine realitätsnahe 3D-Animation der Fahrzeuge von innen und außen auf einem großen TFTDisplay. Über einen Trackball können Anwender schnell zwischen verschiedenen Perspektiven wechseln und sich spielerisch einfach alle verfügbaren Ausstattungs- und Zubehöroptionen anzeigen lassen. »Solche Anwendungen sind typisch für die heutige IT. Sie entstehen in den Köpfen kreativer Leute, die sich im Team mit der Entwicklung von Lösungsszenarien und deren Umsetzungsplanung auseinander setzen. Das Aufgabenfeld moderner IT geht weit über die Informatik hinaus und ist breiter als viele erwarten. Wir leisten jeden Tag einen Beitrag dazu, dass für viele Menschen das Leben einfacher, effizienter und angenehmer wird«, beschreibt Tuszik.

Es sind diese eher emotionalen Anknüpfungspunkte, die sich die Branche zunutze machen muss. Das Spannende an der IT-Branche ist nicht die eigentliche Programmierung einer Lösung, sondern deren Entstehung. »Online-Shopping, der Car Creator oder selbst einparkende Autos sind die Ergebnisse eines kreativen Prozesses, an dem eine Vielzahl an Leuten mit unterschiedlichsten Qualifikationen beteiligt ist. Dies müssen wir zusammen mit der Politik, den Bildungseinrichtungen und im Dialog mit der Generation Digital in den Vordergrund stellen«, resümiert Tuszik. »Wenn es uns gelingt, diese Themen und die Menschen, die dafür stehen, transparent zu machen, dann haben wir eine Chance, den Nachwuchs für unsere Branche zu begeistern und so etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun.«

 

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