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Umwelt-Engagement beeinflusst Geschäftsstrategien der ITK-Branche

Green IT im Standby

Green IT ist in aller Munde – grau die Realität: Trotz klarer Erkenntnisse über die verheerenden Konsequenzen der Klimaveränderung scheitern umweltfreundliche ITK-Strategien oft an trivialen Faktoren: Zeit, Kosten und fehlendes Ethos. Partner, Mitarbeiter und vor allem Kunden könnten für ein Umdenken sorgen.

 

W

ir schreiben das Jahr 2070. In Berlin herrschen einst typisch griechische Temperaturen. London klagt über Dürreperioden. Schneelose Winter prägen das Bild der ehemals bitterkalten finnischen Hauptstadt Helsinki – was wie ein moderner Science-fiction-Roman klingt, könnte sich bereits in zwei Generationen bewahrheiten. Nach Informationen des International Center for Research on Environment and Development in Paris drohen in absehbarer Zeit radikale Klimaverschiebungen, sollten nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In Zahlen ausgedrückt: Um die Atmosphäre nachhaltig zu stabilisieren, müssten die aktuellen CO2-Emmissionen um 70 bis 80 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig aber steigt bis 2030 der globale Bedarf an Energie um 53 Prozent – und führt so zu einer weiteren Zunahme der Belastung mit Kohlenstoffdioxid um 55 Prozent, warnt die ebenfalls in der französischen Hauptstadt ansässige Internationale Energie Agentur.

Eine Zwickmühle, deren Ursache nach Erkenntnissen von Umweltforschern mehr und mehr auch in der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) liegt. Laut Marktforschungsinstitut Gartner produziert dieser Wirtschaftszweig bereits zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Damit erzeuge die Branche mittlerweile ebenso viele Schadstoffe wie die in diesem Zusammenhang häufig gebeutelte Luftfahrtindustrie: Datencenter beispielsweise sind mit einer Zunahme von 23 Prozent für einen Großteil der abgegebenen CO2-Emissionen verantwortlich. Der vermehrte Einsatz von PCs und Monitoren wiederum sorgt Experten zufolge zusätzlich für eine Erhöhung der Schadstoffe um 40 Prozent. Hinzu kommen die steigenden Anforderungen an die Datenspeicherung im IT-Umfeld: 2006 betrug die durchschnittliche Speicherkapazität von Fabriken bereits durchschnittlich mehr als ein Exabyte, führen die Auguren der International Data Corp. (IDC), Framingham, Massachusetts, ins Feld. Dies entspreche einer Steigerung von satten 49 Prozent zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Grüne Strategien wirken geschäftsfördernd

Klimafreundlichere Strategien in der ITK-Branche erhoffen sich Umweltaktivisten nun von unerwarteter Seite: Hatten in der Vergangenheit vor allem politische Organisationen für einen Richtungswechsel beim Einsatz und der Produktion von ITK-Technologien geworben, so mahnen nun auch zunehmend Partner und Mitarbeiter zur Verantwortung. Entscheidende Impulse jedoch erwarten Marktbeobachter von der Kundschaft: »Nichts tun ist ökologisch unzumutbar und künftig auch ökonomisch untragbar«, bringt Helmut Reisinger, Europachef beim global agierenden Konzern Orange Business Services die aktuelle Stimmung in der Branche auf den Punkt. Konsumenten forderten von den ITK-Herstellern klare grüne Ausrichtungen und untermauerten deren Engagement mit ihrem Kaufverhalten. Reisinger: »Neben der Qualität und dem Preis entscheidet mehr und mehr das Umweltbewusstsein der Anbieter über die Kaufentscheidungen«, so die Erfahrung des Managers. Konkret achte die Kundschaft zunehmend darauf, wie sehr sich ein Anbieter in der Entwicklung und Wiederverwertung um klimafreundliche Produkte bemühe – und darauf, welche Maßnahmen zum Umweltschutz intern getroffen würden. Zusätzlich zu einem verbesserten Image gehörten finanzielle Einsparungen sowie die Einhaltung internationaler und nationaler Regularien zu den Vorteilen eines aktiven Umweltschutzes.

»Green-IT adressiert zwei fundamentale Aspekte. Zum einen wird die Generation unserer Kinder unterstützt und zum anderen erhöht Green IT den Status von CIOs und positioniert die IT als Treiber für substanzielle Fragen der allgemeinen Unternehmensstrategie. Dennoch blockieren immer noch die klassischen Barrieren Zeit, Kosten und fehlende Moral«, fügt Reisinger hinzu. Umweltbewusstes Handeln müsse jedoch von höchster Ebene aus initiiert und als klare Unternehmensrichtlinie etabliert werden und sowohl die Reduktion des Energieverbrauchs, als auch die Verminderung der Treibhausgase umfassen. Diesen grünen Kurs fährt Orange Business Services bereits seit einigen Jahren. 1996 unterzeichnete der Konzern die Umweltschutzrichtlinien der European Telecommunications Network Operators Association (ETNO) und verpflichtete sich damit zu umweltgerechtem Handeln innerhalb der Organisation sowie der Entwicklung von Produkten und Services unter Berücksichtigung der CO2-Emission. So handelt es sich heute bei rund sieben Prozent des verbrauchten Stroms des Konzerns um erneuerbare Energie.

Virtualisierung: Hoffnung der IT-Abteilungen

Hinzu kommen Initiativen seitens des Unternehmens, um den Energieverbrauch zu senken, Geschäftsreisen und Besprechungen zu optimieren, papierlose Workflows zu ermöglichen und vor allem IT-Equipment umweltschonender zu betreiben. Hier gilt vor allem die Virtualisierung als hoffnungsvollste Technologie: Eine Konsolidierung von 250-Dual-Core-Servern auf 25 Geräte mit Hilfe von Virtualisierungssoftware etwa, führt zu einer Einsparung an Strom und Ausgaben für Kühlmaßnahmen in Höhe von umgerechnet rund 177.000 Euro jährlich. Bei der Virtualisierung handelt es sich um eine Technologie, die es erlaubt, Prozessoren, Festplatten und Arbeitsspeicher eines Computers mehreren virtuellen Rechnern zur Verfügung zu stellen. In den virtuellen Maschinen laufen voneinander unabhängige Softwarekonfigurationen, die sich eine physikalische Hardware teilen. Weitere Einsparungen lassen sich erreichen, wenn PCs in den Ruhezustand versetzt werden, sobald sie nicht verwendet werden. Rund 30 Prozent des Stroms können so eingespart werden.

Zu den effektivsten Möglichkeiten bei der Verwendung von IT zählt darüber hinaus der Einsatz von Conference Calls und Video-Meetings. Eine Telefonkonferenz beispielsweise vermeidet durchschnittlich 8.400 Gramm an CO2, das bei Vorort-Terminen für Reisen in die Atmosphäre abgegeben werden würde. Auf Basis schneller DSL-Anbindungen ist es nach den Worten von Reisinger bereits Orange-Kunden aus 65 Ländern der Welt möglich, sogar anspruchsvolle Video-Meetings mit hochqualitativer Auflösung und fließenden Bewegungen virtuell zu veranstalten. Das Unternehmen selbst konnte im vergangenen Jahr mit 600.000 Conference Calls, beziehungsweise Video-Meetings die CO2-Belastung um 1.200 Tonnen reduzieren. Ebenso sorgen Orange Lösungsansätze wie »Business Together« als Kommunikationslösung für Unternehmen, Dokumenten-Sharing oder die Optimierung des Workflows für umweltfreundlichere Geschäftsprozesse bei Orange Business Services. Hinzu kommen GPS-gestützte Planungen des Fuhrparks sowie 7.000 besonders umweltfreundliche Fahrzeuge. Weiterhin gehört die Konsolidierung heterogener Systemlandschaften zu den wichtigsten Sparmaßnahmen: »Wir haben alles in allem 350 lokale Anwendungen eliminiert und so 140.000 Watt Energie weltweit eingespart«, erklärt Reisinger. Im Bereich der Mission-Critical-Applikationen wiederum konnte die Zahl der Server halbiert und die der Datencenter um das Zehnfache reduziert werden. Konzepte, die Orange Business Services als IT-Dienstleister auch gerne verkauft: 2006 führten elektronische Rechnungen im Rahmen von elektronischen Billing-Systemen bei Orange-Kunden zu einer Einsparung von 6,5 Millionen Seiten Papier – das entspricht rund 16 Tonnen. Das Fazit von Reisinger: »Natürlich haben wir nicht Antworten auf sämtliche Probleme, die der Klimawandel mit sich bringt. Aber wir müssen gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen finden, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.«

Alexander Deindl

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Freier Journalist aus München: Alexander Deindl

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