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Grüne Telekommunikation: Zentralisierte Infrastrukturen verbrauchen weniger Strom

Unified Communications schont die Ressourcen

Die Telekommunikation hat schon immer Menschen verbunden und dadurch Reisen vermieden. Diese Entwicklung setzte sich mit E-Mail, Telefon- und Videokonferenzen weiter fort. Heute ermöglichen Unified Communications-, Collaboration- und Conferencing-Lösungen darüber hinaus ein effizientes Miteinander über weltweite Standorte hinweg. Der Generationswechsel in der Telekommunikation trägt zur Schonung von Ressourcen, Energieeinsparung und geringerem CO2-Ausstoss bei. Allerdings nicht automatisch, nur mit einer gründlichen Planung werden die Vorteile auch tatsächlich realisiert.

 

D

ie Informationstechnologie – das hat sich mittlerweile herumgesprochen – ist heute für die gleiche Menge an CO2-Emissionen verantwortlich wie der internationale Flugverkehr. Durch die rasante Zunahme des weltweiten Datentransfers auf Basis des Internet-Protokolls (IP) werden nicht nur mehr Server und Netzwerkelemente installiert und betrieben, sondern auch die sekundären Kosten wie etwa für die Kühlung der Rechenzentren belasten immer mehr die Bilanzen. Der mit dem anwachsenden Datenverkehr verbundene Anstieg des Energieverbrauchs lässt sich jedoch durch effizientere Formen der Zusammenarbeit und bessere Kommunikationsmittel wenigstens teilweise kompensieren.

Unter dem Schlagwort »Unified Communications« (UC) wachsen die heute existierenden verschiedenen Kommunikationsformen – wie etwa Sprache, Video, E-Mail, Chatten, Instant Messaging, SMS und andere Mobilfunkservices – unter einer gemeinsamen Oberfläche zusammen und es findet eine Vereinheitlichung statt. Technische Basis ist die gemeinsame Übertragung von Sprache und Daten über die IP-Infrastruktur.

Telefonanlagen waren echte Stromfresser.

Bei der traditionellen Kommunikationstechnik saßen die »Intelligenz« und damit die Rechenleistung und der Schwerpunkt des Energieverbrauchs maßgeblich in der Telefonanlage, die mit viel herstellerspezifischer Hardware und einzelnen Bauelementen aufgebaut wurde. Die Endgeräte selbst benötigten nur wenig Strom und wurden problemlos über die Telefonleitung versorgt. Außerdem waren die Displays in den Telefonen, wenn überhaupt vorhanden, grau und klein. Neben der Schaltungstechnik der Telefonanlagen zeigte sich vor allem ihr Bedarf an Konvektionskühlung als echter Stromfresser. Kommunikationssysteme mit 1.000 Nebenstellen hatten so etwa einen elektrischen Anschlusswert von bis zu 5,4 kW und einen mindestens ebenso hohen Bedarf an Kälteleistung.

Das hat sich inzwischen geändert: Aktuelle Hybrid-Plattformen wie etwa die Hipath 4000 von Siemens Enterprise Communications verbrauchen heute kaum mehr als 1 W elektrischer Leistung pro Teilnehmer und kommen ganz ohne Klimatisierung aus. Neben dem Energieverbrauch der einzelnen Telefonanlage muss bei vernetzten Lösungen aber auch der Stromverbrauch des gesamten Systems betrachtet werden. Stand früher an jedem Standort eines Unternehmens eine eigene Anlage, lässt sich mit der Einführung von Voice over IP (VoIP) die Kommunikationsplattform zentralisieren und die Filialen benötigen nur noch kleine und stromsparende Gateways. Abhängig von der Konfiguration sind dadurch Stromeinsparungen von bis zu 38 Prozent erreichbar. Da sich ein solches verteiltes System auch »aus der Ferne« per Remote-Zugriff einrichten, bedienen und warten lässt, entfallen ebenfalls die CO2-Emissionen bei den Fahrten eines Servicetechnikers zu den verschiedenen Standorten.

Unified Communications als Werkzeugkasten.


Mit dem Umstieg auf rein softwarebasierte VoIP-Lösungen wie Open Scape Voice von Siemens Enterprise Communications, die zentralisiert im Rechenzentrum laufen, lässt sich der Stromverbrauch bei großen Installationen nochmals verringern. Denn Standardserver können für große Teilnehmerzahlen energieeffizienter arbeiten als herstellerspezifische Hardware, die Zentralisierung reduziert zudem deutlich die Anzahl der benötigten Rechner und damit auch den Gesamtstromverbrauch. Die Zusammenfassung von Funktionalitäten im Rahmen von Unified Communications kann ebenfalls die Stromausgaben um bis zu 50 Prozent senken und ist deshalb ein effizienter Ansatz für eine »grüne Telekommunikation«.  

Videomeetings entlasten die Umwelt.

Gleichzeitig sind auch die möglichen Energieeinsparungen und die Reduzierung von CO2-Emissionen durch den intelligenten Einsatz von Kommunikationsmitteln zu betrachten. Werden zum Beispiel Dienstreisen und -fahrten durch Videokonferenzen ersetzt, spart dies nicht nur Reisekosten, sondern entlastet auch wesentlich die Umwelt. Doch Videomeetings sind nur ein Werkzeug aus dem »Werkzeugkasten« UC für die Reduzierung von Energiekosten. Präsenzbasierte Kommunikationsformen, verbesserte Erreichbarkeit, die Reduzierung von unnötigen Kommunikationsversuchen und der intelligente Einsatz von Konvergenz-Lösungen im Bereich Festnetz und Mobilfunk verbessern nicht nur die unternehmerische Kostenposition und steigern die Wettbewerbsfähigkeit – sie ermöglichen dies auch mit sinkendem Energieverbrauch.

Neue Formen der Web-2.0-Kommunikation machen Informationen leichter und schneller zugänglich, die sonst Berge von bedrucktem Papier oder lokalen Kopien auf den Festplatten produziert hätten. Außerdem steigt die Produktivität der Mitarbeiter, wodurch weniger Ressourcen wie etwa für die Heizung verbraucht werden. Auch die Einrichtung von Telearbeitsplätzen, mit denen die tägliche Fahrt ins Büro überflüssig wird, ist mit dieser Technologie einfacher zu realisieren und ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz.


Bei einer Investitionsentscheidung für oder gegen Voice over IP sollten deshalb auch diese langfristigen Aspekte zur Verbesserung der Energiebilanz mit beachtet werden. Dazu kommt, dass eine moderne Netzwerkinfrastruktur heute in den meisten Unternehmen ohnehin eine wesentliche Voraussetzung für ihr tägliches Geschäft ist. Die Sprachübertragung ist dabei nur ein weiterer Dienst auf dem vorhandenen Netzwerk und macht zudem eine doppelte Verkabelung überflüssig. Zentralisierte Konzepte wie Open Scape Voice haben dabei aufgrund von Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Stromverbrauch eindeutig Vorteile gegenüber verteilten Architekturen wie etwa dem Cisco Unified Communications Manager.

Vergleich von dezentralem und zentralisiertem Ansatz.

Das hat auch eine Vergleichsstudie des Aachener Beratungshauses Com Consult Beratung und Planung GmbH gezeigt, bei der ein Szenario mit 10.000 Teilnehmern betrachtet wird. Die Endgeräte (9900 IP-Phones und 96 analoge Endgeräte für Notrufe) verteilen sich dabei auf einen zentralen Standort und mehrere Außenstellen beziehungsweise Filialen. Sowohl die dezentrale wie die zentralisierte Variante – so die Studie – erfordern einen ähnlichen Aufwand zur Anbindung der Außenstellen (in Form von Gateways, Routern, VPN-Appliances) und die generelle Netzwerkinfrastruktur zeigt ebenfalls keine gravierenden Unterschiede. Daher wird in der Untersuchung das Hauptaugenmerk auf die benötigte Server-Infrastruktur gelegt und eine maximale Gesprächsdichte von 30 % intern und 15 % extern zugrunde gelegt. Die zentralen Komponenten der Kommunikationsplattform werden als redundanter Cluster ausgelegt, um eine Hochverfügbarkeit garantieren zu können.

Bei der untersuchten Lösung von Siemens Enterprise Communication wird als zentrale Instanz für die Telefonie ein Cluster aus zwei Open-Scape-Voice-Servern (früher als »Hipath 8000« bekannt) eingesetzt. Eines dieser Systeme, die jeweils auf einem IBM x3650 T-Server als Hardwarebasis betrieben werden, ermöglicht den Telefonbetrieb für bis zu 12.000 Endgeräte pro Server. Hinzu kommt eine klassische Hipath-4000-Plattform als Gateway zur Anbindung der analogen Endgeräte und an das ISDN-Netz. Unified Messaging wird bei dieser Konfiguration mittels des Hipath-XPressions-Systems realisiert und – aus Gründen der Vereinfachung – mit nur einem Server des Typs IBM x3650 T-Server veranschlagt. Im Ergebnis lässt sich bei dieser Gesamtlösung eine Stromaufnahme von 1.450 Watt messen.

Der Vergleich dazu findet mit einem Szenario statt, das mit dem Cisco Unified Communications Manager (CUCM) umgesetzt wird. Bis zu 5.000 Endgeräte können damit pro Server betrieben werden. Um die notwendige Redundanz zu erreichen, sind vier CUCM erforderlich, die als Hardwarebasis Server vom Typ IBM x3650 verwenden. Die Voicemail-Funktionalität über Cisco Unity, die auf einem fünften Server vom Typ IBM x3650 läuft, wird in diesem Test als unkritisch eingestuft und daher nicht redundant ausgelegt. Für die Anbindung der analogen Endgeräte sind zwei VoIP-Analog-Gateways á 48 Ports vom Typ VG248 erforderlich, für die Verbindung an das ISDN-Netz muss außerdem ein Cisco-Router der 3700er Serie mit zwei Erweiterungsmodulen für E1/S2M installiert werden. In Summe ergibt diese Konfiguration eine Leistungsaufnahme von 1.990 Watt.

Geringere Kosten und weniger CO2.

Das Fazit von Com Consult: In Bezug auf die Server-Infrastruktur und die Anbindung der Endgeräte lässt sich das beschriebene Szenario mit der zentralisierten Lösung von Siemens Enterprise Communications energieeffizienter umsetzen. Bei der ermittelten Differenz im Energiebedarf von 540 Watt ergeben sich aufs Jahr gerechnet Einsparungen von rund 4.730 kWh. Bei einem angenommenen Preis von 0,15 € beziehungsweise 0,1785 € inkl. Mehrwertsteuer ist somit eine Ersparnis von 844,30 € pro Jahr möglich.

Dies mag nicht besonders hoch erscheinen. Allerdings entspricht dieser Wert ungefähr dem Jahresbedarf eines Haushalts mit drei bis vier Personen (ohne elektrische Warmwassergewinnung oder Heizung). Bei der Erzeugung dieser Strommenge entstehen – je nach zugrunde gelegtem Energiemix – rund 2.900 Kilogramm CO2. Wenn man die durch eine wohlüberlegte Planung im Vorfeld einer Migration zu Voice over IP einsparen kann, hat man einen weiteren Beitrag zur Verhütung der absehbaren Klimakatastrophe geleistet.

Dr. Thomas Wiemers

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Dr. Thomas Wiemers ist Geschäftsführer von »UCC – Unified Communications Consulting« und lehrt an der Bauhaus-Universität Weimar Hightech-Marketing und Innovationsmanagement.

 

 

 

 

 

 

 

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