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Was Supply-Chain-Verantwortliche nachts nicht schlafen lässt Globales Lieferkettenmanagement Während die Lieferketten immer globaler werden, muss auch das Lieferkettenmanagement aufgrund der langen Liste neuer Herausforderungen immer schwerere Lasten stemmen. Große geografische Entfernungen zwischen den verschiedenen Gliedern in der globalen Lieferkette verlängern Lieferzeiten, verzögern den Informationsaustausch und erhöhen die Notwendigkeit von Lagerhaltung. All das macht das Lieferkettenmanagement noch komplexer. Die Dynamik der nationalen Wirtschaft, steigende Energiepreise, schwankende Wechselkurse und Kontingentierungssysteme sowie eine zunehmende Anzahl an Gesetzesvorschriften tragen ebenso zu dieser Komplexität bei.
m folgenden Beitrag werden fünf der Hauptprobleme analysiert, welche dem Supply-Chain-Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereiten. Problem Nr. 1: Kosten reduzieren, um Gewinnmargen zu halten oder zu steigern Die Kunden fordern niedrigere Preise, gleichzeitig besteht seitens der Aktionäre der Druck, immer höhere Gewinne zu erzielen. Viele Unternehmen verlagern deshalb ihre Produktion offshore. Das Problem besteht hier allerdings darin, dass mit der zunehmenden Entwicklung der Wirtschaft des Offshore-Landes auch dort die Lohnkosten steigen. In der Folge wird es schwieriger, neues Personal einzustellen oder das bestehende zu halten. China ist gegenwärtig ein beliebtes Niedrigkostenland für Offshore- oder ausgelagerte Produktion. Steigende Lohnkosten machen jedoch nur einen Teil der zunehmenden Produktionskosten vor Ort aus. Das Inkrafttreten neuer chinesischer Gesetzesvorschriften, etwa zur Verchromung, erhöht die Stückkosten, während die Produktion versucht, diese Compliance-Kosten wieder hereinzuholen. Auch steigende Ölpreise trieben die Herstellungs- und Transportkosten in der Vergangenheit in die Höhe. Obwohl die aktuellen Preise nach vorübergehenden Höchstständen im Sommer des 2008 wieder gesunken sind, so sind sie über die Jahre doch erheblich angestiegen. Davon betroffen sind sämtliche Transportmethoden, vor allem aber die kraftstoffintensive Luftfracht. Deshalb gilt es, den Einsatz von Schiffscontainern zu maximieren, um die Kosten, wo immer es geht, zu senken und die Gesamtkosten des gelieferten Produkts niedrig zu halten. Operiert ein Unternehmen in der globalen Wirtschaft außerhalb der EU, steht es zudem vor zusätzlichen Schwierigkeiten. Denn es muss innerhalb von sich ständig ändernden Quotenregelungen operieren, die Zölle im Auge behalten und die Auswirkungen der schwankenden Wechselkurse managen. Zu wissen, ob man in einem Markt Geld verdient oder verliert, ist dabei entscheidend. Zudem wird es immer wichtiger, dass Unternehmen mit globalen Lieferketten über ein ERP-System mit integrierten Finanzfunktionen verfügen. Dieses muss dem Lieferkettenmanagement entsprechende Werkzeuge zur Verfügung stellen, um den Fluss von Material, Daten und Geld über mehrere Rechtsträger in Ländern mit unterschiedlichen Währungen, Sprachen, Steuer- und Finanzvorschriften hinweg zu unterstützen. Die rollenbasierten Dashboards unterstützen das Management von Lieferketten, indem sie rechtzeitig auf Ausnahmebedingungen und die Wirkung steigender Kosten aufmerksam machen. Problem Nr. 2: Das in der Lieferkette gebundene Betriebskapital minimalisieren, ohne den Kundenservice zu gefährden Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen die Nachfrage termingenau befriedigen, während sie Warenbestände über die ganze globale Versorgungskette hinweg verwalten. Da mit der Globalisierung die Lieferzeiten immer länger werden, führt die Aufrechterhaltung oder gar Verbesserung von Kundenservice-Standards oft dazu, dass erhebliches zusätzliches Betriebskapital in Lagerpuffern überall in der Lieferkette gebunden ist, was Direktoren und Aktionären natürlich wenig gefällt. An diesem Punkt stellt sich die Frage, ob man einen Teil der Produktion im Onshore-Konzept behält – und wenn, wie viel –, um die Flexibilität und kurze Lieferzeiten zu garantieren. So lassen sich Aufträge schnell und dem Kundenwunsch entsprechend ausführen. Einige Unternehmen nutzen in diesem Zusammenhang ein Verschiebungsmodell mit standardisierten Einzelteilen, welche in einem Niedrigkostenland wie China hergestellt werden. Die Teile werden dann zum Beispiel in Deutschland für die kundenspezifische Endmontage gelagert. Dies bedeutet höhere Mobilität, größeren Spielraum für kundenspezifische Wünsche und kurze Lieferzeiten. Eine Standardisierung der Teile reduziert Umfang und Wert des Lagerbestands, der am Ort der Endmontage gehalten werden muss. In Zeiten globaler Lieferketten und Offshore-Produktion ist es leider nicht mehr möglich, rasch in die Produktionshalle hinunterzugehen, um einen Eilauftrag beschleunigt ausführen zu lassen. Hier kann eine Software für kollaborative Nachfrageplanung helfen, Marktdaten aus einer Anzahl von Quellen für eine genauere Prognose zu erfassen. Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg ist entscheidend, egal, ob man ein Datum für die Ausführung von Aufträgen nennen oder das eigene Betriebskapital und den Cashflow verwalten will. Ohne ein integriertes ERP-System, welches die Nachverfolgung von Beständen und Bestellungen ermöglicht, werden garantierte Lieferzeiten und Lagerpuffer mit der Zeit anwachsen. Strichcodierung und RFID-Technologie tragen dazu bei, dass im ERP-System aktuelle Daten gespeichert sind und Betriebskosten weiter reduziert werden. Problem Nr. 3: Bei Transportkomplikationen On-Time-Lieferung gewährleisten Ob ein Betrieb sich für Outsourcing entscheidet oder in Offshore-Produktionsvolumen investiert – diese Entscheidung kann die Lieferzeiten auf dramatische Weise verlängern. Die Transportkosten werden durch den steigenden Ölpreis nach oben getrieben, sodass es immer schwieriger wird, das Produkt rechtzeitig und zu minimalen Kosten zum Endkunden zu bringen. Seefracht ist eine kostengünstige Methode; die Transitzeiten liegen jedoch deutlich höher als bei Luftfracht, und die Kapazität auf einigen Schifffahrtswegen ist in hohem Maße ausgelastet. Auch hier sind die Preise stark gestiegen und voll ausgelastete Häfen verursachen Engpässe und Verspätungen. Damit ist es wichtiger als je zuvor, über gute Software-Tools zu verfügen, um eine korrekte Bedarfsprognose zu unterstützen und die effektive Planung von Produktion und Transport für eine On-time-Lieferung zum Kunden zu ermöglichen. Das ERP- beziehungsweise SCM-System muss Planung und Ausführung der Güterbewegung rund um den Globus unterstützen und die Folgen jeglicher Änderungen auf der Ebene des Endbedarfs oder des Kundenauftrags sofort anzeigen. Problem Nr. 4: Vielfältige Technologiechancen Jeder Supply-Chain-Verantwortliche weiß, dass viele Prozesse verbessert werden müssten. Die Einführung von Technologie und Best Practices kann die Prozesse eines Betriebs verbessern, differenzieren und so Wettbewerbsvorteile verschaffen. Doch wo anfangen; und welchen Gewinn bringen die verschiedenen IT-Investitionen? Welche Prozesse sollten automatisiert werden, um die Betriebskosten zu senken? Welche bieten sich für die Einführung innovativerer Prozesse und größere Differenzierung an? Wie lassen sie sich in finanzieller Hinsicht quantifizieren, und welche von ihnen müssen zuerst angepackt werden? Aufgrund der wachsenden Globalisierung der Lieferketten ist es wichtiger denn je, die eigenen Prozesse mit denen von Kunden und Lieferanten abzustimmen und regelmäßig Informationen, wenn nötig zeitnah, auszutauschen. Die gesamte Lieferkette muss wie ein Orchester harmonisch zusammenspielen. Der Informationsaustausch bringt rechtliche und technische Herausforderungen und solche des Vertrauens mit sich. Je besser der Informationsaustausch, desto besser die Transparenz der Lieferkette und damit die Chancen, Lagerpuffer zu reduzieren oder zu beseitigen. Ein einheitliches globales Informationssystem mit aktuellen Daten und auf der Grundlage von offenen Technologien wie Java und IBM WebSphere ermöglicht den leichteren Austausch von Daten mit Lieferketten-Partnern. Dennoch schlagen sich viele Unternehmen noch immer mit inkompatiblen Systemen herum und vermischen Datenübertragung und manuelle Prozesse. Wichtig ist es auch, sicherzustellen, dass das ERP- oder SCM-System unternehmensübergreifende Strukturen, mehrere Sprachen und mehrere Währungen unterstützt sowie Finanzfunktionen mit Unterstützung marktspezifischer Steuer- und Finanzvorschriften integriert hat. Alle Materialumschläge und -bewegungen innerhalb der Lieferkette werden dann dementsprechend in den Konten aufgezeigt, und die Finanzdaten können über die verschiedenen Rechtsträger hinweg für Berichtszwecke zusammengefasst werden. Benutzerfreundlichkeit ist ein weiterer Aspekt, den ein Supply-Chain-Verantwortliche im Auge haben muss. Eine Lieferkettenstruktur zu entwerfen, Prozesse zu definieren und über die erforderliche Business-Logik zu verfügen ist das eine – wie leicht aber ist es für den Anwender, das System auch zu nutzen? Und welchen Aufwand kostet es, Nutzer einzusetzen und anzulernen? Was Unternehmen brauchen, ist ein globales integriertes System, das die gesamte Lieferkettenstruktur effektiv abbildet, die branchenspezifische Funktionalität einschließt, um Geschäftsprozesse und -regeln zu unterstützen und über eine ergonomische grafische Benutzeroberfläche verfügt, um eine hohe Benutzerproduktivität und leichtes Anlernen zu gewährleisten. Problem Nr. 5: Compliance, Compliance und nochmals Compliance Dem Supply-Chain-Manager werden immer mehr Compliance-Fragen aufgebürdet. Zwar trägt er nicht die Gesamtverantwortung für die Einhaltung aller Compliance-Richtlinien, dennoch haftet auch er mit für die Befolgung der Vorschriften. Die soziale Verantwortung des Unternehmens (Corporate Social Responsibility, CSR) erstreckt sich von Menschenrechten über Umweltschutz und Produktsicherheit bis hin zu Corporate Governance. Verstöße gegen die Menschenrechte können den Wert einer Marke über Nacht vernichten. Um den Ruf eines Unternehmens zu schützen, ist es daher unbedingt notwendig, die Praktiken von Lieferanten zu bewerten und zu überprüfen, insbesondere wenn mit Partnern in Entwicklungsländern zusammengearbeitet wird. Die meisten Unternehmen sind zurzeit dem Druck von Seiten der Kunden, der Aktionäre und der Gesellschaft ausgesetzt, umweltfreundlicher beziehungsweise »grüner« zu werden. Wie man den CO2-Fußabdruck der globalen Lieferkette reduzieren kann, ist ein Problem, mit dem sich zahlreiche Supply-Chain-Manager herumschlagen. Laut einer Untersuchung des IFEU-Instituts (Institut für Energie- und Umweltforschung) Heidelberg liegt der CO2-Ausstoß in g/Tonne pro Kilometer für ein Containerschiff bei 8,5, für die Bahn bei 48,1, für Lastwagen bei 164 und für Luftfracht bei 665. So ist der ökologische Fußabdruck von Luftfracht etwa 78-mal größer als der durch den Transport per Containerschiff. Sicherzustellen, dass jedes Glied in der Lieferkette die Produktsicherheitsvorschriften einhält, ist ein weiterer Grund zur Besorgnis. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu einer Reihe von Rückrufaktionen von Produkten aus China. Letzten Endes ist ein Unternehmen selbst dafür verantwortlich, was es verkauft. Es muss gewährleisten, dass seine Produkte die auf seinen Zielmärkten geltenden Sicherheitsbestimmungen erfüllen. Dafür ist unbedingt notwendig, dass Verfahren und Systeme etabliert sind, die für den Fall, dass etwas versehentlich durchschlüpft und eine Rückrufaktion notwendig wird, für die nötige Protokollierung und Rückverfolgbarkeit die Lieferkette hindurch sorgen. Es wurden bereits eine ganze Reihe neuer Richtlinien zur Verschärfung der Berichtsverfahren erlassen. Für Lieferketten-Manager bedeutet das zusätzliche Arbeit und Verantwortung. Jeder, der zum Beispiel ein Unternehmen in den Vereinigten Staaten betreibt, muss die Vorschriften einhalten, die auf dem Sarbanes-Oxley-Act basieren. Dies hat den meisten Unternehmen neue Verfahren und zusätzliche Berichterstattungsarbeiten beschert. Die Kosten bei Nichteinhaltung sind hoch. Eine moderne globale ERP-Lösung unterstützt Unternehmen dabei, angemessene Verfahren einzurichten und die Daten aufzuzeichnen, die notwendig sind, um Compliance zu belegen. Resümee In einer Welt zunehmend globalisierter Lieferketten ist es von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen über die komplette Lieferkette hinweg die Übersicht behalten und dass alle nötigen Informationen stets aktuell sowie sämtlichen entscheidenden Mitarbeitern zugänglich sind. Bei Änderungen oder wenn eine Entscheidung getroffen wird, sollten die Folgen automatisch in den Finanzzahlen sichtbar werden. Wenn komplexe globale Lieferketten mit hohem Auftragsvolumen geführt werden, ist ein einheitliches ERP-System unabdingbar, das alle entscheidenden Geschäftsdaten managt und Ausnahmen, die auf benutzerdefinierten Kriterien basieren, sofort anzeigt. Dann wird auch der Supply-Chain-Verantwortliche nachts wieder gut schlafen. Thomas Rogler ___________________________________________ Thomas Rogler ist Solution Manger Centra Europe bei Lawson
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