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Übernahme von Business Objects durch SAP Hochzeit mit Folgen für den BI-Markt Nach der Übernahme des US-amerikanischen, auf Business-Intelligence-Lösungen spezialisierten Softwareherstellers Business Objects durch SAP fragten sich viele Anwenderunternehmen, welche Folgen der Zusammenschluss für ihre vorhandenen Systeme von BO haben würde. Jetzt, wo auch der rechtliche Zusammenschluss beider Unternehmen vollzogen ist, hat SAP seine Produktstrategien im Bereich Business Intelligence präsentiert.
aum ein Jahr ist es her, dass SAP die gesamte BI-Branche für mehrere Wochen auf den Kopf stellte: Der Aufkauf von Business Objects, einem der weltweit führenden Hersteller leistungsfähiger BI-Produkte , überraschte den Wettbewerb ebenso wie die Kunden. Brach man doch in Walldorf mit der ewig propagierten Strategie des Wachstums aus eigener Kraft – und machte es statt dessen Oracle, IBM und den anderen Softwareriesen gleich, die ihrerseits schon seit längerem im BI-Markt auf Einkaufstour waren. Die Ankündigung des Milliarden-Deals versetzte aber nicht nur die Branche in helle Aufregung, sondern sorgte vor allem auch für Verunsicherung auf Kundenseite. Welche Auswirkungen hat der Zusammenschluss auf die Produktwelt von SAP und Business Objects? Stehen die Kunden langfristig auf der Gewinner- oder doch auf der Verliererseite? Nun da der rechtliche Zusammenschluss beider Konzerne abgeschlossen ist und die gemeinsame Produkt-Roadmap verabschiedet wurde, lassen sich wichtige Antworten geben. BI-Lösungen von Business Objects stärker als SAP »Eindeutige Gewinner des Deals sind jene Kunden, die bisher die BI-Software von SAP verwendet haben: Sie können ab sofort die BI-High-End-Lösungen des zugekauften BO-Konzerns nutzen – und so die in diesem Segment wenig benutzerfreundlichen SAP-Produkte sinnvoll ergänzen«, erklärt Mark Zimmermann, Geschäftsführer der Infomotion GmbH. Infomotion, eines der führenden deutschen IT-Beratungsunternehmen für BI-Lösungen, ist einer von zwei BO-Platinum-Partnern in Deutschland. Zu den Kunden des BI-Spezialisten zählen unter anderem EnBW, Union Investment, Deutsche Post und Adidas. Schwachstellen sieht Zimmermann insbesondere im Reporting-Bereich sowie zum Teil auch im Daten-Management der BI-Tools von SAP. »Die Anwendungen sind in der Regel nur unter großem Aufwand einzusetzen: Insbesondere das Business Warehouse ist sehr komplex modelliert.« Aus diesem Grund haben sich bereits in der Vergangenheit etliche SAP-Kunden in Punkto BI für einen Fremdanbieter entschieden. Auch sie können von der Fusion profitieren: Der Griff zu den leistungsstarken BO-Produkten macht die aufwändige und zumeist auch kostenintensive Integration von BI-Produkten fremder Anbieter in die in sich geschlossene SAP-Welt überflüssig. Die Integration der BO-Anwendungen in die SAP-Datenwelt wird hingegen in Zukunft stark vereinfacht. Während die SAP-User sich in Folge des Zusammenschlusses also über den Genuss eines vor allem funktionalen Mehrwerts freuen können, scheint die Entwicklung für die SAP-unabhängigen BO-Anwender weniger vorteilhaft zu sein. Es wurden gar Befürchtungen laut, die Non-SAP-Sphäre könne an Raum verlieren, so dass man schließlich zur Migration auf SAP gedrängt werde. Um Befürchtungen solcher Art zu zerstreuen, kündigte der SAP-Vorstand und Business Objects-CEO John Schwarz schon frühzeitig an, man wolle BI-Kunden von Oracle oder Microsoft keinesfalls zwingen, auf SAP zu umzusatteln. Im Klartext: BO-Tools werden weiterhin für Nicht-SAP-Kunden offen sein. Klare Tendenz zu Business-Objects-Produkten Diesen guten Vorsatz sehen BI-Experten in der neuen Produkt-Roadmap bestätigt: »Im gesamten BI-Portfolio lässt sich eine konsequente Tendenz zu BO-Produkten erkennen«, bestätigt auch Zimmermann. »Funktionsverwandte SAP-Anwendungen werden vielfach ergänzt und, um Überschneidungen zu vermeiden, mittel- bis langfristig durch BO-Produkte ersetzt.« Neben dem erfreulichen Erhalt eigenständiger BO-Produkte plant SAP zusätzlich die Entwicklung kombinierter SAP/BO-Produkte wie etwa dem OLAP-System Pioneer. BO-Produkte hingegen, die gegenüber den bestehenden SAP-Tools als schwächer einzustufen sind, werden durch leistungsfähigere SAP-Anwendungen ersetzt. Betroffen sind hier Bereiche wie Planning und Strategy Management. Allerdings soll der Support sämtlicher Produkte, deren Einstellung aus strategischen Gründen beschlossen wurde, laut SAP noch über mehrere Jahre hinweg aufrechterhalten werden. Einzige Radikalmaßnahme in Sachen BO-Produktportfolio ist die Ausgliederung des gesamten Produktbereichs »Beteiligungscontrolling« an den SAP-Partner zetVisions. Aufgrund der starken Überschneidungen mit dem BO-Portfolio beschloss SAP, die betroffenen BO-Produkte an zetVisions zu verkaufen. Trotz aller Veränderungen: Sorgen, die BO-Welt würde sich künftig in eine proprietäre verwandeln und Nicht-SAP-Kunden verschlossen bleiben, scheinen unbegründet: »Die aktuelle SAP-Strategie zielt eindeutig auf den Erhalt von Business Objects als eigenständige Marke mit frei verfügbaren Produkten ab«, erklärt Zimmermann. Eine Strategie, die auch in wirtschaftlicher Hinsicht opportun ist, verspricht sich doch der Mutterkonzern hiervon am ehesten den angestrebten Gewinn von Neukunden. Trotz des innovativen Fahrplans sind Bedenken, die Weiterentwicklung der aktuellen State-of-the-Art-Produkte von Business Objects könne im SAP-Konzern langsamer und weniger dynamisch verlaufen, nicht pauschal von der Hand zu weisen. »Die bislang völlig unabhängige Produktentwicklung von BO muss in Zukunft auf eine deutlich breitere technologische Basis gestellt werden und insbesondere die Integration in die SAP-Welt berücksichtigen«, so Zimmermann. Neben diesen Veränderungen in der Produktwelt bleibt abzuwarten, ob der Preis für BO-Produkte ansteigen wird. Ein Verdacht, der durchaus auf Erfahrung basiert: In der Vergangenheit hatte SAP die Lizenzkonditionen eingegliederter Produkte aus Zukäufen teilweise angepasst. Spezialisierte Berater für jede Branche Bis hierhin fällt die Bilanz für BO-Kunden unter dem Strich eher neutral, wenn nicht gar negativ aus. Doch auch für sie hält der Zusammenschluss durchaus Vorteile bereit. Zimmermann hebt hier insbesondere die hohe Vertriebskompetenz von Software-Primus SAP hervor: »Durch die Integration des BO-Vertriebs in den von SAP stehen allen Kunden jederzeit sehr spezialisierte Berater mit hoher Kompetenz im Kundenkontext zur Verfügung.« Ebenso würden Unternehmen von der traditionell partnerfreundlichen SAP-Philosophie profitieren: Dank diverser enger Kooperationen, auf die SAP großen Wert legt, können Unternehmen jeglicher Branche für die Implementierung mit einem spezialisierten Partner zusammenarbeiten. Für alle Kunden, gleich ob SAP oder BO, gilt: In der aktuellen Situation des Wandels ist es nicht nur von zentraler Bedeutung, über die zukünftige Produkt-Strategie von SAP informiert zu sein. Es ist auch unabdingbar, diese mit der eigenen Unternehmensstrategie abzugleichen und entsprechend zu handeln. Ein allgemeines Erfolgsrezept gibt es wie so oft im Leben auch hier nicht. Zu individuell sind die BI-Strategien in den einzelnen Branchen und Unternehmen. »Ob Unternehmen eine konservative Politik fahren und sich zunächst auf die altbewährten Produkte verlassen oder ob sie progressiv sogleich die neuesten Tools einsetzen: Die einzige Grundregel lautet: weder überstürzte Entscheidungen treffen noch vor Entscheidungen davonlaufen«, rät Zimmermann. »Veränderungen bedeuten Chancen – Potenziale birgt der Zusammenschluss des stabilen SAP-Konzerns mit der Innovations-Schmiede BO in jedem Fall.«
Die Infomotion GmbH mit Hauptsitz in Frankfurt am Main gehört zu den führenden deutschen IT-Beratungsunternehmen für Business-Intelligence-Lösungen. Infomotion, einer von zwei BO Platinum Partnern in Deutschland, wurde 2004 gegründet und hat bereits weitere Niederlassungen in München, Stuttgart und Köln. Rund 80 Berater und Entwickler planen, konzipieren und realisieren Lösungen im Bereich Business Intelligence, Corporate Performance Management, Data Warehouse und Reporting. Kunden sind unter anderem Energieversorger wie EnBW oder Kapitalanlagegesellschaften wie DekaBank, DIT und Union Investment, Retail-Banken wie Dresdner Bank und ING DiBa oder auch die Deutsche Post und Adidas. Partnerschaften bestehen mit Actuate, AQUIN Components, Business Objects, Cognos, Informatica, KXEN, Microsoft, NewFrontiers, Noad Business Intelligence, Oracle und SAS.
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