200812q BT NGN Supernetze

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Next Generation Networks

Die Super-Netze kommen

Derzeit freuen sich DSL-Kunden über fallende Preise und gleichzeitig schnellere Verbindungen. Millionen Menschen telefonieren bereits mit Voice over IP übers Internet oder nutzen es sogar zum Fernsehen. Gleichzeitig rüsten die Kabelfernseh-Anbieter auf und bieten Telefon und Internetzugang an: Der Zug namens »Konvergenz« nimmt Fahrt auf. Doch das ist erst der Anfang, denn die Carrier rüsten ihre Netze gerade komplett um auf sogenannte Next Generation Networks.

 

D

ie Richtung ist klar vorgegeben: Die klassischen leitungsorientierten Festnetze gelten heutzutage als veraltet, zu teuer, unflexibel. Um neue Dienste, wie etwa die Vernetzung von Firmenstandorten, einzuführen, haben die Netzbetreiber im Laufe der Jahre immer wieder neue Netzinfrastrukturen parallel zu den bestehenden aufgebaut, deren Betrieb und Wartung heute viel Geld verschlingt. Ein Festhalten an diesen alten Strukturen blockiert die Umsetzung echter Innovationen. Carrier rüsten deshalb ihre bestehenden Netze im großen Stil auf IP-Technik um und lassen sich das einiges kosten. So gibt BT (British Telecommunications) rund 15 Milliarden Euro für sein Netzwerk der nächsten Generation aus, um die bestehenden Netze durch eine einheitliche, IP-basierte Infrastruktur abzulösen. »21st Century Network« oder kurz 21CN heißt dieses Projekt. Denn die heutige digital vernetzte Wirtschaft braucht eine neue leistungsfähige Basis.

»Inseln« zusammenführen

Diese Umstellung, die langfristig eine ganze Branche bewegen wird, wird auch einige heute existierende »Inseln« vereinigen. So ist es noch weitgehend üblich, dass Festnetz, Mobilfunk und das Internet (VoIP) zum Telefonieren genutzt werden, aber weder eine einheitliche Abrechnung noch ein nahtloser Übergang möglich sind. Mit Festnetztelefon, Handy und VoIP-Phone werden Kunden sogar dreimal zur Kasse gebeten, meist von unterschiedlichen Anbietern. Dagegen weist eine aktuelle Studie von IBM [1] darauf hin, dass der Komfort einer einheitlichen Abrechnung bei 62 Prozent der Befragten für die Angebotsauswahl am wichtigsten ist. Im »Next Generation Network (NGN)« ist das ebenso wenig ein Problem wie eine fließende Übergabe von Telefongesprächen von dem einen ins andere Medium, denn schließlich laufen die Dienste unabhängig von den darunter liegenden Transportschichten. Der große Vorteil für den Kunden dabei: Niemand muss sich mehr Gedanken machen, welche Technik wann die bessere ist – man nutzt sie einfach.

NGNs werden den Kommunikationsmarkt stark beeinflussen. Experten prognostizieren eine Situation wie sie heute schon bei DSL-Anschlüssen üblich ist. Kunden bekommen mehr Leistung für weniger Geld und können aus einer Vielzahl von Anbietern das beste Angebot auswählen. Speziell für Privatnutzer sind Neuheiten im Multimedia-Bereich gedacht, um etwa TV-Programme auf Mobiltelefone zu übertragen (Streaming). Studien belegen, dass für Kunden die »Überall-Nutzung« von Inhalten immer wichtiger wird und sie auch bereit sind dafür zu bezahlen [2].

Und auch für Netzbetreiber und Service-Anbieter sind NGNs ein lohnendes Geschäft. Zum Einen sinken die reinen Betriebskosten für das standardisierte, einheitliche Netz, wenn die alten Netze abgeschaltet werden können. Zum Anderen können neue Services viel leichter implementiert werden, weil es letztlich nur noch darum geht, eine neue Software auf einer global verfügbaren Diensteplattform zu implementieren. Das neue Angebot ist dadurch sofort überall und auf jedem Endgerät verfügbar, und es muss nicht mehr an die heute noch existierenden unterschiedlichen Netzinfrastrukturen angepasst werden. Die Möglichkeiten, Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen, vervielfachen sich.

Große Vorteile werden die Netzwerke der nächsten Generation auch für Geschäftskunden bringen. Vor allem in großen Unternehmen sind die Anforderungen an Kommunikationsdienste komplex; durch NGNs wird die Netzanbindung einfacher und somit kostengünstiger werden. Außerdem ein weiterer Vorteil: Spezielle Geschäftsanwendungen, etwa für die Zusammenarbeit über verschiedene Standorte hinweg oder für das Kundenmanagement, können auf Basis einer weltweit einheitlichen Infrastruktur einfacher und schneller implementiert werden.

NGNs bringen Vorteile für Carrier, Dienste-Anbieter, Firmen und Privatkunden. Noch sind die Netze im Aufbau. BT rechnet damit, dass der flächendeckende Ausbau in Großbritannien bis etwa 2011 abgeschlossen ist. Viele andere Länder haben entsprechende Projekte gestartet oder zumindest angekündigt – innerhalb der nächsten 10 Jahre wird sich die Telekommunikationslandschaft maßgeblich verändern.

Dr. Christoph Hess

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Dr. Christoph Hess, Head of Product Management, BT Germany

 

[1] http://www-05.ibm.com/de/worktogether/ngncc/pdf/konvergenz_divergenz_300307.pdf

 

[2] http://www.rtr.at/de/komp/Files/Diskussionsdokument_NGN_Regulierung.pdf

 

 

 

NGNs auf dem Vormarsch – Vorbild Großbritannien

Der erste große Carrier, der mit der Umstellung seiner Netzinfrastruktur auf NGN begonnen hat, ist BT mit dem »21st Century Network« (21CN). Die Migration auf das Internet Protocol- (IP) basierte Kommunikationsnetzwerk für die Übertragung von Sprache, Daten, Video-on-Demand und Geschäfts-Anwendungen wird etwa 10 Milliarden Pfund (zirka 15 Milliarden Euro) kosten und soll bis 2011 abgeschlossen sein. Ab 2008/09 werden durch den vereinfachten Betrieb Kosteneinsparungen von einer Milliarde Pfund pro Jahr erwartet.

Allein in Großbritannien umfasst das Projekt die Umstellung von 30 Millionen Kundenanschlüssen und die Ablösung der traditionellen Sprachtelefonieplattform. Bis Januar 2007 wurden bereits 100 Millionen Telefonate erfolgreich aus dem öffentlichen Telefonnetz von BT in Südostengland über eine Next-Generation-Verbindung unter Verwendung von IP-Technologie umgeleitet.

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