20090102zl BMC Open Source Interview William Hurley

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Interview mit William Hurley

»Open Source done right«

William Hurley (whurley) ist langjähriger technologischer Visionär und ein Befürworter von Open Source, der sich bei und im Namen von BMC Software aktiv in verschiedenen Open Source Communities engagiert. Er plädiert für einen Umgang mit Augenmaß mit der Software, warnt vor übereilten Entscheidungen und räumt mit Missverständnissen auf.

 

 

Viele Experten messen Open Source gerade jetzt eine wichtige Rolle zu. Wird Open Source von der Finanzkrise profitieren?

Die derzeitige Marktsituation wird eindeutig das Interesse an Open Source steigern. Wenn die Wirtschaft kränkelt, suchen CIOs und IT-Administratoren nach Wegen, die Organisation effizienter zu machen und Kosten zu sparen. Man muß aber auch sehen, dass Open Source nicht immer die preiswerteste Lösung ist. Freie Software heißt nicht zwingend, dass man sich alle Kosten spart. Leider lassen sich Open-Source-Projekte nicht immer skalieren. Das basiert auf mangelnden Integrationsmöglichkeiten mit einer größeren Infrastruktur. Es können also sogenannte versteckte Kosten entstehen, die sich erst im Laufe eines Projekts zeigen.

Gibt es denn übergreifende Argumente, die Unternehmen auf Open Source zurückgreifen lassen?

Faktoren wie Zeit und Geld stehen meist im Vordergrund. Proprietäre Standardlösungen werden eher von Unternehmen eingesetzt, die über mehr Geld als Zeit verfügen. Firmen, die über mehr zeitliche Flexibilität verfügen, entscheiden sich hingegen eher für offene Lösungen. Unternehmen, die sehr kostenbewusst agieren und sich daher für Open-Source-Lösungen entscheiden, lernen dann oft auch die Flexibilität schätzen. Aber auch hier gilt, dass der Preis nicht das alleinige Kriterium für die Auswahl einer Software sein sollte. Open Source kann sehr günstig in der Anschaffung sein, aber wenn dann zwei Angestellte über zwei Wochen mit der Installation beschäftigt sind, ist die Ersparnis schon wieder relativ. Das muss unbedingt bedacht werden.

Das ist ein guter Punkt. Oft wird Open Source ja vorgeworfen, dass deren Total Cost of Ownership (TCO) meist höher liegt als bei proprietärer Software.

TCO ist ein valider Maßstab, der allerdings unterschiedlich angesetzt wird. Einige Unternehmen beziehen die Mitarbeiterzahl mit ein, berücksichtigen aber die Arbeitszeit nicht genau. Software bleibt aber letztlich Software. Beide Seiten haben ihre Argumente und liegen nur teilweise richtig. Große Anbieter werden sie mit versteckten Kosten bei Open Source erschrecken. Open-Source-Projekte werden die undurchsichtige Preisstaffelung bei proprietärer Software kritisieren. Die meisten Unternehmen brauchen aber beide Typen von Software und jedes Unternehmen wird in die Pflicht genommen, intern eine konsistente Methode für das Messen der über den Lebenszyklus der Software entstehenden Kosten zu entwickeln.

Warum sollte ein Unternehmen also Open Source einsetzen?

Unternehmen sollten generell die beste Lösung für jedes Problem nutzen. Die Fähigkeit, inwiefern ein Softwareprodukt sich an die jeweiligen Geschäftsanforderungen anpassen lässt, bestimmt in meinen Augen den Wert der Lösung. Jedes Unternehmen hat die Wahl und sollte sie auch aktiv treffen: Ist Open Source eine Alternative für mein Unternehmen oder nicht?

Was sind dann die größten Vorteile von Open-Source-Software?

Das ist nicht die Frage. Beide, Open Source und proprietäre Softwarelösungen basieren auf einem Code, beide sind zusammengesetzt und verteilt, beide arbeiten mit Lizenzen, beide lösen Probleme etc. Die Frage ist Community versus Einzelentwickler – dort liegt der Vorteil. Dieser Vorteil hat weniger mit der Software selbst als mit dem Marketing und dem Support zu tun. Dass die Community aus hunderttausenden von Entwicklern besteht, ist allerdings ein Märchen. Vielmehr besteht sie aus kleinen Gruppen von Anwendern, die Einblicke in die Funktionalität der Lösung geben und diese unentgeltlich bewerben.

Es heißt aber, gerade wegen dieser interaktiven Community sei Open Source nicht so sicher wie proprietäre Software.

Absolut nicht. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass jeder nach Belieben zum Quellcode beitragen kann. Die Praxis zeigt, dass bei einem Service Monitoring Provider wie Nagios mit tausenden Nutzern und rund 200 untergeordneten Projekten der Quellcode doch zu 93 Prozent vom Gründer Ethan Galstad selbst erweitert wird. Die Gefahren können also bei einem gewöhnlichen proprietären Entwicklerteam von 20 bis 30 Leuten sogar größer sein.

Sie stimmen ja dem Open-Source-Spezialisten Eric S. Raymond zu, der vor zirka 10 Jahren als erster Open Source mit einem Basar und traditionelle Software mit einer Kathedrale verglichen hat. Sie sagen nun, die Kathedrale sollte die Türen für den Basar öffnen. Heutzutage ist die Configuration Management Database (CMDB) unter IT Infrastructure Library (ITIL) eine Notwendigkeit. Kann man CMDB in dem Fall für die Kathedrale halten?

Während es bei Open-Source-Projekten wie auf einem Basar mit verschiedenen Tagesordnungen und Ansätzen zugeht, wird traditionelle Software eher wie eine Kathedrale gebaut – handwerklich aufwendig, entwickelt von einzelnen Spezialisten oder einer Gruppe, die vielmehr im Stillen und Geheimen agieren. Die CMDB und ITIL wären dann bildlich gesprochen die Kirchen. Es wäre allerdings schön zu sehen, wenn es beim Entwickeln von Standards einen gemeinschaftlichen Ansatz gäbe. Im Grunde sind ja selbst die »offensten« Standards nicht wirklich so offen. Bei ITIL kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sie bald Open Source wird. Aber ich freue mich bereits auf den Tag, an dem eine offene CMDB realisiert sein wird. Damit wird dann auch ITIL großflächiger verbreitet.

Wird ITIL also zukünftig von Open Source unterstützt? Oder gibt es noch immer eine Diskrepanz in der Wahrnehmung, dass ITIL und Business Service Management (BSM) Sache des CIOs sind, während Open-Source-Lösungen eher in den Aufgabenbereich des Technikers fallen?

Leider ist es Realität, dass die meisten Open-Source-Entwickler ITIL nicht akzeptieren, weil sie lieber mit offenen Standards arbeiten. ITIL wird sich also öffnen müssen, wenn es zum Open-Source-Standard werden will. Ich erwarte in den nächsten fünf Jahren einen grundsätzlichen Wandel wie ITIL und Open-Source-Lösungen gehandelt werden. Bei BMC ist beispielsweise der IT-Administrator, der unsere BSM-Lösungen einsetzt und nutzt, genau so wichtig wie der CIO, der sie kauft. Eine IT-Organisation kann nur durch die gute Kooperation aller funktionieren.

Wie bewerten sie die Zukunft von Open Source im Service Management?

Open Source gewinnt ja gerade jetzt an Momentum, also in einer Zeit von extremen Sparzwängen und hohen Ansprüchen an die Servicequalität. ITIL und BSM unterstützten die IT-Leiter erfolgreich bei dieser Mission. Man muss aber einsehen, dass Open-Source-Lösungen im Bereich Service Management in Deutschland derzeit noch nicht den Entwicklungsstand von proprietären Lösungen erreicht haben. Dennoch können IT-Abteilungen durch die passende BSM-Strategie einen einzigen übergreifenden Ansatz schaffen, der traditionelle und Open Source-Infrastrukturelemente erfolgreich vereint.

Was sind die drei Dinge, die sie potenziellen Open-Source-Anwendern mit auf den »richtigen Weg« geben wollen?

1.    Software ist Software. Versuchen Sie nicht, es zu kompliziert zu machen, sondern suchen sie sich die Software, die ihrem Geschäftsziel dient. Übertreiben sie es nicht und überfordern sie ihr IT-Personal nicht. Oft ist der direkteste Weg der Beste.

2.    Treffen sie keine voreiligen Entscheidungen zur Reduktion von Softwarekosten. Betrachten sie genau die Kosten für Installation, Konfiguration, Training und auch Produktivitätslevel.

3.    Schaffen sie sich einen Maßstab, wie sie ihre Software evaluieren wollen und bleiben sie dann dabei.

 

 

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William Hurley (whurley) ist langjähriger technologischer Visionär und ein Befürworter von Open Source, der sich bei und im Namen von BMC Software aktiv in verschiedenen Open Source Communities engagiert. 2008 wurde er als einer der führenden Experten im Bereich Open Source durch das LinuxWorld Magazine identifiert. Er ist Vorsitzender des Open Management Consortium und hat bereits Preise von IBM und Apple im Bereich Computing Innovation erhalten.

 

 

 

 

 
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