20090102zo CRM 2.0

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CRM 2.0 – Trends im Customer Relationship Management

Partizipation des Kunden schafft Mehrwerte

Elemente und Ideen des Web 2.0 beeinflussen künftig vermehrt Strategien und Technologien des CRM (Customer Relationship Management). Soziale Netzwerke, Blogs, Videoportale etc. eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten der Interaktion mit ihren Kunden, stellen aber gleichzeitig Anbieter und Anwender von CRM-Systemen vor technologische Herausforderungen.

 

D

en anspruchsvollen Kunden von heute für sich zu gewinnen und ans Unternehmen zu binden – keine leichte Aufgabe. Selbst maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen garantieren keine höhere Kundenloyalität, sondern führen häufig zu weiter steigenden Ansprüchen an Qualität, Leistung und Preis. Übergeordnete Zielsetzung jedes Unternehmens muss es daher sein, langfristig profitable Kundenbeziehungen aufzubauen, diese aufrechtzuerhalten und systematisch zu intensivieren. CRM-Lösungen unterstützen Organisationen seit Ende der 90er Jahre darin, Kundenpotenziale systematisch zu erschließen und auszuschöpfen. Die Technologien haben sich seitdem gewandelt, ebenso das Informations- und Kommunikationsverhalten der Verbraucher (siehe Kasten »Vom Web 2.0 zum CRM 2.0). Das Web 2.0 bietet Unternehmen heute neue Wege, seine Zielgruppen anzusprechen, sie aktiv in einen Dialog einzubeziehen und zu analysieren.

Blogs, Wikis & Co. für das Kundenbeziehungsmanagement nutzbar machen.

Hinter dem Begriff Web 2.0 steht die Idee einer intensivierten Interaktion und Kollaboration. Die Internetnutzer selbst füllen nun Webseiten mit Inhalt, schreiben Artikel für Enzyklopädien, laden Videos hoch, bauen soziale Netzwerke auf. Im Hinblick auf die Nutzung der Web-2.0-Elemente für eine neue Generation des CRM ergeben sich für Unternehmen eine Reihe von Möglichkeiten (siehe Tabelle), wobei sich die jeweiligen Elemente nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen lassen. Für das Verständnis des Web 2.0 ist es wichtig, dass darunter nicht eine bestimmte Form des Zugriffs (etwa per PC und einem Browser) auf das Internet gemeint ist. Vielmehr wird das Web 2.0 künftig verstärkt aus einem Mix von Kommunikationsmitteln und Endgeräten bestehen. Damit ist beispielsweise der Zugriff per Handy auf das Internet, das Senden von Nachrichten auf einen Blackberry oder ähnliches gemeint.

CRM 2.0 erfordert flexible Softwarelösungen.

Wollen Unternehmen neue Funktionen und Ideen des Web 2.0 in ihrem Kundenbeziehungsmanagement umsetzen, müssen sowohl Hersteller als auch Anwender von CRM-Systemen umdenken: Waren die Lösungen bisher darauf ausgerichtet, Unternehmensstrukturen und -prozesse abzubilden, sind beim CRM 2.0 in der Zukunft auch soziale Netzwerke außerhalb des Unternehmens als Bestandteil der CRM-Prozesse zu berücksichtigen. Da diese Gebilde sich oft schnell wandeln, wachsen damit die Anforderungen bezüglich der Flexibilität von künftigen Softwaresystemen. Verändern sich die Workflows etwa im Akquisitionsprozess, muss sich die IT schnell anpassen lassen.

Ansprüche an Analyse- und Auswertungsfunktionalitäten wachsen.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, bei zunehmend zergliederten Zielgruppen relevante Individuen oder Gruppen zu ermitteln. Hier müssen die CRM-Systeme künftig Möglichkeiten bieten, auch sich schnell verändernde Zielgruppen rasch zu identifizieren. Aufgrund der Vielfalt der Web-2.0-Elemente wird es in Zukunft für einzelne Unternehmen sehr schwierig werden, diese Analyse selbst vorzunehmen. Dementsprechend entwickelt sich hier jüngst ein neuer Markt, in dem sich Dienstleister mit eigenen Lösungen auf die Analyse der Web-2.0-Nutzer spezialisieren. Die besagten Lösungen bieten oftmals die Möglichkeit, kundenspezifische Daten aus bestehenden CRM-Systemen zu integrieren. Denkbar ist auch, dass solche Funktionen künftig integraler Bestandteil einer CRM-Software selbst sind.

Ähnlich wie bei der Definition von Zielgruppen im Web 2.0 sind neue Methoden und Tools für die Messung der CRM-Maßnahmen nötig. Um künftig die Investitionen in die unterschiedlichen Web-2.0-Kanäle beurteilen zu können, bedarf es an die Zielgruppen angepasster Auswertungen, die den dafür bereits heute betriebenen Aufwand deutlich übersteigen werden.

Unternehmenkultur wandelt sich durch CRM 2.0.

Bei allen technologischen Herausforderungen wird der kulturelle Wandel, der durch das CRM 2.0 auf die Sales-, Marketing- und Vertriebsbereiche zukommt, von Unternehmen wohl die stärkste Umstellung erfordern. Aus heutiger Sicht ist es noch schwer vorstellbar, dass Organisationen beispielsweise bestimmte Inhalte gemeinsam mit Bloggern erarbeiten oder dass die Diskussion mit den Mitgliedern einer Social Community zu konkreten Marketingmaßnahmen führt. Welche Web-2.0-Elemente sich im Kundenbeziehungsmanagement durchsetzen werden, bleibt daher eine spannende Frage.

Dr. Martin Stadelmann, Sascha Krause

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Dr. Martin Stadelmann, Geschäftsführer der ec4u expert consulting (schweiz) ag und Dozent für CRM an der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW)

Sascha Krause, Director CRM Consulting ec4u expert consulting ag

 

 

 

 

CRM – vom Kundenbeziehungsmanagement zur Kollaboration mit dem Kunden

Nach den umfangreichen Initiativen zur Kostensenkung, die viele Unternehmen Mitte der neunziger Jahre vorgenommen haben, entdeckten die Organisationen den Kunden wieder beziehungsweise sahen ihn unter einem völlig neuen Blickwinkel. Zeitgleich entstand ein neuer Markt für Software zur Unterstützung der Vertriebs-, Marketing- und Servicebereiche von Unternehmen – der Begriff des CRM und speziell dafür entwickelte Software waren erfunden. Der erste »CRM-Boom« hielt bis etwa zur Jahrtausendwende an. Viele CRM-Projekte gestalteten zumindest Teile der markt- und kundenrelevanten Prozesse neu. Auch die unterstützende IT-Technologie entwickelte sich weiter. Damit war in vielen Unternehmen eine Ausgangsbasis für das Management von Kundenbeziehungen vorhanden.

Im Zuge des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds zu Beginn des neuen Jahrtausends stagnierten die Investitionen in weitere CRM-Initiativen oder blieben vorerst ganz aus. Eine Folge davon war die Konsolidierung des CRM-Softwaremarkts: Viele Anbieter, die vor allem im »stuck in the middle»-Bereich der Porterschen »U-Kurve« angesiedelt waren (die also weder über einen signifikanten Marktanteil, noch über eine hohe Spezialisierung verfügten) verschwanden allmählich vom Markt.

Parallel zur dieser Marktbereinigung entwickelte sich die Informationstechnologie hin zu einer besseren Vernetzung der unterschiedlichen Systeme durch die Weiterentwicklung von Schnittstellen und Protokollen. Als Folge davon entstanden zunehmend Standards für den Datenaustausch. Damit wurde die Integration von verschiedenen Anwendungen einfacher als mit den bisher verwendeten proprietären Schnittstellen.

Diese technologische Entwicklung der verbesserten Zusammenarbeit von Systemen war auch der Ausgangspunkt für die Entstehung des Web 2.0. Im Internet der ersten Generation wurden die Inhalte mehr oder weniger zentral erstellt und verwaltet. Im Laufe der Zeit wirkten die einzelnen Internet-Technologien und –Elemente dagegen durch die bereits beschriebene Aufhebung von strikten Systemgrenzen immer besser zusammen. So wenig sich der Begriff Web 2.0 auch konkret fassen lässt: Die Kernelemente für die veränderte Wahrnehmung des Internet sind die neuen Nutzungsmöglichkeiten durch eine intensivierte Interaktion und Kollaboration. Während früher in erster Linie Redaktionen den Großteil der Inhalte von Webseiten erarbeitet haben, sind heute die Internetnutzer vielfach gleichzeitig auch die Autoren von Beiträgen. Unternehmen haben vielfältige Möglichkeiten, Web-2.0-Elemente für eine neue Generation des CRM zu nutzen.

 

 

 

Nutzungsmöglichkeiten von Web-2.0-Elementen für das CRM

Web-2.0-Element

Nutzungsmöglichkeit für das CRM

Boards/Foren

In Internetforen tauschen die Besucher Gedanken, Meinungen und Erfahrungen aus. Die Inhalte der Diskussionsforen werden archiviert.

(Beispiel: www.gaiaonline.com mit mehr als 6 Millionen Besuchern im Monat)

-          Aktive Beteiligung beziehungsweise Steuerung von Diskussionen

-          Öffnung der unternehmenseigenen Boards, um Kunden den Erfahrungsaustausch über das Unternehmen beziehungsweise dessen Produkte zu ermöglichen

-          Integration der Foreninhalte in den Feedbackprozess des Unternehmens

Blogs

Bei einem Weblog (Kombination aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch), meist abgekürzt als Blog, handelt es sich um ein Internet-Tagebuch. Der Herausgeber (»Blogger«) schreibt darin über sein Leben oder kommentiert spezifische Themen. Je nach Vertiefung und Inhalt kann es einem Internetforum oder einer Internet-Zeitung ähneln.

(Beispiel: www.huffingtonpost.com mit monatlich 3,5 Millionen Besuchern. Wurde erst 2005 gegründet)

-          Platzierung von Botschaften »Below the line«, das heißt Maßnahmen eines Unternehmens werden in einem firmeneigenen Blog kommentiert beziehungsweise erläutert (analog eines »Making-of« bei einem Film)

-          Möglichkeit der Einflussnahme über oder in fremden Blogs

Chats

Chats sind Diskussionen in Echtzeit über das Internet beziehungsweise Messenger-Systeme.

(GoogleChats oder AOL Messenger)

-          Sofortige und unmittelbare Kommunikation beziehungsweise Interaktion mit Kunden oder Interessenten

-          Entscheidungen oder Meinungen können spontan eingeholt werden

Wikis

In einem Wiki lassen sich Inhalte von den Benutzern nicht nur lesen, sondern meist auch direkt online ändern. Über Wikis können verschiedenen Autoren gemeinschaftlich an Texten arbeiten und so ihren gesamten Erfahrungsschatz einbringen.

(Beispiel: www.wikipedia.org)

-          Kann als Bindungsinstrument eingesetzt werden, indem detaillierte Informationen zu Produkten oder Leistungen gegeben werden

-          Durch die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kunden beim Aufbau eines Wikis gewinnt dieses an Authentizität und Akzeptanz

Video- und Fotoportale

Videoportale sind Websites, auf denen jeder Besucher Videos einstellen und anschauen kann.

(Beispiel: www.youtube.com)

-          Für viele Internetanwender sind Originalität und Authentizität wichtiger als aufwendig produzierte Werbebotschaften. Aus diesem Grund können Unternehmen hier auch relativ preisgünstig produzierte Multimediainhalte veröffentlichen

Soziale Netzwerke und Communities

Online-Communities beschreiben Gemeinschaften von Menschen, die sich im Internet über Plattformen begegnen und austauschen. Dabei nutzen sie Tools wie E-Mail, Chat, Instant-Messenger und Foren.

(Beispiel: www.xing.com)

-          Soziale Netzwerke werden zunehmend als Plattform für die Anbahnung von Geschäftsbeziehungen genutzt

-          Die Analyse von Personen eines Netzwerkes lassen Rückschlüsse auf ihre Stellung im Unternehmen und im gesellschaftlichen Leben zu. Diese Erkenntnisse könnten – mit dem Einverständnis der Nutzer und unter Einhaltung von Datenschutzbestimmungen – künftig bei der Anbahnung oder dem Ausbau von Geschäftsbeziehungen genutzt werden

 

RSS/Abonnementdienste

RSS-Dienste funktionieren ähnlich wie Nachrichtenticker. Sie stellen dem Leser zu bestimmten Themen die Überschriften mit einem kurzen Textanriss und Link zur Originalseite bereit.

(Beispiel: RSS-Dienst von Spiegel-Online)

-          Im Rahmen des CRM können Kunden oder Interessenten mittels eines Abonnementdiensts über Dienstleistungen, Produkte, News etc. regelmäßig informiert werden

 

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