20090102zr FSC Virtualisierte Bürowelt

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Ein Blick in die Zukunft

Virtualisierte Bürowelt

In zehn Jahren werden virtualisierte Anwendungen und Betriebssysteme die Office-Umgebung bestimmen. Der klassische Desktop-PC-Anteil in der Bürolandschaft wird sich deutlich reduzieren. Die smarten Technologien und Endgeräte dazu sind bereits vorhanden oder befinden sich in der Entwicklung.

 

Ein Blick in die IT-Office-Umgebung der Zukunft zeigt: In zehn Jahren wird der Einsatz von Desktop-PCs nicht mehr zeitgemäß sein. Die PC-Infrastruktur wird im Rechenzentrum bereitgestellt und verwaltet. Incidents auf dem Client-System werden per Fernzugriff bearbeitet. Das ist weit hergeholt? Von wegen! Die Technologien dazu sind bereits vorhanden.


Vor über 30 Jahren entstand im Xerox Corp's Palo Alto Research Center die weltweit erste moderne Office-Umgebung. Jeder Mitarbeiter erhielt ein Computer-Terminal, das über ein Netzwerk mit den anderen verbunden war. Die Idee, die Mitarbeiter über ihren eigenen Computer miteinander zu vernetzen, wurde damals belächelt. Seither hat jedoch die Verflechtung von Büros, Fabriken und Geschäften durch ein Computernetzwerk die Arbeitswelt dramatisch verändert und zu außerordentlichen Produktivitätssteigerungen geführt. Einer der vier Xerox-Ingenieure von damals, Butler Lampson, sagte einmal, er hätte nie gedacht, dass aus der von ihnen auf den Rechnern eingesetzten Software eine so große und lukrative Branche entstehen würde. Ebenso wenig konnte er sich vorstellen, welch immenser Support notwendig sein würde, um diese Computerumgebungen permanent am Laufen zu halten. »Ich bin wirklich enttäuscht«, soll Lampson einst geäußert haben. »Das haben wir absolut nicht beabsichtigt.«

Lampsons Bedauern weist auf ein Dilemma hin, in dem derzeitig viele Unternehmen stecken. Denn mit zunehmender Komplexität der Desktop-Umgebungen sind die Verwaltungskosten um ein Vielfaches gestiegen. Aber gibt es überhaupt Alternativen? Sicherheit steht immer ganz oben auf der Prioritätenliste. Upgrades sind wichtig, damit der tägliche Betrieb reibungslos läuft. Und Mobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung für nahezu alle Unternehmen.

Veränderung liegt in der Luft.

Aufgrund dieses Drucks wird sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden die sperrigen Desktop-PCs verschwinden. Dies gilt zumindest für Standardarbeitsplätze mit gängigen Anwendungen. An ihre Stelle treten Input/Output-Geräte, welche auf einer virtualisierten Infrastruktur gehostet und von einem Rechenzentrum aus verwaltet werden. Als Überbleibsel physischer Hardware wird in Zukunft wohl auf dem Schreibtisch nur ein kleiner Netzwerk-Broker stehen. Dieser verbindet die Input/Output-Geräte mit dem Rechenzentrum. Komplexere Anwendungen wie zum Beispiel CAD-Systeme werden vorerst von dieser Entwicklung eher nicht betroffen sein.

Momentan haben die Unternehmen noch vorrangig die Virtualisierung ihrer Rechenzentrumsumgebungen im Visier. Sie zielt darauf ab, den wachsenden Stromverbrauch, Probleme im IT-Management und den weiteren Ausbau der Rechenzentren in den Griff zu bekommen. Denn die virtualisierten Umgebungen lassen sich deutlich einfacher verwalten. Sie verursachen geringere Kosten und verbessern zugleich die Geschäftskontinuität. Aufgrund dieser Vorteile wird die Virtualisierungswelle nach den Rechenzentren auch die Desktop-Umgebung erfassen.

Die Zukunft hat bereits begonnen.


Service Provider wie Fujitsu Siemens Computers sind durch die enge Zusammenarbeit mit Entwicklern von Virtualisierungssoftware bereits in der Lage, gehostete virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI) bereitzustellen. Die VDI erweitert das Prinzip der Virtualisierung, indem sie es ermöglicht, Desktop-Betriebssysteme in einer überwachten Rechenzentrumsumgebung zu betreiben. Ironischerweise basiert diese künftige Lösung auf traditionellem Server-based Computing, das durch Verbindungs-Brokering, Anwendungsvirtualisierung sowie Streaming von Anwendungen und Betriebssystemen erweitert wird. Es gibt klare Anzeichen dafür, dass sich der Markt insgesamt in diese Richtung bewegt. So hat zum Beispiel Microsoft die Lizenzierung für Vista dahingehend verändert, dass Vista nun von einem Rechenzentrumsserver aus virtualisiert werden kann.

Die meisten Unternehmen sind jedoch noch weit von einer virtualisierten Desktop-Umgebung entfernt. Viele haben sich einfach noch nicht intensiv genug damit beschäftigt. Andere verfügen nicht über die erforderliche Netzwerkinfrastruktur zur Unterstützung einer VDI. Denn um eine VDI zu hosten, müssen unter Umständen die Rechenzentrumsnetzwerke neu gestaltet und die Remote-Access-Infrastrukturen verändert werden. Trotzdem zeichnet sich bereits eine gewisse Dynamik im Bereich VDI ab. Schließlich verursacht der Betrieb einer VDI deutlich weniger Kosten als der Betrieb einer physischen Desktop-Infrastruktur. Ähnlich wie bei der Internet-Telefonie könnte der Kostenvorteil auch der VDI zum Durchbruch verhelfen: Die Aussicht auf Kostensenkung bescherte der Internet-Telefonie eine rapide Entwicklung. Damit wurde eine Kommunikationsrevolution eingeleitet, die nun an den Grundpfeilern der milliardenschweren Telekommunikationsindustrie rüttelt.

Vieles wird einfacher.

Ein weiteres Indiz für einen Paradigmenwechsel hin zu zentralem Service Management ist die zunehmende Verbreitung »selbstheilender Systeme«. Diese versetzen die IT durch Service Engines in die Lage, Probleme auf der Grundlage einer stetig wachsenden Wissensdatenbank selbst automatisiert zu beheben. Technikereinsätze vor Ort sind dann kaum mehr notwendig. Man kann davon ausgehen, dass sich diese Technologien in den nächsten zwei bis drei Jahren beträchtlich ausbreiten werden.

Ein Vorgeschmack auf das, was kommt.

In zehn Jahren werden VDI-Umgebungen voraussichtlich bereits Standard in den Büros sein. Neuartige Services werden es ermöglichen, dass sich die IT laufend dynamisch an die Anforderungen des Business anpasst. Die Bereitstellung wird kurzfristig und rein bedarfsorientiert erfolgen; abgerechnet wird nach tatsächlichem Verbrauch. Fujitsu Siemens Computers arbeitet bereits erfolgreich an Pilotprojekten in diesem Bereich und hat auf dem IT-Forum VISIT 2008 seinen »Managed Virtual Workplace« als erstes Beispiel für einen »Workplace-as-a-Service« (WaaS) vorgestellt. WaaS ist Teil des umfassenderen Programms Infrastructure-as-a-Service (IaaS) für Büro und Rechenzentren. Bei WaaS bezahlt der Kunde nur das, was er tatsächlich genutzt hat. Neue Arbeitsplätze sind im Handumdrehen auf der Basis fest definierter Service Level Agreements eingerichtet.

Es ist schwierig, schon heute vorherzusagen, wie die Input/Output-Geräte der Zukunft genau aussehen werden. Bereits Mitte 2007 gab es einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommen wird: »Surface« von Microsoft ist ein flacher, tischartiger Computer, der es erlaubt, Bilder mit den Händen zu manipulieren. Surface hat weder Kabel noch Plug-Ins. Mehrere Benutzer können am selben Bildschirm, aber an verschiedenen Projekten, arbeiten. Auch wenn die Input/Output-Geräte der Zukunft möglicherweise anders aussehen werden, so ist Surface doch Ausdruck eines sich abzeichnenden neuen Trends. Dabei verschwindet die Technik zunehmend im Hintergrund, während die Endgeräte eine neue Sichtbarkeit erlangen.

Wachsende Mobilität.

VDIs unterstützen aber auch sehr gut die kollaborative Zusammenarbeit sowie Wissensmanagement und mobiles Arbeiten. Analysten gehen davon aus, dass in den kommenden drei Jahren die Zahl der mobilen Arbeiter weltweit auf eine Milliarde Menschen ansteigt, und es gibt Szenarien für Deutschland, denen zufolge im Jahr 2020 bereits über 80 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande über Fernzugriff arbeiten wird. Endgeräte für mobiles Arbeiten sind schließlich bereits weitgehend verfügbar beziehungsweise in der Entwicklung. Technologische Neuerungen treiben diese Veränderungen voran: So sind mobile Netzwerke mittlerweile fast allgegenwärtig, und Handhelds können zunehmend große Datenmengen speichern und prozessorintensive Anwendungen ausführen. Die meisten Branchenexperten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 mobile Geräte beachtliche Datenspeicher und rechnerische Fähigkeiten besitzen werden. Ultrahochgeschwindigkeitszugang in die Netze wird zur Norm und die mobilen Endgeräte werden ein solches Niveau erreichen, dass sie sogar wissen, wer mit ihnen arbeitet, wo sich der Benutzer befindet und was er gerade macht.

Auch die VDIs werden den Trend in Richtung kollaborative Zusammenarbeit und mobiles Arbeiten beschleunigen, denn sie ermöglichen es, das Potenzial leistungsstarker mobiler Geräte voll auszuschöpfen. Die Standardisierung von Clients und Anwendung durch das Rechenzentrum führt zu einer effektiveren Kontrolle über die gemeinsam genutzten und die mobilen Werkzeuge. In der Bürowelt von morgen wird die virtuelle Welt vollkommen integriert sein. Es wird Raum sowohl für individuelles Arbeiten also auch für innovative Arten der Zusammenarbeit geben. Aus der Perspektive des Endnutzers wird die IT-Infrastruktur jedoch geradezu unsichtbar: Er hat es schließlich nur noch mit der Oberfläche eines Desktops oder eines mobilen Endgeräts zu tun.

Vorteile überwiegen.

Allerdings birgt die zentrale Verwaltung auch einen inhärenten Konflikt: Die Unternehmen müssen einen Mittelweg finden zwischen Standardisierung und Kontrolle auf der einen und mehr Flexibilität durch Remote-Geräte auf der anderen Seite. Die Frage, ob mehr Standardisierung oder mehr Flexibilität das Richtige ist, muss in Zukunft wahrscheinlich von Fall zu Fall entschieden werden. Fest steht jedenfalls: VDI wird in die Office-Umgebung einige neue Vorteile einbringen: Kontrolle und Verwaltung auf Unternehmensebene, mehr Effizienz und Zuverlässigkeit, sicheres Remote-Management, Geschäftskontinuität der Desktops, Hochverfügbarkeit, Disaster-Recovery-Funktionen, erhöhte Sicherheit und erheblich reduzierte Vor-Ort-Einsätze von Technikern. Um diese Vorteile zu nutzen, werden die Unternehmen auf die zentralisierte Desktop-Verwaltung vom Rechenzentrum aus umsteigen. Das bedeutet, dass sich die Office-Umgebungen schrittweise verändern, bis sie sich – in naher Zukunft – fundamental von den Heutigen unterscheiden.

Bis es soweit ist, werden die Unternehmen allerdings weiterhin eine Misch-Infrastruktur betreiben müssen, deren einheitliches und performantes Management die größte Herausforderung darstellt. Durch ITIL-basiertes Service Management, fortschreitende Standardisierung, die Einführung von Virtualisierungstechniken und den Einsatz von »XaaS»-Angeboten kommen sie ihrem Ziel jedoch Schritt für Schritt näher.

Bernd Wagner

 

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Bernd Wagner ist Vice President Fujitsu Siemens Computers Infrastructure Services Deutschland

 

 

»2020 sollen bereits über 80 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande über Fernzugriff arbeiten.«

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