20090102 zzc IT-Trends 2009

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IT-Trends für 2009

Wohin gehen Markt und Technologien?

Welche IT-Trends sehen die Anbieter für 2009? Manage IT hat bei Siemens IT Solutions and Services, Alcatel-Lucent, Materna, HP, Sterling Commerce, Ernst & Young sowie Foundry Networks nachgefragt. Ihre Antworten sind umso spannender, zumal in diesem Jahr nicht nur technische Innovationen, sondern auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Einfluss auf die Strategien der Anbieter und denen ihrer Kunden haben werden.

 

S

ollte sich die Finanzkrise zu einer handfesten Wirtschaftskrise aufbauen, werden die Unternehmen voraussichtlich noch stärker auf die Kosten achten, also das Pro und Kontra von IT-Entscheidungen noch mehr abwägen. Und sie werden, weil auch das Kostenfaktoren sind, hinterfragen, in welcher Zeit, unter welchen Risiken und mit welchen Ergebnissen IT-Vorhaben tatsächlich realisierbar sind.

Michael Heiss, Leiter von Knowledge Networking, Innovation und Technology Management bei Siemens IT Solutions and Services: Ich sehe in diesem Jahr erhöhten Bedarf an professionellem Testmanagement. Angesichts der steigenden Komplexität der IT werden die Unternehmen zunehmend darauf angewiesen sein, potenzielle Softwareprobleme frühzeitig zu erkennen, sie soweit wie möglich auszuschließen und die Funktionsweise der Programme innerhalb der Architektur abzusichern. Testmanagement wird sich somit für die Unternehmen auch als Schlüssel dafür erweisen, Projektrisiken zu minimieren, Projektzeiten zu verkürzen, Projektziele zu erreichen und später auf einen wirtschaftlichen IT-Betrieb mit hoher Servicequalität zu bauen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist der Einsatz moderner Werkzeuge zur Testautomatisierung. Nur dadurch kann ein gleichbleibend hoher Qualitätsstandard über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden. Testmanagement wird also die technische Konsolidierung konsequent fortsetzen, nur diesmal auf der Ebene der Methoden und Verfahren rund um die Entwicklung, Integration und Anpassung von Programmen und Schnittstellen. Testmanagement muss zu einem für die Unternehmen ständigen Begleiter werden – schon, um die immer höheren Performance- und Verfügbarkeits-Anforderungen optimierter Geschäftsprozesse IT-seitig bewerkstelligen zu können. Die stärkere Hinwendung der Unternehmen zum Testmanagement wird allerdings eines voraussetzen: die Erkenntnis bei den Entscheidern, dass tragfähige Konzepte, Strukturen und Vorgehensweisen erforderlich sind, um alle notwendigen Tests systematisch durchführen zu können. Die Unternehmen müssen also vorab in Spezialisten-Know-how, Modelle, Tools und interne Abstimmungsprozesse investieren, um anschließend vom Testmanagement im breiten Maßstab und auf Dauer profitieren zu können.

Dr. Jörg Fischer, Leiter für Strategische Geschäftsentwicklung bei Alcatel-Lucent in Deutschland: Aufgrund der absehbaren Marktsituation werden viele Unternehmen nach Kostenentlastung durch IT-Outsourcing Ausschau halten. Glaubt man den Service Providern, haben sie sich bereits durch Virtualisierung der IT-Ressourcen (Stichwort: dynamische Ressourcenzuweisung) und flexible Applikationsbereitstellung (Stichwort: Software-as-a-Service respektive Cloud Computing) auf den kommenden Run der Unternehmen eingestellt. Um in Zeiten der Geschäftsprozessoptimierung für den IT-Eigenbetrieb ihrer Kunden gleichberechtigt in die Bresche springen zu können, werden die Service Provider allerdings mehr tun müssen. Sie werden für ihre Kunden komplette Geschäftsabläufe Ende-zu-Ende simulieren und bewerten müssen, um entsprechende höherwertige Service Level Agreements (SLAs) bieten zu können. Das gilt nicht nur für SLAs mit Fokus auf eine höhere Ende-zu-Ende-Verfügbarkeit und -Performance. Auch IT-Sicherheit werden sie als Managed Services End-to-End ausrichten müssen. Sämtliche höherwertigen SLAs werden sie nur dann offerieren können, wenn sie erheblich in dafür notwendige Service- und Identity-Management-Werkzeuge einschließlich der dazu passenden Billing-Tools investieren werden. Ende-zu-Ende heißt auch: Sie werden gegenüber ihren Unternehmenskunden eine höhere Leistungsverbindlichkeit eingehen müssen. Zusätzlich werden die Service Provider, die steigenden Daten-, Sprach- und Videolasten vor Augen, erheblich mehr Verbindungsbandbreite vorhalten müssen, ohne dafür über die Maßen zur Kasse zu bitten. Oder anders gesagt: Es wird von der Investitionsbereitschaft sowie dem Service- und Bandbreiten-Engagement der Provider abhängen, ob sie zu schwachen Marktzeiten Outsourcing-Trends setzen werden. Sie werden also im eigenen Geschäftsinteresse und gegen den allgemeinen Markttrend, Kosten einzusparen, investieren müssen.

Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Sicherheit bei Materna: Die Virtualisierung von Servern und Speichern schreitet in den Unternehmen voran. Dieser Trend wird sich aufgrund der damit verbundenen Kosteneinsparungen dieses Jahr noch verstärken. Im Sog dieses Trends wird sich die Virtualisierung von Desktops im Markt die Bahn brechen. Die Desktop-Virtualisierung ist nicht nur die konsequente Weiterentwicklung der Server- und Speicher-Virtualisierung. Auch im Prinzip der Zentralisierung – genau darum geht es bei der Desktop-Virtualisierung und ihre Ausrichtung als Desktop-as-a-Service (DaaS) – stecken für die Unternehmen ebenfalls erhebliche Kosteneinsparungen. Das gilt für die gesamte Erfüllungskette: Einrichtung, Konfiguration, Administration, Management, Ausbau, Service & Wartung. Insider schätzen ein, dass heute ein klassischer PC (Hard- und Software) über einen Abschreibungszeitraum von drei Jahren 180 bis 240 Arbeitsstunden verursacht und damit das Zehnfache der Anschaffung kostet. Die voraussichtliche Marktrezession wird den Trend, durch DaaS die laufenden PC-Kosten durch Prozessautomatisierung mit virtuellen Desktops um bis zu 50 Prozent zu drücken, noch verstärken. Daneben sprechen Flexibilitätsgründe dafür, die Administrations- und Managementverantwortung für die kompletten Desktops zu zentralisieren. Als dynamisch verlinkbarer Service, angesiedelt im Rechenzentrum, kann auf seine Funktionen und Daten nahezu beliebig zu jeder Zeit und von jedem Ort zugegriffen werden. Zudem werden durch den Wechsel auf DaaS die Softwareverteilung, Administration, das Management und die Ressourcen-Zuweisung deutlich überschaubarer werden. Noch mehr: Durch Zentralisierung und Virtualisierung können viele Einrichtungs-, Administrations- und Managementprozesse automatisiert werden. Auch diese zusätzlichen Kosteneinsparungen werden sich die Unternehmen unter den aktuellen Marktvorzeichen nicht entgehen lassen.

Michael Garri, Enterprise Server Business Unit bei HP Deutschland: Die Virtualisierung von IT-Ressourcen wird in den Unternehmen weiter voranschreiten. Dafür sprechen nicht nur Kosteneinsparungsgründe. In dem Maße wie die Unternehmen ihre Geschäftsprozesse optimieren, also in Form von Prozessketten durchgehend gestalten, werden die Anforderungen an die IT steigen. Sie muss als Motor für das Geschäft hochverfügbar und hoch performant sein. Zudem muss die IT dazu in der Lage sein, flexibel und dynamisch mit der Zuordnung von Kapazitäten auf veränderte Marktsituationen und/oder Organisationsveränderungen zu reagieren. Die Virtualisierung wichtiger IT-Säulen, allen voran der Server und Speicher, ist für all dies das richtige Rezept. Die Einführung einer logischen Verbindungs- und Ausführungsschicht macht es möglich. Und die Geschäftsprozessoptimierung selbst? Sie ist für die Unternehmen gerade in Zeiten der Marktkrise ohne Alternative, weil damit der Kostendruck zunehmen wird und externe und interne Veränderungen noch häufiger an der Tagesordnung sein werden. Eine aktuelle Studie des Marktforschers Coleman Parkes im Auftrag von HP spiegelt die Wichtigkeit der IT-Virtualisierung für die Unternehmen wider. 500 IT-Entscheider innerhalb von EU-Unternehmen mit mindestens 1 Milliarde US-Dollar Umsatz beziehungsweise mindestens 250 Mitarbeitern wurden befragt. Als maßgebliche Gründe für ihre Virtualisierungsinitiative gaben sie Kostensenkung (59 %), eine höhere Verfügbarkeit (52 %), eine höhere IT-Service-Qualität (48 %), mehr Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen geschäftlichen Anforderungen (48 %), verbesserte Business Continuity (47 %), Senkung der Energiekosten (46 %) und eine höhere Produktivität (42 %) an. Dieser Virtualisierungstrend wird über viele Jahre anhalten. So erwarten die IT-Entscheider in den interviewten EU-Unternehmen, dass bis 2011 erst 49 Prozent ihrer IT virtualisiert sein werden.

Jochen Werner, Sales Manager bei Sterling Commerce: Die Vernetzung von Unternehmen hat sich als erfolgreiches Rezept erwiesen, automatisiert Aufträge, Informationen und Geschäftsnachrichten auszutauschen. So haben die Unternehmen ihre operativen Kosten senken können, parallel an Flexibilität bei der Anbindung Ihrer Kunden, Lieferanten und Partner gewonnen. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage verbunden mit einer voraussichtlich anhaltenden Rezession werden die Unternehmen noch mehr auf ihre operativen Kosten achten und noch mehr Wert auf eine höhere Flexibilität bei der Einbindung von Geschäftspartnern legen. Denn in einem rückläufigen Markt werden sich Entwicklungen wie Markt- und Unternehmenskonsolidierung beschleunigen, parallel der Wettbewerbs- und Kostendruck zunehmen. Damit werden 2009 diejenigen E-Communities als erfolgreich erweisen, die:

-          einen automatischen Austausch von Geschäftsinformationen zeitnah und kostensparend realisieren,

-          die steigende Geschwindigkeit von Konsolidierungsprozessen durch eine schnelle Anbindung beziehungsweise Ausgliederung von Unternehmen unterstützen,

-          flexibel die Anforderungen ihrer Geschäftspartner umsetzen beziehungsweise die dafür notwendigen Technologien anbieten.

Dass diese Zielsetzungen vereinbar sind, beweisen moderne Multi-Enterprise-Gateways. Sie stehen sowohl als Lösungen für den Eigenbetrieb als auch als Managed Services im Rahmen von Outsourcing bereit. Sie erschließen die Perspektive, den Informations- und Nachrichtenaustausch unternehmensübergreifend soweit wie möglich zu automatisieren. Parallel halten sie durch ihre modulare Architektur genügend Kommunikations-, Nachrichten- und Applikationsschnittstellen vor. Dadurch können bei Bedarf schnell neue Unternehmen eingebunden sowie interne wie externe Veränderungen nachvollzogen werden. Diese Form der flexiblen Vernetzung wird gerade in Zeiten der Rezession für die Unternehmen mitentscheidend dafür sein, ob sie sich im Markt behaupten oder nicht behaupten können.

Dr. Robert Heinrich, Partner Advisory Services bei Ernst & Young: Je gravierender die Marktschwäche ausfallen wird, um so mehr werden die Unternehmen auf ihre Kosten, auch ihre IT-Kosten, schauen. Damit stellt sich angesichts eines zumindest stagnierenden Marktes die Frage, inwieweit sich Green IT wird behaupten können. Wird doch angesichts dieser Entwicklung dieser Trend mehr oder weniger auf seinen wahren Inhalt zurückgeführt werden: Energieeinsparungen zur CO2-Entlastung des Klimas und Reduzierung der Hardware zum Abbau von umweltschädlichen Fertigungs- und Entsorgungslasten. So ist bei Erdölpreisen, die sich gegenüber dem Hoch im Juli 2007 fast gedrittelt haben, von fallenden Energiepreisen auszugehen. Dadurch wird auf absehbare Zeit das Einsparungspolster durch IT-Konsolidierung und -Virtualisierung, zumindest auf der Energieseite, dünner ausfallen. Eine umweltverträglichere Hardware-Fertigung und -Entsorgung wurde ohnehin, trotz Green IT, bisher von den Herstellern und Anwendern kaum adressiert. Die aktuelle Studie »Social Green IT« von Ernst & Young im deutschsprachigen Bereich fördert zu Tage, dass unter den IT-Hersteller lediglich 30 Prozent eine fachgerechte Teileentsorgung durchführen. Nur 34 Prozent der befragten Anwenderunternehmen konnten auf einen Bestandteile-/Richtlinienkatalog verweisen, anhand dessen sie die Zusammensetzung der gekauften Hardware prüfen und überwachen können. Mit Blick auf steigende Treibhaus-Emissionen wird sich somit für die IT-Hersteller wie für die IT-Anwender gleichermaßen die Gretchen-Frage stellen: Wie hast du´s mit dem Klima? Sollten vorrangig die erreichbaren Kosteneinsparungen für die IT-Entscheidungen bestimmend sein, könnte dies das Ende des Green-IT-Trends einläuten. Wie sieht das der potenzielle Absatzmarkt für Green IT? – Nur ein Drittel (35 %) der interviewten Anwenderunternehmen sind nach der Studie bereit, plus 5 Prozent mehr für eine grüne IT auszugeben.

Ananda Rajagopal, Produktlinien-Manager Service Provider-Lösungen bei Foundry Networks: Dieses Jahr werden Weitverkehrsverbindungen zunehmend in den Brennpunkt des Geschehens geraten. Angesichts der Geschäftsprozessoptimierung in den Unternehmen werden die Verantwortlichen für die Weitverkehrsverbindungen, die Carrier und Service Provider, handeln müssen. Zumal auf ihrer Seite meist ein erheblicher Nachholbedarf besteht. Unified Communications, über das vermehrt verzögerungsempfindliche Ströme wie Telefonie und Video Conferencing Einzug halten werden, setzen die Carrier und Service Provider zusätzlich unter Handlungsdruck. Das liegt nicht nur daran, dass die bisher von ihnen gebotenen Verbindungsbandbreiten meist nicht ausreichen. Auch die offerierten SLAs (Service Level Agreements) sind für optimierte Geschäftsprozesse unzureichend, insbesondere um die Anlieferung von Echtzeit-Sprache und -Video, bei Konferenzen zusätzlich die Synchronität von Sprach- und Videosequenzen, sicherzustellen. Die Fernschnittstellen sind somit die Optimierungsengpässe. Demzufolge werden die Anwenderunternehmen verstärkt darauf drängen, dass die Carrier und Service Provider innerhalb ihrer Domäne deutlich nachbessern. Wie stark diese Anbieter in die Performance und Qualität der Geschäftsprozesse ihrer Kunden involviert sind, wird daran deutlich, dass die meisten dieser Prozesse über den Tellerrand der lokalen Netzwerke hinausreichen. Trend wird deshalb sein, dass die Carrier und Provider, trotz Marktschwäche, erheblich investieren. Denn nur unter dieser Voraussetzung werden sie bandbreitenstarke Zugänge schaffen und ihre SLAs konsequent auf Ende-zu-Ende-Qualitäten richten können. Oder anders gesagt: Ohne diese Investitionen werden sie sich im Wettbewerb nicht behaupten können.

Hadi Stiel

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Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg

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