20090304a Sterling Commerce Lieferkette optimieren

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Lieferkettenoptimierung

Der kluge Umgang mit Lieferketten

Die aktuelle Wirtschaftslage zwingt Unternehmen mehr denn je, Kosten einzusparen und alle anderen Geschäftsstrategien vorerst zweitrangig zu behandeln. Externe und interne Lieferketten genauestens unter die Lupe zu nehmen, stellt in diesem Zusammenhang eine unabdingbare Maßnahme dar, denn sie verspricht lohnende Aussichten.

 

D

ie Fertigungsindustrie kann besonders stark von der Lieferkettenoptimierung profitieren: So agieren Hersteller komplexer Produkte und Bauteile überwiegend auf internationalem Parkett. Mehr als die Hälfte ihrer Kundenanfragen stammen aus dem Ausland – rund 50 Prozent der Zulieferaufträge gehen dorthin. Hinzu kommt: Führende Industrieunternehmen, die ihre Produkte rasch und effizient in den Markt einführen, haben gegenüber den sogenannten »Nachzüglern« einen Kostenvorteil von über 50 Prozent.

All diese Faktoren weisen darauf hin, dass großes Kostenoptimierungspotenzial in der Prozessmodernisierung steckt. Die Umgestaltung vorhandener Lieferketten sowie entsprechende Synchronisierungsstrategien zeichnen ein völlig neues Bild der Realität, wo bislang »Brandbekämpfung«, also die kurzfristige und kostenintensive Fehlerbewältigung innerhalb der Auftragsbearbeitung, auf der Tagesordnung stand. Auf der Suche nach der geeigneten Lösung gilt in der Industrie traditionell das Motto: je günstiger desto besser. Doch wie auch bei ihren Produkten müssen die Hersteller großen Wert auf Innovation und Design legen, wenn es um ihre Supply Chains geht.

Obwohl viele Betriebe erkannt haben, dass unternehmensübergreifende Visibilität eine Schlüsselrolle auf dem Weg zum Erfolg spielt, haben sie ihre Geschäftspartner und Kunden kaum beziehungsweise mangelhaft in die eigene Wertschöpfungskette integriert. Dies hat auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des AT&T-Unternehmens Sterling Commerce aufgedeckt. Weil 43 Prozent der befragten Betriebe in Deutschland ihre Geschäftspartner nur teilweise oder gar nicht in die eigenen Systeme einbinden, müssen Aufträge, die bereits beim Eingang fehlerhaft sind, durch Mitarbeiter manuell korrigiert werden. Dies kann täglich bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus bleibt der Zugang zu entscheidenden Informationen ohne adäquate Integration versperrt. Ohne diese Information können die Unternehmen wiederum keine Visibilität erreichen. IT-Abteilungen tun sich oftmals noch schwer damit, hierbei Unterstützung zu leisten. Es kommt den Unternehmen aber weitaus teurer zu stehen, wenn sie nicht wissen, was genau entlang ihrer Wertschöpfungskette passiert. So können Strafen oder Gebühren aufgrund der Missachtung gesetzlicher Bestimmungen in unterschiedlichen Ländern die Erlöse empfindlich schmälern. Manchmal sind es nur inneffiziente Supply Chains selbst, die die Einnahmen verringern. Wer aber legt fest, wie eine optimale Lieferkette auszusehen hat? Wie sehen die entscheidenden Erfolgsfaktoren aus? Und lassen sich diese überhaupt umsetzen oder sind sie lediglich das Resultat eines theoretischen Idealzustands?

Ungenutztes Potenzial in der Bestandsverwaltung aufspüren

Zu jeder Kostensenkungsstrategie gehört es, einen genauen Blick auf die Bestandsverwaltung zu werfen und ein Gespür dafür zu entwickeln, an welchen Stellen Potenzial zur Effizientsteigerung verborgen ist. Für alle Betriebe, die weltweit agieren und im regen Austausch mit Partnern aus der ganzen Welt stehen, spielt Visibilität eine Schlüsselrolle, wenn es um die Optimierung der Lagerverwaltung geht. Traditionelle Bestandsoptimierungsstrategien sind aufgrund ihres eindimensionalen Ansatzes nicht mehr zeitgemäß. Oft betrachten sie nur das einzelne Warenlager ohne es in den Kontext eines gesamten globalen Lagernetzwerkes inklusive Zuliefererbestände zu stellen. Viele Unternehmen versuchen das Problem der Komplexität gekonnt zu umschiffen, indem sie sämtliche Lagerverwaltungs- und Logistikprozesse an Drittunternehmen vergeben. Doch grundsätzlich gilt: Wer Teile seiner Supply Chain auslagert, sollte sicherstellen, dass er Aufträge, Lagerbestände oder Lieferstati nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände beziehungsweise innerhalb eines Standortes überblicken kann, sondern auch alle anderen Standorte und Partner miteinbezieht. Hier gibt es durch die Bank noch großen Nachholbedarf.

Kommunikation im Verbund

Zunächst steht jedes Unternehmen vor großen Herausforderungen, wenn es den gesamten Auftragsabwicklungsteil (Fulfillment) der Lieferkette transparent überblicken und kontrollieren möchte. Viele werfen das Handtuch noch bevor sie überhaupt an Prozess- und Technologieintegration denken. Zu komplex erscheint es ihnen, den Austausch mit tausenden von Zulieferern, die jeweils mit unterschiedlichen Prozessmodellen und -technologien arbeiten, zu erfassen. Führende Industrieunternehmen haben die Hemdsärmel hochgekrempelt und unter Hochdruck in die Schaffung globaler Visibilität investiert. Und das tut auch Not: Um auf den Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen alle strategischen Vorgehensweisen international ausgerichtet sein. Dies gilt entsprechend auch für Visibilitätsvorhaben. Wer seine Prozesse weltweit und zudem unternehmensübergreifend überblicken kann, verbessert die Kommunikation zwischen Vertrieb und Auftragsabwicklung und passiert bislang unerreichte Wegmarken:

Echtzeit-Verfügbarkeit innerhalb des globalen Netzwerkes

Mit der Auftragserteilung an die Zulieferer geht den Industriebetrieben an dieser Stelle meist der Überblick verloren. Verlinkt man jedoch den Auftrag des Kunden oder Distributors mit der Bestellung beim Lieferanten, kann dieser seinem Hersteller unverzüglich Informationen zur Lagerverteilung und Lieferbarkeit zur Verfügung stellen. Sollte es zu Engpässen kommen, kann der Hersteller schneller reagieren und entsprechende Maßnahmen zur Auftragsumverteilung einleiten.

Koordinierte Einzelaufträge über zahlreiche Zulieferer, Systeme und interne Supply Chains hinweg (Distributed Order Management)

Da die Hersteller oftmals mit einer Vielzahl an Systemen arbeiten, fällt es ihnen schwer, Bestellungen bei verschiedenen Zulieferern koordiniert vorzunehmen. Gerade hier lassen sich enorme Kosteneinsparungen erzielen. Dies beginnt schon beim Erstauftrag des Distributors für ein komplexes Produkt. Der Hersteller zerlegt die Bestellung wiederum in ihre einzelnen Bestandteile und ordert Rohstoffe, Komponenten oder bestimmte Halbfertigerzeugnisse bei unterschiedlichen Lieferanten auf der ganzen Welt. Mit Hilfe eines globalen, transparenten Systems können die Betriebe den Status Quo ihrer Bestellung beim Zulieferer jederzeit einsehen und mit den Daten der Kundenbestellung abgleichen. Das Ergebnis ist eine optimierte Ablaufplanung und Produktion. Auf Fehler können die Betriebe angemessen reagieren, so dass es zu keinen Verzögerungen bei der Auslieferung kommt oder die Ausführung des Kundenauftrags anderweitig negativ beeinflusst wird.

Auftragsverfolgung (Tracking) und Auftragsmanagement

Unternehmen bieten ihre Produkte in den meisten Fällen über unterschiedliche Kanäle (klassischer Vertrieb, Call Center, Webshop etc.) an. Dem Visibiltätsgedanken folgend sollten diese zu einer Ansicht konsolidiert werden. Unglücklicherweise hält sich in der Praxis weitestgehend noch der Ansatz, Aufträge separat zu erhalten und zu tracken. Die richtigen Entscheidungen lassen sich jedoch nur dann fällen, wenn der Überblick über alle Eingänge und Bearbeitungsstati vorhanden ist und die Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen. Dafür müssen die Entscheider Investitionen in Integration und in eine unternehmensübergreifende Bestellmanagementlösung ganz oben auf ihre Agenda stellen. Das enorme Einsparpotenzial, das solche Lösungen mit sich bringen, sollte ihnen die Entscheidungsfindung erleichtern. Hinzu kommt, dass traditionelle Warenwirtschafts- oder MES-Systeme diesen Anforderungen nicht gewachsen sind.

Verbessertes Reaktionsvermögen dank Kurswechsel

Fakt ist: Lieferketten sind mit Fehlern gespickt. Egal wie effizient oder effektiv die Unternehmen geplant haben – unerwartete Szenarien gehören zum Alltag. Um die Lieferkette im Falle einer Änderung schnell anzupassen, bedarf es neben einer guten Planung einer flexiblen Abwicklungsstrategie. Neben den herkömmlichen Faktoren, die das Unternehmensnetzwerk beeinflussen, kommt es gelegentlich auch zu Betriebsauslösungen oder Fusionen. In solchen Fällen sollten sich die Aufträge auf neue Standorte oder alternative Partner umleiten lassen, ohne Bestellmanagementsystem und -prozesse komplett neu programmieren beziehungsweise definieren zu müssen. Da einige Störungen nur von kurzer Dauer sind, muss sich die Lieferkette schnell wieder in ihren »ursprünglichen« Zustand versetzen lassen, was ebenfalls einen hohen Grad an Flexibilität und Reaktionsvermögen erfordert.

Von umfassender Visibilität können die Unternehmen nur profitieren, wenn sie sich ein System ins Haus holen, das mit Werkzeugen zur unternehmensübergreifenden Auftrags- und Bestandsverwaltung ausgestattet ist. Dies schafft eine stabile und skalierbare Plattform, die bestehende IT-Systeme einfach integriert. Das Szenario könnte wie folgt aussehen: Unternehmen setzen an den jeweiligen Standorten oder Business Units unterschiedliche Warenwirtschaftssysteme ein. Das dezentralisierte Bestellmanagement bindet Geschäftspartner in die Prozesse ein und trägt dafür Sorge, dass Informationen jedem im Verbund zur Verfügung stehen.

Grundgedanke dieser Strategie ist es, Zulieferung und Verkauf unternehmensübergreifend zu betrachten, Prozesse zu implementieren, Systeme zu integrieren sowie den gemeinsamen Austausch zu optimieren. Wer sich mit der gesamten B2B-Community vernetzt, hält schließlich den Schlüssel für erfolgreiche Geschäfte in der Hand. Mit durchgängiger Transparenz können die Unternehmen feststellen, wo sich Einsparungen realisieren lassen und Effizienzsteigerungen möglich sind.

Ronald Teijken

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Ronald Teijken, Industry Executive for Manufacturing and Logistics Operations der EMEA-Region bei Sterling Commerce

 

 


  

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