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Modernisierung von Enterprise-Applikationen Wenn Software Falten bekommt Die großen Enterprise-Applikationen sind zwar die Basis der Unternehmens-IT, aber sie können viele neue Anforderungen nicht erfüllen. Eine Modernisierung dieser Systeme ist daher erforderlich. Mit der Portierung auf neue Plattformen und der Erweiterung durch neue Technologien stehen dabei zwei sich ergänzende Strategien zur Verfügung.
icht nur die Gesellschaft wird älter, auch die Software. Die großen Enterprise-Applikationen wurden meist in den 80er-Jahren konzipiert und aufgebaut; natürlich wurden diese Systeme seither vielfach weiter entwickelt, unzählige Male überarbeitet und "gepflegt", so dass zwar die Programmstruktur geblieben ist, aber mitunter keine einzige Code-Zeile der Anfangszeit. Der strukturelle Kern dieser Anwendungen bleib jedoch erhalten: Es sind in COBOL oder PL1 erstellte Host-Systeme. Auch wenn die Benutzer heute in der Regel nicht mehr den berüchtigten 3270-Green-Screen sehen, sondern immer öfter mit modernen grafischen Front-Ends arbeiten können, so sind doch viele technologische Entwicklungen der letzten Jahre an den Enterprise-Applikationen vorbeigezogen, ohne tiefere Spuren zu hinterlassen. Dennoch – ihre Fans würden sagen: deswegen – sind diese Systeme in den Unternehmen heute wie ehedem für die wirklich wichtigen Dinge zuständig. Sie werden zum Beispiel für Warenwirtschaftslösungen größerer Unternehmen eingesetzt, für Buchungssysteme, für die Kontoführung in Banken, die Vertragsverwaltung in Versicherungen usw., also überall da, wo ein hohes Transaktionsaufkommen und große Benutzerzahlen zuverlässig bewältigt werden müssen. Ihre Performance und Stabilität lässt sich nicht so leicht übertreffen, und das ist auch der Grund, weshalb die IT-Abteilungen der Unternehmen bis heute so zäh an diesen – vermeintlich alten Anwendungen festhalten. So eindrucksvoll nämlich die Entwicklung der Softwaretechnologie in den letzten 25 Jahren auch war, zu diesen großen, unternehmenskritischen Enterprise-Anwendungen gibt es noch immer keine Alternative. Dennoch sind die Alterungserscheinungen dieser Systeme mittlerweile unübersehbar. Die Welt außerhalb der Software ändert sich heute sehr schnell, die daraus entstehenden neuen und rasch wechselnden Anforderungen, die sich verändernden Geschäftsmodelle und -prozesse, lassen sich in den Enterprise-Applikationen oft nicht mehr adäquat abbilden, zumindest nicht mehr zeitnah. Die Analysten der Gartner Group sprechen in diesem Zusammenhang von einem "inherent lack of agility in established IT systems". Längst ist deswegen neben der klassischen Unternehmens-IT eine neue IT-Landschaft entstanden, die mit ihren eigenen Technologien diese Anforderungen abdeckt. Für Kommunikation, Vertriebssteuerung, Web-Shops oder Customer Relationship aber auch für die zahlreichen neuen Arten von Endgeräten, bieten Unix-, Linux- und Windows-Server mit ihren flexibleren Möglichkeiten eindeutig die bessere Plattform. Auf Dauer kann das Nebeneinander dieser IT-Parallelwelten freilich keine Lösung sein. Umso weniger als sich weder Geschäftsprozesse noch Kunden an die damit verbundenen Systemgrenzen halten. Tatsächlich werden die Daten aus den Transaktionssystemen auch für die Web-Applikationen benötigt und als Endgeräte werden heute nicht mehr nur Terminal-Emulation benötigt, sondern auch PDA, Blackberry oder iPhone. Da derartige neue Anforderungen nicht einfach wieder verschwinden, sondern im Gegenteil zunehmen werden, müssen sich die Unternehmen ernsthaft mit der Zukunft ihrer Enterprise-Applikationen befassen. Im Grunde haben die Unternehmen drei Möglichkeiten, dieses Dilemma zu lösen: · Neuentwicklung der Applikationen mit offenen Technologien, zum Beispiel mit Java oder .NET; · Verzicht auf eigene Lösungen und Implementierung einer Standard-Software, · Modernisierung der Enterprise-Applikationen durch Portierung und/oder Erweiterung Die Neuentwicklung stellt dabei ein großes Risiko dar, denn es werden hier ausgereifte Applikationen und Prozesse durch Software ersetzt, deren Bewährungsprobe erst noch aussteht. Auf diesem Weg haben Unternehmen in den letzten Jahren viel Lehrgeld zahlen müssen, zahlreiche Projekte dieser Art sind gescheitert, andere konnten nur mit hohem Zusatzaufwand gerettet werden. Applikationen, die es bis in den produktiven Betrieb schafften, konnten nur selten die Erwartungen erfüllen und in den kritischen Punkten Performance und Stabilität das Niveau ihrer Vorgänger auch nur erreichen. Davon abgesehen blockiert eine Neuentwicklung die Entwicklungsabteilungen oft über Jahre, während aktuelle Weiterentwicklungen zurückgestellt werden müssen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage wollen viel Unternehmen diese Risiken nicht mehr eingehen. Sie benötigen für die aktuellen Anforderungen Lösungen mit überschaubarem Zeit- und Kostenrahmen. Dies kann jedoch auch der Griff zu einer fertigen Lösung nicht bieten, denn die Einführung einer Standard-Lösung ist ebenfalls alles andere als risikolos. Auch hier sind bereits etliche große Projekte großer Unternehmen spektakulär gescheitert. Von den horrenden Kosten für Implementierung und Anpassung abgesehen, lassen sich viele Geschäftsprozesse in der Praxis doch nicht so glatt in einer fertigen Software abbilden, wie man das zu Projektbeginn gehofft hat. Von Implementierungs- und Konfigurationsproblemen abgesehen muss man auf diesem Weg darauf verzichten, sich durch die IT vom Mitbewerb zu unterscheiden. In einer Zeit, in der die Differenzierung der Unternehmen ohnehin schwieriger wird, sich Geschäftsmodelle aber über die IT definieren, stellt auch das ein unternehmerisches Risiko dar. Bleibt der pragmatische dritte Weg: Bei der Modernisierung von Enterprise-Applikationen wird grundsätzlich der Kern der Enterprise-Applikationen erhalten, also die Geschäftslogik, wie sie beispielsweise in COBOL- oder PL1-Code umgesetzt ist. Auf dieser Basis gibt es zwei Ansätze für die Modernisierung: die Portierung auf andere Plattformen und die Integration in Software, die auf anderen Technologien beruht. Modernisieren und portieren Die ursprünglich für Mainframes konzipierten Anwendungen lassen sich mit den Werkzeugen von Micro Focus in vollem Umfang, ohne Einschränkung ihrer Funktionalität und nahezu ohne Code-Änderungen, auf Plattformen wie Windows, Linux oder Unix übertragen. Diese Plattformen repräsentieren nicht nur aktuelle Technologien, sondern lassen sich vor allem deutlich kostengünstiger betreiben; 80 Prozent Einsparung bei Hard- und Softwarekosten sind hier durchaus realistisch. Die Umstellungskosten sind demgegenüber gering. Die wenigen Anpassungen beschränken sich meist auf die Infrastruktur der Applikationen, also auf Batch-Systeme, Scheduler, Druckspooler usw., weil diese Systeme meist auf den Mainframe ausgerichtet sind. Die Risiken eines derartigen Modernisierungsprojekts sind gering, weil der Kern der Anwendung, die bewährte Business-Logik, weiterhin zur Verfügung steht – nach der Portierung läuft die Enterprise-Applikation wie zuvor. Durch eine Portierung lässt sich meist sogar die Performance verbessern, weil die Applikation nun die CPU für sich alleine nutzen kann. Selbst komplexe Mainframe-CICS-Applikationen können auf diese Weise ihre technische Basis wechseln, ohne dass sich an ihrer Leistungsfähigkeit etwas ändert. Da die Business-Logik nicht verändert wird, bleibt auch der Business-Value der portierten Applikation, also ihr Beitrag zur Wertschöpfung eines Unternehmens, unverändert. Derart portierte Applikationen lassen sich zwar kostengünstiger und flexibler als vorher betreiben, sie bringen aber auch keinen Zuwachs an Funktionalität. Sogar ihr Look-and-Feel entspricht dem des vorherigen Host-Systems, so dass in der Regel weitere Anpassungs- und Modernisierungsarbeiten vorgenommen werden. Modernisieren und erweitern Auch weiter gehende Anforderungen wie Web-Anbindung, XML-Output, Blackberry-Anschluss usw. bedingen jedoch keine Änderungen der Business-Logik. Sie lassen sich zwar mit neuen Technologien besser abbilden, setzen aber gut eingespielte, zuverlässige Transaktions-Prozesse im Backend voraus, also genau das, was die vorhandenen Enterprise-Applikationen bieten. Unternehmen können also die Vorteile beider IT-Welten nutzen, wenn es ihnen gelingt beide zu integrieren. Dies ist beispielsweise für Java oder Web Services heute problemlos möglich. Um aufwändige Entwicklungsarbeiten, die solche Projekte wieder verteuern würden, zu vermeiden, stellen die einschlägigen Anbieter leistungsfähige Werkzeuge zur Verfügung. So bietet Micro Focus Werkzeuge die vorhandene Legacy-Module automatisch kapseln und in eine Komponenten-Architektur, zum Beispiel J2EE, überführen können. Der Entwicklungsaufwand ist dabei erheblich geringer als bei Neuentwicklungen, zumal man auf diese Weise auch Modernisierungsprojekte durchführen kann, die nur einzelne Bereiche der Applikationen ändern, während andere unverändert weiterlaufen. Eine hohe Flexibilität lässt sich durch die Integration der bestehenden Enterprise-Applikationen in eine Service-orientierte Architektur (SOA) erreichen. Eine SOA verhält sich definitionsgemäß gegenüber den Technologien neutral, so dass es unerheblich ist, ob die Services als J2EE- oder als COBOL-Komponenten realisiert wurden. Man kann also auf der Ebene der Geschäftsprozesse in COBOL geschriebene Prozess-Module kapseln und über standardisierte Schnittstellen lose verbinden. Sind bewährte COBOL-Komponenten vorhanden, so können sie als Services allen Applikationen zur Verfügung gestellt werden, also auch Applikationen außerhalb der COBOL-Welt, zum Beispiel Web-Anwendungen. Die Wiederverwendung von Legacy Services minimiert die Risiken der Softwareentwicklung und reduziert die Kosten. Zudem lassen sich auch vorhandene Qualifikationen weiter nutzen, so dass auch unter diesem Aspekt optimaler Investitionsschutz erreicht wird. Die Unternehmen haben die Modernisierung ihrer Enterprise-Applikationen lang aufgeschoben. Die IT hatte genug mit anderen Themen zu tun – und die großen Systeme liefen ja. Diese Politik werden sie nicht mehr allzu lange fortsetzen können, denn der Modernisierungsbedarf ist vorhanden. Angesichts knapper IT-Budgets müssen einerseits alle Gelegenheiten für Einsparungen wahrgenommen werden und andererseits mit knappen Mitteln ein möglichst großer Effekt erzielt werden. Für beide Aufgaben bietet sich die Modernisierung als Strategie an. Rolf Becking _____________________________________________________________________ Rolf Becking ist Senior Consultant bei Micro Focus in Dortmund
Enterprise-Applikationen können nach einer Portierung auf einer neuen Plattform betrieben werden.
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