20090304p Jaspersoft Der BI-Markt 2009

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Der BI-Markt im Jahr 2009

Vier grundlegende Trends

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres und – wie viele, die sich Gedanken über die Zukunft unserer Branche machen – möchte auch ich eine Prognose darüber wagen, was das bevorstehende Jahr für uns in petto hat. Daher werde ich im Folgenden die vier Trends skizzieren, die meiner Ansicht nach 2009 den größten Einfluss auf den BI-Sektor haben werden. Diese Trends stellen keine neue Entwicklung dar, sondern zeichnen sich bereits seit einigen Jahren mehr oder weniger offensichtlich ab.

 

Trend 1: Anbieterkonsolidierung

2007 wurden drei bedeutende Anbieter von Business Intelligence-Lösungen – Hyperion, Cognos und Business Objects – von Oracle, IBM beziehungsweise SAP übernommen. Nachdem sich der Wirbel um die Übernahmen allmählich gelegt hatte, steckten die drei Branchengiganten ihre rationalisierten Roadmaps für die erworbenen Produkte ab. Ohne an dieser Stelle auf die Qualität der einzelnen Roadmaps näher einzugehen, waren nicht wenige Kunden enttäuscht, und dies aus gutem Grund:

1. Produkteinstellungen: Um die gewünschte Verschmelzung einer Vielzahl von Produkten aus den verschiedensten Kategorien zu erreichen, wurden populäre Lösungen oft einfach aus dem Programm genommen.

2. Weniger Innovationskraft: Die Konzerne rationalisieren Codebases und definieren willkürlich Gewinner und Verlierer. Damit kommen sie in der Entwicklung nicht weiter, sondern bewegen sich lediglich seitwärts.

3. Mangelnder Sympathiefaktor: Gut eingeführte BI-Produkte wurden von Herstellern übernommen, mit denen die Kunden – aus welchem Grund auch immer – ungern Geschäfte tätigen.

4. Komplexe Produkte mit teuren Lizenzierungsmodellen: Gerade dieser Grund wird an Bedeutung eher noch zunehmen, da die drei großen Softwareanbieter große und komplexe BI-Kunden bedienen.

Die Auswirkungen der Anbieterkonsolidierung dürften noch einige Zeit spürbar sein. Ich gehe davon aus, dass die Unzufriedenheit der Kunden mit den großen Softwarehäusern auch 2009 anhalten wird – vor allem wegen der problematischen Wirtschaftslage. Davon profitieren werden zweifellos kleinere, dynamischere und modernere Anbieter von BI-Software, die den Anforderungen der Kunden besser entsprechen können. Diese Anbieter werden 2009 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen rasant wachsen, da sie spezifische Business-Probleme ansprechen, die von den Konzernen schlicht übersehen wurden. Das Zusammenwirken von bahnbrechender Innovation und Business Intelligence ist auch Thema eines Artikels von Steve Miller der Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde [1]. Miller verweist auf die Notwendigkeit einer schnelleren Innovation. Dabei geht er auf die geradezu revolutionäre Wirkung ein, die von den Anbietern von Commercial-Open-Source-BI -Software (COSBI) ausgeht: »Im Zentrum der COSBI-Revolution steht technologische Innovation. Sie findet auf breiter Front und in einem Ausmaß statt, wie es sich proprietäre Softwareanbieter nie vorstellen konnten. COSBI schöpft aus dem Potenzial einer weltweiten Community von talentierten Entwicklerpersönlichkeiten, die unter Leitung professioneller F&E-Teams als globaler Innovationsmotor wirkt. Es ist genau diese Kombination, die COSBI so erfolgreich macht: Die gebündelte Kapazität von tausenden Entwicklern sorgt für eine rasante Produktoptimierung, während die F&E-Experten in den Softwareschmieden an vielversprechenden Innovationen arbeiten.«

Trend 2: Neue Technologien

Die großen BI-Anbieter mit ihren zahlreichen, in die Jahre gekommenen Softwarearchitekturen sind nicht mehr innovativ genug. Daher werden neue BI-Teilmärkte entstehen, auf denen sich jüngere, dynamischere Anbieter tummeln und die neuen Bedürfnisse befriedigen.

Die zweite, damit zusammenhängende Prognose lautet, dass diese BI-Giganten der Herausforderung neuer Technologien nicht gewachsen sind. 2008 betraten wichtige neue Technologien die IT-Bühne. Sie üben bereits heute maßgeblichen Einfluss auf den BI-Sektor aus und werden diesen Einfluss im laufenden Jahr noch ausbauen. Die bedeutendsten Trends sind hier Spalten-orientierte Data Warehouse Tools, Anfrage-Optimierungsmodule, SOA/Webservices, Mashups, In-Memory-Analyse, integrierte Suchfunktionen und der Einsatz von Rich Media Services zur Verbesserung des Online-Nutzererlebnisses. Mit Blick auf BI-Tools und -Software stellt sich die Frage: Welche Anbieter sind in der Lage, die technologischen Neuerungen in eine zeitgemäße, dynamische Weberfahrung umzumünzen? Wie lassen sich neue Kundenbedürfnisse mit diesen Technologien befriedigen? Je älter ein Produkt und die zugrundeliegende Architektur, desto schwieriger ist es für den betreffenden Anbieter, neue Funktionen bereitzustellen, die das Potenzial innovativer Technologien wirklich ausschöpfen und den Kunden einen spürbaren Mehrwert bieten.

Kürzlich veröffentlichte Gartner seine eigene Liste mit den für 2009 erwarteten BI-Trends [2]. Gleich an zweiter Stelle rangiert dabei die Feststellung, dass mindestens 40 Prozent des BI-Budgets künftig von der Business-Seite des Unternehmens verantwortet werden. Der Grund hierfür ist laut Gartner, dass »Unternehmensanwender der IT nicht mehr zutrauen, ihnen die Informationen bereitzustellen, die sie für fundierte Entscheidungen benötigen«. Dies ist ein schwerwiegender Befund, und er wird noch dadurch verschlimmert, dass eben diese Unternehmensanwender einfache, aber überzeugende BI-Funktionen bei neuer Software sehen, die es leider noch nicht auf die Liste der Standard-IT-Tools geschafft hat.

Trend 3: CIOs unter Druck

Meine dritte Prognose basiert auf der Annahme, dass CIOs weltweit unter steigendem Strategie- und Kostendruck stehen und daher immer dringender nach leistungsfähigen, kostengünstigen Alternativen suchen. Der Druck, mit immer weniger Ressourcen (wie etwa IT-Personal) immer mehr zu erreichen, ist typisch für die heutige Situation von CIOs.

Ausgeübt wird er von CEOs, die die Daumenschrauben ständig weiter anziehen, um ihr Unternehmen noch innovativer und profitabler zu machen. Dem steht gegenüber, dass die CIO-Budgets keinesfalls proportional zu den steigenden Anforderungen wachsen. CIOs befinden sich daher in einer Zwickmühle: Sie sollen bestehende IT-Systeme mit immer geringeren Mitteln erhalten und gleichzeitig mehr Ressourcen auf neue Technologie-Initiativen verwenden, um so der Agenda ihres CEOs zu entsprechen.

Worin könnte der Befreiungsschlag für CIOs bestehen? Ganz einfach: im Einsatz leistungsfähiger, kosteneffizienter Alternativen in sämtlichen IT-Bereichen. Und genau hier sehe ich erhebliche Chancen für neue Entwicklungs- und Bereitstellungsmodelle, von denen Open-Source- und SaaS-Anbieter profitieren können, da ihre Modelle (und hier insbesondere Open Source) deutlich niedrigere Anschaffungs- und Betriebskosten verursachen. Dieses Faktum wird dazu führen, dass sowohl der Virtualisierungsbereich als auch das neuerdings so populäre Cloud Computing ihren Siegeszug fortsetzen werden.

Untermauert wird dies durch jüngste Umfrageergebnisse der Gartner-Analysten, nach denen CIOs mit einem extrem schwierigen Jahr rechnen [3]. Dominierende Faktoren sind demnach zusammengeschmolzene IT-Budgets und ein erheblicher Restrukturierungsbedarf infolge des schwierigen Wirtschaftsumfelds und die nach wie vor hohe Priorität, die dem Thema Business Intelligence eingeräumt wird. Laut Gartner planen die befragten CIOs »Investitionen in BI-Anwendungen und die Datenkonsolidierung, um so eine bessere Visibilität und Transparenz zu erreichen, wobei dies insbesondere für die Performance im Vertrieb und operativen Bereich gilt. Bezahlt machen sollen sich diese Investitionen durch die zuverlässige Einhaltung der immer strikteren Vorgaben seitens Gesetzgeber und Finanzaufsicht.«

Kostengünstige und komfortable BI-Lösungen, die den Nutzern den einfachen Umgang mit Dashboards, interaktiven Reports und detaillierten Analysedaten ermöglichen, sind das Rettungsboot, mit dem CIOs sicher durch die stürmische See steuern können.

Trend 4: Stärkere Anwenderorientierung in der IT

Die IT-Systeme in den Unternehmen müssen deutlich einfacher und anwenderorientierter werden, um für die junge Generation der Mitarbeiter attraktiv zu sein. Die zunehmende Anwenderorientierung der Informationstechnologie ist daher meine vierte Prognose für das Jahr 2009 und darüber hinaus.

Die Fakten liegen auf der Hand: Die kommende Generation von Unternehmensanwendern und ihre Erwartungen an Software werden zu einer völlig neuen Definition von Softwareentwicklung und -nutzung führen. Dieser Umbruch ist schon mitten im Gange und basiert auf einem demografischen Wandel, der auf konkreten Zahlen beruht und sich im Jahr 2009 immer stärker bemerkbar machen wird. Er findet in allen großen Volkswirtschaften statt und bedeutet, dass eine ganze Generation von Arbeitnehmern (in den USA sind dies die sogenannten »Baby Boome«) langsam in Rente geht und eine neue Generation nachrückt. Die Erwartungen dieser jungen Anwender an Unternehmenssoftware und die tatsächliche Performance der Software liegen Lichtjahre auseinander. Die Generation, die nun auf den Arbeitsmarkt drängt, ist von Kindheit an mit Computern und größtenteils auch mit dem Internet vertraut. Ihre Erwartungen an Softwaresysteme unterscheiden sich zwangsläufig signifikant von älteren Arbeitnehmern, die erst im Laufe ihrer Karriere mit Computern und Software in Kontakt kamen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Familie macht dies deutlich: Eines Abends versuchte ich gemeinsam mit meiner 14-jährigen Tochter, die Daten ihrer Schulaufgabe in Diagrammform zu bringen und für eine Präsentation auszudrucken. Die Bearbeitung eines komplexen Excel-Diagramms hatte uns schon einige Zeit gekostet, und wir waren ziemlich frustriert. Anstelle sich nun weiter mit den Excel-Funktionen herumzuschlagen, suchte meine Tochter in Google einfach nach kostenlosen Grafiken, fand eine sehr einfach aufgebaute Webanwendung, in der sie ihre Daten eingeben konnte, und mit ein paar Klicks hatte sie ein perfektes Kreisdiagramm erstellt, das sie dann nur noch ausdrucken musste. Das Ganze war im Handumdrehen erledigt.

Softwareanbieter, deren Produkte den Webgewohnheiten dieser jungen Generation entgegenkommen, werden also ganz sicher im Vorteil sein. Unternehmen, die dies nicht tun, werden genauso sicher an Bedeutung verlieren. Selbstverständlich wird sich diese Entwicklung in diesem und den kommenden Jahren auch bei den BI-Tools bemerkbar machen – und das umso deutlicher, je mehr Baby Boomer in Rente gehen und durch Mitglieder der Online-Generation ersetzt werden. Dieser Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den meisten großen Volkswirtschaften zeigen.

Brian Gentile

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Brian Gentile, CEO von Jaspersoft


 

 

[1] Steve Miller, »Open Source BI As Disruptive Technology«, http://www.dashboardinsight.com/articles/new-concepts-in-business-intelligence/open-source-bi-as-disruptive-technology.aspx, 24.03.09.

 

[2] Kurt Schlegel, Mark A. Beyer, Bill Hostmann, Rita L. Sallam, Bill Gassman, Nigel Rayner, Neil McMurchy, Neil Chandler, Matthew W. Cain, »Predicts 2009: Business Intelligence and Performance Management Will Deliver Greater Business Value«, http://www.gartner.com/DisplayDocument?id=842713&ref=g_sitelink&ref=g_SiteLink, 24.03.09.

 

[3] Mark P. McDonald, »Meeting the Challenge: The 2009 CIO Agenda«, http://www.gartner.com/DisplayDocument?id=862717, 24.03.09.

 

 

 

 

  

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