20090506f Siemens Integrationsplattform Energie

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Integrationsplattform für die Energiewirtschaft

Mehr Entscheidungssicherheit dank höherer Informationsqualität

Kraftwerke sind äußerst sensible Konstrukte. Daher gilt es, stets die gesamte Flotte zu überblicken, schnell informiert zu sein und unverzüglich reagieren zu können. Dass dies heute meist noch nicht selbstverständlich ist, hat viele Gründe: Die meist vorherrschenden heterogenen IT-Landschaften sowie die unterschiedlichen Anforderungen der Benutzergruppen innerhalb einer Anlage oder den derzeitigen Fachkräftemangel. Zudem wird der Wettbewerb im liberalisierten Energiemarkt schärfer und der Kostendruck steigt. Außerdem müssen die Versorger Regelungen wie beispielsweise die Unbundling-Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes der Bundesregierung einhalten.

 

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or diesem Hintergrund sehen sich die Entscheider gezwungen, ihre Geschäftsprozesse zu reorganisieren. Die Studie »Branchenkompass Energieversorger 2008« von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut bestätigt diesen Trend. Danach wollen 44 Prozent der Versorger bis 2010 verstärkt in das Geschäftsprozess-Management investieren. Zudem planen die führenden deutschen Energieunternehmen, die durch Unbundling verlorengegangenen Synergie-Effekte unternehmensintern auszugleichen. Drei Viertel der befragten Manager wollen dazu IT-Anwendungen für die Unternehmenssteuerung anschaffen und darüber hinaus in Workflow-Managementsysteme investieren.

Brückenschlag zwischen technischem und kaufmännischem System

Um den Informationsfluss und die Abläufe in Kraftwerken reibungslos zu koordinieren, stufen Energieversorger moderne IT-Systeme zunehmend als unabdingbar ein. Viele größere Energieversorger arbeiten bereits an solchen ganzheitlichen IT-Lösungen, wie sie beispielsweise Siemens mit der Energy Management Suite anbietet. Seit 2006 kooperiert Siemens IT Solutions and Services mit Siemens Energy und optimiert gemeinsam die Prozesse der Erzeugergesellschaften im In- und Ausland.

Mit der Energy Management Suite und ihren drei Produktlinien Cockpit, Plant Management und Power Portal bietet Siemens eine umfassende IT-Lösung für Kraftwerke. (Quelle: Siemens IT Solutions and Services)

Das angestrebte Ziel: Mit Hilfe der Energy Management Suite eine Brücke zwischen technischen und kaufmännischen Systemen zu schlagen. Die Energy Management Suite unterstützt dabei, liefert sie den Kraftwerksbetreibern doch eine umfassende Lösung, die den Zugang zu den Informationen für Management und Personal in den Bereichen Betriebsführung, Monitoring und Diagnose optimiert. Die Basis bilden die drei Produktlinien Cockpit, Plant Management und Power Portal mit derzeit 15 Modulen, wobei sowohl die Produktlinien als auch die Module einzeln und unabhängig voneinander bei den Energieversorgern implementiert werden können.

Alle Produktivitätsbereiche der Energieerzeuger abgedeckt

Sämtliche Funktionen der Energy Management Suite sind im unternehmensweiten Netzwerk an jedem PC verfügbar, ohne dass dort zusätzliche Software installiert werden muss. Möglich ist dies durch den konsequenten Einsatz moderner Portalplattformen. Jeder Mitarbeiter kann seiner Rolle entsprechend an seinem Computer die Applikationen im Webbrowser aufrufen und bedienen.

Hilmar Waldow ist Solution Manager bei Siemens IT Solutions and Services. (Quelle: Siemens IT Solutions and Services)

»Konkret heißt das, dass Anwendungen, Navigation oder Rollen auf Basis von Portaltechnologie und Service-orientierter Architektur (SOA) entwickelt und nutzbar gemacht werden. Man fasst also für den Benutzer sämtliche Daten auf der Portaloberfläche zusammen. Er muss somit nicht mehr zwingend alle Endanwendungen kennen und beherrschen, sondern kann ohne Detailwissen zu den einzelnen Systemen die gewünschten Informationen ablesen«, erläutert Hilmar Waldow, Solution Manager bei Siemens IT Solutions and Services.

Effizienterer Anlageneinsatz und schnelleres Reporting

Mit den intelligenten Diagnoselösungen des Cockpits können Kraftwerksbetreiber die traditionelle Wartung sowie die Instandhaltungsstrategien revolutionieren. Denn in der Vergangenheit waren wichtige Daten in Kraftwerken meist unabhängig voneinander gespeichert. Die Energy Management Suite integriert und verdichtet die für alle Bereiche wichtigen Informationen nun auf einer einheitlichen Oberfläche. Dies vereinfacht und beschleunigt das Berichtswesen.

Die zahlreichen Module der Energy Management Suite können einzeln oder in Kombination in den Kraftwerken der gesamten Flotte implementiert werden. (Quelle: Siemens IT Solutions and Services)

»Mit der Implementierung der Cockpit-Module wird zudem die Zahl der ungeplanten Ausfälle sinken und die Problembehebung in den Anlagen in ohnehin geplante Stillstandzeiten verlegt. So sparen die Versorger Kosten und steigern die Leistung der Anlagen«, weiß der Energie-Experte.

Elektronisches Schichtbuch: die automatisierte Benutzerfreundlichkeit

Den Kern der zweiten Produktlinie Plant Management bilden branchenspezifische Module für das Schichtmanagement sowie erweiterte Funktionen zu korrektiver und vorbeugender Instandhaltung. Damit stehen den Kraftwerksbetreibern Informationen über Anlagen, besondere Ereignisse oder geplante und laufende Arbeiten stets in Echtzeit zur Verfügung und unterstützen die technische Betriebsführung. Aufgrund der optimierten Instandhaltungsstrategien kann der Betreiber so seine Kosten reduzieren.

Die Anwendung Schichtmanagement erleichtert Erzeugergesellschaften die Arbeit im Leitstand. Aufzeichnungsrelevante Ereignisse wie An- und Abfahren, besondere Alarme oder Schaltvorgänge müssen Mitarbeiter nicht mehr von Hand aufschreiben. Das elektronische Schichtbuch übernimmt die Daten direkt aus den Prozessinformationen. Diese automatisierte Dokumentation entlastet die Mitarbeiter und reduziert zugleich die Fehlerquote. Die Ereignisse in der Anlage sind transparenter und schneller auswertbar. Hinzu kommt, dass alle autorisierten Mitarbeiter des Unternehmens stets auf die aktuellen Daten zugreifen und sich detailliert über die Vorgänge informieren können. Dies spart Zeit und sichert die unternehmensinterne Kommunikation.

Flexibler und schneller auf den Markt reagieren

Das Power Portal unterstützt die Kraftwerksbetreiber bei ihrem Flottenmanagement. Durch die Bündelung von technischen und betrieblichen Informationen, die im Portal strukturiert dargestellt werden, ermöglicht es den Entscheidern einen Überblick über alle Anlagen: von der Flottenauslastung über die Kosten bis hin zum Optimierungspotenzial in den Abteilungen. Ziel der Applikation ist es, Geschäftsprozesse und Anwendungen über die gesamte Flotte hinweg zu harmonisieren. Um dies zu erreichen, ist das Portal sehr eng an die einzelnen Module aus Cockpit und Plant Management gekoppelt.

Einen flottenweiten Überblick bietet das Power Portal. Hier werden technische und betriebliche Informationen gebündelt und auf Portalebene dargestellt. (Quelle: Siemens IT Solutions and Services)

»Um die Abläufe in den bisher relativ unabhängig voneinander agierenden Bereichen für alle Beteiligten transparenter zu gestalten, erarbeiten wir ein von allen getragenes Lösungskonzept. Dazu muss speziell auf die Anforderungen der jeweiligen Gebiete eingegangen werden. Wichtig für die Kunden ist: Es geht nicht um ein Überwachungssystem, sondern um die Chance, Kosten zu reduzieren, den internen Informationsfluss zu optimieren sowie die Auslastung und Leistung der Anlage zu steigern«, erläutert Waldow.

Unter Aufsicht der Energy Management Suite: 19 Kraftwerke in Texas

Für eine Erzeugergesellschaft im US-Bundesstaat Texas implementierte Siemens ein sogenanntes Power-Optimization-Center. Es handelt sich dabei um ein zentrales Überwachungs- und Diagnosezentrum, in dem Anlagenexperten 19 Kraftwerke kontrollieren und analysieren. Eine Kombination der Basistechnologie »Prozessinformation« und der Cockpit-Module »Thermodynamic« und »Component-Monitoring« ermöglicht den Betreibern heute, die Flotte rund um die Uhr 365 Tage im Jahr zu überwachen.

In diesem Projekt stand Siemens vor der Herausforderung, zahlreiche Betriebsstätten miteinander zu verbinden, zwischen denen vorher kein Informationsaustausch stattfand. Es ging darum, Kraftwerke unterschiedlichen Typs und verschiedener Generationen sowie Leittechniksysteme unterschiedlicher Hersteller in die zentrale Lösung zu integrieren. Zusätzlich mussten die großen Distanzen zwischen den einzelnen Anlagen überwunden werden. Doch allein optimale technische Voraussetzungen zu schaffen sowie örtliche Gegebenheiten zur Verfügung zu stellen, reichte nicht aus, um das Power Optimization Center erfolgreich zu betreiben. Es mussten auch die Mitarbeiter für das Projekt gewonnen werden.

Heute überzeugen Zahlen vom Nutzen des Power-Optimization-Centers: Die Produktivität der Braunkohlekraftwerke konnte um zwei Prozent, die der Gaskraftwerke um 1,5 Prozent gesteigert werden. Insgesamt ergeben sich daraus Einsparungen von acht Millionen US-Dollar pro Jahr. Zufrieden sind die US-amerikanischen Betreiber auch mit der flottenweiten Kapazitätssteigerung um 50 Megawatt. Durch das Power-Optimization-Center können zudem Synergien genutzt werden, Experten sind schnell für alle Anlagen verfügbar. Die Mitarbeiter profitieren vom Wissen und den Erfahrungen ihrer Kollegen und schaffen somit einen Mehrwert für das Unternehmen.

Durchblick bis in letzte Detail

Mit der Energy Management Suite und im Einklang mit dem internen IT-System können die Kraftwerksbetreiber die Daten aus den verschiedenen Bereichen der Flotte zusammenführen. Das Ergebnis: Auf allen Ebenen aktuelle, genaue und umfassende Informationen sowie wirtschaftliche Vorteile.

»Auch wenn der Nutzen der Energy Management Suite für die einzelnen Kraftwerksbetreiber ähnlich ist, handelt es sich bei den implementierten Modulen der einzelnen Produktlinien nicht um Plug-in-Lösungen. Die in aller Regel langfristig gewachsenen und heterogenen IT-Strukturen unserer Kunden verlangen nach spezifischen, maßgeschneiderten Einzellösungen. Wir bieten ein fundiertes IT- und Prozess-Know-how plus langjährige Branchenerfahrung. Damit verschaffen wir unseren Kunden Durchblick bis ins Detail«, fasst Waldow zusammen.

Entsprechend den Marktanforderungen werden die Produktlinien der Energy Management Suite fortlaufend angepasst: Sowohl das Cockpit als auch das Plant Management arbeiten mit Stammdaten, die für die jeweiligen Produktlinien getrennt vorliegen. Diese beiden Datenbasen zusammenzuführen, zählt in der nächsten Zeit zu den vorrangigen Aufgaben der Siemens-Divisions. Dadurch sind die Anwender etwa bei einer bestimmten Diagnose noch besser in der Lage, auf logistischer und technischer Ebene zu reagieren – beispielsweise durch die Ermittlung von Signalwertveränderungen oder Instandhaltungsmaßnahmen.

Sarah Meixner

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Sarah Meixner, freie Fachjournalistin in München.

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