20090506ze Keymile Matterhornbahn

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Hochverfügbare Telekommunikation bei der Matterhorn Gotthard Bahn

Mit Sicherheit in der Spur

Mit Systemtechnik von Keymile steuert und überwacht die Matterhorn Gotthard Bahn die Funk- und Datenverbindungen zwischen den Stellwerken ihres Schienennetzes. Zum Einsatz kommen dabei hochverfügbare Produkte, die den anspruchsvollen Anforderungen des Schweizer Bundesamtes für Verkehr genügen müssen.

 

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ie aus dem Bilderbuch verkehrt die rote Schmalspurbahn der Matterhorn Gotthard Bahn durch die Berglandschaften der Schweiz. Ausgangspunkt ist Zermatt. Vom Matterhorndorf aus führt die Strecke durchs Mattertal und anschließend durchs Rhonetal nach Brig. Weiter geht es durch Goms in den Kanton Uri. Auf dem Oberalppass, 2.033 Meter über dem Meeresspiegel, erreicht die Bahnlinie den höchsten Trassenpunkt. Die Endstation für die Matterhorn Gotthard Bahn ist in Disentis, mit direktem Anschluss an die Rhätische Bahn. Die Züge legen eine Strecke von rund 144 Kilometern zurück, führen durch 29 Tunnels und 20 Galerien und über 60 Brücken.

Von Visp nach Zermatt: So begann Ende des 19. Jahrhunderts mit vier Lokomotiven, zehn Personen- und neun Güterwagen die Erfolgsgeschichte der Zermatt-Schmalspurbahn. Die heutige Matterhorn Gotthard Bahn entstand im Jahr 2003. Damals schlossen sich die BVZ Zermatt-Bahn AG und die Furka Oberalp Bahn AG zu einem gemeinsamen Bahnunternehmen zusammen.

Kommunikationstechnologie überwacht das Schienennetz

Eine ständige betriebswirtschaftliche Optimierung bringt Maßnahmen zur Kostensenkung und zur Rationalisierungen mit sich. Dies führte in den letzten Jahren zu einem steigenden Bedarf an Automatisierung und damit der Fernsteuerung von Anlagen. Dafür wird hochverfügbare Telekommunikation benötigt, die alle Auflagen der Regulierungsbehörde – in der Schweiz: Bundesamt für Verkehr (BAV) – erfüllen muss.

Für ihre Telekommunikations-Dienste nutzt die Matterhorn Gotthard Bahn die UMUX-Plattform von Keymile. Über 60 UMUX-Systeme sind im Einsatz und werden für vielfältige Telefonie, Funk- und Datenverbindungen eingesetzt. Mit einem zentralen Netzwerkmanagement-System werden alle UMUX-Einheiten aktiv überwacht, jede Störung kann rasch lokalisiert werden. Wird eine zusätzliche Unterstützung benötigt, kann die Matterhorn Gotthard Bahn auf den Keymile-Remote-Support-Zugang zum Netzwerkmanagement-System vor Ort zugreifen.

2007 wurde die Planung für die neue Vernetzung der Stellwerke und das dazu passende Integrierte Leit- und Informations-System (ILTIS) aufgenommen. Die neuen Stellwerke in Andermatt und Göschenen werden vollautomatisch durch die Leitstelle in Brig-Glis bedient. Das aktuelle Release ILTIS R40 setzt auf reinen IP-Verbindungen auf, das heißt, jedes Stellwerk ist mit je zwei 4-Mbit/s-Ethernet-Leitungen im Punkt-zu-Punkt-Betrieb verbunden. Die Wege sind durch einen redundanten Pfad geschützt. Im Fehlerfall, zum Beispiel bei Glasfaserunterbruch, wird innerhalb von Millisekunden auf diesen zweiten Pfad umgeschaltet.

Für diese Art von Verbindungen sind die Vorgaben des »geschlossenen Datenübertragungsnetzes»gemäß der europäischen Norm EN 50159-1 einzuhalten. Zentraler Punkt dabei ist die Rückwirkungsfreiheit: Es muss nachgewiesen werden, dass benachbarte Datenleitungen keinen Einfluss auf die ILTIS-Verbindungen nehmen können und nicht eine unglückliche Kombination an Prüfbits eine Lampe von Rot auf Grün umschalten kann.

Keymile implementierte diese Anwendung mit der bewährten und robusten SDH-Technologie (Synchronous Digital Hierarchy). In fest verschalteter, leitungsvermittelter Art werden die Pfade mit zwei Mal 2 Mbit/s (zwei Mal VC-12 pro Verbindung) realisiert. Die eingesetzte Baugruppe bietet neben den SDH-Schnittstellen auch gleich vier Ethernet-Ports (10/100/1000BaseT), die mit Ethernet-over-SDH-Technik auf SDH geschaltet werden. Dadurch sind weder Router noch Switches auf den teilweise über 100 km langen Verbindungen vorhanden und die Anforderungen der Nichtbeeinflussung sind vollständig erfüllt. Durch die eingesetzte Technik kann die restliche Bandbreite der vorhandenen Kapazität von mehr als 600 Mbit/s (STM-4) für andere Datendienste verwendet werden. Die BAV-Konformität ist mit der Typenzulassung 511 02 01 gegeben und erfüllt alle Auflagen.

Eine zusätzliche Herausforderung für dieses Netzwerk war der Glasfaser-Engpass im Furkatunnel. Für den Hauptpfad und den zweiten Pfad konnte nur je eine Glasfaser zur Verfügung gestellt werden. Erschwerend kam hinzu, dass ein einzelner Streckenabschnitt über 40 km lang ist. Um diese Strecke zu überbrücken, wurde eine STM-4-Datenübertragung mit entsprechend leistungsfähigen Small Factor Pluggable (SFP) Modulen realisiert, die Senden und Empfangen über nur eine einzige Glasfaser ermöglichen.

Der Auftrag von der Matterhorn Gotthard Bahn für das geschlossene Datenübertragungsnetz erfolgte im Mai 2008. Nach der Installation im Juli 2008 konnte im August 2008 das Netzwerk für das Aufsetzen der Applikation an die Bahnbetreiber übergeben werden. Die gesamte Stellwerkverbindung wurde im November 2008 in Betrieb genommen und funktioniert seitdem einwandfrei. Die Matterhorn Gotthard Bahn ist überzeugt, langfristig richtig investiert zu haben: In den nächsten Jahren wird sie kontinuierlich weitere Stellwerke auf Fernsteuerung umstellen. Zusätzliche Stationen können so mit wenig Aufwand integriert werden.

Jean-Pierre Waldmann und Niklaus Blaser

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Jean-Pierre Waldmann
Leiter Engineering Infrastruktur bei der Matterhorn Gotthard Bahn
Anschrift: Nordstrasse 20
CH-3900 Brig
E-Mail: jean-pierre.waldmann@mgbahn.ch

Niklaus Blaser
Projektleiter bei der Keymile AG für die Realisierung von Projekten im Bahnenumfeld
Anschrift: Schwarzenburgstrasse 73
CH-3097 Bern-Liebefeld
E-Mail: niklaus.blaser@keymile.com

Der Anwender

Die Matterhorn Gotthard Bahn umfasst drei Gesellschaften: Die Matterhorn Gotthard Verkehrs AG (zuständig für den gesamten Bahnbetrieb), die Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG (Fahrbahn und Fahrleitungen, Betriebsleitstellen, Bahnhofanlagen und die Werkstätten für technische Dienste) sowie die Matterhorn Gotthard Managementgesellschaft, bei der sämtliches Personal angestellt ist. Das Bahnunternehmen verkehrt heute zwischen Zermatt-Brig-Disentis und Andermatt-Göschenen. Die Züge legen eine Strecke von rund 144 Kilometern zurück, führen durch 29 Tunnel und 20 Galerien und überqueren 60 Brücken. Die Matterhorn Gotthard Bahn beschäftigt rund 530 Mitarbeitende. Sie befördert pro Jahr rund 6,5 Millionen Fahrgäste und 100.000 Tonnen Güter in 462 Schienenfahrzeugen durch 47 Bahnhöfe und Haltestellen.

 

 

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