20090708f T-Systems SOA im Handel

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SOA macht Retail-Prozesse flexibel

Den Händlern zu Diensten

Wie kaum eine andere Branche verlangt der Handel nach IT-Systemen, die sich schnell und flexibel dem ständigen Marktwandel anpassen. Zugleich ist die Einbindung von Lieferanten, Kunden und Partnern gefragt. Die Service-orientierte Architektur (SOA) bietet Handelshäusern die Möglichkeit, standardisierte Dienste dynamisch zu System- und Prozesswelten zu verbinden, in die auch andere Unternehmen nahtlos integriert werden können.

 

D

er aktuelle SOA Check 2009, den der IT-Analyst Wolfgang Martin zusammen mit der TU Darmstadt durchgeführt hat, bringt es an den Tag: »Das Thema ‚serviceorientierte Architekturen’ kommt im deutschsprachigen Markt inzwischen gut an und gut voran.« [1] Die Firmen versprechen sich von SOA vor allem mehr Flexibilität am Markt und optimierte Prozesse. Mit diesem Nutzenpotenzial sind servicebasierte Architekturen gerade für die Händler interessant. Denn Handelsunternehmen müssen ständig auf Produktinnovationen und veränderte Marktkonditionen reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben: »Handel ist Wandel« sagt das Sprichwort. Auch die Internationalisierung von Rohstoff-Einkauf und Produktion sowie die Erfordernisse der globalen Distribution machen die Flexibilisierung der Systeme zu einem Muss.

Nutzung über Netze

Die SOA ermöglicht es Unternehmen, die Funktionen ihrer IT-Systeme rasch an veränderte Rahmenbedingungen in den Prozessen anzupassen. Denn im Gegensatz zum monolithischen ERP-Ansatz, der häufig mit zentralen Server-Instanzen arbeitet, ist die servicebasierte Architektur gänzlich unabhängig von der Verteilung ihrer Komponenten.

Die Funktionen sind in eigenständige Module – klar definierte Services – gekapselt, die über standardisierte Netze bereitgestellt werden. Dabei ist die Implementierung der Services von deren Schnittstelle getrennt. Dies hat den wesentlichen Vorteil, dass jeder Dienst unabhängig von Betriebssystem und Plattform aufgerufen werden kann. Die Dienste wirken dynamisch zusammen und können weitere Services nutzen, um den wechselnden Anforderungen der Geschäftsprozesse zu genügen. Dazu stellt die SOA eine Integrationsplattform, die sogenannte Orchestrierung, bereit. In dieser Plattform wird die Kommunikationslogik zwischen den einzelnen Diensten abgebildet. Diese Logik lässt sich auf einfache Weise verändern.

Das Beispiel E-Commerce

Welche Vorteile dieses Bauprinzip von IT-Netzwerken der Handelsbranche bieten kann, lässt sich am Beispiel des E-Commerce zeigen. Dieser Vertriebskanal hat in den vergangenen Jahren einen ungebrochenen Boom erfahren und wird sowohl im gewerblichen als auch Privatbereich zunehmend genutzt. Doch müssen die Händler gerade im E-Commerce mit ständigen Prozessanpassungen auf wechselnde Marktbedürfnisse reagieren. Die servicebasierte Architektur ermöglicht es, unterstützende IT-Systeme – zum Beispiel die Branchenlösung SAP for Retail – ohne nennenswerten Zeit- und Kostenaufwand umzurüsten.

Will ein Kunde im Online-Shop eines Händlers ein bestimmtes Produkt bestellen, umfasst dieser Prozess in der Regel mehrere Schritte: Er beginnt mit der Produktsuche und Produktauswahl, die der Kunde selbst im Online-Shop durchführt. Daraufhin nimmt der Händler die Bestellannahme vor und überprüft, ob die georderte Ware verfügbar ist. Falls dies zutrifft, wird die Ware kommissioniert und an den Kunden ausgeliefert. Den Abschluss bilden die Prozessschritte Fakturierung und Zahlungsabwicklung.

Mit einer SOA lässt sich diese Prozesskette durch gekapselte, eigenständige Services unterstützen, die die genannten Prozessschritte 1:1 implementieren. Dabei werden die Dienste durch eine Integrationsplattform miteinander verbunden, über die auch der Datenzugriff durch die verschiedenen Nutzer erfolgt.

Abbildung 1: Serviceorientierte Architektur zur Unterstützung des Online-Handels

 

Bonitätsprüfung leicht gemacht

Veränderungen in der genannten Prozesskette können durch die Integration einer Bonitätsprüfung hervorgerufen werden. Immer mehr Händler verlangen danach, die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu prüfen, um das Risiko von Forderungsausfällen zu reduzieren. Dazu bietet es sich an, einen externen Dienstleister in die Prozessfolge einzubinden, der Negativmerkmale, wie eidesstattliche Versicherungen, prüft und Faktoren wie Zahlungszielüberschreitungen berücksichtigt.

Bei den herkömmlichen monolithischen IT-Systemen ist die Integration einer Bonitätsprüfung nur erschwert und kostenintensiv möglich. Sie erfordert erheblichen Programmieraufwand. Denn oft handelt es sich dabei um historisch gewachsene, unübersichtliche IT-Umgebungen, die keine eindeutige Zuordnung der einzelnen Prozessschritte zu den Systemmodulen zulassen. Überdies erfolgt die Kommunikation zwischen den Systemmodulen nicht einheitlich. Durch die Einbindung eines externen Dienstleisters wird diese Komplexität weiter erhöht, was dazu führt, dass die Systemleistung nachlässt.

Anders die serviceorientierte Architektur: Hier sind systemtechnisch nur zwei Veränderungen notwendig, um einen Dienstleister für die Bonitätsprüfung zu integrieren. Der erste Schritt besteht darin, über einen Business-Connector den Service »Bonitätsprüfung« anzubinden, der eine in sich geschlossene Einheit bildet. Zum zweiten wird die Veränderung in der Reihenfolge der Prozessschritte durch die Anpassung der Logik in der Integrationsplattform abgebildet.

Abbildung 2: Integration einer Bonitätsprüfung

 

Keine Schranke für Distributoren

Viele Handelshäuser gehen dazu über, Distributoren in ihre Online-Shops einzubinden. Sie verfolgen damit das Ziel, bestimmte Sortimente nicht mehr selbst auf Lager halten und an den Kunden ausliefern zu müssen. Damit entfallen im Prozess der Händler die Schritte Kommissionierung und Lieferung. Stattdessen muss eine Integration der Verfügbarkeitsprüfung mit den Bestandsdaten der Distributoren stattfinden, damit diese Funktion für die betreffenden Sortimentsbereiche erfüllt werden kann. Nicht angetastet werden von dieser Prozessveränderung die Fakturierung und Zahlungsabwicklung: Diese Schritte verbleiben in den Händen der Händler.

Auch in diesem Fall ermöglicht die SOA eine schnelle und unkomplizierte Adaption an die veränderten Prozesse. Die Services »Kommissionierung« und »Lieferung« entfallen im System des Online-Händlers und werden stattdessen durch die Anbindung der eigenen Services der Distributoren ersetzt; dies wird durch einen Business Connector ermöglicht. Darüber hinaus werden die Datenbanken der Distributoren an die Integrationsplattform angebunden, damit die Händler die notwendige Bestandsprüfung vornehmen können. Die veränderte Logik der Prozessabwicklung und Datenzugriffe wird in der Integrationsplattform angepasst.

 

Abbildung 3: Integration von Distributoren

 

Reihenfolge leicht umkehrbar

Über die Einbindung externer Dienstleister hinaus sind im E-Commerce immer wieder Veränderungen in der Reihenfolge der einzelnen Prozessschritte erforderlich. So kann es sein, dass ein Händler die Verfügbarkeitsprüfung in verschiedenen Sortimentsbereichen durchführen will, bevor der Kunde die Produktsuche und -auswahl startet: Sein Ziel ist es, nur Produkte anzubieten, die tatsächlich auf Lager sind. Zu diesem Zweck müssen die Abläufe innerhalb des Produktsuche- und Bestellvorgangs umgestellt werden. Auch diese Anforderung ist im Rahmen einer servicebasierten Architektur leicht zu implementieren, da sie lediglich zu Veränderungen der Service-Kommunikationslogik in der Integrationsplattform führt.

Wie diese Beispiele zeigen, ermöglicht die SOA die prompte Anpassung von IT-Systemen, die in den alten Strukturen monolithischer IT-Systeme überhaupt nicht möglich wären. Es wird mit Sicherheit immer mehr standardisierte Services geben, aus denen die Händler – ähnlich wie aus Lego-Bausteinen – ihre individuellen Systemwelten zusammenbauen. Darüber hinaus wird es für sie immer wichtiger, die Systeme mehrerer, kooperierender Unternehmen zu integrieren und auch mobile Services anzubinden.

Globale IT-Konzepte gefragt

Doch verlangt die zunehmende Internationalisierung von Einkauf, Produktion und Distribution – Stichwort Global Sourcing – nicht nur nach einer flexiblen servicebasierten Architektur. Um auf den weltweiten Märkten weiterhin schlagkräftig zu sein, müssen die Händler auch ihre Geschäftsprozesse global homogenisieren, flexibilisieren und optimieren. Diese stark wachsende Komplexität lässt viele von ihnen nach Partnern suchen, die in der Lage sind, die entsprechenden IT-Konzepte zu planen und umzusetzen.

T-Systems bietet dazu die neue »House of Retail & Consumer Goods Solution« an. Sie basiert auf der Branchenlösung »SAP for Retail«, ist aber auch für andere Hersteller offen. In die Lösung einbezogen werden alle Treiber des Retail- und CPG-Geschäfts. Dabei entsteht – auf den Prinzipien von SOA – eine neue Warenwirtschafts-Architektur, die eine komplette und aktuelle Sicht auf die Waren-, Finanz-, Daten- und Informationsströme ermöglicht und am POS alle erforderlichen Informationen bereitstellt. Wie aktuelle Kundenbeispiele zeigen, verbessert das ICT-basierte Konzept von T-Systems die Wertschöpfungskette und führt zu erheblichen Kostensenkungen.

Henryk Biesiada, Univ.-Professor Dr. Joachim Zentes

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Dipl.-Inform. Henryk Biesiada, Executive Top IT-Architect, Retail & Consumer Goods, T-Systems Enterprise Services GmbH


 

Univ.-Professor Dr. Joachim Zentes, Direktor des Instituts für Handel & Internationales Marketing der Universität des Saarlandes


 

 

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[1] S.A.R.L. Martin / TU Darmstadt / IT Research: SOA Check 2009, April 2009.

 

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